Nicht App­le, son­dern die EU hat ein Pro­blem

Computerwoche - - Editorial -

ÜberAppl es aus­ge­klü­gel­te Steu­er­verm ei dungs­stra­te­gie mag man schimp­fen un­d­gr ei­nen: Rechts­ver­stö­ße sind kaum nach­zu­wei­sen. Das Pro­blem sind die Steu­er­pa­ra­die­se in der EU.

App­le, das an der Bör­se am höchs­ten be­wer­te­te Un­ter­neh­men der Welt, sitzt auf Fi­nanz­re­ser­ven von rund 200 Mil­li­ar­den Dol­lar. Für die­sen bei­spiel­lo­sen Reich­tum gibt es ne­ben Er­folgs­pro­duk­ten wie dem iPho­ne ei­nen zwei­ten Grund: App­le ge­lingt es seit mehr als ei­nem Jahr­zehnt be­son­ders „krea­tiv“, die Steu­er­last zu sen­ken – ein Ziel, das, sei­en wir ehr­lich, je­des Un­ter­neh­men ver­folgt (sie­he Sei­te 12). Erst vor drei Jah­ren nahm sich der US-Se­nat App­leCEO Tim Cook zur Brust, weil es dem Un­ter­neh­men ge­lun­gen war, durch das Ver­schie­ben von Gel­dern in Steu­er­oa­sen und das Aus­nut­zen di­ver­ser Schlupf­lö­cher ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­trag auch am ame­ri­ka­ni­schen Fis­kus vor­bei­zu­schleu­sen.

Wenn jetzt die EU-Kom­mis­si­on fest­stellt, App­le ha­be in Ir­land seit 2003 un­recht­mä­ßi­ge Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen von bis zu 13 Mil­li­ar­den Dol­lar er­hal­ten, dann darf man sich fra­gen, wer hier­an ei­gent­lich die Schuld trägt. Am ehes­ten sind es wohl die Iren, die App­le trotz oh­ne­hin schon groß­zü­gi­ger Un­ter­neh­mens­be­steue­rung ei­nen zu­sätz­li­chen, laut EU un­fai­ren Vor­teil ge­währt ha­ben. Das ist kei­ne Über­ra­schung: US-Kon­zer­ne mit güns­ti­gen Steu­er­kon­di­tio­nen zu lo­cken und so für Ar­beits­plät­ze auf der grü­nen In­sel zu sor­gen, ist Kern der iri­schen Wirt­schafts­po­li­tik. Kein Wun­der, dass Ir­land kei­ne Rück­er­stat­tung von App­le möch­te und gro­ßen Wert auf die Fest­stel­lung legt: Steu­ern sind An­ge­le­gen­heit der ein­zel­nen EU-Staa­ten. Doch so ein­fach ist es nicht: Im­mer­hin muss­te die EU Ir­land auf Kos­ten der Steu­er­zah­ler un­ter ih­ren Ret­tungs­schirm neh­men und wie­der auf­päp­peln. Die EUBür­ger sind hell­hö­rig ge­wor­den und fra­gen sich, ob es nicht ein­heit­li­che Re­geln ge­ben muss, um Steu­er­lö­cher zu ver­hin­dern und In­ves­to­ren an­zu­lo­cken. Nach Fi­nanz- und Flücht­lings­kri­se könn­te hier ei­ne wei­te­re Zer­reiß­pro­be für Eu­ro­pa dro­hen.

Herz­lich, Ihr Hein­rich Vas­ke, Editorial Di­rec­tor

Hein­rich Vas­ke, Editorial Di­rec­tor

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