Was macht ei­gent­lich ein Soft­ware­sa­ni­tä­ter?

Computerwoche - - Job & Karriere - Von Alexandra Mes­mer, Re­dak­teu­rin

Wenn Sys­te­me im­mer wie­der ab­stür­zen und nichts mehr geht, wer­den die Soft­ware­ret­ter ge­holt. Ein Be­such bei QA­wa­re in München zeigt, dass die di­gi­ta­len Sa­ni­tä­ter vor al­lem Ru­he be­wah­ren müs­sen. Dia­gno­se und Hei­lung ge­lin­gen nur Schritt für Schritt.

Das Fea­tu­re muss­te un­ter Zeit­druck pro­gram­miert wer­den. Den Pro­jekt­plan konn­ten die Ent­wick­ler nur ein­hal­ten, weil sie auf gründ­li­che Tests ver­zich­te­ten. Mit Fra­gen von Si­cher­heit oder War­tung hiel­ten sie sich kaum auf, zu­mal das Fea­tu­re dem bis­her ge­wohn­ten Qua­li­täts­ni­veau weit­ge­hend zu ent­spre­chen schien. Doch Mo­na­te, manch­mal auch Jah­re spä­ter sind An­wen­der wie Ent­wick­ler dann rat­los: Das Sys­tem ist lang­sam, es stürzt im­mer wie­der ab, In­stal­la­tio­nen und Roll­outs schei­tern. Das bleibt auch dem Vor­stand nicht ver­bor­gen.

Jo­sef Aders­ber­ger und sein Team fin­den sol­che Si­tua­tio­nen häu­fig vor, wenn sie als Soft­ware­sa­ni­tä­ter zum Kun­den ge­ru­fen wer­den. „Soft­ware­pro­ble­me kom­men schlei­chend. Erst wenn sie mas­siv wer­den, wird das gan­ze Aus­maß deut­lich. Dar­um kom­men vie­le Kun­den erst sehr spät zu uns“, sagt der tech­ni­sche Ge­schäfts­füh­rer von QA­wa­re. Der In­for­ma­ti­ker pro­mo­vier­te vor elf Jah­ren und grün­de­te par­al­lel da­zu mit Jo­han­nes Wei­gend das Un­ter­neh- men. Die bei­den spe­zia­li­sier­ten sich un­ter an­de­rem auf feh­ler­haf­te Soft­ware­sys­te­me. Das Ge­schäft be­trei­ben die Münch­ner mit gro­ßem Er­folg: Die mitt­ler­wei­le 80 Mit­ar­bei­ter, da­von ein Groß­teil Soft­ware­in­ge­nieu­re, sind so zu­frie­den mit ih­rem Ar­beit­ge­ber, dass die­ser von Gre­at Place to Work oder Kun­unu wie­der­holt als bes­ter IT-Ar­beit­ge­ber aus­ge­zeich­net wur­de.

EKG für ma­ro­de Soft­ware

Wie bei den Kol­le­gen aus der me­di­zi­ni­schen Welt be­ginnt die Ar­beit von QA­wa­re mit Fra­gen zur Be­find­lich­keit an IT- und Fach­ab­tei­lun­gen so­wie Ge­schäfts­füh­rung des Kun­den. „Der Kun­de hat oft ein Bauch­ge­fühl, ob die Sa­nie­rung der Soft­ware Sinn gibt“, sagt Aders­ber­ger. „Un­se­re Auf­ga­be ist es, nach Ana­mne­se und Un­ter­su­chung des Sys­tems die Dia­gno­se zu stel­len und das ur­sprüng­li­che Bauch­ge­fühl struk­tu­riert zu ei­ner Ent­schei­dungs­emp­feh­lung zu brin­gen.“Da­bei sei es wich­tig, nicht als Bes­ser­wis­ser auf­zu­tre­ten und gut zu­zu­hö­ren, um mög­lichst viel über Sym­pto­ma­tik und Pro­jekt­his­to­rie zu er­fah­ren. „Un­se­re Dia­gno­se­ge­rä­te äh­neln ei­nem EKG“, so Aders­ber­ger. „Wir le­gen von au­ßen Soft­ware­sen­so­ren auf den Co­de, die Da­ten sam­meln, bis zu 1000 un­ter­schied­li­che Pa­ra­me­ter mes­sen so­wie Ano­ma­li­en an­zei­gen“, be­schreibt er die Un­ter­su­chung der Soft­ware. Dar­auf folgt die Dia­gno­se, aus sei­ner Sicht der schwie­rigs­te Part. Hier gilt es, die Feh­ler­ur­sa­chen auf­zu­lis­ten und ei­nen Ka­ta­log von 20 bis 50 Maß­nah­men vor­zu­schla­gen, wie und mit

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