Con­tai­ner rich­tig ein­set­zen

Computerwoche - - Inhalt - Von Si­mon Hüls­bö­mer, lei­ten­der Re­dak­teur COMPUTERWOCHE, und Thor Olavs­rud, Se­ni­or Wri­ter bei CIO.com

Tech­ni­ken wie Do­cker und Co­reOS hel­fen, An­wen­dun­gen fle­xi­bler und schnel­ler be­reit­zu­stel­len. Doch um al­les aus Con­tai­nern her­aus­zu­ho­len, ha­ben Un­ter­neh­men noch ei­ni­ge Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern.

Con­tai­ner-Tech­no­lo­gi­en wie Do­cker oder Co­reOS hel­fen An­wen­dern, Ser­vices zu fle­xi­bi­li­sie­ren und schnel­ler be­reit­zu­stel­len. Um al­les aus Con­tai­nern her­aus­zu­ho­len, ha­ben die Un­ter­neh­men je­doch ei­ni­ge Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern.

Je mehr Un­ter­neh­men mer­ken, dass ih­nen die Mög­lich­kei­ten der Con­tai­nerTech­nik hel­fen, ih­re Ser­vices und Ge­schäfts­pro­zes­se zu ver­bes­sern, des­to be­lieb­ter wird sie. Al­ler­dings sind mit der Con­tai­nerTech­nik auch ei­ni­ge Her­aus­for­de­run­gen ver­bun­den: „Es herrscht teil­wei­se noch Ver­wir­rung um ih­ren prak­ti­schen Ein­satz, vie­les ist auch Wunsch­den­ken“, re­sü­miert Lars Herr­mann, der die Ge­schäfts­ein­heit In­te­gra­ted So­lu­ti­ons beim Soft­ware­her­stel­ler Red Hat lei­tet. Er merkt an, dass es we­ni­ger die Vor­stän­de als viel­mehr die Mit­ar­bei­ter sind, die die Tech­no­lo­gie ein­brin­gen: „Die Con­tai­ne­riza­t­i­on in den Un­ter­neh­men wird der­zeit eher noch von un­ten nach oben ge­lebt.“

Wo­rum geht es ei­gent­lich ge­nau? Con­tai­ner stel­len ei­ne kom­plet­te Lauf­zeit­um­ge­bung in ei­nem ein­zi­gen Pa­ket be­reit – ei­ne An­wen­dung samt al­len Ab­hän­gig­kei­ten, Bi­b­lio­the­ken, Da­tei­en und Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­ten. Sie las­sen sich ein we­nig mit vir­tu­el­len Ma­schi­nen (VMs) ver­glei­chen, sind aber we­sent­lich platz­spa­ren­der. Wäh­rend je­de VM ein voll­stän­di­ges Be­triebs­sys­tem samt al­len Ap­pli­ka­tio­nen um­fast, kön­nen sich Con­tai­ner ei­nen Be­triebs­sys­te­mKern mit an­de­ren Con­tai­nern tei­len und ver­brau­chen ent­spre­chend we­ni­ger Re­chen­leis­tung und Spei­cher­platz.

Ein wei­te­rer gro­ßer Vor­teil ist, dass es Con­tai­ner den Ent­wick­lern er­mög­li­chen, ih­re An­wen­dun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Um­ge­bun­gen hin- und her­zu­schie­ben – Tests in dem ei­nen Hard­ware­um­feld, Be­trieb in ei­nem an­de­ren, Be­trieb erst auf ei­ner phy­si­ka­lisch

vor­han­de­nen Ma­schi­ne, dann in der Pri­va­te oder Pu­b­lic Cloud – und das al­les un­ter­bre­chungs­frei und zu­ver­läs­sig, ver­spricht die Tech­nik.

Vie­le schö­ne Mög­lich­kei­ten al­so – Herr­mann weist aber dar­auf hin, dass sich der Durch­bruch der Con­tai­ner im Bu­si­ness an fünf Stel­len ent­schei­den wird:

1. Ein­bin­dung ins Re­chen­zen­trum

Con­tai­ner ste­hen per se für sich al­lein, aber kein Teil ei­nes Un­ter­neh­mens ist ei­ne In­sel. Um ih­re vol­le Wir­kung ent­fal­ten zu kön­nen, muss es mög­lich sein, Con­tai­ner in die be­ste­hen­de In­fra­struk­tur mit ih­ren Ser­vices ein­zu­bet­ten – sei­en es bei­spiels­wei­se Se­cu­ri­ty-, Au­then­ti­sie­rungs- oder Netz­diens­te. Un­ter­neh­men müs­sen sich al­so da­mit be­schäf­ti­gen, wie sie Con­tai­ner-Tech­nik best­mög­lich im Rah­men be­ste­hen­der Wor­kloads und Pro­zes­se ver­wen­den kön­nen. „Es ist zwar nett, IT-Um­ge­bun­gen auf der grü­nen Wie­se auf­zu­set­zen, das spie­gelt aber nicht die Wirk­lich­keit in den Un­ter­neh­men wie­der“, sagt der Red-Hat-Ma­na­ger. „Die In­te­gra­ti­on ist der Schlüs­sel zum Er­folg.“

