Big-Da­ta-Pro­jek­te ver­puf­fen zu oft

Computerwoche - - Inhalt - Von Mar­tin Bay­er, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur

Ob­wohl sich Un­ter­neh­men um da­ten­ge­stütz­te Ent­schei­dungs­pro­zes­se be­mü­hen, stellt sich oft nicht der er­hoff­te zähl­ba­re Nut­zen ein, hat Cap­ge­mi­ni er­mit­telt.

Zwar brei­tet sich der Ein­satz von Big Da­ta in den Un­ter­neh­men aus, und im­mer mehr Ent­schei­dun­gen ba­sie­ren auf Er­kennt­nis­sen aus Da­ten­ana­ly­sen. Doch der kon­kre­te Nut­zen stellt sich oft nicht ein. Nur ein gu­tes Vier­tel der Big-Da­ta­Pro­jek­te ist pro­fi­ta­bel, hat Cap­ge­mi­ni er­mit­telt.

Da­ten zu nut­zen und aus­zu­wer­ten, wird für im­mer mehr Un­ter­neh­men zur Selbst­ver­ständ­lich­keit im Ge­schäfts­all­tag. So be­dient sich be­reits gut ein Drit­tel (35 Pro­zent) der Un­ter­neh­men in Deutsch­land Big-Da­ta-Ana­ly­sen für die Aus­wer­tung gro­ßer Da­ten­men­gen. Ein knap­pes Vier­tel der Fir­men (24 Pro­zent) ver­folgt kon­kre­te Plä­ne in Sa­chen Big-Da­ta-Nut­zung, wei­te­re 18 Pro­zent dis­ku­tie­ren zu­min­dest dar­über. Das hat ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­ge von Bit­kom Re­se­arch und KPMG un­ter 704 Un­ter­neh­men und 102 Ver­wal­tun­gen mit mehr als 100 Mit­ar­bei­tern er­ge­ben. Zum Ver­gleich: Vor zwei Jah­ren war noch nicht ein­mal ein Vier­tel der Be­trie­be (23 Pro­zent) in Sa­chen Big Da­ta ak­tiv. „In­no­va­ti­ve Da­ten­ana­ly­sen wer­den als Grund­la­ge für wirt- schaft­li­che Ent­schei­dun­gen im­mer wich­ti­ger“, sag­te Axel Pols, Ge­schäfts­füh­rer von Bit­kom Re­se­arch, bei der Vor­stel­lung der Stu­di­en­er­geb­nis­se. Al­ler­dings ist mit 22 Pro­zent der An­teil der Un­ter­neh­men, für die Big-Da­ta-Lö­sun­gen kein The­ma sind, nach wie vor recht hoch.

Big Da­ta be­trifft un­ter­schied­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten. Nach den Er­geb­nis­sen der Um­fra­ge kom­men in 85 Pro­zent der Un­ter­neh­men Da­ten­ana­ly­sen in der Pro­duk­ti­ons­pla­nung und der Pro­jekt­ab­wick­lung zum Ein­satz. Im Mar­ke­ting nut­zen mehr als zwei Drit­tel der be­frag­ten Un­ter­neh­men (69 Pro­zent) Da­ten­aus­wer­tun­gen für die Kun­den­ana­ly­se. Ein wei­te­res wich­ti­ges Ein­satz­ge­biet ist dar­über hin­aus der Be­reich Fi­nan­zen und Con­trol­ling: 91 Pro­zent der Un­ter­neh­men ver­wen­den Da­ten­ana­ly­sen im Ri­si­ko-Ma­nage­ment, al­so für das Iden­ti­fi­zie­ren und Be­wer­ten po­ten­zi­ell ge­schäfts­schä­di­gen­der Ent­wick­lun­gen. „Da­ten­ana­ly­sen kön­nen in al­len re­le­van­ten Be­rei­chen ei­nes Un­ter­neh­mens ei­nen Mehr­wert ge­ne­rie­ren, in­dem sie bei­spiels­wei­se die Pro­duk­ti­on ef­fi­zi­en­ter ma­chen, ei­ne ziel­ge­naue­re Kun­den­an­spra­che er­mög­li­chen oder vor fi­nan­zi­el­len Ri­si­ken war­nen“, lau­tet das Fa­zit von Pe­ter Heid­kamp, He­ad of Tech­no­lo­gy der KPMG AG.

