Mo­bi­le World Con­gress

Das In­ter­net of Things über­rollt den Mo­bi­leE­vent in Bar­ce­lo­na.

Computerwoche - - Vorderseite - Von Man­fred Brem­mer, Re­dak­teur, und Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

Nach­dem Samsung auf dem Mo­bi­le World Con­gress (MWC) doch nicht sein neu­es Flagg­schiff „Ga­la­xy S8“prä­sen­tier­te, blieb die welt­größ­te Han­dy­mes­se die gro­ße Sen­sa­ti­on in Sa­chen Smart­pho­nes die­ses Jahr schul­dig. Trotz­dem wa­ren et­li­che neue Mo­del­le in Bar­ce­lo­na zu be­stau­nen – auch wenn sich die Her­stel­ler vor al­lem auf Mo­dell­pfle­ge und das Tu­ning mit neu­en Funk­tio­nen kon­zen­trier­ten.

So hat­te sich LG nach dem Flop des mo­du­la­ren Smart­pho­nes „G5“bei der Ent­wick­lung des neu­en Flagg­schiffs „G6“„Usa­bi­li­ty and Com­fort“als obers­te Prä­mis­se auf die Fah­nen ge­schrie­ben. Zu den größ­ten Neue­run­gen ge­hört ein Dis­play im For­mat von 18:9, das die UserAn­wen­dung Num­mer eins, das Ab­spie­len von Vi­de­os, op­ti­mal un­ter­stüt­zen soll. Wie schon bei den Vor­gän­ger­mo­del­len leg­te LG auch beim G6 gro­ßen Wert auf die Ka­me­ra­ent­wick­lung. So kön­nen die User bei der dua­len 13-Me­ga­pi­xel-Haupt­ka­me­ra zwi­schen Stan­dard- und Weit­win­kel­mo­dus wäh­len. Die 5-Me­ga­pi­xelFront­ka­me­ra des G6 wie­der­um ver­fügt über ei­nen 100-Grad-Win­kel und er­spart so An­we­sen­den den An­blick von Sel­fie-Sticks. Eher mau sieht es da­ge­gen beim Chip­satz aus: Nach­dem an­geb­lich Samsung die ers­te Char­ge des neu­en su­per­star­ken Snap­dra­gon 835 für sein Ga­la­xy S8 re­ser­viert hat, kommt beim G6 noch der Snap­dra­gon 821 aus dem Vor­jahr zum Ein­satz.

Auch der mitt­ler­wei­le dritt­größ­te Smart­pho­neHer­stel­ler Hua­wei hielt bei sei­nen neu­en Flagg­schif­fen „P10“und „P10 Plus“tech­nisch den Ball eher flach: High­light des P10 sind die bei­den Lei­ca-Ka­me­ras auf der Rück­sei­te, be­ste­hend aus ei­nem 20-Me­ga­pi­xel-Mo­no­ch­romSen­sor und ei­nem 12-Me­ga­pi­xel-Farb­sen­sor. Beim Schie­ßen ei­nes Fo­tos bil­det das Schwar­zWeiß-Bild die Ba­sis, an­schlie­ßend fügt die Soft­ware die Farb­in­for­ma­tio­nen hin­zu. Das soll bes­se­re Kon­tras­te und na­tür­li­che­re Far­ben brin­gen. Die 8-Me­ga­pi­xel-Front­ka­me­ra stammt eben­falls von Lei­ca. Als Be­son­der­heit er­kennt sie bei Sel­fie-Auf­nah­men, wenn ei­ne Grup­pen­auf­nah­me ge­macht wird, und schal­tet au­to­ma­tisch in den Weit­win­kel­mo­dus. Un­ter der Hau­be wer­kelt der Acht-Kern-Pro­zes­sor Ki­rin 960, der be­reits beim Hua­wei Ma­te 9 zum Ein­satz kommt und von 4 GB RAM un­ter­stützt wird. Als Be­triebs­sys­tem nut­zen P10 und P10 Plus An­dro­id 7.0 mit EMUI 5.1, Hua­weis haus­ei­ge­ne Be­nut­zer­ober­flä­che mit iOS-An­mu­tung. Auch was die Op­tik an­be­langt, kön­nen die bei­den Ge­rä­te ei­ne ge­wis­se Ähn­lich­keit mit App­les iPho­nes nicht ver­heim­li­chen, zu­mal der Fin­ger­print-Sen­sor wie­der nach vor­ne in ei­ne Mul­de un­ter­halb des Dis­plays ge­wan­dert ist. Fai­rer­wei­se muss man aber hin­zu­fü­gen, dass Hua­wei ver­sucht, ge­wis­se iPho­ne-Fea­tu­res noch zu über­tref­fen. So ist et­wa die Bau­grö­ße

