Der Weg zu ei­ner mo­der­nen IT-Ar­chi­tek­tur ist stei­nig

Da mü­hen sich die IT-Ab­tei­lun­gen ab, stem­men zahl­lo­se Pro­jek­te, ent­wi­ckeln ei­ne App nach der an­de­ren und fei­len be­stän­dig am di­gi­ta­len Kun­den­er­leb­nis. Doch die be­ste­hen­den IT-Ar­chi­tek­tu­ren ma­chen vie­les wie­der zu­nich­te. Sie sind starr, un­fle­xi­bel und häng

Computerwoche - - Praxis - Von Mar­tin Bay­er, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Der Stu­di­en­au­tor und Lei­ter der BainPra­xis­grup­pe In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie im deutsch­spra­chi­gen Raum, In­golf Zies, bricht erst ein­mal ei­ne Lan­ze für die IT-Or­ga­ni­sa­tio­nen in den An­wen­der­un­ter­neh­men: „Die IT-Ab­tei­lun­gen er­fül­len ei­ne ele­men­tar wich­ti­ge Funk­ti­on. Sie set­zen vie­le Pro­jek­te par­al­lel um und ma­chen die Di­gi­ta­li­sie­rung für die Kun­den er­leb­bar. In­tern aber müs­sen sie sich vie­ler­orts mit ver­al­te­ten und zu kom­ple­xen Sys­te­men aus­ein­an­der­set­zen.“Die CIOStu­die „Mehr Tem­po, we­ni­ger Alt­las­ten: IT-Ar­chi­tek­tur im di­gi­ta­len Zeit­al­ter“von Bain & Com­pa­ny hat vie­le De­fi­zi­te auf­ge­deckt. Über den ak­tu­el­len Zu­stand der ei­ge­nen IT-Ar­chi­tek­tur sagt je­der drit­te CIO, dass künf­ti­ge Un­ter­neh­mens­zie­le da­mit nicht zu er­rei­chen sei­en – auch nicht, wenn al­le ge­plan­ten In­ves­ti­tio­nen vor­ge­nom­men wür­den.

Pro­ble­me sind dem­nach in al­len Bran­chen vor­han­den. Han­del und Ver­si­che­rer kla­gen über Stol­per­stei­ne auf dem Weg zu ei­nem kon­sis­ten­ten Om­nichan­nel-Er­leb­nis. Je­der zwei­te Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler räumt Schwä­chen bei den The­men Be­schaf­fung und Ana­ly­tics ein, und bei den Ban­ken ha­pert es an der au­to­ma­ti­sier­ten Ab­wick­lung so­wie im Per­so­nal- und Ri­si­ko-Ma­nage­ment. Ne­ben den tech­ni­schen Un­zu­läng­lich­kei­ten wach­sen sich auch die ho­hen Be­triebs­kos­ten zu ei­ner im­mer drü­cken­de­ren Bürde aus. Fast sechs von zehn be­frag­ten CIOs ga­ben an, in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren den Auf­wand für den Be­trieb wei­ter er­höht zu ha­ben. Mehr als drei Vier­tel er­war­ten, dass die Be­triebs­kos­ten in den nächs­ten drei Jah­ren wei­ter wach­sen wer­den. Da­bei se­hen die Stu­di­en­au­to­ren ei­ne Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem Zu­stand der IT-Ar­chi­tek­tur und dem zu er­war­ten­den Auf­wand. Wer sei­ne In­fra­struk­tur mo­der­ni­siert hat, kommt mit ge­rin­ge­ren Be­triebskkos­ten aus.

