En­ter­pri­se Mo­bi­li­ty: Die Er­fah­run­gen der CIOs

En­ter­pri­se Mo­bi­li­ty ist zu ei­nem Schlüs­sel­fak­tor ge­wor­den, um Ef­fi­zi­enz, Agi­li­tät und Kun­den­bin­dung in Un­ter­neh­men zu ver­bes­sern. In ei­nem CIO-Roun­dta­ble auf dem Mo­bi­le World Con­gress in Bar­ce­lo­na of­fen­bar­ten Top­ma­na­ger von CaixaBank, Shell, TUI Group und

Computerwoche - - Technik - Von Man­fred Brem­mer, Re­dak­teur

Bei der CaixaBank, der größ­ten Bank Spa­ni­ens, deu­ten nicht nur die 22.000 Smart­pho­nes und 15.000 Smart-PCs – bei ins­ge­samt 30.000 Mit­ar­bei­tern – dar­auf hin, dass Mo­bi­li­ty ein gro­ßes The­ma ist. Den größ­ten Wert für sein Un­ter­neh­men ha­be sie we­gen der vie­len Re­gu­la­ri­en, die man ein­hal­ten müs­se, sagt CIO Pe­re Ne­bot. Da­mit die Be­ra­ter beim Kun­den nicht mit mo­bi­lem Dru­cker und ei­nem Sta­pel Pa­pier an­rü­cken müss­ten, ha­be die CaixaBank nun die Mög­lich­keit der di­gi­ta­len Si­gna­tur von Ver­trä­gen ein­ge­führt.

Der Er­folg kann sich se­hen be­zie­hungs­wei­se mes­sen las­sen: Für En­de Fe­bru­ar rech­ne­te Ne­bot da­mit, dass 80 Pro­zent al­ler Ver­trä­ge auf den Smart-PCs der Au­ßen­dienst­ler di­gi­tal un­ter­schrie­ben wer­den wür­den. An­fang des Jah­res wa­ren es rund 40 Pro­zent.

Ei­ne an­de­re Initia­ti­ve ist die Mög­lich­keit, Rech­nun­gen über ein We­ara­ble-De­vice zu be­zah­len, wenn­gleich Ne­bot ein­räumt, dass es im Be­reich We­ara­bles und IoT noch viel Luft nach oben ge­be: „Ich glau­be, die Tech­nik hat ein ge­wal­ti­ges Po­ten­zi­al, aber wir müs­sen sie noch mehr nut­zen.“

Die Ein­spa­rung von Pa­pier ist auch für Isa­bel­le Droll, CIO von TUI One Avia­ti­on, ein gro­ßes The­ma. Hier geht es um den Er­satz von Log­bü­chern, Check­lis­ten und Na­vi­ga­ti­ons­kar­ten durch iPads. Al­les, was Ge­wicht re­du­ziert, spart Treib­stoff und da­mit auch Geld.

Mo­bi­li­täts­er­folg ist schwer mess­bar

„Wir ha­ben es ge­schafft, kom­plett pa­pier­los zu flie­gen – nun ist es für die nächs­ten In­no­va­ti­ons­schrit­te et­was schwie­ri­ger, weil die meis­ten Ein­spa­run­gen er­folgt sind“, er­klärt Droll. In­no­va­tio­nen für Kun­den sei­en will­kom­men, wäh­rend man bei den ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern vor­sich­tig agie­re: „Er­folg muss mess­bar sein, aber man braucht ein Ma­nage­ment, das mu­tig ge­nug ist, um Ver­su­che zu wa­gen, und nicht nur nach dem Bu­si­ness Ca­se schaut.“

Für Marc De­cor­te, VP Con­nec­ted Di­gi­tal Tech­no­lo­gies bei Shell, ist Mo­bi­li­tät zu­nächst ei­ne Bu­si­ness-Vi­si­on, es wer­de erst der rei­ne Bu­si­ness Ca­se, sprich die Kos­ten­re­du­zie­rung, be­trach­tet. Aus die­sem Grund ha­be man et­wa

noch kei­ne App für die mo­bi­le Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung ent­wi­ckelt, weil die Kos­ten-Nut­zen­Ana­ly­se nicht ganz ein­fach sei.

