CIOs müs­sen sich neu po­si­tio­nie­ren

Der Re­port „Sta­te of the CIO 2016“zeigt, wie un­ter­schied­lich IT-Chefs ih­re Rol­len in­ter­pre­tie­ren.

Computerwoche - - Vorderseite - Von Hein­rich Vas­ke, Chef­re­dak­teur

CIOs, die ak­tiv an der Ent­wick­lung der Ge­schäfts­stra­te­gie be­tei­ligt sind und das Un­ter­neh­mens­wachs­tum un­ter­stüt­zen, ge­nie­ßen mehr Re­spekt, ver­die­nen mehr Geld und be­kom­men die Bud­gets und Mit­ar­bei­ter, die sie brau­chen. Das zeigt der neue Re­port „Sta­te of the CIO 2016“.

Wie ei­ne von der ame­ri­ka­ni­schen CWSchwes­ter­pu­bli­ka­ti­on „CIO“in­iti­ier­te Be­fra­gung von 571 CIOs zeigt, be­kun­den 84 Pro­zent, ih­re Rol­le im Un­ter­neh­men sei zu­letzt auf­ge­wer­tet ge­wor­den. Das gilt vor al­lem für je­ne IT-Chefs, die stark in stra­te­gi­sche Fra­ge­stel­lun­gen ein­ge­bun­den sind und die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on im Kon­zern vor­an­trei­ben. Gut ein Vier­tel der Be­frag­ten sind sol­che „Bu­si­ness-Stra­te­gen“(27 Pro­zent). Sie sind ge­frag­ter und auch zu­frie­de­ner als die so­ge- nann­ten funk­tio­na­len IT-Lei­ter (eben­falls 27 Pro­zent), die ih­re Rol­le im klas­si­schen Sin­ne ei­nes ge­ord­ne­ten IT-Be­triebs in­ter­pre­tie­ren. Und sie ver­die­nen mehr Geld.

Zwi­schen die­sen Stüh­len sitzt die gro­ße, al­ler­dings schrump­fen­de Grup­pe der mit Trans­for­ma­ti­on be­fass­ten IT-Chefs (46 Pro­zent). Sie sor­gen für die Im­ple­men­tie­rung neu­er Sys­te­me und Ar­chi­tek­tu­ren so­wie für das Ali­gn­ment von Bu­si­ness- und IT-Zie­len, oh­ne al­ler­dings stra­te­gisch mit­zu­re­den. Wie die Um­fra­ge zeigt, ist die Po­si­ti­on der CIOs ins­ge­samt bes­ser als die De­bat­ten rund um die ver­meint­lich not­wen­di­ge Rol­le ei­nes Chief Di­gi­tal Of­fi­cer (DCO) ver­mu­ten las­sen. 2015 be­rich­te­ten 46 Pro­zent der CIOs di­rekt an den CEO. Im Durch­schnitt

sind sie seit 6,5 Jah­ren in ih­rer Po­si­ti­on; in der Vor­jah­res­be­fra­gung war die Be­schäf­ti­gungs­dau­er noch um sie­ben Mo­na­te kür­zer aus­ge­fal­len. Die Be­trei­ber der Um­fra­ge ver­mu­ten, dass die gu­ten Wirt­schafts­be­din­gun­gen zu ei­ner län­ge­ren Bin­dung der CIOs an ih­re Ar­beit­ge­ber bei­ge­tra­gen ha­ben. Auf­fäl­lig sei aber, dass in gro­ßen Kon­zer­nen die Amts­dau­er mit fünf Jah­ren im Mit­tel kür­zer sei als in klei­ne­ren Be­trie­ben, wo sie bei sie­ben Jah­ren lie­ge.

Statt­li­che Ein­künf­te für CIOs

Das durch­schnitt­li­che Ein­kom­men ei­nes CIO soll 2016 bei 277.700 Dol­lar lie­gen. IT-Chefs in gro­ßen Kon­zer­nen mit über 1000 Mit­ar­bei­tern brin­gen es so­gar auf 401.500 Dol­lar, klei­ne­re Be­trie­be mit we­ni­ger als 1000 Be­schäf­tig­ten ver­die­nen 189.420 Dol­lar. Wich­tig ist es, an die­ser Stel­le zu er­wäh­nen, dass 73 Pro­zent der Be­frag­ten aus Nord­ame­ri­ka stam­men, 13 Pro­zent aus der Re­gi­on Asi­en-Pa­zi­fik, neun Pro­zent aus dem EMEA-Raum und drei Pro­zent aus Zen­tral- und Süd­ame­ri­ka. Je nach Land dürf­ten die Ein­künf­te un­ter­schied­lich aus­fal­len. Auch wir­ken sich Fak­to­ren wie Ge­schlecht (89 Pro­zent sind männ­lich) und Bran­che auf die Sta­tis­tik aus. Der Um­fra­ge zu­fol­ge be­rich­ten die CIOs, die sich als Bu­si­ness-Stra­te­gen be­zeich­nen, häu­fi­ger an den CEO als ih­re Kol­le­gen und ver­die­nen rund 167.000 Dol­lar jähr­lich mehr als die funk­tio­na­len IT-Lei­ter und 127.000 Dol­lar mehr als die auf Trans­for­ma­ti­ons­the­men kon­zen­trier­ten Kol­le­gen.