„Vie­le Un­ter­neh­men se­hen ih­re IT-Ar­chi­tek­tur als wach­sen­de Hy­po­thek auf die Zu­kunft, die für man­che frü­her oder spä­ter zu ei­ner gro­ßen Last wer­den kann“, sagt Bain-Ex­per­te Zies. Der Stu­die zu­fol­ge ga­ben im Durch­schnitt 65 Pro­zent der Teil­neh­mer zu, sich der ak­tu­el­len De­fi­zi­te und da­mit der „tech­ni­schen Schuld“sei­tens der IT be­wusst zu sein. Zwi­schen 40 und 60 Pro­zent – der Grad schwankt je nach Bran­chen­zu­ge­hö­rig­keit – rech­nen da­mit, dass sich die­se tech­ni­sche Schuld in den nächs­ten Jah­ren so­gar noch er­hö­hen wird. Das wie­der­um liegt an den Kos­ten, die mit dem Til­gen der Hy­po­thek ver­bun­den wä­ren. Nicht zu­letzt auf­grund von Bud­geten­g­päs­sen könn­ten die IT-Ver­ant­wort­li­chen

oft kei­ne kon­se­quen­te Road­map für die durch­gän­gi­ge Mo­der­ni­sie­rung ih­rer IT-Ar­chi­tek­tur um­set­zen, heißt es in der Stu­die. Viel­mehr müss­ten sie ihr Bud­get zwi­schen In­no­va­tio­nen und der Pfle­ge al­ter Sys­te­me auf­tei­len. Dem­zu­fol­ge fließt im­mer noch je­der fünf­te Eu­ro in die Op­ti­mie­rung be­ste­hen­der Le­ga­cy-Sys­te­me.

Die Hy­po­thek der Alt­las­ten kann für Un­ter­neh­men in al­len Bran­chen zu ei­ner un­trag­ba­ren Last wer­den, war­nen die Bain-Ex­per­ten. Es dro­he ei­ne Art Ab­wärts­spi­ra­le: Auf der ei­nen Sei­te müss­ten die Fir­men den neu­en Kun­den­be­dürf­nis­sen mit di­gi­ta­len Pro­duk­ten und Di­enst­leis­tun­gen Rech­nung tra­gen. An­de­rer­seits wer­de de­ren Ent­wick­lung und Im­ple­men­tie­rung in be­ste­hen­den IT-Ar­chi­tek­tu­ren mit wach­sen­dem Al­ter im­mer zeit- und kos­ten­auf­wen­di­ger. Die Fol­ge: Die­se Un­ter­neh­men ver­lie­ren den An­schluss an di­gi­ta­le Vor­rei­ter ih­rer Bran­che und in der Fol­ge auch vie­le ih­rer Kun­den. In ei­ner sol­chen Ab­wärts­spi­ra­le wird der fi­nan­zi­el­le Spiel­raum für ei­ne Mo­der­ni­sie­rung der IT klei­ner und die tech­ni­sche Schuld wächst wei­ter an. Da­mit es nicht so weit kommt, ha­ben die Ex­per­ten von Bain & Com­pa­ny acht Mo­du­le ent­wi­ckelt, die Un­ter­neh­men hel­fen sol­len, ei­ne mo­der­ne zu­kunfts­si­che­re IT-Ar­chi­tek­tur auf­zu­bau­en.

1. Hoch­ge­schwin­dig­keits­ar­chi­tek­tur: Kei­ne Ebe­ne darf brem­sen

Ei­ne so­ge­nann­te Two-Track-IT-Or­ga­ni­sa­ti­on dür­fe nicht das Ziel der Wei­ter­ent­wick­lung der IT-Ar­chi­tek­tur sein, mei­nen die Be­ra­ter. Die schnell wech­seln­den Kun­den­an­for­de­run­gen er­for­der­ten kür­zes­te Um­set­zungs­zy­klen über die ge­sam­te Ar­chi­tek­tur hin­weg. Kei­ne Ebe­ne dür­fe hier brem­sen. Al­ler­dings kön­ne ei­ne IT-Or­ga­ni­sa­ti­on der zwei Ge­schwin­dig­kei­ten die Trans­for­ma­ti­on in ei­ner Über­gangs­pha­se be­schleu­ni­gen. Un­ter­neh­men könn­ten da­mit trotz ei­ner Viel­zahl noch lau­fen­der Le­ga­cySys­te­me schnell han­deln und An­schluss an di­gi­ta­le Wett­be­wer­ber fin­den. Am En­de ge­he es aber dar­um, die Le­ga­cy-Welt mit­zu­neh­men und so ei­ne ein­heit­lich ho­he Ge­schwin­dig­keit zu er­rei­chen.