Ein Blick auf die Bran­chen of­fen­bart in­des ein dif­fe­ren­zier­tes und auch leicht wi­der­sprüch­li­ches Bild der Big-Da­ta-Nut­zung in deut­schen Un­ter­neh­men. Gut ein Drit­tel (34 Pro­zent) ver­fügt laut Um­fra­ge über ei­ne Big-Da­ta-Stra­te­gie. Al­ler­dings gibt es Un­ter­schie­de: 56 Pro­zent der Me­dien­un­ter­neh­men und 46 Pro­zent der Ver­si­che­run­gen ha­ben dem­zu­fol­ge ei­ne Big-Da­ta­S­tra­te­gie, wäh­rend es in der Au­to­mo­ti­ve-Bran­che nur 34 Pro­zent sind. Auch bei der Fra­ge, in­wie­weit die Un­ter­neh­men fort­ge­schrit­te­ne Ana­ly­sen von Da­ten un­ter­schied­lichs­ter Her­kunft und Struk­tur nut­zen, lie­gen die Me­di­en mit ei­nem An­teil von 35 Pro­zent vorn, ge­folgt von der Au­to­in­dus­trie (30 Pro­zent) und den Ver­si­che­run­gen (26 Pro­zent). Schluss­lich­ter sind Ban­ken so­wie die Che­mie- und Phar­ma-

bran­che mit je­weils elf Pro­zent und der Lo­gis­tik- und Trans­port­be­reich (acht Pro­zent).

Al­ler­dings ran­gie­ren die Ban­ken mit ei­nem An­teil von 45 Pro­zent in Sa­chen Big-Da­ta-Stra­te­gie re­la­tiv weit vor­ne. Und auch 40 Pro­zent der Lo­gis­ti­ker ver­fol­gen laut Um­fra­ge ei­ne de­di­zier­te Big-Da­ta-Stra­te­gie. Die Me­di­en, die der Um­fra­ge zu­fol­ge mit ih­ren fort­ge­schrit­te­nen Ana­ly­sen und ih­ren Big-Da­ta-Stra­te­gi­en be­reits viel ge­macht ha­ben, hin­ken wie­der­um an an­de­rer Stel­le deut­lich hin­ter­her. In den Fra­gen, in­wie­weit re­le­van­te Ent­schei­dun­gen auf den Er­kennt­nis­sen aus den Ana­ly­sen von Da­ten be­ru­hen und kon­kre­ter Nut­zen aus den Da­ten­ana­ly­sen er­zielt wird, schnei­det die Me­di­en­wirt­schaft schlecht ab.

Big-Da­ta-Nut­zen mit Fra­ge­zei­chen

Es hat al­so den An­schein, dass es in der Bi­gDa­ta-Um­set­zung noch an der ei­nen oder an­de­ren Stel­le hakt. Gut je­der fünf­te Be­frag­te (21 Pro­zent) gab an, dass es ge­lin­ge, die Er­kennt­nis­se aus den Ana­ly­sen auch in kon­kre­ten Nut­zen für das Un­ter­neh­men um­zu­mün­zen. Vor ei­nem Jahr wa­ren es gera­de ein­mal zwölf Pro­zent. Wenn es aber um die Fra­ge geht, was das En­ga­ge­ment un­term Strich ein­ge­bracht ha­be, kommt ei­ne an­de­re Stu­die zu ei­nem er­nüch­tern­den Er­geb­nis.

