Die IoT-Tech­nik ist da – jetzt wird Phan­ta­sie für die Lö­sun­gen ge­braucht

IoT war ei­nes der zen­tra­len The­men auf dem Mo­bi­le World Con­gress. Ob Con­nec­tivi­ty, Se­cu­ri­ty oder Im­ple­men­tie­rung, of­fe­ne Fra­gen in Sa­chen IoT gab es auf der Mes­se ei­gent­lich nicht mehr – es kann al­so los­ge­hen.

Computerwoche - - Technik - Von Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

Was hat die vom Ar­chi­tek­ten An­to­ni Gau­dí ent­wor­fe­ne Sa­gra­da Fa­mi­lia in Bar­ce­lo­na mit dem Mo­bi­le World Con­gress (MWC) zu tun? Nicht viel, möch­te man mei­nen. Doch die Ba­si­li­ka ist ein „re­al live use ca­se“für das In­ter­net of Things (IoT) und Big Da­ta. Mit Hil­fe die­ser Tech­no­lo­gi­en will die Stadt die Be­su­cher­strö­me – al­lein 2016 be­such­ten rund 4,5 Mil­lio­nen Men­schen das un­voll­ende­te Bau­werk – ka­na­li­sie­ren. So will man et­wa die An­fahrt der Tou­ris­ten­bus­se und die Ab­fahrts­zei­ten des öf­fent­li­chen Nah­ver­kehrs op­ti­mie­ren. Ge­för­dert wur­de das Pro­jekt im Rah­men des Pro­gramms „Mo­bi­le World Ca­pi­tal“, das Bar­ce­lo­na als Ver­an­stal­ter des Mo­bi­le World Con­gress (MWC) von der GSM As­so­cia­ti­on (GSMA) er­hält. Be­trach­tet man das Pro­jekt im De­tail, so hat es we­nig mit Ra­ke­ten­wis­sen­schaft zu tun. Zum Ein­satz kommt be­kann­te Tech­nik: neun WLAN-Sen­so­ren, drei 3D-Ka­me­ras und ein GSM-Sen­sor. Die Fas­zi­na­ti­on des Pro­jekts liegt viel­mehr dar­in, wie aus vor­han­de­nen Da­ten im IoT-Zeit­al­ter Smart Da­ta, al­so neue In­for­ma­tio­nen, ent­ste­hen. Et­wa in­dem der GSM-Sen­sor ge­nutzt wird, um die Na­tio­na­li­tät der Be­nut­zer zu er­ken­nen. Schließ­lich bucht sich je­des Han­dy in­klu­si­ve Län­der­vor­wahl in die Mo­bil­funk­zel­len ein. Die­ses Vor­ge­hen steht bei­spiel­haft für vie­le der IoT-Use-Ca­ses auf dem Mo­bi­le World Con­gress: Das Ver­knüp­fen be­reits be­kann­ter und vor­han­de­ner Tech­no­lo­gi­en zu neu­en Lö­sun­gen. Oder wie es Te­le­kom-Tech­nik­vor­stand Clau­dia Ne­mat for­mu­lier­te: „Com­bi­ning fan­ta­sy and rea­li­ty in real­time.“Da­bei mö­gen man­che Lö­sun­gen für die Be­su­cher ab­strus er­schei­nen. Auf der an­de­ren Sei­te ist es wie­der­um ein Be­leg da­für, dass nicht die Tech­nik, son­dern die Idee für ein neu­es Bu­si­ness-Mo­dell ent­schei­dend ist, um das Po­ten­zi­al von IoT aus­zu­rei­zen. Et­wa wenn in Afri­ka IoT ge­nutzt wird, um via Mo­bi­le Pay­ment das Gas zum Ko­chen on De­mand frei­zu­schal­ten. Oder wenn in In­di­en die Rik­scha per E-Call mit Mo­bil­funk aus­ge­rüs­tet wird und so für al­le mög­li­chen an­de­ren An­wen­dun­gen zur Ver­fü­gung steht.

Ei­ne gu­te Idee in Sa­chen IoT hat­te man auch bei Ko­rea Tele­com (KT). Die Asia­ten pa­cken Sen­so­ren et­wa in Funk­ti­ons­klei­dung für Berg­stei­ger, Ski­fah­rer so­wie in pro­fes­sio­nel­le Ret­tungs­wes­ten für die See­fahrt. Im Un­glücks­fall mel­den die Sen­so­ren die Po­si­ti­on des Ver­un­glück­ten per Nar­row­band IoT (NB-IoT). Zur Su­che, ge­ra­de bei wid­ri­gen Wet­ter­ver­hält­nis­sen, setzt KT dann Con­nec­ted Dro­nes ein.

IoT im Con­nec­ted Car

Das The­ma Con­nec­ted stand auch bei Hua­wei im Mit­tel­punkt. Der chi­ne­si­sche An­bie­ter zeig­te in sei­nem X-Lab per Vir­tu­al Rea­li­ty, wie sich das au­to­no­me Fah­ren der Zu­kunft an­fühlt, wenn die Fahr­zeu­ge per 5G über Über­hol­vor­gän­ge kom­mu­ni­zie­ren. Dar­an ar­bei­tet Hua­wei

im Rah­men der 5GAA Au­to­mo­ti­ve As­so­cia­ti­on mit Part­nern wie Au­di, BMW, Mer­ce­des, Erics­son, In­tel oder No­kia. Mitt­ler­wei­le fin­den im­mer mehr Au­to­her­stel­ler den Weg auf den MWC, um hier ih­re Con­nec­ted-Car-Lö­sun­gen zu prä­sen­tie­ren. Und auch die Car­ri­er sprin­gen auf den Zug. Am Bei­spiel Red Bull Ra­c­ing zeig­te AT&T die Be­deu­tung des schnel­len und rei­bungs­lo­sen Da­ten­aus­tauschs im Renn­sport. Ein an­de­rer AT&T-Use-Ca­se dreh­te sich um das mo­der­ne LKW-Flot­ten-Ma­nage­ment mit­tels IoT-Tech­nik. Au­to­her­stel­ler Seat zeig­te gleich ei­ne gan­ze Pa­let­te an neu­en Ser­vices rund um das ver­netz­te Au­to, von Park­diens­ten bis zu Werk­statt­ser­vices.