2. Ka­nä­le und End­ge­rä­te: Om­nichan­nelFä­hig­keit ist längst noch nicht All­tag

Kun­den er­le­ben die Di­gi­ta­li­sie­rung über ih­re End­ge­rä­te. Bain zu­fol­ge wird de­ren Zahl bis 2020 auf rund 35 Mil­li­ar­den wach­sen. Auf je­den Erd­be­woh­ner kä­men dann fast fünf De­vices. Ei­ne mo­der­ne IT-Ar­chi­tek­tur müs­se all die­se Ka­nä­le und Ge­rä­te gleich­be­rech­tigt und durch­gän­gig un­ter­stüt­zen. Wer hän­disch Web- und Mo­bi­le-Schnitt­stel­len in sei­ne In­fra­struk­tur bas­te­le, er­zeu­ge die Alt­las­ten von mor­gen.

Schon heu­te er­war­te­ten die Kun­den ei­ne naht­lo­se Nut­zung, egal, wann und wo sie mit wel­chem Ge­rät agie­ren. Bis­lang kön­nen nur we­ni­ge Un­ter­neh­men ei­ne sol­che Om­nichan­nelFä­hig­keit ge­währ­leis­ten. Im Han­del liegt der An­teil laut Stu­die bei 20 Pro­zent, bei Ban­ken be­läuft er sich im­mer­hin schon auf 34 Pro­zent. Fi­nanz­dienst­leis­ter zie­hen bis­her den größ­ten Mehr­wert aus den Kun­den­da­ten. Rund zwei Drit­tel der an der Stu­die be­tei­lig­ten Ban­ken und Ver­si­che­run­gen nut­zen vor und nach dem Kun­den­kon­takt Ana­ly­se-Tools für ein pass­ge­naue­res An­ge­bot. Da­ge­gen ana­ly­sie­ren Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler ih­re Kun­den­da­ten bis­lang eher nach­ge­la­gert. „Da­bei könn­ten sie in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Han­del aus Mil­lio­nen täg­li­chen Trans­ak­tio­nen wert­vol­le In­for­ma­tio­nen über das künf­ti­ge Kun­den­ver­hal­ten ge­win­nen“, sagt Zies. Ei­ne mo­der­ne um­fas­sen­de Da­ten­in­fra­struk­tur ist – ne­ben lo­se ge­kop­pel­ten Sys­te­men – un­er­läss­lich, um in Zu­kunft Ef­fi­zi­enz­po­ten­zia­le aus künst­li­cher In­tel­li­genz wie Ma­chi­ne Le­arning he­ben zu kön­nen.

3. An­wen­dun­gen: Mi­cro­ser­vices statt Mo­no­li­then

Die gro­ßen Soft­ware­mo­no­li­then, die teil­wei­se noch aus den 1990er-Jah­ren stam­men, sto­ßen an ih­re Gren­zen. Ge­ra­de die Im­ple­men­tie­rung der für das In­no­va­ti­ons­tem­po so wich­ti­gen Front­end-An­wen­dun­gen ver­schlingt zu viel Zeit und Geld – und wenn sie end­lich lau­fen, ist oft schon wie­der das nächs­te auf­wen­di­ge Up­date not­wen­dig. So ver­wun­dert es nicht, dass laut Stu­die 71 Pro­zent der Un­ter­neh­men ver­mehrt auf lo­se ge­kop­pel­te Sys­te­me set­zen. De­ren Herz­stück bil­den die Mi­cro­ser­vices. Kom­ple­xe An­wen­dun­gen wer­den in ein­zel­ne Be­stand­tei­le auf­ge­spal­ten. Das bringt Vor­tei­le in punc­to Agi­li­tät, Ska­lier­bar­keit und Ver­füg­bar­keit. Der­zeit nutzt gut die Hälf­te der Un­ter­neh­men Mi­cro­ser­vices bei mehr als ei­nem Vier­tel ih­rer An­wen­dun­gen. In den kom­men­den drei Jah­ren soll die­ser An­teil auf über 90 Pro­zent stei­gen. Vor­rei­ter sind Bain zu­fol­ge die Ver­si­che­run­gen, die Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler hiel­ten sich eher noch zu­rück.