von iPho­ne 7 und P10 fast iden­tisch, al­ler­dings ist das Dis­play des Hua­wei-Ge­räts dank schmä­le­rer Rän­der mit 5,1 Zoll deut­lich grö­ßer.

An­geb­lich ar­bei­ten die Chi­ne­sen auch an ei­nem Si­ri-ähn­li­chen vir­tu­el­len As­sis­ten­ten für das P10 – ein wei­te­rer Trend des dies­jäh­ri­gen MWC. So prä­sen­tier­te die Le­no­vo-Toch­ter Mo­to­ro­la Mo­bi­li­ty mit dem Mo­to G5 und dem Mo­to G5 Plus zwei preis­güns­ti­ge Mit­tel­klas­se-Smart­pho­nes mit in­te­grier­tem Goog­le As­sis­tant, ein Fea­tu­re, das bis­lang den teu­ren Pi­xel-Smart­pho­nes von Goog­le vor­be­hal­ten war. Wei­te­re Mo­del­le mit in­te­grier­tem Goog­le As­sis­tant sol­len fol­gen, wo­bei Deutsch als zwei­te Spra­che ne­ben Eng­lisch von Be­ginn an un­ter­stützt wird. Der In­ter­net-Rie­se geht da­mit in die Of­fen­si­ve im Wett­be­werb mit Ama­zon, das sein Pen­dant Ale­xa eben­falls in Smart­pho­nes un­ter­brin­gen will. Be­reits auf der Mes­se kün­dig­te Mo­to­ro­la ei­nen Ama­zon-Ale­xa-Mo­dus für das mo­du­la­re Mo­to Z an. In spä­te­ren De­vices soll Ale­xa fest in­te­griert sein, so dass der Nut­zer wo­mög­lich gleich zwei As­sis­ten­ten an Bord hat.

Blackber­ry Key One lockt mit al­ten Tu­gen­den

Auch alt­be­kann­te An­bie­ter tra­ten auf dem dies­jäh­ri­gen MWC wie­der ein­mal ins Ram­pen­licht. So et­wa Blackber­ry be­zie­hungs­wei­se der chi­ne­si­sche Mar­ken­li­zenz­neh­mer TCL Com­mu­ni­ca­ti­on mit dem „Key One“. Das An­dro­id-Ge­rät im Re­tro-Look soll mit klas­si­schen Blackber­ry-Wer­ten wie Si­cher­heit, Zu­ver­läs­sig­keit, lan­ger Ak­ku-Lauf­zeit und nicht zu ver­ges­sen ei­ner phy­si­schen Tas­ta­tur punk­ten. Um Voll­tas­ta­tur und ein re­la­tiv gro­ßes Dis­play zu kom­bi­nie­ren, wur­de das Key One mit ei­nem 4,5-Zoll-Bild­schirm im un­ge­wöhn­li­chen 3:2-For­mat aus­ge­stat­tet. Und auch das von vie­len Touch­screen-Nut­zern als an­ti­quiert an­ge­se­he­ne Tas­ta­tur­sys­tem wur­de über­ar­bei­tet: Das Smart Key­board re­agiert auf Be­rüh­run­gen ganz in der Tra­di­ti­on des Blackber­ry-Track­pads, au­ßer­dem kann man im Key­board für je­de Tas­te ei­nen Short­cut fest­le­gen – „M“für Mail zum Bei­spiel. In die Leer­tas­te wur­de ein Fin­ger­ab­druck­sen­sor in­te­griert. Zu­dem ließ TCL dem Key One die glei­chen Si­cher­heits­maß­nah­men an­ge­dei­hen wie be­reits dem Blackber­ry DTEK 50 und DTEK 60 – an­ge­fan­gen vom Hin­zu­fü­gen von Si­cher­heits­schlüs­seln in den Pro­zes­sor bei der Fer­ti­gung bis hin zu ei­nem si­che­ren Be­triebs­sys­tem (An­dro­id 7.1) und der Ga­ran­tie mo­nat­li­cher Up­dates.