In Sa­chen Con­nec­tivi­ty zeich­ne­te sich auf dem MWC ein kla­res Zu­kunfts­sze­na­rio ab: IoT-Echt­zeit­an­wen­dun­gen, die auf ga­ran­tier­te La­tenz­zei­ten und ho­he Band­brei­ten an­ge­wie­sen sind – da­für ist 5G die Mo­bil­funk­tech­nik der Zu­kunft. Mit LTE CAT-M und NB-IoT ste­hen jetzt zu­dem Funk­tech­ni­ken zur Ver­fü­gung, die auch ent­fern­te De­vices in ei­ner Tief­ga­ra­ge oder ei­nem Kel­ler er­rei­chen. Da­bei be­nö­tigt die neue Tech­nik so we­nig Ener­gie, dass die Bat­te­ri­en bis zu zehn Jah­re hal­ten sol­len. Die Aus­stat­tung ent­spre­chen­der De­vices mit die­ser Tech­nik soll kei­ne zehn Dol­lar kos­ten. Wes­halb denn auch in vie­len Län­dern Smart Me­ter für Strom und Was­ser zu den hei­ßen Trend­the­men zäh­len. Le­dig­lich in Deutsch­land flop­pen die in­tel­li­gen­ten Strom­zäh­ler, weil – wie auf dem MWC hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand zu hö­ren war – ei­ne In­stal­la­ti­on auf­grund der Vor­ga­ben des Bun­des­amts für Si­cher­heit in der In­for­ma­ti­ons­tech­nik (BSI) zu teu­er sei.

Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Know-how ist für ein IoTPro­jekt zwar nicht hin­der­lich, aber auch nicht mehr er­for­der­lich. Plug and Play heißt das Ge­bot der St­un­de. Vie­le An­bie­ter le­gen mitt­ler­wei­le ih­re ei­ge­nen APIs of­fen, so dass die Funk­tio­nen in an­de­re IoT-Platt­for­men in­te­griert wer­den kön­nen. Fer­ner kön­nen die IoTMo­du­le häu­fig über die Cloud-Platt­form des ent­spre­chen­den An­bie­ters ge­ma­nagt wer­den – in Ei­gen­re­gie oder as a Ser­vice als Di­enst­leis­tung. Noch ei­nen Schritt wei­ter geht Dell-Toch­ter VM­wa­re mit ih­rer Platt­form „Pro­ject Ice“. Wie bei ih­ren an­de­ren Pro­duk­ten will die Com­pa­ny die Hard­ware ge­gen­über dem User voll­kom­men ab­stra­hie­ren. Gleich­zei­tig ver­sucht man mit Pro­ject Ice den Spa­gat zwi­schen IT und Ope­ra­tio­nal Tech­no­lo­gy (OT) des Shopf­loors zu be­wäl­ti­gen. Die IT soll die In­for­ma­tio­nen zur Steue­rung des Netz­be­triebs er­hal­ten, wäh­rend die OT die ent­spre­chen­den In­for­ma­tio­nen über In­dus­trie­ge­rä­te wie Ro­bo­ter be­kommt.

Al­te Se­cu­ri­ty-Pa­ra­dig­men grei­fen nicht mehr

Al­so gibt es ei­gent­li­chen kei­nen Grund mehr, vor IoT-Pro­jek­ten zu­rück­zu­schre­cken. Selbst das ger­ne ins Feld ge­führ­te The­ma Se­cu­ri­ty sticht nicht mehr. Auch da­für gibt es mitt­ler- wei­le Lö­sun­gen. Al­ler­dings grei­fen die al­ten Se­cu­ri­ty-Pa­ra­dig­men der IT nicht mehr. Das „Pe­ri­me­ter Buil­ding“kann in ei­ner Welt mit Mil­lio­nen oder Mil­li­ar­den ver­netz­ten De­vices kei­ne Si­cher­heit ge­währ­leis­ten.

Ein Pa­tent­re­zept für ei­ne Se­cu­ri­ty-Stra­te­gie im IoT-Zeit­al­ter gibt es al­ler­dings auch nicht. Der­zeit scheint die Bran­che in zwei La­ger ge­spal­ten zu sein. Die ei­nen be­für­wor­ten ei­ne Se­cu­ri­ty by De­sign, die be­reits bei der Ent­wick­lung des End­ge­räts an­setzt. Da­bei er­lebt et­wa das Se­cu­re Ele­ment, über das vor drei bis vier Jah­ren im Zu­sam­men­hang mit Mo­bi­le Pay­ment viel dis­ku­tiert wur­de, ein Re­vi­val. Die an­de­ren set­zen auf ei­nen netz­zen­tri­schen An­satz, da es un­mög­lich sei, Mil­li­ar­den von IoT-De­vices si­cher zu bau­en. Sie wol­len ver­däch­ti­ge Mus­ter im Netz er­ken­nen und so Si­cher­heits­be­dro­hun­gen auf­spü­ren und ab­weh­ren.

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