Krea­ti­ve Cloud-Sta­tis­ti­ken

Ana­lys­ten be­zwei­feln, dass die gro­ßen IT-An­bie­ter ih­re Cloud-Zah­len kor­rekt aus­wei­sen.

Computerwoche - - Vorderseite - Mehr zu den ak­tu­el­len Quar­tal­s­und Cloud-Zah­len der gro­ßen An­bie­ter fin­den Sie auf der Web­site der COMPUTERWOCHE: IBM: www.co­wo.de/a/3222083 Mi­cro­soft: www.co­wo.de/a/3222586 SAP: www.co­wo.de/a/3222249 Ama­zon: www.co­wo.de/a/3222591

Sa­gen­haf­te 9,4 Mil­li­ar­den Dol­lar Um­satz will IBM in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten im Cloud-Ge­schäft er­zielt ha­ben, Mi­cro­soft be­rich­tet von mehr als 8,2 Mil­li­ar­den Dol­lar. Kön­nen die­se Zah­len stim­men? Die­ser Fra­ge ge­hen die Ana­lys­ten Da­vid Mit­chell Smith und Ed An­der­son in ei­nem ak­tu­el­len Gart­nerRe­port nach. Ei­ne Ant­wort lau­tet: Die Her­stel­ler­an­ga­ben zu den er­ziel­ten Cloud-Um­sät­zen un­ter­schei­den sich in vie­ler­lei Hin­sicht. Wer ver­su­che, Licht ins Dun­kel zu brin­gen, ver­glei­che in der Re­gel Äp­fel mit Bir­nen.

„Schon seit Län­ge­rem ge­hen ei­ni­ge An­bie­ter mit ir­re­füh­ren­den Cloud-Um­satz­zah­len hau­sie­ren“, er­läu­tern die Au­gu­ren. „Sie nut­zen Cloud­be­zo­ge­ne Wachs­tums­ra­ten als Mar­ke­ting-Tool, um ihr Pro­fil in den hart um­kämpf­ten Clou­dWachs­tums­märk­ten zu schär­fen.“Häu­fig woll­ten die Kon­zer­ne da­mit vor al­lem ih­re Bör­sen­be­wer­tun­gen be­ein­flus­sen.

Neun Mil­li­ar­den Dol­lar Cloud-Um­satz: Zu schön, um wahr zu sein?

Be­son­ders un­durch­sich­tig er­schei­nen den Ana­lys­ten die ein­schlä­gi­gen IBM-Zah­len. Erst kürz­lich re­kla­mier­te Big Blue 9,4 Mil­li­ar­den Dol­lar Cloud-Um­satz in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten für sich. Zu­gleich sprach das Ma­nage­ment von jähr­li­chen Ein­nah­men in Hö­he von 4,5 Mil­li­ar­den Dol­lar mit so­ge­nann­ten As-aSer­vice-Pro­duk­ten. Wo liegt der Un­ter­schied? Da­zu las­sen sich im Zah­len­werk kei­ne ein­deu­ti­gen An­ga­ben fin­den. Be­stand­teil letz­te­rer Ka­te­go­rie sind laut IBM et­wa In­fra­struk­tur-, Soft­ware-, Plat­form-, Bu­si­ness-Pro­cess-, Da­taund Ana­ly­tics-as-a-Ser­vice-Um­sät­ze. Da­ne­ben hebt der Kon­zern aber auch noch an­de­re Leis­tun­gen her­vor, dar­un­ter das Im­ple­men­tie­ren von Pu­b­lic-, Pri­va­te- und Hy­brid-Um­ge­bun­gen beim Kun­den.

Wenn sich beim The­ma Cloud Com­pu­ting am En­de doch al­les um Ser­vices dre­he, stel­le sich nun die Fra­ge: „Wel­cher Cloud-Um­satz der IBM fällt nicht in die Ka­te­go­rie As a Ser­vice?“, sti­cheln die Gart­ner-Ex­per­ten. Mög­lich­kei­ten ge­be es vie­le, dar­un­ter et­wa klas­si­sche Pro­fes­sio­nal Ser­vices, Pri­va­te Cloud, En­ab­ling-Tech­nik, Hos­ting oder schlicht Out­sour­cing.