Ein viel be­ach­te­tes Come­back fei­er­te auf dem MWC die Mar­ke No­kia. HMD Glo­bal, Li­zenz­neh­mer von No­kia und eben­falls im fin­ni­schen Es­poo an­säs­sig, stell­te drei neue Smart­pho­nes vor: das be­reits in Chi­na ver­füg­ba­re No­kia 6 so­wie die klei­ne­ren und güns­ti­ge­ren An­dro­idS­mart­pho­nes No­kia 5 und No­kia 3.

Die neu­en No­kia-Smart­pho­nes lau­fen mit An­dro­id 7 (Nou­gat) und sind mit dem Goog­le As­sis­tant aus­ge­stat­tet. Au­ßer­dem ver­spricht HMD Glo­bal mo­nat­li­che Si­cher­heits-Up­dates für die Ge­rä­te. Das No­kia 3 ist ein preis­wer­tes Fünf-Zoll-Smart­pho­ne, das für 139 Eu­ro im­mer­hin 2 GB RAM, 16 GB Spei­cher, ei­nen Qua­dCo­re-Pro­zes­sor und 8-MP-Ka­me­ras vor­ne und hin­ten bie­tet. Das No­kia 5 ar­bei­tet mit ei­nem Snap­dra­gon 430, ei­nem 5,2-Zoll-HD-Dis­play, 2 GB RAM und 16 GB Spei­cher­platz, ei­ner 13-MPFront­ka­me­ra und kos­tet rund 190 Eu­ro. Vom No­kia 6 mit 5,5-Zoll-Full-HD-Dis­play und Snap­dra­gon 430 wer­den zwei Ver­sio­nen an­ge­bo­ten: Das Stan­dard­mo­dell be­sitzt Du­al-Laut­spre­cher und Dol­by-Atmos-Tech­nik, 3 GB RAM und 32 GB Spei­cher und soll 229 Eu­ro kos­ten. Für 70 Eu­ro mehr gibt es die No­kia 6 Arte Black Li­mi­ted Edi­ti­on mit 64 GB Spei­cher und 4 GB RAM. Bei­de Va­ri­an­ten be­sit­zen ei­ne 16-MP-Ka­me­ra hin­ten und ei­ne 8-MP-Front­ka­me­ra.

Come­back ei­nes Klas­si­kers

Zu­sam­men mit den neu­en Smart­pho­nes brach­te HMD Glo­bal auch ei­nen mo­der­nen Klas­si­ker zu­rück – das im De­sign über­ar­bei­te­te No­kia 3310. Die Neu­auf­la­ge ei­nes der meist­ver­kauf­ten Fea­tu­re-Pho­nes al­ler Zei­ten ver­spricht 22 Stun­den Te­le­fo­nie und ei­ne Stand­by-Zeit von ei­nem Mo­nat. Dank ei­nes Ver­kaufs­prei­ses von un­ter 50 Eu­ro ist das Ge­rät auch in In­dus­trie­län­dern als Zweit- oder Dritt­han­dy in­ter­es­sant. Nimmt man den Me­di­en­rum­mel um das Ge­rät und den Men­schen­auf­lauf am Mes­se­stand als Maß­stab, war das No­kia 3310 ei­nes der High­lights des MWC 2017 – ein Um­stand, der nicht nur Smart­pho­ne-Her­stel­lern zu den­ken ge­ben soll­te.

Ne­ben neu­en Ge­rä­ten wie dem G6 von LG (o. re.) und dem Mo­to G5 der Le­no­vo-Toch­ter Mo­to­ro­la (u. re.) fei­er­ten alt­be­kann­te Mar­ken ein Come­back: Blackber­ry mit Key One (u. li.), und HDM Glo­bal re­ani­mier­te mit ei­ner Neu­auf­la­ge des No­kia 3310 (o. li.) das er­folg­reichs­te Fea­tu­re-Pho­ne al­ler Zei­ten.

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