Win­dows-10-Mi­gra­ti­on for­dert IT-Ma­na­ger her­aus

Computerwoche - - Technik - Von Wolf­gang Herr­mann, Chef­re­dak­teur TecChan­nel

Vie­le Un­ter­neh­men se­hen die Vor­tei­le von Win­dows 10 und be­schäf­ti­gen sich mit ei­ner Mi­gra­ti­on. Doch kniff­li­ge Da­ten­schutz­ein­stel­lun­gen, die In­te­gra­ti­on mit der Cloud und das neue Win­dow­sas-a-Ser­vice-Mo­dell ma­chen die Vor­be­rei­tun­gen zu ei­nem kom­ple­xen Un­ter­fan­gen, be­rich­tet Jo­chen Rapp, So­lu­ti­on Ma­na­ger bei Com­put­a­cen­ter, im COMPUTERWOCHE-In­ter­view.

CW: Un­ter Pri­vat­an­wen­dern ver­brei­tet sich Win­dows 10 bis­lang schnel­ler als al­le an­de­ren Win­dows-Ver­sio­nen zu­vor. Wie wird die Platt­form von deut­schen Un­ter­neh­men an­ge­nom­men?

RAPP: Auch in Un­ter­neh­men wird Win­dows 10 sehr gut an­ge­nom­men, die Nach­fra­ge ist so­gar noch grö­ßer als bei Win­dows 7. Wo­bei man je­doch noch nicht von ei­ner wirk­li­chen Ver­brei­tung spre­chen kann, denn pri­mär lau­fen in den Un­ter­neh­men noch die Vor­be­rei­tun­gen auf Win­dows-10-Mi­gra­tio­nen. Da­zu ge­hö­ren Proofs-of-Con­cept, Ana­ly­sen für rol­len­ba­sier­te IT-Aus­stat­tun­gen, Backend-An­pas­sun­gen und Vor­be­rei­tun­gen so­wie Win­dows-10-Pi­lot­um­ge­bun­gen mit ers­ten Be­nut­zer­grup­pen, die Win­dows 10 im klei­nen Rah­men aus­pro­bie­ren. Die ei­gent­li­chen groß­flä­chi­gen Roll­outs er­war­ten wir ab An­fang 2016.

CW: Was sind aus Ih­rer Pro­jekt­er­fah­rung die aus­schlag­ge­ben­den Grün­de für ei­ne Mi­gra­ti­on auf Win­dows 10 im pro­fes­sio­nel­len Um­feld?

RAPP: Un­se­re Kun­den se­hen ei­ni­ge span­nen­de Mehr­wer­te bei Win­dows 10. Da­zu ge­hört, dass es ei­ne ein­heit­li­che Platt­form für Ent­wick­lung, Nut­zung und Ma­nage­ment über al­le Ge­rä­te und Ap­pli­ka­tio­nen hin­weg bie­tet. Wei­te­re Vor­tei­le sind die Un­ter­stüt­zung von mo­der­nen Touch-Ge­rä­ten, ei­ne deut­lich hö­he­re Si­cher­heit im Ver­gleich zu den Vor­gän­ger­ver­sio­nen und die ver­ein­fach­ten Mög­lich­kei­ten für die au­to­ma­ti­sier­te In­stal­la­ti­on. Aber auch die Sup­port-Ver­län­ge­rung ge­gen­über Win­dows 7 und Win­dows 8 kommt bei den Kun­den gut an.

„Da­ten­schutz ist ein Kri­tik­punkt“

CW: Was spricht aus Sicht der Un­ter­neh­men ge­gen ei­nen Um­stieg?

RAPP: Das The­ma Da­ten­schutz ist ein Kri­tik­punkt. Es wird oft be­män­gelt, dass Win­dows 10 im Hin­ter­grund Da­ten an Mi­cro­soft sen­det. Zwar kön­nen Kun­den der En­ter­pri­se Edi­ti­on die­ses Ver­hal­ten von Win­dows 10 ab­schal­ten, die Kon­fi­gu­ra­ti­on muss da­für aber mit Blick auf die Richt­li­ni­en der Kun­den ge­nau ana­ly­siert und ein­ge­stellt wer­den, um ei­ne un­ge­wünsch­te Da­ten­wei­ter­ga­be zu ver­hin­dern. Zu­dem birgt das um­fang­rei­che Pa­ket aus neu­en Funk­tio­nen so­wie die In­te­gra­ti­on mit Cloud und Backend bei der Mi­gra­ti­on viel Kom­ple­xi­tät.

Und nicht zu­letzt bringt auch das neue Win­dows-as-a-Ser­vice für Un­ter­neh­men zahl­rei­che Her­aus­for­de­run­gen mit sich: Exis­tie­ren­de Pro­zes­se sind ja in der Re­gel noch nicht auf re­gel­mä­ßi­ge klei­ne Up­dates al­le paar Wo­chen oder Mo­na­te aus­ge­rich­tet, son­dern eher auf die bis­her üb­li­chen gro­ßen Up­dates, die oft im Ab­stand von ei­ni­gen Jah­ren statt­fan­den

CW: Wor­auf soll­ten Un­ter­neh­men be­son­ders ach­ten, wenn sie ein Up­grade er­wä­gen?

