Goog­le will mehr vom Cloud-Ge­schäft

Se­cu­ri­ty-The­men, die EU-Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung und Mi­gra­ti­ons­fra­gen stan­den auf der Goog­le Next Lon­don im Vor­der­grund. Über 4800 Be­su­cher be­le­gen das wach­sen­de In­ter­es­se von En­ter­pri­se-Kun­den an der Goog­le Cloud.

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Auf der Haus­mes­se Goog­le Next in Lon­don stell­te der In­ter­net-Rie­se SAP als Trusted Part­ner vor. Zen­tra­le Mes­sa­ge: En­ter­pri­se-Kun­den sol­len in die Goog­le-Cloud.

Nach Mi­cro­soft beugt sich mit Goog­le ein wei­te­rer gro­ßer ame­ri­ka­ni­scher Cloud-An­bie­ter der deut­schen Gründ­lich­keit – und den Ängs­ten in Sa­chen Da­ten­schutz und Pri­va­cy. Hat­te die Te­le­kom für Mi­cro­soft die Rol­le ei­nes „Da­ten-Trus­tees“über­nom­men, setzt Goog­le auf SAP als Ver­bün­de­ten. Mit den Wall­dor­fern ver­bin­det Goog­le ei­ne „ma­jor part­nership“.

Goog­le ver­spricht GDPR-Kon­for­mi­tät

Goog­le be­kann­te sich auf sei­ner eu­ro­päi­schen Cloud-Kon­fe­renz Goog­le Next au­ßer­dem da­zu, bis Mai 2018 al­le sei­ne Cloud-Ser­vices in Eu­ro­pa kon­form zur Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung (GDPR) an­zu­bie­ten, al­so den dann gül­ti­gen eu­ro­päi­schen Da­ten­schutz­re­geln zu ent­spre­chen. Der Kon­zern ver­sprach wei­ter, die zu­ge­hö­ri­gen Cloud-Ver­trä­ge ent­spre­chend an­zu­pas­sen. Die Goog­le Next in Lon­don war mit 4800 Teil­neh­mern gut be­sucht, im Ver­gleich zum Vor­jahr ka­men drei­mal so vie­le Be­su­cher.

Im De­tail gilt die GDPR-Com­p­li­an­ce für die G-Sui­te und die Goog­le Cloud Plat­form (GCP) Ser­vices, so war in Lon­don zu hö­ren. Bis zum In­kraft­tre­ten der GDPR wer­de man wei­ter eng mit den eu­ro­päi­schen Be­hör­den zu­sam­men­ar­bei­ten, um si­cher­zu­stel­len, dass auch neu­es­te Ve­rän­de­run­gen be­rück­sich­tigt wer­den.

Er­folgs­sto­ry Goog­le Cloud Plat­form (GCP)

Stolz blick­te Se­bas­tién Ma­rot­te, Vice Pre­si­dent EMEA Goog­le Cloud, auf das sechs­jäh­ri­ge Cloud-En­ga­ge­ment des Kon­zerns zu­rück, das für ihn ei­ne Er­folgs­sto­ry sei. So ha­be man gro­ße Kun­den wie Air­bus, Spo­ti­fy oder Phi­lips als Kun­den ge­won­nen und erst jüngst mit HSBC ei­nes der welt­weit größ­ten Fi­nanz­in­sti- tu­te. Muss­te Da­vid Knott, Chief Ar­chi­tect bei HSBC, vor we­ni­gen Jah­ren noch Da­ten im Te­ra­byte-Be­reich ver­ar­bei­ten, so fal­len mitt­ler­wei­le 15 Pe­ta­byte an – und für 2017 rech­net Knott mit ei­nem An­stieg um wei­te­re 5 Pe­ta­byte. Ei­ne Men­ge, die Knott mit dem vor­han­de­nen Ha­doop-Eco­sys­tem nicht mehr be­wäl­ti­gen konn­te. „Auf die­se Wei­se Big Da­ta zu in­te­grie­ren und zu ma­na­gen wur­de im­mer schwie­ri­ger“, blickt Knott zu­rück, der 2014 bei HSBC noch mit klas­si­schen Da­ten­ban­ken ar­bei­te­te, dann über ein Da­ta Wareh­ou­se auf Ha­doop mi­grier­te und sich jetzt für die Goog­le Cloud ent­schie­den hat.