Auch wenn die Zahl der klein­tei­li­gen Mi­cro­ser­vices ra­sant wächst, wird die Kom­ple­xi­tät der An­wen­dungs­land­schaft zu­rück­ge­hen, sind sich die Bain-Ex­per­ten si­cher. Be­reits heu­te wer­de sehr ge­nau ver­folgt, wel­che An­wen­dun­gen in wel­chen Be­rei­chen zu wel­chen Kos­ten zum Ein­satz kom­men. Die­ser Trend wer­de sich fort­set­zen, be­güns­tigt nicht zu­letzt durch das Vor­drin­gen von SaaS-Kon­zep­ten mit trans­pa­ren­ten Be­reit­stel­lungs­mo­da­li­tä­ten. Künf­tig gilt: Was sich aus­la­gern lässt, wird aus­ge­la­gert.

4. An­wen­dungs- und Ent­wick­lungs­platt­for­men: Star­kes Rück­grat re­du­ziert Kom­ple­xi­tät

An­wen­dungs­platt­for­men ent­wi­ckeln sich zu­neh­mend zur Dreh­schei­be für die In­te­gra­ti­on von Ap­pli­ka­tio­nen – egal ob ein­ge­kauft oder selbst­ent­wi­ckelt. Im­mer mehr Fir­men set­zen auf ein un­ter­neh­mens­wei­tes Back­bone, das Stan­dard­ap­pli­ka­tio­nen um­fasst und zu­gleich of­fen für neue An­wen­dun­gen ist. Aus die­sem Grund hat ei­ne bes­se­re In­te­gra­ti­ons­fä­hig­keit Vor­rang vor noch mehr Funk­tio­na­li­tät. Das gilt auch für Ent­wick­lungs­platt­for­men. Sie müs­sen ei­ne Viel­zahl von Tools rei­bungs­los in­te­grie­ren. Da­bei er­set­zen Plat­form-as-a-Ser­vice(PaaS-)An­sät­ze die bis­lang oft noch üb­li­chen in­ter­nen Lö­sun­gen. Die­ser Markt wird sich Bain zu­fol­ge bis 2019 auf ein Vo­lu­men von 23 Mil­li­ar­den Dol­lar ver­dop­peln. Mit PaaS könn­ten Un­ter­neh­men die Ef­fi­zi­enz bei der Ent­wick­lung neu­er An­wen­dun­gen ent­schei­dend er­hö­hen und zu­gleich Hin­der­nis­se beim Ein­satz agi­ler Me­tho­den aus dem Weg räu­men.

5. Da­ten: Im­mer we­ni­ger Struk­tu­ren – im­mer mehr Er­kennt­nis­se

Die Da­ten­men­ge steigt laut Bain der­zeit jähr­lich um 36 Pro­zent. Die Kos­ten, die­se Da­ten zu spei­chern, ge­hen zwar al­le zwölf Mo­na­te um knapp ein Vier­tel zu­rück, doch letzt­end­lich se­hen sich Un­ter­neh­men mit ei­ner fünf­pro­zen­ti­gen Kos­ten­stei­ge­rung kon­fron­tiert – und das pro Jahr. Da­zu kommt, dass die Da­ten ten­den­zi­ell im­mer schwä­cher struk­tu­riert sind. Es be­darf da­her neu­er Tech­ni­ken wie Da­ta La­kes, um un­struk­tu­rier­te Da­ten ef­fi­zi­ent ver­ar­bei­ten und Mas­sen­da­ten aus he­te­ro­ge­nen Qu­el­len ana­ly­sie­ren zu kön­nen. Glei­ches gilt für Da­ten aus so­zia­len Me­di­en be­zie­hungs­wei­se von Ge­rä­ten und Sen­so­ren aus dem In­ter­net of Things (IoT).