Die ers­ten Apps des Un­ter­neh­mens sei­en laut De­cor­te denn auch Con­su­mer Apps ge­we­sen. Spä­ter ka­men mo­bi­le B2B-An­wen­dun­gen hin­zu, et­wa um Part­ner an­zu­bin­den, für den Ver­trieb, das Flot­ten-Ma­nage­ment oder War­tungs­kräf­te. „Wir mes­sen den Wert von al­lem, was wir ma­chen, et­wa in Hin­blick auf die Wert­schöp­fung“, so der Shell-Ma­na­ger. Den­noch wer­de man noch mehr Apps ent­wi­ckeln, da der Preis für Ent­wick­lun­gen wei­ter fal­le.

Nutz­er­zu­frie­den­heit bei in­ter­nen Apps ge­mes­sen

Bei der TVH Group wer­de auch für in­ter­ne Apps die Nutz­er­zu­frie­den­heit ge­mes­sen, er­zählt Kal­man Ti­bol­di, Chief Bu­si­ness In­no­va­ti­on Of­fi­cer des bel­gi­schen Un­ter­neh­mens. Schließ­lich wür­den die Mit­ar­bei­ter die mo­bi­len An­wen­dun­gen zehn bis 50 St­un­den im Mo­nat ein­set­zen, da sei rich­tig Geld im Spiel. Bei B2C-Apps sei die Zuf­rie­den­heits­mes­sung oh­ne­hin ein Muss, da im­mer mehr Kun­den mo­bil be­stel­len wür­den. Sie woll­ten den Be­stell­pro­zess und den Stand der Lie­fe­rung auch auf Smart­pho­nes oder Ta­blets ver­fol­gen kön­nen.

Auf die Fra­ge nach Her­aus­for­de­run­gen gab es un­ter­schied­li­che Ant­wor­ten. De­cor­te ver­weist dar­auf, wie schwie­rig es sei, „mit Hil­fe der di­gi­ta­len Agen­da das Bu­si­ness neu zu ge­stal­ten“. Man be­nö­ti­ge da­zu Ma­na­ger, die dar­über nach­däch­ten, wie man Di­gi­ta­li­sie­rung im Bu­si­ness ein­set­zen kön­ne. Nor­ma­ler­wei­se sei die Dis­kus­si­on dar­über viel schwie­ri­ger als die spä­te­re tech­ni­sche Um­set­zung.

CaixaBank-CIO Ne­bot er­wähnt die mit Di­gi­ta­li­sie­rung ver­bun­de­nen Si­cher­heits­ri­si­ken und dass es mit­un­ter schwer sei, die Denk­wei­se der Mit­ar­bei­ter zu ver­än­dern. Aus Sicht von TUIMa­na­ge­rin Droll wie­der­um ist die größ­te Schwie­rig­keit, IT und Bu­si­ness zur Zu­sam­men­ar­beit zu be­we­gen.

In die­sem Punkt ist die TVH Group schon ei­nen Schritt vor­wärts­ge­kom­men. Der An­bie­ter von Er­satz­tei­len und Zu­be­hör für In­dus­trie­ma­schi­nen ha­be IT und Bu­si­ness in der neu­en Da­ch­or­ga­ni­sa­ti­on „Bu­si­ness In­no­va­ti­on to IT“un­ter­ge­bracht, be­rich­tet Ti­bol­di. An der Spit­ze stän­den zwei CIOs, die aber nicht für die En­ter­pri­se-IT ver­ant­wort­lich sei­en: „Wir ha­ben er­kannt, dass es für ei­ne di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on nicht aus­reicht, Tech­no­lo­gie ins Un­ter­neh­men zu brin­gen.“Da­her ha­be man IT und Bu­si­ness ge­bün­delt und die Tür für Mit­ar­bei­ter aus al­len Ge­schäfts­be­rei­chen ge­öff­net, die auf ei­ne Trans­for­ma­ti­on an­ge­wie­sen sei­en.