Der Wech­sel auf Googles Cloud-Platt­form bie­te der Bank die Chan­ce, Be­trugs­ver­su­che und Ge­set­zes­ver­stö­ße (Geld­wä­sche etc.) im Zah­lungs­ver­kehr schnel­ler und ef­fi­zi­en­ter zu er­ken­nen, ohne da­bei ge­gen die Be­stim­mun­gen zur Ver­ar­bei­tung pri­va­ter Da­ten zu ver­sto­ßen. Hier­zu setzt das In­sti­tut auf das Cloud-Tool „DLP API Fil­ter“. Mit die­sem Werk­zeug ver­spricht Goog­le, bei der Da­ten­ver­ar­bei­tung au­to­ma­tisch pri­va­te Iden­ti­fi­zie­rungs­merk­ma­le wie Na­men, Te­le­fon­num­mern, Füh­rer­schein­num­mer etc. zu ent­fer­nen. Der­zeit er­kennt das Tool rund 40 ver­schie­de­ne Iden­ti­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le. Wie vie­le an­de­re IT-Play­er setzt Goog­le hier­zu auf künst­li­che In­tel­li­genz in Form von Ma­chi­ne

Le­arning (ML). Apro­pos ML: Goog­le will hier­zu in nächs­ter Zeit noch wei­te­re An­kün­di­gun­gen ma­chen.

Er­gän­zend zum DLP API Fil­ter zeig­te Goog­le auf der Next ei­nen Cloud-Key-Ma­nage­ment-Ser­vice, der ei­ne ein­fa­che Zwei-Fak­tor-Au­then­ti­fi­zie­rung er­laubt. Auf dem Pro­gramm stand zu­dem der „Iden­ti­ty Awa­re Pr­o­xy“(IAP). Über die­sen könn­ten et­wa Mit­ar­bei­ter si­cher auf En­ter­pri­se Apps zu­grei­fen, ohne dass sie ei­nen klas­si­schen VPNC­li­ent be­nö­tig­ten. Laut Goog­le muss ein User hier­zu le­dig­lich die pas­sen­de URL im Brow­ser ein­ge­ben und sich iden­ti­fi­zie­ren. Die läs­ti­ge Kon­fi­gu­ra­ti­on von VPN-Cli­ents oder Netz­zu­gän­gen soll da­mit ent­fal­len.

Se­cu­ri­ty von der Cloud bis zum Cli­ent

Grund­sätz­lich räum­te der Such­ma­schi­nenP­ri­mus dem The­ma Se­cu­ri­ty auf der dies­jäh­ri­gen Next-Kon­fe­renz viel Platz ein. So be­ton­te das Un­ter­neh­men, dass es sich in Sa­chen Se­cu­ri­ty um die gan­ze Ket­te vom Cloud-Dat­a­cen­ter bis hin zum Cli­ent küm­me­re. „Chro­me und An­dro­id wur­den für Se­cu­ri­ty de­signt“, so Bri­an Ste­vens, CTO Goog­le Cloud, auf dem Event. Im Zu­sam­men­hang mit den ei­ge­nen Re­chen­zen­tren spricht Ste­vens von der Goog­le Cam­pus Se­cu­ri­ty. Goog­le rech­ne­te in Lon­don vor, in den letz­ten drei Jah­ren rund 29,4 Mil­li­ar­den Dol­lar in den Auf­bau sei­ner Cloud-Da­ta-Cen­ter-In­fra­struk­tur in­ves­tiert zu ha­ben. Ge­plant ist auch ein ei­ge­nes Re­chen­zen­trum in Frank­furt am Main. Im Zu­sam­men­hang mit der Se­cu­ri­ty-Stra­te­gie ist man bei Goog­le be­son­ders stolz auf „Ti­tan“, ei­nen pro­prie­tä­ren, ei­ge­nen Se­cu­ri­ty-Chip. Die­ser wird in Ser­vern und Netz-De­vices ein­ge­setzt, da­mit sie sich un­ter­ein­an­der si­cher und zu­ver­läs­sig au­then­ti­fi­zie­ren kön­nen.

