SAP und Goog­le – was soll das?

SAPs Tech­nik­vor­stand Bernd Leu­kert über die Cloud-Al­li­anz.

Computerwoche - - Vorderseite - Von Mar­tin Bay­er, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

SAP will künf­tig auf die Cloud-In­fra­struk­tur von Goog­le set­zen. Mit die­ser An­kün­di­gung sorg­te der größ­te deut­sche Soft­ware­her­stel­ler kurz vor der Ce­BIT für Auf­merk­sam­keit. Dem­zu­fol­ge soll die In-Me­mo­ryDa­ten­bank SAP HA­NA auf der Goog­le Cloud Plat­form (GCP) ver­füg­bar sein. Au­ßer­dem ist ei­ne In­te­gra­ti­on der SAP-Ap­pli­ka­tio­nen mit Googles G Sui­te ge­plant. Der für die Tech­nik ver­ant­wort­li­che SAP-Vor­stand Bernd Leu­kert cha­rak­te­ri­sier­te die Ko­ope­ra­ti­on als ei­ne Öff­nung von SAPs Cloud-Kos­mos – von ei­ner Kehrt­wen­de will er da­ge­gen nicht spre­chen.

Bis da­to stand SAPs ei­ge­ne In­fra­struk­tur im Gra­vi­ta­ti­ons­zen­trum al­ler Cloud-An­stren­gun­gen der Wall­dor­fer. Kun­den, die SAP-Lö­sun­gen auf an­de­ren Cloud-In­fra­struk­tur­platt­for­men lau­fen las­sen woll­ten, muss­ten sich selbst um al­les küm­mern – die kor­rek­te Li­zen­zie­rung, die Im­ple­men­tie­rung und den Be­trieb.

Die Drei-plus-eins-Stra­te­gie aus Wall­dorf

Leu­kert be­kräf­tig­te, dass der Soft­ware­her­stel­ler auch künf­tig an sei­ner ei­ge­nen SAP-Cloud fest­hal­ten und die­se wei­ter den Kun­den an­bie­ten wer­de. Dar­über hin­aus kün­dig­te er je­doch an, ver­stärkt Ko­ope­ra­tio­nen mit Cloud-In­fra­struk­tu­ran­bie­tern su­chen zu wol­len. Der Ma­na­ger spricht in die­sem Zu­sam­men­hang von ei­ner „Drei-plus-eins-Stra­te­gie“, wie sie in­tern bei SAP ge­nannt wer­de. „Das heißt, wir wer­den ne­ben un­se­rer ei­ge­nen Cloud die drei gro­ßen In­fra­struk­tu­ran­bie­ter un­ter­stüt­zen, al­so Ama­zon Web Ser­vices (AWS), Mi­cro­soft und Goog­le“, sag­te Leu­kert. „Im asia­ti­schen Markt ar­bei­ten wir mit Ali­ba­ba.“ Durch ei­ne Cloud-In­fra­struk­tur kön­ne und wol­le sich SAP nicht im Markt dif­fe­ren­zie­ren, er­läu­ter­te der SAP-Vor­stand die Hin­ter­grün­de der Ko­ope­ra­ti­on mit Goog­le. Da­mit ver­fol­gen die Soft­wer­ker ei­ne an­de­re Cloud-Stra­te­gie als bei­spiels­wei­se Erz­ri­va­le Ora­cle. Der ame­ri­ka­ni­sche Da­ten­bank­spe­zia­list be­müht sich, sämt­li­che Cloud-Spiel­ar­ten von Soft­ware as a Ser­vice (SaaS) über Plat­form as a Ser­vice (PaaS) bis hin zu In­fra­struc­tu­re as a Ser­vice (IaaS) im Markt zu po­si­tio­nie­ren. Ora­cleG­rün­der und Chair­man La­wrence Ell­ison lässt der­zeit kei­ne Ge­le­gen­heit aus, das ei­ge­ne IaaS-Port­fo­lio über den grü­nen Klee zu lo­ben und Wett­be­wer­ber wie AWS an­zu­grei­fen.

