Vom Früh­chen zur Po­wer­frau

Dass La­ra Joy über­leb­te, ist ein me­di­zi­ni­sches Wun­der

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Sie strahlt in die ­Ka­me­ra, spricht selbst­be­wusst über ih­re Zu­kunft. La­ra Joy Hen­se­ler (20) weiß ge­nau, was sie will: ein frei­wil­li­ges so­zia­les Jahr ab­sol­vie­ren. Die Ham­bur­ge­rin will de­nen hel­fen, de­ren Kampf nicht so gut aus­ge­gan­gen ist wie ih­rer. Denn was ­nie­mand sieht, wenn er La­ra Joy an­schaut: Die­se Frau ist ein me­di­zi­ni­sches Wun­der.

Rück­blick: La­ra Joys Mut­ter Su­san (heu­te 38) be­kam an je­nem Mai­tag 1996 Blu­tun­gen, als sie ge­ra­de ein­mal im fünf­ten Schwan­ger­schafts­mo­nat war. Stun­den­lang irr­te der Kran­ken­wa­gen mit der jun­gen Frau durch die Stadt, weil sich kei­ne Kli­nik ei­ne so ex­tre­me Früh­ge­burt zu­trau­te. Schließ­lich kam sie nach Ham­burg-Al­to­na. „Hil­fe, ich glau­be, ich ster­be“, schrie Su­san, als sie dort in den OP ge­scho­ben wur­de.

Es pas­siert, woran kaum ei­ner ge­glaubt hat­te. Die Mut­ter über­lebt und Ba­by La­ra eben­so. Doch die ­Zu­kunft des Ex­trem-Früh­chens ist un­ge­wiss. Sie ist nur 28 Zen­ti­me­ter klein, 480 Gramm leicht, blind und taub, noch nicht in der La­ge, selbst zu ­at­men. „Da lag mein Würm­chen“, er­in­nert sich Su­san heu­te. „Ich war ge­schockt: Die vie­len Schläu­che und Ge­rä­te.“

Die Ri­si­ken sind groß. So früh ge­bo­re­ne Kin­der er­lei­den häu­fig nach der Ge­burt ei­nen Atem­still­stand. Und da die Blut­ge­fä­ße noch sehr emp­find­lich sind und schnell rei­ßen kön­nen, ist auch die Hirn­blu­tung weit­ver­brei­tet. Auch La­ra Joy kämpft ge­gen den Tod. Al­lein sechs Mal müs­sen die Ärz­te die Klei­ne am Her­zen ope­rie­ren. Nie­mand kann sa­gen, wel­che Fol­ge­schä­den die Ein­grif­fe mit sich brin­gen. Ein Jahr lang bleibt La­ra Joy in der Kli­nik.

Auch spä­ter sind ge­sund­heit­li­che Rück­schlä­ge All­tag. Doch sie bleibt tap­fer. In Sprach­heil­schu­len, ­The­ra­pie­ein­rich­tun­gen und Spe­zi­al­kran­ken­häu­sern kämpft das Mäd­chen dar­um, die Rück­stän­de auf­zu­ho­len. Und sie schafft es. Mit Bra­vour.

Auch bei ih­rer Mut­ter be­wirkt La­ra Joy ei­ne Le­bens­wen­de. We­gen ih­rer tap­fe­ren klei­nen Maus brach­te sie ihr Le­ben in Ord­nung. Als Ju­gend­li­che hat­te Su­san die Schu­le ab­ge­bro­chen, lief von zu Hau­se weg. Sie ge­riet auf die schie­fe Bahn und be­kam ihr ers­tes Kind: ei­nen Sohn – mit ge­ra­de ein­mal 17 Jah­ren!

We­nig spä­ter kam La­ra Joy. Su­san trenn­te sich vom „Er­zeu­ger der Kin­der“, wie sie ihn jetzt nennt. „Er war nicht gut für mich“, sagt sie.

Sie pen­del­te zwi­schen der Ki­ta, wo der Jun­ge un­ter­kam, der Kli­nik, wo La­ra Joy lag, und ih­rem Job in ei­ner Bä­cke­rei.

Heu­te er­in­nert bei Su­san nichts mehr an die­se schwie­ri­ge Ver­gan­gen­heit. Sie steht mit bei­den Bei­nen im Le­ben und ist La­ra Joy für den An­stoß zum Wan­del sehr dank­bar. Als et­wa nach En­de der zehn­ten Klas­se in der Schul­au­la ver­kün­det wur­de, dass ih­re Toch­ter Jahr­gangs­bes­te sei, platz­te die Mut­ter fast vor Stolz.

In­zwi­schen hat La­ra Joy ihr Abitur ge­macht und hat sich zu ei­ner ernst­haf­ten jun­gen Frau ent­wi­ckelt, die von sich selbst sagt: „ Ich weiß, was ich will. Ich ha­be mei­ne Zie­le im Le­ben und ar­bei­te be­wusst dar­auf hin. Mein Mot­to ist: Wer nicht auf­gibt, kann al­les schaf­fen.“

the­ra­pie auf dem Pferd Dem zä­hen Mäd­chen half das Reiten da­bei, ins Le­ben zu fin­den.

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