PC-Käu­fer müs­sen ein vor­in­stal­lier­tes Be­triebs­sys­tem be­zah­len – auch wenn sie es nicht ha­ben wol­len

Computerwoche - - Markt -

Ver­sto­ßen PC-Her­stel­ler, die Hard­ware und Be­triebs­sys­tem im Bund­le an­bie­ten, ge­gen gel­ten­des Recht? Der Fran­zo­se Vin­cent De­roo-Blan­quart woll­te es ge­nau wis­sen. Er hat­te am 27. De­zem­ber 2008 ei­nen So­ny-Vaio-Lap­top mit vor­in­stal­lier­tem Win­dows Vis­ta Ho­me Pre­mi­um er­stan­den. Da­mals woll­te er ei­nen Teil der Kauf­sum­me von 549 Eu­ro zu­rück, weil er den Vis­ta-Li­zenz­be­stim­mun­gen nie zu­ge­stimmt hat­te und das OS nicht be­nö­tig­te.

De­roo-Blan­quart be­rief sich auf fran­zö­si­sches Recht, dem­zu­fol­ge es nicht ge­stat­tet ist, den Kauf ei­nes Pro­dukts „un­fair“an den ei­nes an­de­ren zu knüp­fen. Ver­brau­cher­schüt­zer und Open-Sour­ce-Un­ter- stüt­zer mach­ten in Frank­reich fort­an viel Druck bei der für Wett­be­werb und Ver­brau­cher­schutz zu­stän­di­gen Be­hör­de DGCCRF, weil sie PC und Be­triebs­sys­tem für zwei Pro­duk­te hiel­ten, die Kon­su­men­ten ge­trennt kau­fen soll­ten.

Im Ja­nu­ar 2009 lehn­te So­ny den Wunsch des Fran­zo­sen ab und bot an, den Rech­ner ein­schließ­lich OS ge­gen Rück­ga­be zu er­stat­ten. De­roo-Blan­quart zog zwei Jah­re spä­ter vor ein Be­zirks­ge­richt und ver­lang­te die Er­stat­tung des Han­dels­prei­ses von Win­dows Vis­ta so­wie ei­nen Scha­dens­er­satz von 2500 Eu­ro. Das Ge­richt lehn­te ab, und der Fran­zo­se ging mehr­fach in Be­ru­fung, bis der Fall schließ­lich vom obers­ten fran­zö­si­schen Ge­richt, dem Kas­sa­ti­ons­hof, an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof durch­ge­reicht wur­de. Der ent­schied, es sei le­gal, PC und Soft­ware zu bün­deln, oh­ne die je­wei­li­gen Prei­se ein­zeln aus­zu­wei­sen. Zu­dem dürf­ten Her­stel­ler PC und OS ge­kop­pelt an­bie­ten, so­fern sie sich da­bei an be­stimm­te Sorg­falts­pflich­ten hiel­ten. Das Bund­ling ent­spre­che den Er­war­tun­gen der Kun­den, die die­se Ar­beit über­wie­gend nicht selbst er­le­di­gen woll­ten. Jetzt liegt der Vor­gang wie­der beim obers­ten fran­zö­si­schen Ge­richt, das ei­ne letz­te Ent­schei­dung fäl­len muss. Der in­ter­na­tio­na­len „Ra­cket­ware“-Be­we­gung, die sich ge­gen die Be­zah­lung un­er­wünscht ge­lie­fer­ter Soft­ware rich­tet, droht da­mit ei­ne Nie­der­la­ge.

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