2. VM-Ma­nage­ment

Vie­le An­wen­der set­zen im VM-Um­feld auf Con­tai­ner – hier kann es aber schnell zu Cha­os füh­ren, wenn zu vie­le vir­tu­el­le Ma­schi­nen im Ein­satz sind. Die IT-Ver­ant­wort­li­chen müs­sen des­halb ei­nen Weg fin­den, ih­re Ma­schi­nen zu ver­wal­ten und die Kun­den trotz­dem par­al­lel mit den be­nö­tig­ten Ser­vices zu ver­sor­gen. „Wir möch­ten im­mer die in un­se­ren VMs be­ste­hen­den Wor­kloads neh­men und schau­en, ob wir sie in Con­tai­ner ‚ver­la­den‘ kön­nen“, er­klärt Herr­mann. „VM-Cha­os lässt sich viel leich­ter ver­mei­den, wenn wir nur ei­nen Teil der Kom­ple­xi­tät auf An­wen­dungs­ebe­ne in Con­tai­nerStruk­tu­ren ver­schie­ben.“

3. Orches­trie­rung

Un­ter­neh­men müs­sen meh­re­re Con­tai­ner mit­ein­an­der so­wie Con­tai­ner mit an­de­ren Ap­pli­ka­tio­nen kom­bi­nie­ren und die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Con­tai­nern und an­de­ren IT-Res­sour­cen er­mög­li­chen. Da­zu müs­sen die Con­tai­ner auch in ei­ner Um­ge­bung ent­wi­ckelt wer­den, die die­sen Mix aus Tech­no­lo­gi­en und Re­chen­ka­pa­zi­tä­ten ab­bil­det.

„Die Orches­trie­rung nimmt drei Rol­len in­ner­halb des Con­tai­ner-St­acks ein“, er­läu­tert Herr­mann. „Ers­tens führt die Orches­trie­rungs­En­gi­ne die ver­schie­de­nen Ser­vices und In­stan­zen die­ser Ser­vices zu­sam­men zu ei­ner An­wen­dung. Zwei­tens ist sie auch ver­ant­wort­lich da­für, dass An­wen­dun­gen in die­sem Kon­text rea­li­siert wer­den kön­nen – die En­gi­ne ent­schei­det dar­über, wo die Ser­vices ge­nau statt­fin­den, wie sie aus­ge­führt wer­den, wie Netz­kom­po­nen­ten, Re­chen­leis­tung, Sto­r­a­geund Se­cu­ri­ty-Pro­fi­le ein­ge­bet­tet wer­den. Drit­tens geht es um die Ver­wal­tung der Sta­ti so­wohl der Ge­rä­te­grup­pen als auch der ver­schie­de­nen An­wen­dun­gen. Hier fun­giert die En­gi­ne qua­si als Wach­hund, der ein Au­ge auf al­les hat.“

4. Ska­lier­bar­keit

Es gibt vie­le Con­tai­ner-Lö­sun­gen, für die zwar da­mit ge­wor­ben wird, sie könn­ten be­lie­big ska­lie­ren, de­ren De­sign es dann aber doch nicht zu­lässt. Die heu­ti­ge, hoch­dy­na­mi­sche Un­ter­neh­mens-IT macht es aber ab­so­lut er­for­der­lich, dass Un­ter­neh­men ih­re Con­tai­nerTech­nik und die Ka­pa­zi­tä­ten zur Be­reit­stel­lung an die An­wen­der pro­gram­ma­tisch ska­lie­ren kön­nen. „Die Ska­lier­bar­keit ist mit das Wich­tigs­te über­haupt, wenn ich ei­ne ver­teil­te, man­dan­ten­fä­hi­ge IT-Ar­chi­tek­tur ha­be“, un­ter­streicht Herr­mann.

5. Le­ga­cy-Sys­te­me be­ach­ten

Nur weil es jetzt die Con­tai­ner gibt, ver­schwin­den die al­ten Le­ga­cy-Sys­te­me – Hard­ware wie Soft­ware – ja nicht au­to­ma­tisch, zu­min­dest nicht voll­stän­dig. Al­so müs­sen die Con­tai­ner nicht nur mit den neu­es­ten An­wen­dun­gen und Sys­te­men har­mo­nie­ren, son­dern auch die Alt­sys­te­me be­rück­sich­ti­gen. Herr­manns Fa­zit: „Es gibt vie­le neue Mög­lich­kei­ten, Con­tai­nerTech­no­lo­gie im Un­ter­neh­men ein­zu­set­zen – ei­ni­ge von ih­nen sind sehr dis­rup­tiv. Die Con­tai­ner wur­den als zu­sätz­li­che Ebe­ne ent­wi­ckelt, die sich schön über be­ste­hen­de In­fra­struk­tu­ren le­gen lässt. Con­tai­ne­ri­sie­rung lässt sich als De­ploy­ment-Me­tho­de nut­zen – aber nicht nur für neue Cloud-An­wen­dun­gen, son­dern auch für be­reits be­ste­hen­de Ap­pli­ka­tio­nen und Sys­te­me.“

„Es gibt vie­le neue Mög­lich­kei­ten, Con­tai­nerTech­no­lo­gie im Un­ter­neh­men ein­zu­set­zen – ei­ni­ge von ih­nen sind sehr dis­rup­tiv.“Lars Herr­mann, Lei­ter der Ge­schäfts­ein­heit In­te­gra­ted So­lu­ti­ons von Red Hat

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