Ge­ne­ra­ti­on 2 von Ora­cles Cloud-In­fra­struk­tur sei schnel­ler und kos­te we­ni­ger als ver­gleich­ba­re IaaS-An­ge­bo­te von Ama­zon Web Ser­vices (AWS), be­haup­te­te der 72-jäh­ri­ge Ma­na­ger zu­letzt an­läss­lich der jüngs­ten Bi­lanz­prä­sen­ta­ti­on für das drit­te Fis­kal­quar­tal des Ge­schäfts­jah­res 2017. „Un­se­re größ­ten Kun­den könn­ten ih­re um­fang­reichs­ten und an­spruch­volls­ten Da­ten­bank-Wor­kloads nun in der Ora­cle-Cloud lau­fen las­sen“, sag­te Ell­ison. „Das ist et­was, was in der Ama­zon-Cloud ab­so­lut un­mög­lich

„Wir wer­den ne­ben un­se­rer ei­ge­nen Cloud die drei gro­ßen In­fra­struk­tu­ran­bie­ter un­ter­stüt­zen, al­so Ama­zon Web Ser­vices (AWS), Mi­cro­soft und Goog­le.“SAP-Vor­stand Bernd Leu­kert

ist.“Doch so recht kommt Ora­cle nicht vor­an. Die Wachs­tums­ra­ten im IaaS-Ge­schäft hin­ken de­nen im PaaS- und SaaS-Be­reich deut­lich hin­ter­her.

SAP be­stimmt die Cloud-Re­geln

Wäh­rend Ora­cle auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs geht, sucht SAP die Ko­ope­ra­ti­on. Die Zu­sam­men­ar­beit mit Goog­le ge­he weit über ei­ne rei­ne IaaS-Part­ner­schaft hin­aus, er­läu­ter­te Leu­kert. Ziel sei es, tech­no­lo­gi­sche As­sets von Goog­le und SAP zu kom­bi­nie­ren. „Aber“, so be­ton­te Leu­kert, „zu un­se­ren Kon­di­tio­nen und nicht zu den Be­din­gun­gen von Goog­le.“Je­der wis­se, das Such­an­fra­gen pro­to­kol­liert und aus­ge­wer­tet wür­den. Das mag im Kon­su­men­ten­be­reich ge­hen, kon­ze­dier­te der SAP-Ma­na­ger, wer­de aber aus SAP-Sicht im Bu­si­ness-Um­feld nicht funk­tio­nie­ren.

SAP und Goog­le wol­len im Rah­men ih­rer Ko­ope­ra­ti­on ge­mein­sam Da­ta Cen­ter be­trei­ben. Das heißt Leu­kert zu­fol­ge, dass ei­ne Goog­le Cloud Plat­form in ei­nem SAP Da­ta Cen­ter von den ei­ge­nen Mit­ar­bei­tern ge­mäß den SAPRe­gu­la­ri­en be­trie­ben wer­de. Da­mit ver­fü­ge SAP über die Tech­no­lo­gie­kom­pe­tenz und -As­sets von Goog­le, oh­ne da­für die ei­ge­nen stren­gen Re­gu­la­ri­en und Prin­zi­pi­en auf­ge­ben zu müs­sen.

Wäch­ter über die Kun­den­da­ten

Als „Da­ta Cus­to­di­an“ge­be SAP die Re­geln vor, was Da­ta Com­p­li­an­ce und Da­ta Se­cu­ri­ty an­geht, er­klär­te Leu­kert. Das rei­che bis zu ei­nem per­ma­nen­ten Mo­ni­to­ring und Au­dit­ing der Da­ten­strö­me. „Da gibt uns die eu­ro­päi­sche Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung kla­re Richt­li­ni­en vor, und an die­se hal­ten wir uns“, be­grün­de­te der SAP-Vor­stand die­se Maß­nah­men. SAP sei im Un­ter­neh­mens­be­reich ein ver­läss­li­cher Part­ner, der das Ver­trau­en der Kun­den ge­nie­ße, und wer­de wei­ter­hin stets zu 100 Pro­zent re­gel­kon­form agie­ren.