Was die mo­bi­len Lö­sun­gen an­be­langt, müs­sen aus Sicht der Pa­nel-Teil­neh­mer nicht nur die IT-Her­stel­ler bes­se­re Ar­beit leis­ten, son­dern die Or­ga­ni­sa­tio­nen soll­ten sich ih­rer­seits dar­auf vor­be­rei­ten, Lö­sun­gen von mehr als ei­nem An­bie­ter zu nut­zen. Ti­bol­di: „Wir be­schäf­ti­gen uns heu­te mit ver­schie­de­nen Kom­po­nen­ten, der In­te­gra­ti­on in die Ge­schäfts­pro­zes­se und wen­den uns nun IoT zu – das sind al­les ver­schie­de­ne An­bie­ter.“

Shell-Ma­na­ger De­cor­te fügt hin­zu, dass die Zei­ten vor­bei sei­en, in de­nen sei­ne Com­pa­ny nach ei­nem Tech­no­lo­gie­lie­fe­ran­ten Aus­schau ge­hal­ten und des­sen Er­zeug­nis­se dann für die ge­sam­te Lö­sung ein­ge­setzt ha­be: „Wir ar­bei­ten heu­te mit gro­ßen Her­stel­lern, Sys­tem­in­te­gra­to­ren und Star­tups mit der neu­es­ten Tech­no­lo­gie.“Auf sol­che Star­tups auf­merk­sam zu wer­den, sei aber ei­ne Her­aus­for­de­rung, ins­be­son­de­re, wenn man glo­bal ar­bei­te.

„Wir müss­ten mehr Scou­ting be­trei­ben“, stimmt Droll bei. „Ich glau­be, die größ­te Schwie­rig­keit, die wir ha­ben, ist die Ge­schwin­dig­keit der Ve­rän­de­rung. Bis wir uns ent­schei­den, mit ei­nem Her­stel­ler zu ar­bei­ten, ver­ge­hen sechs Mo­na­te – an­de­re sind da viel schnel­ler.“ „Mo­bi­le muss die Ar­beits­wei­se ver­än­dern, nicht re­pli­zie­ren“

Von Ni­cho­las McQui­re, VP En­ter­pri­se beim Ana­lys­ten­haus CCS In­sight und Mo­de­ra­tor der CIO-Ses­si­on, nach Best Prac­tices im Mo­bi­li­ty­Be­reich ge­fragt, ge­ben die Pa­nel-Teil­neh­mer ver­schie­de­ne Emp­feh­lun­gen. Man sol­le Mo­bi­le nut­zen, um die Ar­beits­wei­se der An­ge­stell­ten zu ver­än­dern und sie nicht ein­fach auf Mo­bil­ge­rä­ten zu re­pli­zie­ren, rät Shell-Ma­na­ger De­cor­te.

TUI-One-Avia­ti­on-CIO Droll regt an, bei der Pla­nung von Apps die Mit­ar­bei­ter mit ins Boot zu neh­men, wäh­rend die­se nach An­sicht von TVH-Mann Ti­bol­di vor al­lem zu mehr Si­cher­heits­be­wusst­sein er­zo­gen wer­den soll­ten. CaixaBank-CIO Ne­bot schließ­lich emp­fiehlt, viel aus­zu­pro­bie­ren.

Die Dis­kus­si­ons­run­de auf dem Mo­bi­le World Con­gress (MWC) in Bar­ce­lo­na (v. l. n. r.): Marc De­cor­te (Shell), Isa­bel­le Droll (TUI One Avia­ti­on), Ni­cho­las McQui­re (CCS In­sight), Pe­re Ne­bot (CaixaBank) und Kal­man Ti­bol­di (TVH Group).

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