In­ter­es­sant fin­den Smith und An­der­son die Mit­tei­lung der IBM-Spit­ze, der Cloud-Um­satz sei im Jah­res­ver­gleich um 70 Pro­zent ge­wach­sen. Denn da­mit wird auch deut­lich, wie schlecht an­de­re Seg­men­te im Ver­gleich da­ste­hen. Der Um­satz in den tra­di­tio­nel­len IBM-Ge­schäfts­be­rei­chen ist näm­lich im glei­chen Zei­t­raum um ein Pro­zent ge­sun­ken. Da­zu ge­hö­ren et­wa Glo­bal Tech­no­lo­gy Ser­vices, Glo­bal Bu­si­ness Ser­vices, Soft­ware, Sys­tems Hard­ware und Glo­bal Fi­nan­cing.

Mi­cro­soft Of­fice 365: Rei­nes Cloud-Ge­schäft?

Auch Mi­cro­softs Cloud-Zah­len se­hen die Ana­lys­ten kri­tisch. Zu sei­nem „Com­mer­ci­al-Cloud“-

Ge­schäft zählt der Kon­zern vor al­lem Of­fice 365, Azu­re und Dy­na­mics CRM. Im „Up­date“für das ers­te Quar­tal des Ge­schäfts­jah­res 2016 (En­de: 30. Sep­tem­ber 2015) be­rich­te­te Mi­cro­soft von hoch­ge­rech­ne­ten jähr­li­chen Clou­dUm­sät­zen (run ra­te) von mehr als 8,2 Mil­li­ar­den Dol­lar.

Gart­ner gibt zu be­den­ken, dass in den Of­fice365-Um­sät­zen na­tür­lich auch Ein­nah­men mit klas­si­schen Desk­top- oder auch Sui­ten für an­de­re De­vices ent­hal­ten sein könn­ten, die mit ei­ner Cloud-Nut­zung gar nichts zu tun hät­ten. Mi­cro­soft bricht die Zah­len öf­fent­lich nicht wei­ter her­un­ter.

Ora­cle: Hard­ware-Lea­sing als Cloud-Um­satz?

Be­son­ders krea­tiv beim Aus­wei­sen von Clou­dUm­sät­zen ist of­fen­bar der Da­ten­bank­rie­se Ora­cle. Glaubt man dem Gart­ner-Be­richt, hat die Ell­ison-Com­pa­ny ei­nen Weg ge­fun­den, so­gar Hard­ware-Lea­sing-Ge­schäf­te als Clou­dUm­sät­ze zu de­kla­rie­ren.

Im Fi­nan­ci­al Re­port für das zwei­te Ge­schäfts­quar­tal 2016 nennt Ora­cle ei­nen hoch­ge­rech­ne­ten Jah­res­um­satz mit SaaS- und PaaS-Pro­duk- ten in Hö­he von 2,6 Mil­li­ar­den Dol­lar. Auf Quar­tals­ba­sis sei der ge­sam­te Cloud-Um­satz im Jah­res­ver­gleich um 26 Pro­zent auf 649 Mil­lio­nen Dol­lar ge­wach­sen. Da­rin ent­hal­ten sei­en 165 Mil­lio­nen Dol­lar für IaaS und 484 Mil­lio­nen Dol­lar für SaaS und PaaS.

