Mi­cro­soft-Che­fin macht Po­li­tik Mut

Die Di­gi­ta­li­sie­rung wird sämt­li­che Le­bens­be­rei­che mas­siv ver­än­dern, sagt Mi­cro­softs Deutsch­land-Che­fin Sa­bi­ne Ben­diek. Doch da­mit der di­gi­ta­le Wan­del ge­lingt, braucht es den rich­ti­gen Rah­men. Hier ist die Po­li­tik ge­for­dert.

Computerwoche - - Inhalt - (hi)

Die ge­sell­schaft­li­che De­bat­te rund um die Di­gi­ta­li­sie­rung ist nicht in­ten­siv ge­nug, kri­ti­siert Mi­cro­softs Ge­schäfts­füh­re­rin Sa­bi­ne Ben­diek.

In Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung ha­pert es in Deutsch­land noch, kon­sta­tier­te Mi­cro­softs Deutsch­land-Che­fin Sa­bi­ne Ben­diek auf der fir­men­ei­ge­nen Di­gi­tal­kon­fe­renz Ex­plai­ned in Ber­lin. Sie kri­ti­sier­te vor al­lem die ver­hal­te­ne In­ves­ti­ti­ons­freu­dig­keit in Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung in Deutsch­land. Geht es nach Ben­diek, müss­te die Di­gi­ta­li­sie­rung zu ei­nem der Top­the­men im Wahl­kampf wer­den.

So be­män­gelt Ben­diek, dass Deutsch­land et­wa im Net­work-Rea­di­ness-In­dex le­dig­lich auf Platz 15 ste­he. Eben­so fal­le Deutsch­land im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich bei wich­ti­gen Fak­to­ren wie In­no­va­ti­ons­freu­dig­keit oder neu­en Bu­si­nes­sMo­del­len stark ab. „Wir soll­ten neue Tech­no­lo­gi­en nicht wei­ter un­ter­schät­zen und ver­teu­feln“, ap­pel­lier­te die Ma­na­ge­rin. Des Wei­te­ren warn­te sie da­vor, sich von der Zahl der IoT/In­dus­trie-4.0-Pro­jek­te in Deutsch­land täu­schen zu las­sen. So hät­ten zwar laut KfW vier von fünf klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te um­ge­setzt, doch bei­na­he die Hälf­te ha­be da­für we­ni­ger als 10.000 Eu­ro aus­ge­ge­ben. Und dies, ob­wohl die Un­ter­neh­men durch­aus vom Nut­zen di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en über­zeugt wa­ren. „Wir müs­sen end­lich den Fuß von der Brem­se neh­men und auch jen­seits von Leucht­turm­pro­jek­ten flä­chen­de­ckend in die Zu­kunft in­ves­tie­ren“, for­dert Ben­diek wei­ter. In Groß­un­ter­neh­men sei die Be­reit­schaft grö­ßer, in Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te zu in­ves­tie­ren, wie et­wa bei Rolls Roy­ce. Ge­mein­sam mit Mi­cro­soft hat der Flug­zeug­tur­bi­nen­bau­er ei­ne Pre­dic­tive­Main­ten­an­ce-Lö­sung ent­wi­ckelt, mit der mitt­ler­wei­le welt­weit 13.000 Dü­sen­trieb­wer­ke über­wacht wer­den. Nach An­ga­ben der bei­den Un­ter­neh­men spart durch die mo­der­ne War­tung je­de Flug­ge­sell­schaft im Schnitt 200 Mil­lio­nen Dol­lar pro Jahr. Ei­ne Er­klä­rung der Deutsch­land-Che­fin für die Zu­rück­hal­tung des Mit­tel­stands: „Vie­le Un­ter­neh­men wis­sen nicht, wel­che Ser­vices sie an­bie­ten müs­sen, da­mit der Kun­de be­reit ist, da­für Geld zu zah­len.“Ein The­ma, das Ben­diek En­de April auf der Han­no­ver Mes­se In­dus­trie (HMI) an­spre­chen will. Ge­mein­sam mit An­wen­dern wie der Ma­schi­nen­fa­brik Rhein­hau­sen, Stra­bag und Thys­sen Krupp will Mi­cro­soft zei­gen, was in Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung mög­lich ist. Da­zu hat das Un­ter­neh­men sei­ne Stand­flä­che auf das Ein­ein­halb­fa­che ver­grö­ßert. „Auf der HMI tref­fen wir die Kun­den, die wir in die­ser Form nicht mehr auf der CeBIT fan­den“, be­grün­det Ben­diek das grö­ße­re En­ga­ge­ment.

„Wir ha­ben kei­ne fünf Jah­re mehr Zeit“

Ins­ge­samt, so glaubt Ben­diek, wird die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on vor al­lem die phy­si­sche, bio­lo­gi­sche und di­gi­ta­le Welt ver­än­dern. Im phy­si­schen Um­feld et­wa durch selbst­fah­ren­de Au­tos, Ro­bo­ter, 3D-Dru­cker und neue Werk­stof­fe. Im Bi­o­be­reich sieht die Ma­na­ge­rin Ve­rän­de­run­gen in der Ge­nom­dia­gnos­tik, und in der di­gi­ta­len Welt ste­hen künst­li­che In­tel­li­genz, das In­ter­net der Din­ge, Block­chain und dis­rup­ti­ve Ge­schäfts­mo­del­le auf der Agen­da. Für die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on sor­gen da­bei Tech­no­lo­gi­en wie Big Da­ta, künst­li­che In­tel­li­genz und Pre­dic­tive Main­ten­an­ce. Da­mit der di­gi­ta­le Wan­del ge­lingt, ist je­doch die Po­li­tik ge­for­dert, die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zu de­fi­nie­ren – und zwar schnell. „Wir ha­ben kei­ne fünf Jah­re mehr Zeit“, so das Cre­do in vie­len Ge­sprächs­run­den. Da ist dann auch die Be­reit­schaft vor­han­den, hand­werk­li­che Schwä­chen wie jetzt bei der EU-Da­ten­schutz-Gr­und­ver­ord­nung GDPR zu ak­zep­tie­ren. Hier ver­mis­sen vie­le Kom­men­ta­to­ren Kon­kre­tes zu Big Da­ta und se­hen Be­darf für ei­ne Nach­bes­se­rung.

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