Bei den IT-Bud­gets geht es auf­wärts

2017 steht den meis­ten IT-Chefs mehr Geld zur Ver­fü­gung.

Computerwoche - - Vorderseite - Von Wer­ner Kurzlech­ner, frei­er Jour­na­list in Ber­lin (hv)

Auch in die­sem Jahr wird sich die epo­cha­le Trans­for­ma­ti­on na­mens Di­gi­ta­li­sie­rung fort­set­zen. Das hat Fol­gen für die IT-Bud­gets 2017 – wel­che, ist al­ler­dings um­strit­ten. Liest man, was zum Bei­spiel Gart­ner, For­res­ter Re­se­arch, IDC, CEB und Cap­ge­mi­ni für die IT-Aus­ga­ben in Deutsch­land, Eu­ro­pa, den USA und welt­weit vor­her­sa­gen, lässt sich kaum ein ge­mein­sa­mer Nen­ner fin­den.

Welt­weit ist nach ei­nem schwie­ri­gen Jahr 2016 mit gleich­blei­ben­den oder mo­de­rat stei­gen­den IT-Bud­gets zur rech­nen. In Deutsch­land sorgt vor al­lem der Soft­ware­be­reich für ei­ne leicht po­si­ti­ve Ent­wick­lung. Die­se fällt in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zwar um Län­gen dy­na­mi­scher aus, die ein­schlä­gi­ge Pro­gno­se wur­de aber nach dem Wah­l­er­folg Do­nald Trumps von For­res­ter si­gni­fi­kant ge­senkt. Ins­ge­samt sind sich die Ana­lys­ten aber noch un­si­cher, wie sich die bei­den po­li­ti­schen Erd­be­ben des Br­ex­it und der Trump-Wahl in der an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Welt aus­wir­ken wer­den.

IT-Aus­ga­ben in Deutsch­land

Für Deutsch­land re­spek­ti­ve die DACH-Re­gi­on bie­ten IDC und Cap­ge­mi­ni am meis­ten: IDC geht da­von aus, dass der IT-Ge­samt­markt hier­zu­lan­de um 1,7 Pro­zent auf 70,5 Mil­li­ar­den Eu­ro wach­sen wird. Im größ­ten von drei Teil­märk­ten – den IT-Ser­vices – ist dem­nach nur ein klei­nes Plus von 0,3 Pro­zent zu er­war­ten, das En­de 2017 für ein Vo­lu­men von 30,4 Mil­li­ar­den sorgt. Der Hard­ware­markt schrumpft laut IDC so­gar um 0,7 Pro­zent auf 17,2 Mil­li­ar­den. Vor­an­ge­trie­ben wird der deut­sche IT-Markt al­lei­ne durch das Soft­ware­seg­ment, das um 5,4 Pro­zent auf 22,8 Mil­li­ar­den zu­le­gen soll.

Auf­wärts­trend in We­st­eu­ro­pa

Ei­ne Pro­gno­se für We­st­eu­ro­pa legt Gart­ner vor. Dem­nach stei­gen die IT-Aus­ga­ben in die­ser Re­gi­on um 1,6 Pro­zent auf 803 Mil­li­ar­den Dol­lar. Ge­gen­über le­dig­lich 0,2 Pro­zent Wachs­tum im Jahr 2016 macht Gart­ner ei­nen er­kenn­ba­ren

Auf­wärts­trend aus. Das pro­gnos­ti­zier­te Plus ist bei­na­he ex­akt so groß wie je­nes, das IDC für Deutsch­land er­war­tet. Die Gart­ner-Ve­rän­de­rungs­ra­ten für We­st­eu­ro­pa pas­sen zum Teil gut zu je­nen von IDC: 6,2 Pro­zent plus bei der Soft­ware, ein Pro­zent bei den Re­chen­zen­trums­sys­te­men. Das Mi­nus bei der Hard­ware fällt mit 2,5 Pro­zent stär­ker aus, was auch für das Plus von 4,1 Pro­zent bei den IT-Ser­vices gilt. Die­sem steht je­doch ein Schrump­fen bei den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen von ei­nem Pro­zent ge­gen­über.