In der Fra­ge, wel­che Bu­si­ness-Zie­le pri­mär durch IT-In­ves­ti­tio­nen un­ter­stützt wer­den soll­ten, sind sich die drei CIO-Arche­ty­pen im Grund­satz ei­nig. Es geht dar­um, die be­trieb­li­che Ef­fi­zi­enz zu er­hö­hen, die Kun­den­er­fah­rung zu ver­bes­sern und be­ste­hen­de Ge­schäfts­pro­zes­se zu trans­for­mie­ren. Stra­te­gisch ori­en­tier­te CIOs ge­wich­ten die­se Zie­le al­ler­dings an­ders als ih­re trans­for­ma­tio­nal oder funk­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Pen­dants (sie­he Gra­fik). Auf den Plät­zen fol­gen Aspek­te wie Schutz vor Cy­berAn­grif­fen, das Op­ti­mie­ren be­reits be­ste­hen­der Ge­schäfts­pro­zes­se, die Ver­bes­se­rung der Un­ter­neh­mensa­gi­li­tät oder der Mit­ar­bei­ter­pro­duk­ti­vi­tät. Et­wa zwölf Pro­zent der Bud­gets ent­fal­len im Durch­schnitt auf IT-Si­cher­heit. Dort, wo die IT ei­nen stra­te­gisch ho­hen Stel­len­wert hat, fällt die­ses Bud­get weit hö­her aus als in Be­trie­ben, in de­nen die IT als Ser­vice­Pro­vi­der oder Cost-Cen­ter ge­se­hen wird.

Fach­be­rei­che ent­schei­den mit

Hat­ten die CIOs 2014 vor­her­ge­sagt, in drei Jah­ren wer­de die IT die Tech­no­lo­gie­aus­ga­ben im ei­ge­nen Kon­zern noch zu min­des­tens zwei Drit­teln kon­trol­lie­ren, so müs­sen sie heu­te, zwei Jah­re spä­ter, ein­räu­men, dass sie falsch ge­le­gen ha­ben: Sie ha­ben nur noch 57 Pro­zent der IT-Aus­ga­ben un­ter Kon­trol­le, der Rest ist in die Fach­ab­tei­lun­gen ab­ge­wan­dert. Trotz­dem herrscht Zu­ver­sicht, dass nun ein Le­vel er­reicht wor­den ist, der ge­hal­ten wer­den kann.

In ei­nem Drit­tel der be­frag­ten Un­ter­neh­men hat das Mar­ke­ting ein ei­ge­nes IT-Bud­get. Den­noch sind die CIOs auch hier meis­tens in die Kauf­ent­schei­dun­gen ein­ge­bun­den. Das gilt vor al­lem in Fir­men, in de­nen die IT als stra­te­gi­scher Bu­si­ness-Part­ner ge­se­hen wird: Dort prü­fen die CIOs die ge­wähl­te Lö­sung (71 Pro­zent) und su­chen in 64 Pro­zent der Fäl­le auch den An­bie­ter aus. Grund­sätz­lich wird die Zu­sam­men­ar­beit mit den Mar­ke­ting-Kol­le­gen hier bes­ser be­wer­tet als in Un­ter­neh­men, in de­nen die IT als Ser­vice-Pro­vi­der oder Cost-Cen­ter agiert.

Mehr Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ex­ter­nen Kun­den

Auch das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten der CIOs wur­de un­ter­sucht. Gut zwei Drit­tel der IT-Ver­ant­wort­li­chen (68 Pro­zent) kom­mu­ni­zie­ren über ih­re Di­rect Re­ports oder per­sön­lich täg­lich oder we­nigs­tens wö­chent­lich mit ih­ren in­ter­nen Kun­den. Im­mer­hin 54 Pro­zent der Be­frag­ten er­war­ten, künf­tig in­ten­si­ver mit ex­ter­nen Kun­den zu kom­mu­ni­zie­ren – selbst­re­dend sind auch hier die stra­te­gisch ori­en­tier­ten IT-Chefs vor­ne dran.

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