Di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on bei Por­sche

Computerwoche - - Inhalt - Von Chris­tia­ne Püt­ter, Jour­na­lis­tin in Mün­chen

Um App­les ab­seh­ba­ren Ein­stieg in den Au­to­markt macht sich Por­sche-CIO Sven Lo­renz kei­nen Kopf – wohl aber um den di­gi­ta­len Um­bau des ei­ge­nen Kon­zerns.

Um App­les ab­seh­ba­ren Ein­stieg in den Au­to­markt macht sich Por­sche-CIO Sven Lo­renz kei­nen Kopf – wohl aber um die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on des ei­ge­nen Kon­zerns. Pro­duk­te, Kun­den­an­spra­che, in­ter­ne Auf­stel­lung: Beim Sport­wa­gen-Bau­er bleibt nichts dem Zu­fall über­las­sen.

Den ‚Por­sche to go‘ wird‘s wohl nicht ge­ben“, schmun­zelt Sven Lo­renz, CIO beim Stutt­gar­ter Por­sche-Kon­zern. Er spielt da­mit auf den Car-Sha­ring-Di­enst „car2go“des schwä­bi­schen Nach­barn Daim­ler an, der in­zwi­schen in sie­ben deut­schen Städ­ten ver­füg­bar ist. Doch Lo­renz kor­ri­giert sich gleich: „Sie kön­nen ei­nen Wa­gen bei uns mie­ten und zwei Ta­ge lang durch den Schwarz­wald fah­ren.“In­so­fern ent­wick­le sich Por­sche, „ei­gent­lich ein Hard­ware­her­stel­ler“, viel­leicht doch zu ei­nem Mo­bi­li­täts­dienst­leis­ter. Über die­sen Wan­del und den der CIO-Rol­le sprach Lo­renz En­de Ja­nu­ar auf ei­ner Ta­gung des „Han­dels­blatts“.

Seit 14 Jah­ren ist Lo­renz als CIO für die Por­sche-IT ver­ant­wort­lich. 14 Jah­re ha­be er die Dis­kus­sio­nen um die IT ver­folgt: von der The­se Ni­cho­las Carrs „IT doe­sn‘t mat­ter“bis zur ak­tu­el­len Dis­kus­si­on rund um Di­gi­ta­li­sie­rung. Mit Letz­te­rer ha­be er zu­nächst we­nig an­fan­gen kön­nen, so Lo­renz. Schließ­lich sei ei­nem In­for­ma­ti­ker der Be­griff Di­gi­ta­li­sie­rung so ge­läu­fig wie dem Be­triebs­wirt „Um­satz“oder „Er­trag“. In­zwi­schen je­doch be­grü­ße er die De­bat­te – weil sie Be­wusst­sein schaf­fe.

Was be­deu­tet Di­gi­ta­li­sie­rung?

Bei Por­sche galt es zu­nächst ein­mal zu klä­ren: Was ver­ste­hen wir un­ter Di­gi­ta­li­sie­rung? Kon­kre­ti­siert hat der Au­to­bau­er den Be­griff in drei Punk­ten:

Di­gi­tal Dy­na­mics: „Por­sche-Kun­den sind zu rund 80 Pro­zent iPho­ne-Nut­zer“, weiß Lo­renz. „Sie in­ter­es­sie­ren sich für The­men wie Smart Ho­me und se­hen sich als First Mo­ver in Be­zug auf neue Tech­no­lo­gi­en.“Das wir­ke sich eben­so auf Ver­trieb und Mar­ke­ting aus wie die Ve­rän­de­run­gen in der Han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on, die durch neue Platt­for­men auf den Kopf ge­stellt wer­de.

Di­gi­tal Content: Die­ser Punkt un­ter­teilt sich in die Be­rei­che Kun­de/Han­del, Pro­duk­te/Ser­vices und Pro­duk­ti­on und Lo­gis­tik – et­wa die RFID-ba­sier­te Steue­rung der Mon­ta­ge. Was die Kun­den­an­spra­che an­geht, ist Lo­renz stolz auf sein CRM-Sys­tem (CRM = Cust­o­m­er-Re­la­ti­ons­hip-Ma­nage­ment). In der Kom­bi­na­ti­on mit SAP HA­NA sei­en da­mit schnel­le, treff­ge­naue An­ge­bo­te mög­lich. „Wir wis­sen, wem wir wann ei­nen Pan­ame­ra an­bie­ten soll­ten“, so der CIO. Un­ter Pro­duk­te/Ser­vices lau­fen Pro­jek­te rund um das Con­nec­ted Car.

