Wie sich Sie­mens di­gi­tal neu erfindet

Der In­dus­trie­gi­gant hat sei­ne Di­gi­tal­stra­te­gie vor­ge­stellt.

Computerwoche - - Vorderseite - Von Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

Jähr­lich zwei­stel­li­ge Wachs­tums­ra­ten im di­gi­ta­len Bu­si­ness will Sie­mens bis 2020 er­zie­len. Da­mit möch­te der Kon­zern sei­ne Po­si­ti­on als di­gi­ta­les Un­ter­neh­men wei­ter stär­ken – so­wohl in­tern als auch ex­tern als An­bie­ter ent­spre­chen­der Lö­sun­gen. So er­ziel­te Sie­mens ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge im Ge­schäfts­jahr 2016 mit di­gi­ta­len Ser­vices mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro Um­satz und mit Soft­ware­lö­sun­gen rund 3,3 Mil­li­ar­den Eu­ro. Ge­gen­über dem Vor­jahr be­deu­tet dies ei­ne Stei­ge­rung um zwölf Pro­zent.

Drei Zu­kunfts­fel­der

Wie Sie­mens-CTO Roland Busch aus­führ­te, ist die Di­gi­ta­li­sie­rung ei­nes von drei Wachs­tums­fel­dern: Elec­tri­fi­ca­ti­on, Au­to­ma­ti­sa­ti­on und Di­gi­ta­liza­t­i­on. Der gan­ze Kon­zern dre­he sich um die­se „EAD-Stra­te­gie“. Im Be­reich Au­to­ma­ti­sa­ti­on se­hen sich die Münch­ner be­reits als Num­mer eins, die Di­gi­ta­li­sie­rung soll hel­fen, hier vor­ne zu blei­ben. „Wir ha­ben das brei­tes­te Know-how in un­ter­schied­li­chen ver­ti­ka­len Märk­ten“, be­haup­te­te Tech­nik­chef Busch. Zu­dem blei­be Sie­mens auf das B2B-Seg­ment fo­kus­siert und wer­de sich nicht durch ein En­ga­ge­ment in Rich­tung B2C wie­der ver­zet­teln. Dass es da­bei durch­aus zu Über­schnei­dun­gen kom­men kann – et­wa im Be­reich Smart Home, Smart Grid – sieht al­ler­dings auch Busch.

Mit Di­gi­ta­li­sie­rung mehr Out­put

Mit Hil­fe der Sie­mens-Di­gi­ta­li­sie­rungs­lö­sun­gen könn­ten Un­ter­neh­men ih­re Pro­duk­te bis zu 50 Pro­zent schnel­ler auf den Markt brin­gen, sag­te Busch. Da­bei wol­len die Münch­ner die ge­sam­te Pro­zess­ket­te von De­sign, Ent­wick­lung, Si­mu­la­ti­on, Lo­gis­tik bis zur Pro­duk­ti­on auf dem Shop Floor mit ih­ren Soft­ware­lö­sun­gen un­ter­füt­tern. In der di­gi­ta­len Vor­zei­ge­fa­brik im mit­tel­baye­ri­schen Amberg konn­te Sie­mens ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge die Ef­fi­zi­enz um 20 Pro­zent stei­gern. Ins­ge­samt wur­de dort seit 1990 der Out­put ver­neun­facht – bei un­ver­än­der­ter Zahl der Be­schäf­tig­ten.

Der Kon­zern hat sein Port­fo­lio an Di­gi­tal­pro­duk­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut: Schon 2007 über­nahm Sie­mens die PLM-(Pro­duct-Lifecy­cle-Ma­nage­ment-)Soft­ware­fir­ma UGS. 2010 folg­te mit LMS ei­ne Soft­ware für me­cha­ni­sche Si­mu­la­tio­nen. 2016 kam CD-ad­ap­co da­zu, ein Spe­zia­list für Si­mu­la­ti­ons­soft­ware in der Strö­mungs­me­cha­nik. Nun hat Sie­mens an­ge­kün­digt, Men­tor Gra­phics zu über­neh­men. Zu­dem be­steht seit No­vem­ber 2016 ei­ne stra­te­gi­sche Al­li­anz mit Bent­ley Sys­tems. Mit Hil­fe die­ses Know-hows sieht sich Sie­mens in der La­ge, auf ei­ner Platt­form das me­cha­ni­sche, ther­mi­sche, elek­tro­ni­sche so­wie Em­bed­ded-Soft­ware-De­sign an­zu­bie­ten – die Kon­struk­ti­on und Si­mu­la­ti­on elek­tro­ni­scher Bau­tei­le in­be­grif­fen. Die zu­grun­de lie­gen­de Platt­form, auf der PLM, Ma­nu­fac­tu­ring

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Exe­cu­ti­on Sys­tem/Ma­nu­fac­tu­ring Ope­ra­ti­ons Ma­nage­ment (MES/MOM) und To­tal­ly In­te­gra­ted Au­to­ma­ti­on (TIA) auf­bau­en, ist Te­am­cen­ter.

