Um­strit­te­nes „Pri­va­cy Shield“

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Der Sa­fe-Har­bor-Nach­fol­ger ist für Kri­ti­ker ein fau­ler Kom­pro­miss zu­guns­ten der US-Be­hör­den.

Hän­de­rin­gend war­te­te die deut­sche und eu­ro­päi­sche ITK-Wirt­schaft auf ei­ne Ei­ni­gung zwi­schen der EU und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, da­mit – nach dem im Ok­to­ber 2015 ge­kipp­ten Sa­fe-Har­bor-Ab­kom­men – wie­der Rechts­si­cher­heit im trans­at­lan­ti­schen Da­ten­ver­kehr ein­keh­ren kann. Her­aus kam nun das „EU-US Pri­va­cy Shield“. Es sieht vor, dass das ame­ri­ka­ni­sche Han­dels­mi­nis­te­ri­um US-Fir­men über­wacht, die Da­ten aus Eu­ro­pa ver­ar­bei­ten.

Be­auf­sich­tigt von den ei­ge­nen Jus­tiz- und Si­cher­heits­be­hör­den, soll das Han­dels­mi­nis­te­ri­um be­stimm­te Stan­dards ab­si­chern. Je­des Jahr wird zu­dem über­prüft, ob die­se Ver­einba­run­gen auch ein­ge­hal­ten wur­den.

Glaubt ein eu­ro­päi­sches Un­ter­neh­men, dass sei­ne Da­ten­schutz­rech­te in den USA ver­letzt wur­den – bei­spiels­wei­se durch Zu­grif­fe von Ge­heim­diens­ten –, kann ein Om­buds­mann an­ge­ru­fen wer­den, der un­ab­hän­gig von den US-Ge­heim­diens­ten agie­ren soll. Die EU-Staa­ten müs­sen die­sen Ver­einba­run­gen in­des noch zu­stim­men. Im In­ter­net wur­de das Ab­kom­men be­reits hef­tig kri­ti­siert. Jan Philipp Al­brecht, für die Grü­nen im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment, sprach von ei­nem „Af­front der EU-Kom­mis­si­on ge­gen- über dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof und den Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern in Eu­ro­pa“. Die USA hät­ten vol­le In­ter­pre­ta­ti­ons­frei­heit, was die Rechts­la­ge bei Über­wa­chungs­vor­fäl­len an­geht. Die nächs­te In­ter­ven­ti­on des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) sei ab­seh­bar. Noch kri­ti­scher äu­ßer­te sich der Ös­ter­rei­cher Max Schrems, der mit sei­ner Kla­ge ge­gen Face­book vor dem EuGH das Sa­fe-Har­bor-Ab­kom­men ge­kippt hat­te. Er sprach schlicht von „Bull­s­hit-Bin­go“.

Hef­ti­ge Kri­tik am Schutz­schild: Zu we­nig kon­kret, zu viel Spiel­raum für USBe­hör­den.

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