Cap­ge­mi­ni ist op­ti­mis­tisch

Die Be­ra­ter von Cap­ge­mi­ni ha­ben für ih­re 2017 er­schei­nen­de IT-Trends-Stu­die 148 IT-Ver­ant­wort­li­che von Groß­un­ter­neh­men in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz be­fragt. Dem­nach wer­den 44,4 Pro­zent im kom­men­den Jahr ih­re Aus­ga­ben hoch­fah­ren, elf Pro­zent so­gar mit ei­nem zwei­stel­li­gen Zu­wachs. Muss­ten 2016 noch 21,3 Pro­zent ih­re IT-Bud­gets kür­zen, wer­den es 2017 laut Pro­gno­se nur noch 16,1 Pro­zent sein. Ei­ne po­si­ti­ve Ent­wick­lung al­so – aber den­noch ist nicht al­les ei­tel Son­nen­schein. Laut Cap­ge­mi­ni pla­nen die be­frag­ten Fir­men aus der DACH-Re­gi­on 47,3 Pro­zent ih­res IT-Bud­gets für Be­trieb, War­tung und Pfle­ge ein. Von 22,7 auf 24,4 Pro­zent steigt hin­ge­gen der An­teil von Up­dates, Ak­tua­li­sie­run­gen und Er­wei­te­run­gen. Ein An­stieg, der of­fen­kun­dig zu Las­ten von In­no­va­tio­nen geht. Hier­für ste­hen nur noch 13,5 Pro­zent der Aus­ga­ben zur Ver­fü­gung, 2016 wa­ren es noch 16,7 Pro­zent.

Of­fen­kun­dig be­mü­hen sich die Un­ter­neh­men um ei­ne Re­du­zie­rung der Soft­ware-Re­leaseZy­klen. Da­ne­ben gibt es aber ei­nen struk­tu­rel­len Ef­fekt der Di­gi­ta­li­sie­rung, die für ei­ne hö­he­re Zahl an An­wen­dun­gen und da­mit für mehr Kom­ple­xi­tät ver­ant­wort­lich ist. „Die stei­gen­de Zahl von An­wen­dun­gen ist kein Ein­mal­ef­fekt, der Trend wird sich in den kom­men­den Jah­ren fort­set­zen“, sagt Tho­mas Hei­mann, Prin­ci­pal En­ter­pri­se Ar­chi­tect & Ex­per­te IT-Trends bei Cap­ge­mi­ni. „Des­halb müs­sen CIOs jetzt die Wei­chen für hö­he­re Agi­li­tät bei gleich­zei­ti­ger Be­herr­schung der Kos­ten stel­len.“An­dern­falls könn­ten sie In­no­va­tio­nen kaum noch fi­nan­zie­ren.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ha­be gro­ßen Ein­fluss auf die IT-Aus­ga­ben, wenn­gleich mit teil­wei­se ge­gen­sätz­li­chen Ef­fek­ten – so das Ana­lys­ten­haus CEB, das die Ent­wick­lung der IT-Bud­gets glo­bal un­ter die Lu­pe nahm. Wenn die IT mit der Im­ple­men­tie­rung di­gi­ta­ler Stra­te­gi­en be­auf­tragt wer­de, stei­ge das IT-Bud­get. Hin­ge­gen sin­ke es, wenn die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on den Fach­be­rei­chen zu­ge­ord­net sei. „Aber in bei­den Si­tua­tio­nen ver­än­dern die CIOs sub­stan­zi­ell das Be­triebs- und Per­so­nal­modell der IT, um die Di­gi­ta­li­sie­rungs­be­mü­hun­gen ih­res Un­ter­neh­mens zu un­ter­stüt­zen – und im­mer gibt es Aus­wir­kun­gen auf die Bud­gets“, sagt And­rew Hor­ne, IT Prac­tice Le­a­der bei CEB.

CIOs stel­len Da­ta Sci­en­tists ein

CIOs wen­den laut CEB auch im­mer mehr Zeit für Ak­ti­vi­tä­ten auf, die mit der Di­gi­ta­li­sie­rung zu­sam­men­hän­gen – zum Bei­spiel für Ana­ly­tics oder On­li­ne-Platt­for­men. Für die CIOs mit Ver­ant­wort­lich­kei­ten auch au­ßer­halb der IT gilt: 71 Pro­zent von ih­nen ver­brin­gen mehr Ar­beits­stun­den mit Di­gi­ta­li­sie­rung als mit tra­di­tio­nel­len Bu­si­ness-Di­enst­leis­tun­gen. Zwei Fünf­tel der Fir­men er­war­ten, dass es 2017 ei­nen Chief Da­ta Of­fi­cer in ih­rem Un­ter­neh­men gibt, und ei­ne Mehr­heit will im kom­men­den Jahr Da­ta Sci­en­tists an­stel­len.

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