Ein Bei­spiel, wie sich die Tech­nik an die­ser Stel­le ver­än­dert, ist Ha­doop. Mehr als drei Vier­tel der im Rah­men der Stu­die be­frag­ten Un­ter­neh­men nut­zen die­se Tech­nik be­reits, um gro­ße Da­ten­men­gen zu spei­chern. Al­ler­dings lau­fen gro­ße Ha­doop-In­stal­la­tio­nen in der Re­gel noch im Batch-Be­trieb. Um den­noch schnell zu Er­geb­nis­sen zu kom­men, set­zen vie­le Un­ter­neh­men auf hy­bri­de Big-Da­ta-In­fra­struk­tu­ren, die bei­spiels­wei­se Ha­doop und Cas­san­dra/Spark kom­bi­nie­ren. Auf dem Vor­marsch sind zu­dem In-Me­mo­ry-Tech­no­lo­gi­en wie bei­spiels­wei­se SAP HA­NA.

6. In­fra­struk­tur: Der Ab­schied vom ei­ge­nen Re­chen­zen­trum

Noch vor drei Jah­ren wag­te kaum ein Un­ter­neh­men, wich­ti­ge Tei­le sei­ner IT in die Cloud aus­zu­la­gern. Gut 85 Pro­zent der Wor­kloads

lie­fen auf ei­ge­nen Ser­vern. Bis 2018 dürf­te die­ser An­teil Bain zu­fol­ge auf rund 75 Pro­zent sin­ken, und schon im Jahr 2023 sol­len US-Bran­chen­ana­ly­sen zu­fol­ge ei­ge­ne Sys­te­me nur noch ei­ne mar­gi­na­le Rol­le spie­len. Die Cloud setzt sich als In­fra­struk­tur des di­gi­ta­len Zeit­al­ters durch, die Ära der ei­ge­nen Re­chen­zen­tren geht zu En­de.

„IT-In­fra­struk­tur kommt künf­tig wie Strom aus der Steck­do­se und ist über­all und je­der­zeit ver­füg­bar“, sagt Bain-Ex­per­te Zies. Im­mer mehr An­wen­dun­gen, Platt­for­men und auch Si­cher­heits­lö­sun­gen wür­den in die Cloud ver­la­gert. Mit As-a-Ser­vice-Kon­zep­ten könn­ten Un­ter­neh­men ih­re IT-Ar­chi­tek­tur gleich­zei­tig stan­dar­di­sie­ren und be­schleu­ni­gen, so das Ver­spre­chen. Bain ver­weist noch auf ei­nen an­de­ren Trend, der die In­fra­struk­tur­land­schaft um­wäl­zen könn­te: In­fra­struc­tu­re as Co­de er­öff­ne Mög­lich­kei­ten, Rech­ner au­to­ma­tisch zu kon­fi­gu­rie­ren. Än­de­run­gen lie­ßen sich schnel­ler und ein­fa­cher vor­neh­men, wenn die In­fra­struk­tur ge­ra­de in der Cloud wie Soft­ware be­han­delt wer­de – die Zahl der hän­di­schen und da­durch feh­ler­an­fäl­li­gen Ar­beits­schrit­te sin­ke.