Das deut­sche Soft­ware­haus sieht den neu­en Cloud-Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner in ei­ner gu­ten Aus­gangs­po­si­ti­on im welt­wei­ten Cloud-Ge­schäft. AWS und Mi­cro­soft sei­en si­cher wei­ter als Goog­le, was die Markt­pe­ne­tra­ti­on an­be­langt, ar­gu­men­tiert Leu­kert. Was die tech­no­lo­gi­sche Kom­pe­tenz an­be­langt, müs­se sich Goog­le aber nicht hin­ter den Kon­kur­ren­ten ver­ste­cken. SAP ha­be mit al­len drei An­bie­tern in­ten­si­ve Ge­sprä­che ge­führt und sich auch genau an­ge­se­hen, wel­che Tech­no­lo­gie­kom­pe­tenz wel­cher An­bie­ter mit­brin­ge. Goog­le ha­be sich durch­aus in dem ei­nen oder an­de­ren Be­reich ei­nen Vor­sprung er­ar­bei­tet.

Ver­hand­lun­gen mit AWS und Mi­cro­soft sind schwie­ri­ger

Leu­kert will ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit den an­de­ren gro­ßen In­fra­struk­tu­ran­bie­tern nicht aus­schlie­ßen, räum­te aber im glei­chen Atem­zug ein, dass die Ver­hand­lun­gen schwie­ri­ger sei­en. Bei­spiels­wei­se ver­fü­ge Mi­cro­soft mit Of­fice und Win­dows be­reits über den Zu­gang zum En­ter­pri­se-Seg­ment, den Goog­le mit der SAP-Ko­ope­ra­ti­on erst noch for­cie­ren möch­te. Zu­dem ge­be es an an­de­rer Stel­le mehr Wett­be­werb, sag­te Leu­kert – mit Mi­cro­soft bei­spiels­wei­se in den Be­rei­chen Da­ten­ban­ken, Ana­ly­tics und Bu­si­ness-An­wen­dun­gen. Bei Goog­le ge­be es die­se Über­schnei­dun­gen nicht.

Ähn­li­che Ko­ope­ra­tio­nen mit AWS und Mi­cro­soft sei­en denk­bar, so­fern SAP auch hier ei­ne Part­ner­schaft zu den ei­ge­nen Be­din­gun­gen durch­set­zen kön­ne, mach­te Leu­kert klar, muss aber ein­räu­men: „Im Mo­ment ha­ben wir das noch nicht ge­schafft.“Man re­de aber wei­ter mit bei­den Cloud-An­bie­tern. Nicht, weil SAP dar­auf an­ge­wie­sen sei, son­dern weil man auch im Dia­log mit Kun­den fle­xi­bel den Cloud-Be­reich be­die­nen möch­te, er­klär­te der SAPMann.

Auch im asia­ti­schen Raum müs­se SAP sich Part­ner su­chen, je mehr die Cloud dort ein The­ma wird. In Chi­na kom­me Leu­kert zu­fol­ge noch hin­zu, dass SAP dort der­zeit kei­ne ei­ge­nen Da­ta Cen­ter bau­en und be­trei­ben dür­fe. „Wir brau­chen dort zwangs­läu­fig Part­ner“, stell­te Leu­kert fest. Die ha­be man in Gestalt von Chi­na Tele­com und Hua­wei. Auch mit Ali­ba­ba sei SAP über ei­ne Er­wei­te­rung der be­reits be­ste­hen­den Part­ner­schaft im Ge­spräch.

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