RAPP: Sie soll­ten si­cher­stel­len, dass ihr Backend auf dem ak­tu­el­len Stand ist und Win­dows 10 un­ter­stützt. Win­dows Ser­ver und Sys­tem Cen­ter Con­fi­gu­ra­ti­on Ma­na­ger (SCCM) müs­sen in ei­ner be­stimm­ten Min­dest­ver­si­on in­stal­liert sein. Zu­dem müs­sen vor­han­de­ne In­tra­net-An­wen­dun­gen eben­so wie auch al­le nor­ma­len Win­dows-An­wen­dun­gen auf die Kom­pa­ti­bi­li­tät zu In­ter­net Ex­plo­rer 11 über­prüft wer­den – ins­be­son­de­re wenn Un­ter­neh­men äl­te­re Sys­te­me als Win­dows 7 ein­set­zen.

CW: Wel­che Kom­pa­ti­bi­li­täts­pro­ble­me hin­sicht­lich An­wen­dun­gen und Hard­ware sind bis­lang in der Pra­xis auf­ge­tre­ten?

RAPP: Al­les, was un­ter Win­dows 7 läuft, läuft in der Re­gel auch un­ter Win­dows 10. Even­tu­ell müs­sen Vi­ren­scan­ner, Fi­re­wall und VPN up­ge­da­tet wer­den, das ist aber sehr sel­ten. Die Kom­pa­ti­bi­li­tät ist so­gar noch bes­ser als bei Win­dows 8.x.

CW: Wel­che Roll­out-Me­tho­den für Win­dows 10 be­vor­zu­gen Un­ter­neh­men nach Ih­rer Er­fah­rung (zum Bei­spiel Wi­pe and Load, In-Place-Up­date, Run­ti­me-Pro­vi­sio­ning)?

RAPP: Ak­tu­ell ist es noch zu früh, da­zu et­was zu sa­gen, da die Un­ter­neh­men noch in der Pla­nungs­pha­se sind und sich das Pro­vi­sio­ning noch in der Ent­wick­lung be­fin­det. Bis­he­ri­ge Er­fah­run­gen deu­ten aber zu­min­dest an, dass für Win­dows-8.x-Kun­den In-Place-Up­dates ge­nutzt wer­den, für Win­dows 7 hin­ge­gen eher Wi­pe and Load. Ei­ner der Grün­de ist das Al­ter der Win­dows-7-Images. Die­se müss­ten im Zu­ge des Up­dates von Grund auf er­neu­ert und ge­ge­be­nen­falls auf neue Tech­no­lo­gi­en (Wech­sel von 32 auf 64 Bit, Ein­füh­rung von Se­cu­re Boot) um­ge­stellt wer­den, was ein In-Pla­ceUp­date ver­hin­dern wür­de.

CW: Nut­zen pro­fes­sio­nel­le An­wen­der die von Mi­cro­soft an­ge­bo­te­nen neu­en Up­dateOp­tio­nen wie Cur­rent Branch for Bu­si­ness oder Long Term Ser­vicing Branch?

RAPP: Auch hier be­fin­den sich Un­ter­neh­men noch in der Pla­nungs­pha­se. Aber grund­sätz­lich wer­den sich die Kun­den für die­se Va­ri­an­ten ent­schei­den müs­sen. Denn die drit­te der mög­li­chen Op­tio­nen, „Cur­rent Branch“, ist eher für Pri­vat­kun­den ge­dacht und wird für un­se­re Groß­kun­den schwer um­setz­bar sein.

„Das The­ma Cloud be­trach­ten ei­ni­ge Kun­den als Chan­ce, an­de­re eher als Ri­si­ko“ CW: Mi­cro­soft wirbt ja nicht nur für ein neu­es Be­triebs­sys­tem, son­dern ver­sucht den Kun­den auch ei­ne neue Stra­te­gie (Mo­bi­le first, Cloud first) schmack­haft zu ma­chen. Wie kommt das an bei den Un­ter­neh­men?

RAPP: Das The­ma „Mo­bi­le first“kommt bei un­se­ren Kun­den sehr gut an. Es wird all­ge­mein als Fort­schritt an­ge­se­hen, da Mög­lich­kei­ten wie Uni­fied-De­vice-Ma­nage­ment jetzt gut rea­li­sier­bar sind und die Ad­mi­nis­tra­ti­on zwi­schen mo­bi­len und sta­tio­nä­ren Sys­te­men deut­lich ver­ein­facht wird.

Das The­ma Cloud be­trach­ten ei­ni­ge Kun­den als Chan­ce, an­de­re eher als Ri­si­ko. Das hängt na­tür­lich von der grund­sätz­li­chen Fra­ge­stel­lung ab, wie und in wel­chem Um­fang Un­ter­neh­men Pu­b­lic-Cloud-Ser­vices nut­zen möch­ten. Win­dows 10 lässt bei­des zu, in der Ver­bin­dung mit Cloud-Di­ens­ten bie­tet es al­ler­dings ei­ne deut­lich grö­ße­re Funk­tio­na­li­tät.

„Groß­flä­chi­ge Roll­outs von Win­dows 10 er­war­ten wir ab

An­fang 2016.“Jo­chen Rapp, Com­put­a­cen­ter

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