Ora­cle schickt Ja­va-Plug­ins in Ren­te

Ora­cle will das Si­cher­heits­ri­si­ko Ja­va-Plu­gin ein für al­le Mal aus der Welt schaf­fen. Für Un­ter­neh­men, die da­mals dem Hy­pe zu Web-ba­sier­ten Ja­va-An­wen­dun­gen ge­folgt sind, könn­te das je­doch teu­er wer­den.

Computerwoche - - Inhalt - Von Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

Ora­cle will das Si­cher­heits­ri­si­ko Ja­va-Plu­gin ein für al­le Mal aus der Welt schaf­fen. Auf Un­ter­neh­men könn­ten be­trächt­li­che Kos­ten zu­kom­men.

Ora­cle will das Ja­va-Brow­ser-Plu­gin, häu­fig das Ziel von Web-ba­sier­ten Ex­ploits, in rund ei­nem Jahr aus­mus­tern. „Ora­cle plant das Ja­va-Brow­ser-Plu­gin im JDK 9 nicht wei­ter zu un­ter­stüt­zen“, ist in ei­nem Post der Ja­va-Platt­form-Grup­pe zu le­sen. Wei­ter heißt es dort: „Die­se Tech­nik wird aus dem Ora­cle JDK und JRE in künf­ti­gen Ja­va-SE-Ver­sio­nen ent­fernt.“

Das Ja­va De­ve­lop­ment Kit (JDK 9) ist die Re­fe­renz­im­ple­men­tie­rung für die nächs­te Ver­si­on von Ja­va SE. Mit sei­ner Ver­füg­bar­keit wird im März 2017 ge­rech­net. Ab die­sem Zeit­punkt wer­den die meis­ten mo­der­nen Brow­ser Ja­vaBrow­ser-Plug­ins nicht mehr ak­zep­tie­ren. Mo­zil­la hat­te be­reits im Ok­to­ber an­ge­kün­digt, die Un­ter­stüt­zung für Plug­ins in Fi­re­fox bis En­de 2016 zu strei­chen. Be­reits im Sep­tem­ber wur­de in Chro­me der Sup­port für Plug­ins wie Ja­va und Sil­ver­light, die den al­ten Standard NPAPI (Net­scape Plu­gin Ap­p­li­ca­ti­on Pro­gramming In­ter­face) ver­wen­den, ent­fernt. Mi­cro­softs neu­er Brow­ser Edge un­ter­stützt Plug­ins grund­sätz­lich nicht.

Da­mit sind In­ter­net Ex­plo­rer und Sa­fa­ri die ein­zi­gen Brow­ser, die 2016 noch tra­di­tio­nel­le NPAPI-Plug­ins un­ter­stüt­zen. Die­se ge­rin­ge Zahl könn­te Ora­cle auch da­zu be­wo­gen ha­ben, die Plug­ins ein­zu­stel­len. Al­ler­dings hät­te es ei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­ge­ben. So un­ter­stützt et­wa Chro­me ei­ne neue Plu­gin-Tech­no­lo­gie na­mens PPAPI (Pep­per Plu­gin API).

„Ora­cle hat nicht vor, Brow­ser-spe­zi­fi­sche Plug­ins an­zu­bie­ten, da die­se zur Fol­ge hät­ten, dass An­wen­dungs­ent­wick­ler Brow­ser-spe­zi­fi­sche App­lets für je­den Brow­ser, den sie un­ter­stüt­zen möch­ten, schrei­ben müss­ten“, be­zieht das Un­ter­neh­men in ei­nem Weiß­buch Stel­lung, das Mi­gra­ti­ons­op­tio­nen für Ent­wick­ler skiz­ziert. Ein Cross-Brow­ser-API – wie von ei­ni­gen ge­for­dert – wä­re laut Ora­cle auch kei­ne Lö­sung. Da­mit könn­te man näm­lich nur ei­nen Teil der ge­for­der­ten Funk­tio­na­li­tät an­bie­ten, die sich zu­dem noch von Brow­ser zu Brow­ser un­ter­schei­de. Dar­un­ter wür­den dann letzt­lich An­wen­der wie auch Ent­wick­ler lei­den.

Ja­va-An­wen­dun­gen sind schwer zu er­set­zen

Ei­ne Al­ter­na­ti­ve, mit der Ora­cle lieb­äu­gelt, ist die Ver­wen­dung von Ja­va Web Start Ap­p­li­ca­ti­ons an­stel­le von Ja­va App­lets. Die­se Art von An­wen­dun­gen kann di­rekt aus dem Web ge­star­tet wer­den, oh­ne dass ein Brow­ser-Plu­gin er­for­der­lich ist. Un­ter Si­cher­heits­as­pek­ten stel­len die Ja­va Web Start Ap­p­li­ca­ti­ons kei­ne Ver­bes­se­rung dar. Sie kön­nen wie App­lets da­zu ge­nutzt wer­den, Schwach­stel­len in der Ja­va-Lauf­zeit­um­ge­bung zu ent­de­cken. Selbst wenn Ora­cle das Ja­va-Plu­gin in den Ru­he­stand schickt, ist da­mit zu rech­nen, dass es auf vie­len Com­pu­tern in­stal­liert bleibt. Das dürf­te auch in Bu­si­ness-Um­ge­bun­gen der Fall sein, denn vie­le Un­ter­neh­mens­an­wen­dun­gen sind Web-ba­sier­te Ja­va-An­wen­dun­gen und kön­nen nicht ein­fach er­setzt oder neu ge­schrie­ben wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.