IoT-Platt­form Mind­s­phe­re

Ein an­de­rer Wachs­tums­trei­ber in Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung stellt für Busch die ei­ge­ne Clou­dPlatt­form Mind­s­phe­re dar, die er als „Cloud­ba­sier­tes, of­fe­nes Be­triebs­sys­tem für das In­ter­net of Things“pro­pa­gier­te. Als Plat­form as a Ser­vice (PaaS) kon­zi­piert, las­sen sich da­mit Ap­pli­ka­tio­nen (Apps) so­wie di­gi­ta­le Ser­vices ent­wi­ckeln, be­trei­ben und ver­mark­ten. Mind­s­phe­re kann ent­we­der in der Cloud ge­hos­tet wer­den oder on Pre­mi­se von der ei­ge­nen IT. Sei­ne Feu­er­tau­fe als Platt­form für Di­gi­tal Ser­vices hat Mind­s­phe­re in Russ­land in Sa­chen Pre­dic­tive Main­ten­an­ce be­stan­den. Mit Hil­fe der IoT-Platt­form konn­te die Ver­füg­bar­keit der rus­si­schen Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­ge auf 99 Pro­zent ge­stei­gert wer­den – und dies bei Um­ge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren von bis zu mi­nus 40 Grad.

Für den An­schluss von Ma­schi­nen, An­la­gen und Sys­te­men an Mind­s­phe­re ist „Mind­con­nect“zu­stän­dig. Durch die Plug-and-Play- Lö­sung kön­nen Da­ten et­wa aus ei­nem Sen­sor si­cher aus­ge­le­sen und ver­schlüs­selt an Mind­s­phe­re über­tra­gen wer­den. Mit „Mind­apps“steht Her­stel­ler­an­ga­ben zu­fol­ge zu­dem ein Eco­sys­tem zur Ver­fü­gung, für das Sie­mens, die Part­ner und an­de­re OEMs Ap­pli­ka­tio­nen und Ser­vices ent­wi­ckeln kön­nen.

Zum Nach­rüs­ten be­ste­hen­der An­la­gen­in­stal­la­tio­nen of­fe­rie­ren die Münch­ner ein „Smart Mo­tor Kit“. Es ent­hält Sen­so­ren, die an be­ste­hen­den Elek­tro­mo­to­ren an­ge­bracht wer­den kön­nen, um et­wa Vi­bra­tio­nen und Dreh­zahl er­fas­sen zu kön­nen. Mit Hil­fe die­ser Da­ten sei dann eben­falls Pre­dic­tive Main­ten­an­ce rea­li­sier­bar. Zwar ist man sich bei Sie­mens be­wusst, dass die an­fal­len­den Da­ten nicht mit den In­for­ma­tio­nen mit­hal­ten kön­nen, die in ei­nem neu ent­wi­ckel­ten IoT-De­vice an­fal­len. Auf der an­de­ren Sei­te er­öff­ne das Kit aber ei­ne Mög­lich­keit, Le­ga­cy-Sys­te­me an die IoT-und Mind­s­phe­re-Welt an­zu­kop­peln.

IBM Wat­son trifft Mind­s­phe­re

Ein pro­mi­nen­ter Part­ner von Sie­mens ist IBM. Bei­de Un­ter­neh­men pla­nen, den Da­ten­ana­ly­se-Ser­vice „IBM Wat­son Ana­ly­tics“und

Die Sie­mens Di­gi­tal Fac­to­ry in Amberg gilt als Bei­spiel für Pro­dukt­au­to­ma­ti­sie­rung. Hier ver­schmel­zen vir­tu­el­le und rea­le Wel­ten: Be­reits heu­te kom­mu­ni­zie­ren dort Pro­duk­te mit Ma­schi­nen, und sämt­li­che Pro­zes­se sind IT-op­ti­miert und -ge­steu­ert.

Mit ei­nem brei­ten Know-how in un­ter­schied­lichs­ten ver­ti­ka­len Märk­ten ha­be Sie­mens ei­ne gu­te Aus­gangs­po­si­ti­on für die kom­men­den Di­gi­ta­li­sie­rungs­ge­schäf­te, meint Chief Tech­no­lo­gy Of­fi­cer (CTO) Roland Busch.

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