So­ap Ope­ra oder doch eher ei­ne Tra­gö­die?

Computerwoche - - Editorial - Herz­lich, Ihr Hein­rich Vas­ke, Chef­re­dak­teur

Als „So­ap Ope­ra vom Feins­ten“be­zeich­ne­te ein US-Ana­lyst die Ab­spal­tung des IT-Ser­vice­ge­schäfts von HP En­ter­pri­se. Ob das die Kun­den und Mit­ar­bei­ter ge­nau­so se­hen?

Soll­te Hew­lett-Pa­ckard noch nicht Ge­gen­stand be­triebs­wirt­schaft­li­cher Lehr­bü­cher zum Thema Ma­nage­ment-Feh­ler sein, wä­re es drin­gend an der Zeit. Blickt man zu­rück, dann zeigt sich, dass der längst ver­stor­be­ne Le­wis Platt der letz­te CEO war, der sich dem Er­be von Da­vid Pa­ckard und Bill Hew­lett ver­pflich­tet fühl­te. Die Grün­der hat­ten Wert ge­legt auf ei­ne ge­rin­ge Ver­schul­dung, ho­he In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung so­wie ei­ne Kul­tur, die den Mit­ar­bei­ter in den Mit­tel­punkt stell­te und am Un­ter­neh­mens­er­folg be­tei­lig­te („HP way“).

Mit dem Amts­an­tritt von Car­le­ton Fio­ri­na 1999 än­der­te sich al­les. Es be­gann ei­ne Ära des Grö­ßen­wahns, die sich un­ter Mark Hurd und Léo Apo­the­ker fort­setz­te. Com­paq, EDS, Au­to­no­my, 3Com, Palm – das ist nur ei­ne Aus­wahl der Un­ter­neh­men, die HP für teils hor­ren­de Sum­men zu­kauf­te, um die Num­mer eins in mög­lichst al­len Märk­ten zu sein. Zig­tau­sen­de Mit­ar­bei­ter wur­den ent­las­sen, um „Sy­ner­gi­en“zu schöp­fen. Zu den Ma­nage­ment-Feh­lern ka­men In­tri­gen und (Ab­hör-) Skan­da­le auf höchs­ter Ebe­ne. Der HP way war ver­las­sen wor­den.

HP-Che­fin Meg Whit­man ist nun da­bei, die Feh­ler der Ver­gan­gen­heit zu kor­ri­gie­ren (sie­he Sei­te 6). Das ist nicht ein­fach. Oh­ne PC- und Dru­cker­ge­schäft, oh­ne IT-Ser­vices und oh­ne ei­ne Pu­b­lic-Cloud-In­fra­struk­tur soll sie HP zu al­tem Glanz ver­hel­fen. Da­bei setzt sie auf Ser­ver, Sto­r­a­ge, Net­wor­king und Con­ver­ged In­fra­struc­tu­re, au­ßer­dem auf die hauseigene Hy­brid-Cloud-Platt­form und die ei­ge­nen Soft­ware­pro­duk­te. Be­freit von al­lem Bal­last, soll nun wie­der be­schleu­nig­tes Wachs­tum her. Ge­lingt das nicht, wird auch Whit­man ge­hen müs­sen. Tröst­lich: Fio­ri­na, Hurd, Apo­the­ker – noch je­dem CEO wur­de der un­frei­wil­li­ge Ab­schied mit mil­lio­nen­schwe­ren Ab­fin­dun­gen ver­süßt.

Hein­rich Vas­ke, Chef­re­dak­teur

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