Di­gi­tal Mind­set: Ist Por­sche „di­gi­tal re­a­dy“? Die­se Fra­ge klä­ren die Zuf­fen­hau­se­ner mit Un­ter­stüt­zung der Hoch­schu­le St. Gal­len. Lo­renz will die Un­ter­su­chun­gen der Hoch­schu­le al­ler­dings nicht im Sin­ne ei­nes Bench­marks ver­stan­den wis­sen. Ihm geht es dar­um, her­aus­zu­fin­den, wie Fach­ab­tei­lun­gen, die Ge­schäfts­lei­tung und die CIO-Or­ga­ni­sa-

ti­on zum The­ma di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on ste­hen. „Es hat sich ge­zeigt, dass Mar­ke­ting, Ver­trieb und IT die Fä­hig­kei­ten über­ra­schend gleich ein­schät­zen“, be­rich­tet er. Die­se gan­ze Dis­kus­si­on spie­ge­le sich in der „Por­sche-Stra­te­gie 2025“, so Lo­renz wei­ter.

Die­se ori­en­tiert sich an ei­nem Fünf-Stu­fen-Mo­dell: Ganz oben steht die Un­ter­neh­mens­stra­te­gie, ge­folgt von der Mar­ken­stra­te­gie. Da­hin­ter rei­hen sich die Pro­dukt­stra­te­gie, die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on und schließ­lich die in­di­vi­du­el­len Res­sort­stra­te­gi­en ein.

Di­gi­ta­li­sie­rung zieht sich bei den Stutt­gar­tern al­so durch das kom­plet­te Un­ter­neh­men. Über sei­ne ei­ge­ne Rol­le sagt Lo­renz: „Der CIO führt die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on an. Er agiert da­bei wie ein Di­ri­gent. Die ope­ra­ti­ve Um­set­zung er­le­di­gen die je­wei­li­gen Fach­ab­tei­lun­gen selbst.“Wie stark Lo­renz in die­ser Füh­rungs­funk­ti­on wahr­ge­nom­men wird, zeigt die wach­sen­de Zahl sei­ner Ge­sprä­che mit dem Vor­stand. Die­se Termine ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen sechs Jah­ren ver­fünf­facht. Ein wei­te­res Er­geb­nis ist die en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit den Fach­ab­tei­lun­gen: „Ich ma­che mit ei­nem gro­ßen Teil mei­nes Bud­gets auch Pro­dukt­ent­wick­lung.“ Ei­ne der Fra­gen, die nun an­ste­hen, ist der Um­gang mit Kun­den­da­ten et­wa beim Aus­tausch mit Con­nec­tivi­ty-Part­nern wie App­le Carplay. „Wir sind da kon­ser­va­tiv“, be­tont Lo­renz. Er hat den Ehr­geiz, mög­lichst vie­le Funk­tio­nen selbst um­zu­set­zen, um sel­ten Da­ten wei­ter­ge­ben zu müs­sen. Lässt sich das nicht ver­mei­den, gilt das Ge­bot obers­ter Trans­pa­renz ge­gen­über dem Kun­den.

Nichts geht über ei­nen „ech­ten“Por­sche

Stich­wort App­le: Lo­renz glaubt, dass „die di­gi­ta­len Heraus­for­de­rer kei­nes­wegs im­mer schnel­ler sind“. Er kann sich auch nicht vor­stel­len, dass ein von App­le pro­du­zier­tes Au­to ei­ner Mar­ke wie Por­sche so bald ge­fähr­lich wer­den kann. Selbst wenn App­le ein gu­tes Au­to ge­lin­ge, kön­ne sich sein Un­ter­neh­men auf den „My­thos Por­sche“ver­las­sen. Als Be­leg führt er die Si­mu­la­to­ren an, die heu­te zwar aus­ge­reift sei­en und ein gu­tes Fahr­er­leb­nis ver­sprä­chen. Am En­de sei­en aber die Er­leb­nis­Cen­ter des Un­ter­neh­mens im­mer noch voll von Men­schen, die eben doch un­be­dingt ein­mal ei­ne Run­de mit ei­nem ech­ten Por­sche dre­hen woll­ten.

Por­sche weiß, wann ein Kun­de reif für ei­nen neu­en Pan­ame­ra ist.

Will den Kon­zern auch in Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung auf die Über­hol­spur brin­gen: Por­sche-CIO Sven Lo­renz.

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