Bit­kom-Um­fra­ge: In­dus­trie 4.0 nimmt Fahrt auf

Im­mer mehr ITK-An­bie­ter bau­en Lö­sun­gen für In­dus­trie 4.0. Al­ler­dings agier­ten vie­le An­wen­der­un­ter­neh­men zu zö­ger­lich, kri­ti­siert der Bit­kom. Au­ßer­dem sei die Po­li­tik ge­for­dert, ei­nen pas­sen­den Rah­men zu schaf­fen.

Computerwoche - - Technik - (ba)

Vor gera­de ein­mal drei Jah­ren war In­dus­trie 4.0 für die gro­ße Mehr­heit der Un­ter­neh­men noch Zu­kunfts­mu­sik“, kon­sta­tier­te Bit­kom-Prä­si­di­ums­mit­glied Micha­el Klei­ne­mei­er. Seit­dem ha­be das The­ma je­doch ra­sant an Be­deu­tung ge­won­nen. „In­dus­trie 4.0 wird im pro­du­zie­ren­den Ge­wer­be zum Stan­dard, und die IT-An­bie­ter sind ein we­sent­li­cher Trei­ber.“Mehr als vier von zehn IT-Un­ter­neh­men (43 Pro­zent) bie­ten be­reits Di­enst­leis­tun­gen und Pro­duk­te für In­dus­trie 4.0 an, be­rich­te­te der IT-Ver­band un­ter Be­ru­fung auf ei­ne ei­ge­ne Um­fra­ge. Mehr als die Hälf­te der Un­ter­neh­men (53 Pro­zent) pla­ne der­ar­ti­ge An­ge­bo­te be­zie­hungs­wei­se kön­ne sich vor­stel­len, dies zu tun. Da­mit hät­ten die IT-Un­ter­neh­men ih­re Ak­ti­vi­tä­ten im Be­reich In­dus­trie 4.0 in­ner­halb von drei Jah­ren fast ver­dop­pelt.

Die Er­war­tun­gen hin­sicht­lich In­dus­trie 4.0 sind groß. Die Ver­knüp­fung von klas­si­scher Pro­duk­ti­on mit IT und dem In­ter­net kön­ne ei­ner Bit­kom-Stu­die zu­fol­ge in Deutsch­land in sechs volks­wirt­schaft­lich zen­tra­len Bran­chen – dar­un­ter Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau, Kf­zHer­stel­ler, Elek­tro­tech­nik und che­mi­sche In­dus­trie – bis zum Jahr 2025 für Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen von bis zu 78,5 Mil­li­ar­den Eu­ro sor­gen.

Wäh­rend die ITK-An­bie­ter mit ih­ren In­dus­trie4.0-Lö­sun­gen in den Start­lö­chern ste­hen, ge­hen die An­wen­der­un­ter­neh­men das The­ma of­fen­bar et­was lang­sa­mer an. Vie­le Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men hät­ten die An­wen­dungs­be­rei­che von In­dus­trie 4.0 noch nicht er­kannt, sa­gen vier von zehn der im Rah­men der Stu­die be­frag­ten An­bie­ter. Fast je­der Zwei­te (49 Pro­zent) mo­nier­te zu­dem, dass vie­le Mit­tel­ständ­ler den Be­griff In­dus­trie 4.0 nach wie vor nicht kenn­ten. Aus Sicht von knapp zwei Drit­teln (65 Pro­zent) der Be­frag­ten gin­gen vie­le Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men die Um­set­zung von In­dus­trie 4.0 zu zö­ger­lich an.

Die Grün­de da­für sind viel­fäl­tig. Der Um­fra­ge zu­fol­ge brem­sen vor al­lem tech­ni­sche Hür­den die Nut­zung von In­dus­trie 4.0 bei den Kun­den. Fast zwei Drit­tel der Be­frag­ten ga­ben an, dass un­ter­schied­li­che Stan­dards ein Hemm­nis für In­dus­trie 4.0 sei­en. 37 Pro­zent se­hen Schwie­rig­kei­ten beim Ein­bin­den des vor­han­de­nen Ma­schi­nen­be­stands in den Werk­hal­len. „Ge­mein­sa­me und bran­chen­über­grei­fen­de Stan­dards sind es­sen­zi­ell für den Er­folg von In­dus­trie 4.0. Ma­schi­nen und Pro­duk­te müs­sen eben­so ein­fach mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren kön­nen wie Smart­pho­nes“, for­der­te Klei­ne­mei­er und rief Po­li­tik und In­dus­trie auf, da­für schnell Lö­sun­gen zu fin­den.

Gro­ße Her­aus­for­de­run­gen – gro­ße Chan­cen

Klei­ne­mei­er ap­pel­lier­te an al­le Be­tei­lig­ten, sich von den Schwie­rig­kei­ten nicht ent­mu­ti­gen zu las­sen. „Die Her­aus­for­de­run­gen sind rie­sig, aber auch die Chan­cen sind rie­sig.“Es hät­te dra­ma­ti­sche Fol­gen, wenn Deutsch­land sie ver­ge­ben wür­de. Schließ­lich wer­de kein Wett­be­werbs­land auf uns war­ten, sag­te der Ma­na­ger, der auf der Ge­halts­lis­te von SAP steht. Um den Weg zu künf­ti­gen Ge­schäf­ten zu eb­nen, ru­fen die Ver­tre­ter der IT-Bran­che nach Un­ter­stüt­zung durch die Po­li­tik. In­dus­trie 4.0 be­nö­ti­ge ei­nen pas­sen­den recht­li­chen Rah­men, for­der­te Klei­ne­mei­er und mahn­te An­pas­sun­gen beim AGB- und Da­ten­schutz­recht an. Au­ßer­dem brau­che es Re­for­men im Bil­dungs­sys­tem. Schließ­lich wer­de In­dus­trie 4.0 die Ar­beit mas­siv ver­än­dern.

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