Ein­fa­che­re Mi­gra­ti­on in die Goog­le Cloud

Ein an­de­res gro­ßes The­ma in den Keyno­tes der Goog­le Next war die Mi­gra­ti­on von Da­ten und Le­ga­cy-Sys­te­men in die Goog­le Cloud. Als Be­leg für die Ein­fach­heit die­ses Vor­gangs führ­te der IT-Rie­se et­wa an, dass Ever­no­te sei­ne ge­sam­te In­fra­struk­tur in 89 Ta­gen auf GCP mi­griert ha­be. Der bri­ti­sche Kos­me­tik-Re­tailer Lush, der 900 Lä­den un­ter­hält so­wie 17 Web­sites be­treibt, ha­be le­dig­lich 22 Ta­ge be­nö­tigt, um sei­ne IT-In­fra­struk­tur in die Goog­le-Cloud zu por­tie­ren.

Schien die Mi­gra­ti­on in der Ver­gan­gen­heit ei­ne Do­mä­ne von Ama­zon Web Ser­vices zu sein, so be­ackert nun auch Goog­le die­ses Feld. In der Kom­bi­na­ti­on aus Fi­re­ba­se und GCP of­fe­riert das Un­ter­neh­men Win­dows-Mi­gra­ti­ons-Ser­vices, mit de­nen sich Le­ga­cy-An­wen­dun­gen aus den ASP/.NET-Zei­ten schnell und ein­fach in die Cloud-Welt trans­fe­rie­ren las­sen sol­len.

Die­sen Ein­druck soll­te zu­min­dest ei­ne De­mo auf dem Event ver­mit­teln. Mit we­ni­gen Maus­klicks wur­de au­to­ma­tisch aus ei­ner Le­ga­cyApp der Co­de für ei­ne mo­bi­le An­wen­dung auf den Front­ends ge­ne­riert. Und die Ba­ckend-Ap­pli­ka­ti­on, die im Bei­spiel on Pre­mi­se ge­hos­tet wur­de, war in knapp 45 Mi­nu­ten mo­der­ni­siert und lief als App in der Cloud.

Für die nä­he­re Zu­kunft ver­sprach Goog­le ei­ne Rei­he von „En­ter­pri­se-on­ly Tools“, um die Cloud-Mi­gra­ti­on zu ver­ein­fa­chen. Da­zu ge­hö­ren et­wa Sheets- und Sli­des-APIs oder GMailAd­dons. Hier­zu hat Goog­le ge­ra­de ei­ne De­ve­l­oper Pre­view ge­star­tet. All­ge­mein er­hält­lich sein soll GMail-Ad­dons zum Jah­res­en­de.

Wen das al­les noch nicht über­zeugt, den will Goog­le mit ei­nem aus­ge­klü­gel­ten Ra­batt­sys­tem lo­cken. Dis­counts er­hal­ten An­wen­der et­wa je nach Nut­zungs­grad von Re­chen­zeit, für das Zu­sam­men­le­gen zwei­er vir­tu­el­ler, nicht voll aus­ge­las­te­ter Cloud-In­stan­zen, ei­ne län­ger­fris­ti­ge Ver­trags­bin­dung und für et­li­che wei­te­re Di­ens­te.

Se­bas­tién Ma­rot­te, Vice Pre­si­dent EMEA Goog­le Cloud, spricht von ei­ner Er­folgs­ge­schich­te und ver­weist auf eu­ro­päi­sche Kun­den wie Air­bus, Spo­ti­fy und Phi­lips.

Von Jür­gen Hill, Team­lei­ter Tech­no­lo­gie

Am 3. und 4. Mai ver­an­stal­te­te Goog­le in Lon­don die eu­ro­päi­sche Aus­ga­be sei­ner gro­ßen Cloud-Kon­fe­renz Goog­le Next. Die ge­sam­te Füh­rungs­rie­ge der Cloud-Spar­te war vor Ort, an­ge­fan­gen bei Se­ni­or Vice Pre­si­dent Dia­ne Gree­ne. Mit 4800 Be­su­chern war die Kon­fe­renz aus­ge­bucht. Ne­ben zwei Boot­camps am Vor­tag zu den The­men Ku­ber­ne­tes (Con­tai­ner) so­wie Big Da­ta und Ma­chi­ne Le­arning gab es an den bei­den Ta­gen rund 60 Ein­zel-Ses­si­ons zu ver­schie­dens­ten The­men rund um die Goog­le Cloud.

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