7. Si­cher­heit: Cy­ber­se­cu­ri­ty aus ei­nem Guss

Cy­ber­se­cu­ri­ty steht mitt­ler­wei­le bei den meis­ten CIOs ganz oben auf der Agen­da. Aus gu­tem Grund: Seit 2009 stieg die Zahl der An­grif­fe Jahr für Jahr um rund zwei Drit­tel, kon­sta­tiert Bain. Da­bei ha­be sich auch die Qua­li­tät der Atta­cken ver­än­dert. Sys­te­ma­ti­sche In­dus­trie­spio­na­ge nicht zu­letzt durch Ge­heim­diens­te, pro­fes­sio­nell agie­ren­de kri­mi­nel­le Or­ga­ni­sa­tio­nen und ei­ne all­ge­mei­ne Auf­rüs­tung in Sa­chen Cy­ber-War­fa­re – kein Un­ter­neh­men kom­me um­hin, mas­siv in die IT-Si­cher­heit zu in­ves­tie­ren. Ei­ne mo­der­ne IT-Se­cu­ri­ty-Stra­te­gie müs­se dar­über hin­aus al­le Lie­fe­ran­ten und Emp­fän­ger wich­ti­ger Da­ten so­wie die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te im Blick be­hal­ten. Da­mit ent­wi­cke­le sich Cy­ber­se­cu­ri­ty zu ei­nem in­te­gra­len Be­stand­teil je­der IT-Ar­chi­tek­tur. Es ge­he da­bei nicht um Ein­zel­as­pek­te wie den Schutz von In­fra­struk­tu­ren oder An­wen­dun­gen, son­dern um ein ganz­heit­li­ches, über­grei­fen­des Kon­zept. Cy­ber-Ri­si­ken wür­den ele­men­ta­rer Be­stand­teil des Ri­si­ko-Ma­nage­ments. Als Trend schält sich auch hier der Ser­vice­ge­dan­ke her­aus. Se­cu­ri­ty as a Ser­vice (SECaaS) ist auf dem Vor­marsch – zu­neh­mend aus der Cloud, stel­len die Bain-Ana­lys­ten fest. Dank SECaaS lie­ßen sich um­fang­rei­che Si­cher­heits­checks um­set­zen, be­vor po­ten­zi­ell in­fi­zier­te Da­ten das Un­ter­neh­mens­netz er­rei­chen. Das sei ein enor­mer Vor­teil ge­ra­de hin­sicht­lich der täg­li­chen E-Mail-Flut.

8. In­te­gra­ti­on: Ser­vice- statt Sys­tem­in­te­gra­ti­on

Oh­ne ei­ne ef­fi­zi­en­te In­te­gra­ti­on über die ge­sam­te IT-Ar­chi­tek­tur hin­weg bleibt de­ren Mo­der­ni­sie­rung Stück­werk, lau­tet das Fa­zit von Bain. Die Aus­gangs­la­ge in den ein­zel­nen Un­ter­neh­men sei sehr un­ter­schied­lich, doch ge­be es ei­ni­ge über­grei­fen­de Trends. Da­zu zäh­len die Ex­per­ten die Stan­dar­di­sie­rung der Werk­zeu­ge so­wie die Ab­kehr von der alt­her­ge­brach­ten Sys­tem­in­te­gra­ti­on per En­ter­pri­se- Ser­vice-Bus (ESB). Ge­fragt sei künf­tig ei­ne we­sent­lich schlan­ke­re In­te­gra­ti­on mit Hil­fe von Mi­cro­ser­vices, zum Bei­spiel über Mes­sa­geBro­ker. Ge­for­dert sei zu­dem ei­ne bes­se­re Ein­bin­dung der Le­ga­cy-Sys­te­me. Schließ­lich steu­er­ten die­se nach wie vor vie­le Kern­pro­zes­se und be­inhal­te­ten un­zäh­li­ge un­ter­neh­mens­kri­ti­sche Da­ten. Je bes­ser Le­ga­cy-Sys­te­me mit mo­der­nen Baustei­nen har­mo­nier­ten, des­to grö­ßer sei­en die Mög­lich­kei­ten für In­no­va­tio­nen und des­to ge­rin­ger sei der Be­darf an ei­nem Neu­start auf der grü­nen Wie­se, stel­len die Ana­lys­ten fest.

Für den an­ste­hen­den Wan­del braucht es auch neue Kom­pe­ten­zen. Ge­sucht wür­den vor al­lem En­ter­pri­se-Ar­chi­tek­ten, Sour­cing-Spe­zia­lis­ten und Pro­gramm-Ma­na­ger. Auch in der Zu­sam­men­ar­beit mit ex­ter­nen Part­nern sei­en neue An­sät­ze ge­fragt. Bain zu­fol­ge sind die Zei­ten der Ver­ga­be der ge­sam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te an ei­nen Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer vor­bei. Statt­des­sen such­ten im­mer mehr An­wen­der ähn­lich wie bei ein­zel­nen Tech­ni­ken die je­weils bes­ten Part­ner mit spe­zi­fi­schem Know-how und spe­zi­el­len Kom­pe­ten­zen. Der Ge­dan­ke des Best of Breed über­trägt sich von der Ar­chi­tek­tur auf die Ser­vice­part­ner.

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