Cap­ge­mi­ni hat im Auf­trag von In­for­ma­ti­ca mehr als 200 Füh­rungs­kräf­te aus dem IT- und Da­ten-Ma­nage­ment in Eu­ro­pa und den USA be­fragt. Da­bei kam her­aus, dass gera­de ein­mal gut ein Vier­tel (27 Pro­zent) der Big-Da­ta-Pro­jek­te pro­fi­ta­bel sind. 45 Pro­zent der Teil­neh­mer ga­ben an, dass die ent­spre­chen­den Pro­jek­te zu­min­dest die Kos­ten wie­der ein­ge­spielt hät­ten, und gut je­der Zehn­te (zwölf Pro­zent) räum­te ein, mit sei­nen Initia­ti­ven Geld ver­brannt zu ha­ben. Schlüs­sel­fak­to­ren für die Pro­fi­ta­bi­li­tät von Big-Da­ta-Pro­jek­ten sind den Be­ra­tern zu­fol­ge Or­ga­ni­sa­ti­on und Steue­rung der Vor­ha­ben so­wie die Ver­an­ke­rung im Bu­si- ness. Dem­nach sei es mehr als dop­pelt so wahr­schein­lich, dass ein Big-Da­ta-Pro­jekt ge­winn­brin­gend ist, wenn ein Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer (COO) oder Chief Da­ta Of­fi­cer (CDO) an­stel­le des CIO die Lei­tung über­neh­me. Die­se Er­kennt­nis scheint sich im­mer stär­ker zu ver­brei­ten. Zwar ha­ben in et­wa der Hälf­te der Un­ter­neh­men nach wie vor die CIOs das Big-Da­ta­Heft in der Hand. Al­ler­dings ver­schie­ben sich die Zu­stän­dig­kei­ten hin zum ope­ra­ti­ven Ge­schäft: So über­neh­men COO (20 Pro­zent), Chief Tech­no­lo­gy Of­fi­cer (16 Pro­zent) und Chief Mar­ke­ting Of­fi­cer (16 Pro­zent) mehr und mehr die Ver­ant­wor­tung.

Auch der ef­fek­ti­ve Um­gang beim Ma­nage­ment der Da­ten­qua­li­tät und der Da­ta Go­ver­nan­ce so­wie beim An­wen­den un­ter­neh­mens­wei­ter Stan­dards tra­gen ih­ren An­teil zu ge­winn­brin­gen­den Big-Da­ta-Initia­ti­ven bei. Drei Vier­tel (75 Pro­zent) der Be­frag­ten, die pro­fi­ta­ble Pro­jek­te vor­wei­sen kön­nen, ga­ben an, dass sie sich in den The­men­fel­dern Da­ten­qua­li­tät und Go­ver­nan­ce ex­zel­lent oder sehr gut wei­ter­ent­wi­ckelt ha­ben. Der Durch­schnitt über al­le Stu­di­en­teil­neh­mer liegt bei 50 Pro­zent. Au­ßer­dem ver­wei­sen drei Vier­tel der Top-Per­for­mer hin­sicht­lich Pro­fi­ta­bi­li­tät auf ih­re Er­fol­ge bei der Stan­dar­di­sie­rung und Ver­bes­se­rung der Kon­sis­tenz der Da­ten in der ei­ge­nen Or­ga­ni­sa­ti­on – der Durch­schnitt liegt bei 47 Pro­zent.

„In der Pra­xis kommt es dar­auf an, die bei­den Ge­gen­spie­ler Go­ver­nan­ce und Agi­li­tät aus­zu­ba­lan­cie­ren“, sagt Rü­di­ger Eber­lein, Chef­ar­chi­tekt und Be­ra­ter der In­sights & Da­ta Glo­bal Prac­tice bei Cap­ge­mi­ni in Deutsch­land. Ei­ne ri­gi­de Go­ver­nan­ce brem­se aus. Alt­her­ge­brach­te Go­ver­nan­ce-An­sät­ze aus der BI funk­tio­nier­ten in der heu­ti­gen Da­ten­welt nicht mehr. „Für die­se Grat­wan­de­rung soll­ten Un­ter­neh­men Ei­gen­tü­mer für al­le in­ter­nen und ex­ter­nen Da­ta As­sets fest­le­gen und ein­fa­che Re­geln und Pro­zes­se zur Frei­ga­be von Da­ten durch die Ei­gen­tü­mer an die An­for­de­rer de­fi­nie­ren“, lau­tet der Rat­schlag des Big-Da­ta-Ex­per­ten.

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