Kun­den kau­fen Trans­for­ma­ti­on ein

Wel­che Auf­ga­be ha­ben Out­sour­cing-Di­enst­leis­ter und Be­ra­ter im Di­gi­tal­zeit­al­ter? Wo­zu wer­den sie künf­tig ge­braucht? Dar­über ha­ben wir in ei­nem Round­ta­bleGe­spräch mit Bran­chen­ver­tre­tern dis­ku­tiert.

Computerwoche - - Inhalt - Von Flo­ri­an Kurz­mai­er, Re­dak­teur

Ein Round­ta­ble-Ge­spräch zum The­ma IT-Sour­cing zeigt, wie stark sich vie­le Ein­käu­fer in Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung auf ih­ren Sour­cin­gPart­ner ver­las­sen.

Durch die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on wird das, was Di­enst­leis­ter an Sour­cin­gLeis­tun­gen und -Be­ra­tung er­brin­gen, kom­ple­xer. Das be­trifft Fak­to­ren wie die Preis­ge­stal­tung, die Lauf­zeit der Sour­cing-Part­ner­schaf­ten und den Mind­set der Be­tei­lig­ten, wie ei­ne Dis­kus­si­on un­ter Pro­vi­dern, Per­so­nal­dienst­leis­tern und Be­ra­tern zeig­te.

„Die Band­brei­te im Kon­text der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on ist so ex­trem, dass es stra­te­gisch nicht den ei­nen rich­ti­gen Weg gibt“, meint Klaus Nöt­zold vom Be­ra­tungs­haus Se­pi­con. Richard Küs­ter, Part­ner bei ISG, stimmt zu und stellt fest, dass der „Dri­ve aus den Fach­ab­tei­lun­gen kommt, die ih­re Ge­schäfts­pro­zes­se ver­bes­sern oder er­wei­tern wol­len“. Die Kun­den sei­en sich ih­rer Mo­der­ni­sie­rungs- und Trans­for­ma­ti­ons­be­dar­fe durch­aus be­wusst: „Sie kau­fen mit ih­ren Sour­cing-Ver­ein­ba­run­gen die Trans­for­ma­ti­on mit ein.“Zwar wer­de es klas­si­sche Ser­vice-Le­vel-Agree­ment-(SLA-)The­men wie Ver­füg­bar­keit oder Ant­wort­zei­ten auch in Zu­kunft ge­ben, grund­sätz­lich wer­de die Leis­tung aber an­ders be­mes­sen – näm­lich er­geb­nis- be­zie­hungs­wei­se er­folgs­ori­en­tiert.

Di­enst­leis­ter müs­sen sich um OT küm­mern

Aus dem kul­tu­rel­len Wan­del beim Kun­den er­wach­sen den IT-Di­enst­leis­tern gro­ße Her­aus­for­de­run­gen, wie Da­mo­vo-Ge­schäfts­füh­rer Carl Mühl­ner be­ob­ach­tet. Er ist sich si­cher, dass in un­ru­hi­gen, von ra­schen Ve­rän­de­run­gen ge­präg­ten Zei­ten am En­de die Part­ner­fä­hig­keit über den Er­folg ei­nes Sour­cing-Di­enst­leis­ters ent­schei­det. Wich­tig sei es, den Blick nicht nur auf die IT zu rich­ten, son­dern – in Zei­ten des In­ter­net of Things (IoT) – auch auf die pro­duk­ti­ons­na­he Ope­ra­tio­nal Tech­no­lo­gy (OT). Nöt­zold stellt die Fä­hig­keit der Di­enst­leis­ter her­aus, „Mul­ti-Ser­vice-Um­ge­bun­gen zu ma­na­gen und zu ver­edeln. Ge­lingt das nicht, feh­len die ech­ten Mehr­wer­te für Sour­cing-Part­ner­schaf­ten.“Ein neu­es Selbst­ver­ständ­nis sei in­so­fern nicht nur bei den An­wen­dern, son­dern zu­al­ler­erst bei den Di­enst­leis­tern ge­fragt.

