Pri­va­cy Shield – der neue Da­ten­pakt wird die Ge­heim­diens­te nicht brem­sen

Computerwoche - - Markt - (ba)

Als sich die EU-Kom­mis­si­on An­fang Fe­bru­ar in letz­ter Se­kun­de mit den USA ei­nig wur­de und den Pri­va­cy Shield als Nach­fol­ger des im ver­gan­ge­nen Jahr vom EuGH ge­kipp­ten Sa­fe-Har­borAb­kom­mens prä­sen­tier­te, schüt­tel­ten vie­le Bran­chen­be­ob­ach­ter ver­wun­dert die Köp­fe. Es gab kein Schrift­stück, das die Re­geln de­fi­nier­te, wie In­for­ma­tio­nen eu­ro­päi­scher Bür­ger in das aus EU-Sicht da­ten­schutz­tech­nisch un­si­che­re Dritt­land USA über­tra­gen wer­den dür­fen. Ei­nen Mo­nat spä­ter lie­gen nun die Do­ku­men­te vor. Wie Sa­fe Har­bor ist auch die Teil­nah­me am neu­en Da­ten­schutz­schild frei­wil­lig. Kein Un­ter­neh­men wird da­zu ge­zwun­gen. Wer mit­macht, muss sei­ne Da­ten­schutz­richt­li­ni­en ver­öf­fent­li­chen – und dann auch ein- hal­ten. Wer nicht mit­macht, darf kei­ne Da­ten von EU-Bür­gern in­ner­halb der USA ver­ar­bei­ten. Die Ein­hal­tung der vor­ge­ge­be­nen Com­p­li­an­ce-Re­geln soll durch die US Fe­deral Tra­de Com­mis­si­on über­wacht wer­den.

Ge­heim­diens­te lan­gen wei­ter zu

Han­delt es sich je­doch um USame­ri­ka­ni­sche Si­cher­heits­be­lan­ge, hat der Da­ten­schutz­schild kei­ne Wir­kung mehr. Ge­heim­diens­te und Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den hal­ten sich die Hin­ter­tü­ren zur Mas­sen­über­wa­chung auch in Zu­kunft weit of­fen. Geht es um die Be­kämp­fung von Ter­ro­ris­mus, Waf­fen­han­del und trans­na­tio­na­ler Kri­mi­na­li­tät, um Be­dro­hun­gen ge­gen US-Streit­kräf­te, in­ter­na­tio­na- le Spio­na­ge oder ganz all­ge­mein um Cy­ber-Si­cher­heit, dür­fen die Be­hör­den zu­grei­fen. Noch ist in­des nichts be­sie­gelt. Das Pa­pier wird der­zeit in den 28 EU-Län­dern dis­ku­tiert. Au­ßer­dem ist vor­ge­se­hen, dass die Richt­li­ni­en jähr­lich neu ge­prüft wer­den sol­len. Nur wenn al­le Staa­ten zu­stim­men und dies auch Jahr für Jahr be­stä­ti­gen, tritt das Ab­kom­men in Kraft. Kri­ti­ker spre­chen von rein kos­me­ti­schen Ver­bes­se­run­gen, die nichts an den grund­sätz­li­chen Pro­ble­men der Mas­sen­über­wa­chung und des man­geln­den Da­ten­schut­zes in den USA än­der­ten. Da­ten­schutz­ak­ti­vist Max Schrems, auf des­sen Be­stre­ben Sa­fe Har­bour aus­ge­he­belt wur­de, kün­dig­te be­reits an, auch ge­gen den Pri­va­cy Shield vor­zu­ge­hen.

Auch wenn das nicht je­der ver­steht: Die EU nimmt den Kampf ge­gen die über­mäch­ti­gen Ge­heim­diens­te durch­aus ernst.

Der ös­ter­rei­chi­sche Da­ten­ak­ti­vist und Ju­rist Max Schrems will auch ge­gen den Pri­va­cy Shield vor­ge­hen. Da­mit könn­te auch das neue Da­ten­ab­kom­men bald vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) lan­den.

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