Den Be­griff IaaS be­nut­ze der Kon­zern al­ler­dings in vie­len un­ter­schied­li­chen Au­s­prä­gun­gen, mo­nie­ren die Ana­lys­ten: „Bei ei­ni­gen Di­ens­ten han­delt es sich tat­säch­lich um IaaS, an­de­re las­sen sich bes­ser mit Ma­na­ged Hos­ting be­schrei­ben; in ei­ni­gen Fäl­len geht es schlicht um das On-Pre­mi­se-Lea­sing von Hard­ware.“

Auch klas­si­sche „Sub­scrip­ti­on“-Um­sät­ze ver­wen­de Ora­cle ger­ne mal als Syn­onym für Cloud-Ein­nah­men. Dar­über hin­aus be­rich­ten die Gart­ner-Ana­lys­ten von De­als, in de­nen War­tungs- und an­de­re Di­ens­te kur­zer­hand als Cloud-Um­sät­ze de­kla­riert wor­den sei­en. Of­fi­zi­ell ste­hen auch bei Ora­cle al­le Zei­chen auf Cloud. Für das zwei­te Ge­schäfts­quar­tal 2016 wies der Kon­zern in al­len nicht Cloud­be­zo­ge­nen Ge­schäfts­be­rei­chen Rück­gän­ge aus.

SAP und die Cloud: Ei­ne Fra­ge der De­fi­ni­ti­on

Al­les an­de­re als trans­pa­rent stellt sich die Si­tua­ti­on auch im Zah­len­werk der SAP dar. Die Wall­dor­fer he­ben im Cloud-Kon­text ins­be­son­de­re SAP S/4 HA­NA her­vor. Wie an­de­re tra­di­tio­nel­le IT-An­bie­ter un­ter­streicht SAP den „hy­bri­den Cha­rak­ter“sei­ner Soft­ware­pro­duk­te, um da­mit sei­ne Po­si­ti­on im SaaS-Ge­schäft zu stär­ken. Im Ge­schäfts­be­richt für das drit­te Quar­tal 2015 nennt SAP ei­ne be­ein­dru­cken­de jähr­li­che Um­satz­wachs­tums­ra­te von 116 Pro­zent (90 Pro­zent wäh­rungs­be­rei­nigt) für den Be­reich „Cloud Sub­scrip­ti­ons and Sup­port“. Je­des Quar­tal wür­den auf die­sem Weg 600 Mil­lio­nen Euro in die Kas­sen flie­ßen. Fast 174 Mil­lio­nen Euro stam­men da­bei aus dem Zu­kauf des auf Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung spe­zia­li­sier­ten Cloud-An­bie­ters Con­cur. Da­ne­ben be­rich­tet SAP von 4,1 Mil­li­ar­den Euro Quar­tals­um­satz, den der Be­reich „Cloud and Soft­ware“er­wirt­schaf­tet ha­be. Be­son­ders in­ter­es­sant fin­den die Gart­ner-Au­gu­ren da­bei SAPs Cloud-De­fi­ni­ti­on: „Cloud Com­pu­ting is a ge­ne­ric term for fle­xi­ble, IT-re­la­ted ser­vices avail­able th­rough, or hosted on, the In­ter­net for con­su­mers and bu­si­ness“, for­mu­lie­ren die Wall­dor­fer. Die­se doch sehr ge­ne­ri­sche Be­schrei­bung las­se sehr viel Raum, um so­wohl Cloud- als auch Hos­ting-Di­ens­te ein­zu­be­zie­hen, kom­men­tie­ren Smith und An­der­son.

Ama­zon kommt der Wahr­heit am nächs­ten

Ein re­la­tiv kla­res Bild sei­ner Cloud-Ein­nah­men lie­fert nach Ein­schät­zung der Ana­lys­ten der­zeit ein­zig Ama­zon mit sei­ner AWS-Spar­te. Für das zum 30. Sep­tem­ber 2015 be­en­de­te Quar­tal mel­de­te der E-Com­mer­ce-Kon­zern ei­nen Net­to­um­satz von 2,09 Mil­li­ar­den Dol­lar für Ama­zon Web Ser­vices (AWS). Das ent­spre­che ei­nem jähr­li­chen Wachs­tum von 78 Pro­zent und ei­nem hoch­ge­rech­ne­ten Jah­res­um­satz (run ra­te) von 7,5 Mil­li­ar­den Dol­lar.

Von Wolf­gang Herr­mann, Chef­re­dak­teur TecChan­nel

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