IT-Gip­fel 2016: Die Po­li­tik wird es nicht rich­ten

Auf dem 10. IT-Gip­fel gab sich die Po­lit­pro­mi­nenz zu­kunfts­ge­wandt und poch­te auf die Er­fol­ge ih­rer Di­gi­ta­len Agen­da. Doch ein Blick hin­ter die Ku­lis­sen of­fen­bart vie­le Pro­ble­me.

Computerwoche - - Editorial - Herz­lich, Ihr Mar­tin Bay­er, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Die Bun­des­kanz­le­rin rief, und wie im­mer ka­men sie al­le: die wich­tigs­ten Mi­nis­ter, die Re­prä­sen­tan­ten aus ITK-In­dus­trie und -Ver­bän­den, Ge­werk­schaft­ler, CIOs und Di­gi­ta­li­sie­rungs­ex­per­ten jeg­li­cher Cou­leur. Kei­ner will ab­seits­ste­hen, wenn es um die gro­ßen Zu­kunfts­fra­gen geht: Die Di­gi­ta­li­sie­rung wird grund­le­gen­de Struk­tu­ren in Wirt­schaft, Ge­sell­schaft und Ar­beit mas­siv ver­än­dern. Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den groß­ar­ti­ge Re­den dar­über ge­hal­ten, wie wich­tig die Di­gi­ta­li­sie­rung sei und dass die Men­schen di­gi­ta­le Kom­pe­tenz bräuch­ten. Das fan­ge schon in der Schu­le an, die Po­li­tik wer­de viel in­ves­tie­ren, Breit­band­aus­bau und und und.

Kommt Ih­nen be­kannt vor? In der Tat: Seit Jah­ren re­det die Po­li­tik da­von, di­gi­ta­le Kom­pe­ten­zen schon in den Schu­len ver­mit­teln zu wol­len. Die El­tern un­ter un­se­ren Le­sern wer­den es wis­sen: Ge­tan hat sich bis­her kaum et­was. Die Initia­ti­ve D21 ver­öf­fent­lich­te erst vor we­ni­gen Ta­gen ein äu­ßerst mä­ßi­ges „La­ge­bild zur di­gi­ta­len Bil­dung“. Schlech­te In­fra­struk­tur, feh­len­de IT-Ad­mi­nis­tra­ti­on und falsch aus­ge­bil­de­te Lehr­kräf­te ver­hin­dern jeg­li­chen Fort­schritt.

Die D21 be­schei­nigt den Deut­schen denn auch nur ei­nen „mitt­le­ren Di­gi­ta­li­sie­rungs­grad“, die „di­gi­ta­le Spal­tung“sei deut­lich spür­bar. Der Breit­band­aus­bau ver­hed­dert sich im Klein-Klein, ei­ne Stra­te­gie für den bun­des­wei­ten Glas­fa­ser­aus­bau gibt es nicht. Und dann wirft auch noch der Bun­des­rech­nungs­hof dem Bund die Ver­schwen­dung von Mil­lio­nen Eu­ro Steu­er­gel­dern beim IT-Be­trieb vor. Von feh­ler­haf­ten Kon­zep­ten und un­zu­rei­chen­den Wirt­schaft­lich­keits­be­trach­tun­gen ist da die Re­de. Re­chen­zen­tren wür­den nicht ge­nutzt, IT-Equip­ment ste­he ori­gi­nal­ver­packt her­um und set­ze Spinn­we­ben an. Ein di­gi­ta­ler Auf­bruch sieht an­ders aus.

Mar­tin Bay­er, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

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