Pri­va­cy Shield – ein löch­ri­ger Schutz­schild

Ja, die EU stand un­ter Druck und muss­te et­was tun. Was dann al­ler­dings an­ge­kün­digt wur­de, ist kein Ruh­mes­blatt für die Eu­ro­kra­ten. Das In­ter­net lacht – und zwar zu Recht.

Computerwoche - - Editorial - Herz­lich, Ihr

Wie kann man et­was als Durch­bruch für den Da­ten­schutz fei­ern, für das es noch nicht ein­mal öf­fent­li­che Do­ku­men­te gibt? Wie kann man das Pri­va­cy Shield als ein Ein­len­ken der Ame­ri­ka­ner ver­kau­fen, wenn EU-Jus­tiz­kom­mis­sa­rin Vě­ra Jou­ro­vá ein­räu­men muss, dass bis­lang le­dig­lich ein uni­la­te­ra­les Com­mit­ment der EU-Kom­mis­si­on vor­liegt? Und war­um be­zog die EU-Kom­mis­si­on nicht die Da­ten­schutz­ex­per­ten der zu­stän­di­gen Ar­ti­cle 29 Da­ta Pro­tec­tion Wor­king Par­ty (Ar­ti­kel-29-Da­ten­schutz­grup­pe) in die Kon­sul­ta­tio­nen ein? Im bes­ten Fall hat sich die EU hier ein­fach nur un­pro­fes­sio­nell ver­hal­ten, im schlimms­ten Fall hat sie et­was zu ver­ber­gen.

Un­pro­fes­sio­nell wa­ren aber auch die über­eil­ten Re­ak­tio­nen in Deutsch­land. Da fei­er­ten Po­li­ti­ker und Ver­bän­de öf­fent­lich ei­ne Ver­ein­ba­rung, de­ren Text sie nicht ein­mal kann­ten. So för­dert man kein Ver­trau­en, so un­ter­gräbt man die ei­ge­ne Glaub­wür­dig­keit!

Mit ih­rer Ge­heim­nis­krä­me­rei hat die EU den Un­ter­neh­men im Ein­zel­nen und dem Da­ten­schutz ins­ge­samt ei­nen Bä­ren­dienst er­wie­sen. Klar ist: Wer jetzt noch Da­ten un­ter Sa­fe Har­bor in die USA trans­fe­riert, han­delt il­le­gal. Un­klar ist, auf wel­cher Ba­sis Un­ter­neh­men künf­tig über­haupt noch Da­ten mit den USA aus­tau­schen kön­nen. Ei­ne Ent­schei­dung zum Pri­va­cy Shield gibt es vor April nicht. Und, was fast noch wich­ti­ger ist, die WP29 will prü­fen, ob die „Stan­dard­ver­trags­klau­seln“und die „Cor­po­ra­te Bin­ding Ru­les“– mit die­sen Hilfs­mit­teln wird der­zeit der Da­ten­aus­tausch le­ga­li­siert – mit dem Da­ten­schutz kon­form ge­hen. Soll­ten die Da­ten­schüt­zer dies ver­nei­nen, hät­te Eu­ro­pa ein Pro­blem: Im Zeit­al­ter von IoT, Cloud, Smart Ci­ties etc. stün­de man ab April oh­ne Re­geln für den Da­ten­aus­tausch mit dem wohl wich­tigs­ten Han­dels­part­ner da (sie­he Sei­te 10).

Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

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