Si­li­con-Val­ley-Tou­ris­mus hilft nur be­dingt

Müs­sen klas­si­sche IT-Di­enst­leis­ter und ih­re Kun­den ins Si­li­con Val­ley fah­ren, um zu ver­ste­hen, wel­che Her­aus­for­de­run­gen auf sie zu­kom­men und was Chan­ge be­deu­tet? Scha­den kann es nicht, so die Dis­kus­si­ons­run­de, aber die Lö­sung ist es auch nicht. Mar­cus Bluhm von HP En­ter­pri­se weist dar­auf hin, dass die Her­aus­for­de­rung eher dar­in lie­ge, die „Chan­geRe­sis­tenz“in vie­len Un­ter­neh­men zu über­win­den. „Da sit­zen ja eben nicht die Mitt­zwan­zi­ger, die Ga­mer oder Quer­ein­stei­ger, son­dern eher die Leu­te im mitt­le­ren Al­ter.“

Nöt­zold ist sich so­gar si­cher, dass die mitt­le­re Füh­rungs­ebe­ne der gro­ße Brems­klotz auf dem Weg in die di­gi­ta­le Zu­kunft ist. „Chan­ge ist ei­ne Be­dro­hung für je­den mitt­le­ren Ma­na­ger“, meint Nöt­zold. Chris­ti­an Neu­er­burg von der DIS AG (Adec­co) glaubt den­noch, dass für ei­ne grund­le­gen­de Ve­rän­de­rung al­le Hier­achie­ebe­nen im Boot sein müs­sen. „Wenn man die Ska­lier­bar­keit von Agi­le, De­vOps und der gan­zen

di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on nut­zen möch­te, braucht man ei­nen Chan­ge-Pro­zess, der von der Le­a­dership und den Zwi­schen­ab­tei­lun­gen gleich­sam ge­tra­gen wird. Man muss das von oben her trei­ben und von un­ten her be­feu­ern.“

Was wird aus dem IT-Ein­kauf?

Mit dem di­gi­ta­len Wan­del ver­än­dern sich auch die Rol­len der am IT-Be­schaf­fungs­pro­zess be­tei­lig­ten Par­tei­en. Vor al­lem die Ein­kaufs­or­ga­ni­sa­tio­nen ge­ra­ten den Dis­ku­tan­ten zu­fol­ge un­ter Druck und ver­lie­ren an Stan­ding. Hin­ter­grund ist, dass die IT heu­te zu­neh­mend als Wert­schöp­fungs­he­bel im di­gi­ta­len Wan­del gilt und der Kos­ten­fo­kus an Be­deu­tung ver­liert. Richard Küs­ter von ISG be­ob­ach­tet: „Die Be­deu­tung des klas­si­schen IT-Ein­käu­fers geht lang­sam zu­rück. Am En­de geht es nicht mehr um den güns­tigs­ten An­bie­ter, son­dern dar­um, was am En­de her­aus­kommt.“

Se­pi­con-Mann Nöt­zold sieht es ähn­lich: „Der Ein­kauf muss sich von dem Ge­dan­ken lö­sen, dass er die Be­schaf­fungs­ho­heit hat. Er hat sie ein­fach nicht mehr. Of­fi­zi­ell mag er noch ver­ant­wort­lich sein, aber die un­zäh­li­gen in­of­fi­zi­el­len User in der Schat­ten-IT stim­men dann ein­fach mit ih­ren Drop­box-Kon­ten ab.“Nöt­zold plä­diert da­für los­zu­las­sen, auch wenn das für vie­le ei­nen Ver­lust oder gar ei­ne Be­dro­hung be­deu­te. Oli­ver Kömpf vom Per­so­nal­dienst­leis­ter Hays be­ob­ach­tet eben­falls, dass die Kommunikation zwi­schen CIO und Ein­kauf kom­pli­zier­ter ge­wor­den sei. „Oft be­kommt der Ein­kauf kei­ne kla­ren An­sa­gen von der IT, was kon­kret zu sour­cen ist. Dann ver­liert er ei­ni­ges an Durch­schlags­kraft. Und am En­de wird die Kluft zwi­schen IT und Ein­kauf grö­ßer.“

