Ma­ma mit MS Wie Ju­lia Hu­bin­ger ih­ren All­tag mit der Schock- Dia­gno­se meis­tert

Wie Ju­lia Hu­bin­ger trotz der Scho­ckDia­gno­se mul­ti­ple Sk­le­ro­se (MS) ih­ren All­tag meis­tert

Closer - - Contents -

Meis­tens fühlt es sich an, als lie­fen Mil­lio­nen Amei­sen über Ju­li­as Arm. Dann ist ihr Bein ganz schwer, wie ein ­Ge­wicht, das sie hin­ter sich her­zie­hen muss. Ju­lia hat die Ner­ven­krank­heit ­mul­ti­ple Sk­le­ro­se (MS). Doch lei­den will sie dar­un­ter nicht, son­dern ihr Le­ben um­so mehr ge­nie­ßen.

Rück­blick: Schon lan­ge ahnt Ju­lia, dass et­was nicht stimmt. Im­mer mal wie­der krib­belt es in ih­rem rech­ten Dau­men so ko­misch, die Haut fühlt sich taub an. Die Dia­gno­se be­kommt sie im Mai 2010. „Das ein­zi­ge Bild, das ich vor Au­gen hat­te, war, dass Men­schen mit mul­ti­pler Sk­le­ro­se im Roll­stuhl sit­zen.“Es fol­gen Kli­nik­auf­ent­hal­te, Tests und vie­le Me­di­ka­men­te. „Ich fiel in ein tie­fes Loch“, sagt sie zu CLO­SER. Doch ihr wird auch klar, dass es sie noch schlim­mer hät­te tref­fen kön­nen. „Es gibt so vie­le Ner­ven­er­kran­kun­gen, die noch un­er­forscht sind – bei MS gibt es im­mer­hin die Chan­ce, dass das Rät­sel ir­gend­wann ent­schlüs­selt wird, dass doch ei­ne Hei­lungs­mög­lich­keit ­ge­fun­den wird.“Au­ßer­dem hal­ten sich Ju­li­as Sym­pto­me bis­lang in Gren­zen. Die Ärz­te emp­feh­len ihr ei­ne dau­er­haf­te me­di­ka­men­tö­se Be­hand­lung. Doch vor­her soll die jun­ge Frau über ih­ren Ba­by­wunsch ent­schei­den. „Wir hat­ten schon mal dar­über nach­ge­dacht, ein Kind zu be­kom­men. Aber erst in fer­ner Zu­kunft, ir­gend­wann ein­mal (…). Dann sa­ßen wir plötz­lich vor dem Neu­ro­lo­gen, der uns frag­te, ob wir ein Kind be­kom­men möch­ten. Wir ­be­ka­men gan­ze zwei Mo­na­te Zeit, um schwan­ger zu wer­den“, er­in­nert sich Ju­lia. Nur we­nig spä­ter steht ihr Le­ben kopf, denn es klappt so­fort.

Im­mer mal wie­der kämpft sie mit der Sor­ge, wie das wer­den soll – ei­ne kran­ke Mut­ter mit Ba­by –, doch die schiebt sie bei­sei­te. Es soll die bes­te Ent­schei­dung ih­res Le­bens sein. Em­ma kommt im März 2011 zur Welt, im De­zem­ber 2012 wird die klei­ne Fa­mi­lie mit ­An­na zum Quar­tett und En­de 2016 schlüpft Nest­häk­chen Ben. Ju­lia ist glück­lich, auch wenn nicht al­les ein­fach ist. Sie muss sich mehr Ru­he­pha­sen gön­nen als ge­sun­de Müt­ter. Stress könn­te im­mer

­ei­nen neu­en Krank­heits­schub aus­lö­sen und ih­re bis­lang klei­nen Be­schwer­den ver­schlim­mern. „Wir ha­ben ge­lernt, auf uns zu hö­ren, ach­ten mehr auf die Si­gna­le un­se­res Kör­pers“, sagt sie. „Wenn der Klei­ne schläft, dann put­ze ich in der Zeit nicht das gan­ze Haus, son­dern le­ge mich auch hin.“Auch am Wo­che­n­en­de neh­men sich Ju­lia und ihr Mann we­nig vor. „Wir ver­zich­ten auf Aus­flü­ge – zum Glück ha­ben wir nicht das Ge­fühl, ­et­was zu ver­pas­sen.“

Wenn Ju­lia mal ei­nen schlech­ten Tag hat, das Bein be­son­ders schwer oder das Krib­beln ex­trem ist, ver­sucht sie, das zu ver­drän­gen. „Wenn ich im­mer dar­über nach­den­ken wür­de, krie­ge ich schlech­te Lau­ne“, so Ju­lia. Auch von dem Ge­dan­ken, dass ihr Zu­stand sich ver­schlech­tern könn­te, will sie sich nicht ­be­ein­träch­ti­gen las­sen. „Angst ist kein gu­ter Be­glei­ter“, sagt sie. Die Kin­der las­sen ihr ­oh­ne­hin we­nig Zeit, dar­über zu grü­beln. Mit ih­nen spricht Ju­lia of­fen über ih­re Krank­heit. „Der Be­rufs­wunsch mei­ner äl­tes­ten Toch­ter ist üb­ri­gens Ärz­tin“, sagt sie. „Ihr Plan ist es, ein Me­di­ka­ment zu fin­den, ‚dass das Krib­beln der Ma­ma weg­macht‘. Das macht mich un­glaub­lich glück­lich und stolz.“

Nest­häk­chen Ben mach­te die Fa­mi­lie im letz­ten Jahr kom­plett.

Ju­lia ge­nießt ihr Ma­maSein mit Leib und See­le. Ne­ben­bei schreibt Ju­lia den sehr er­folg­rei­chen Blog ma­ma­schul­ze.de, auf dem sie aus ih­rem All­tag be­rich­tet.

BUCH-TI PP „ Al­les wie im­mer, nichts wie sonst“von Ju­lia Hu­bin­ger, Eden Books, 224Sei­ten, 14,95Eu­ro

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.