Jakob Re­häu­ser von Ar­dour warnt An­wen­der den­noch da­vor, in der Eu­pho­rie rund um den di­gi­ta­len Wan­del die Haus­auf­ga­ben zu ver­nach­läs­si­gen. „Für das The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung ist über­all Bud­get da – manch­mal so­gar mehr, als man denkt. Wenn dann das Ven­dor-Ma­nage­ment kei­ne all­zu gro­ße Rol­le spielt, kön­nen die Di­enst­leis­ter sehr gu­te Prei­se er­zie­len.“Dem Ein­kauf feh­le es oft­mals an den not­wen­di­gen Ka­pa­zi­tä­ten und am IT-Fach­wis­sen. Es kön­ne die­se De­als nur schwer be­ur­tei­len. Des­we­gen kom­me es auf ein star­kes Ven­dor-Ma­nage­ment an.

Wie viel Fle­xi­bi­li­tät ist rea­lis­tisch?

Am En­de der Round­ta­ble-Dis­kus­si­on steht die Fra­ge, was in Zu­kunft die Er­folgs­fak­to­ren für er­folg­rei­che Kun­den­be­zie­hun­gen sein wer­den. Fle­xi­bi­li­tät und die Fä­hig­keit, Ent­wick­lun­gen vor­her­zu­se­hen, wer­den wich­ti­ger, so der Kon­sens. „Kun­den wol­len schon heu­te er­ken­nen, dass ihr Di­enst­leis­ter in der La­ge ist, noch nicht be­kann­te Tech­no­lo­gi­en und Ser­vices zu in­te­grie­ren“, glaubt Nöt­zold. Auch für ISG-Mann Küs­ter zeich­net sich ab, dass die Fle­xi­bi­li­tät der Di­enst­leis­ter ein Schlüs­sel zum Er­folg sein wird. Groß­un­ter­neh­men woll­ten ih­re Pro­vi­der für Teil­auf­ga­ben, manch­mal so­gar für den ge­sam­ten Um­fang ei­nes Ver­trags in­ner­halb ei­nes Jah­res aus­tau­schen kön­nen.

Das sieht Mar­cus Bluhm von HP En­ter­pri­se an­ders. Ho­he Fle­xi­bi­li­tät sei vor al­lem bei den kun­den­na­hen Sys­tems of En­ga­ge­ment not­wen­dig, we­ni­ger bei den Sys­tems of Re­cor­ds, die das Ba­ckend dar­stell­ten. „Neh­me ich wirk­lich mei­ne SAP-Um­ge­bung und pa­cke sie 2017 hier, 2018 da und 2019 wie­der ganz wo­an­ders hin? Wohl eher nicht. Fle­xi­bi­li­tät kos­tet viel Geld“, gibt der HPE-Ma­na­ger zu be­den­ken.

Carl Mühl­ner warnt ab­schlie­ßend da­vor, in die ty­pi­sche Fal­le zu lau­fen und die Di­gi­ta­li­sie­rung aus Angst vor Kom­ple­xi­tät und Ve­rän­de­rung zu sehr als Be­dro­hung zu se­hen. Der di­gi­ta­le Wan­del sei ei­ne gro­ße Chan­ce, und die Sour­cing-Part­ner sei­en da­zu da, die­sen Schatz ge­mein­sam mit den Kun­den zu he­ben. „Wir als Di­enst­leis­ter und Be­ra­ter soll­ten – na­tür­lich nicht oh­ne ent­spre­chen­de Kom­pe­tenz und Know-how – zwi­schen der Di­gi­ta­li­sie­rung und un­se­ren Kun­den ein ,Ku­schel­ge­fühl‘ er­zeu­gen“, schlägt Mühl­ner nicht oh­ne ein Au­gen­zwin­kern vor.

Ei­nen span­nen­den Schlag­ab­tausch rund um die Zu­kunft des IT-Sour­cings lie­fer­ten sich (v. l. n. r.): Carl Mühl­ner, Da­mo­vo; Oli­ver Kömpf, Hays; Richard Küs­ter, In­for­ma­ti­on Ser­vices Group (ISG); Chris­ti­an Neu­er­burg, DIS AG/Adec­co; Mar­cus Bluhm, HP En­ter­pri­se; Jakob Re­häu­ser, Ar­dour, und Klaus Nöt­zold, Se­pi­con.

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