Face­book will smar­ter wer­den

Computerwoche - - Inhalt - Von Mar­tin Bay­er, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Das So­ci­al Net­work soll mit Fea­tu­res rund um Aug­men­ted und Vir­tu­al Rea­li­ty so­wie künst­li­che In­tel­li­genz an­ge­rei­chert wer­den.

Face­book will sein So­ci­al Net­work mit Fea­tu­res rund um Aug­men­ted und Vir­tu­al Rea­li­ty so­wie künst­li­che In­tel­li­genz an­rei­chern. Da­für soll­ten auf der Kon­fe­renz F8 die Ent­wick­ler be­geis­tert wer­den.

Face­book, das welt­weit der­zeit rund 1,9 Mil­li­ar­den Men­schen in sei­ner On­li­neCom­mu­ni­ty ver­eint, setzt vor al­lem auf mo­bi­le End­ge­rä­te, um sei­ne Platt­form glo­bal noch wei­ter zu ver­brei­ten. Da­bei hel­fen sol­len neue Fea­tu­res für vir­tu­el­le Wel­ten, Aug­men­ted Rea­li­ty (AR) so­wie künst­li­che In­tel­li­genz (KI). So hat Face­book den rund 4000 Be­su­chern auf der Ent­wick­ler­kon­fe­renz F8 Mit­te April im ka­li­for­ni­schen San Jo­sé un­ter an­de­rem sei­ne Ar­bei­ten an ei­ner neu­en AR-Platt­form prä­sen­tiert.

Mit Hil­fe des Ent­wick­lungs-Frame­works „AR Stu­dio“las­sen sich dem An­bie­ter zu­fol­ge Sze­na­ri­en ent­wi­ckeln, in de­nen vir­tu­el­le Ele­men­te wie Gra­fi­ken, Zeich­nun­gen und Mas­ken oder Schrift­zü­ge in rea­le Bil­der ein­ge­blen­det wer­den, die Nut­zer über die Ka­me­ra in ih­ren mo­bi­len End­ge­rä­ten wie Smart­pho­nes und Ta­blets be­trach­ten. Bei­spiels­wei­se kön­nen sich An­wen­der Zu­satz­in­for­ma­tio­nen zu Ge­gen­stän­den, die sie über die Ka­me­ra ih­res Smart­pho­nes ein­fan­gen, an­zei­gen las­sen.

Kon­kur­renz­kampf mit Snap­chat wird schär­fer

Die von Face­book vor­ge­stell­ten Fea­tu­res glei­chen Funk­tio­nen der Fo­to-Sha­ring-App „Snap“von Snap­chat. Ex­per­ten ge­hen denn auch da­von aus, dass Face­book hier be­wusst den Wett­be­werb for­ciert und je­nen Kon­kur­ren­ten an­greift, den man einst über­neh­men woll­te. So ver­mu­tet Patrick Moorhead, Prin­ci­pal Ana­lyst von Moor In­sights & Stra­te­gy, dass Face­book mit sei­nen neu­en AR-Fea­tu­res vor al­lem zur Jagd auf den Her­aus­for­de­rer bläst. Die AREnt­wick­lungs­um­ge­bung steckt Her­stel­ler­an­ga­ben zu­fol­ge al­ler­dings noch in der Be­ta­pha­se und wird der­zeit von ei­nem hand­ver­le­se­nen Ent­wick­ler­kreis ge­tes­tet. Face­book-Chef Mark Zu­cker­berg kün­dig­te auf der F8 an, dass aus AR Stu­dio ei­ne of­fe­ne Ent­wick­lungs­platt­form für Aug­men­ted Rea­li­ty wer­den soll, die im Lauf der Zeit mit im­mer wei­te­ren Funk­tio­nen und Fea­tu­res an­ge­rei­chert wer­de. Zu­cker­berg denkt an die­ser Stel­le lang­fris­tig. Es sei nicht da­mit zu rech­nen, dass Face­book vie­le ARFea­tu­res qua­si über Nacht ent­ste­hen las­sen kön­ne. Viel­mehr brau­che es Zeit, die Platt­form wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Au­ßer­dem müs­se man Ge­duld ha­ben, bis die Ent­wick­ler über­haupt an­fin­gen, da­mit zu ar­bei­ten.

Mit Freun­den im vir­tu­el­len Raum ab­hän­gen

Ne­ben Aug­men­ted Rea­li­ty setzt Face­book auch auf Vir­tu­al Rea­li­ty (VR). Vor rund drei Jah­ren schluck­te der So­ci­al-Net­work-Be­trei­ber für über zwei Mil­li­ar­den Dol­lar das Un­ter­neh­men Ocu­lus, den Her­stel­ler der VR-Bril­le „Ocu­lus Rift“. In der Fol­ge be­müh­ten sich die Face­boo­kVer­ant­wort­li­chen, neue Ein­satz­sze­na­ri­en für die VR-Bril­le zu ent­wi­ckeln, um mehr Nut­zer für vir­tu­el­le Wel­ten zu be­geis­tern. Im Ge­spräch wa­ren bei­spiels­wei­se neue Fil­m­er­leb­nis­se be­zie­hungs­wei­se das Ein­tau­chen in Spie­le­wel­ten. So rich­tig zün­den wol­len die­se Initia­ti­ven bis da­to al­ler­dings nicht. Das The­ma VR ist im­mer noch wei­test­ge­hend ein Ni­schen­the­ma.

Das soll sich än­dern. Face­book hat ei­ne über­ar­bei­te­te Ver­si­on der App „Spaces“vor­ge­stellt.

Spaces soll Vir­tu­al Rea­li­ty via Ocu­lus-Bril­le und das So­ci­al Net­work ver­bin­den. Nut­zer könn­ten da­mit ei­nen Avat­ar im vir­tu­el­len Raum er­schaf­fen und sich dort auch mit an­de­ren Per­so­nen tref­fen. Über das in der Ocu­lus-Rift-Bril­le in­te­grier­te Mi­kro­fon könn­ten sich al­le Be­tei­lig­ten un­ter­hal­ten. Fer­ner sei es mög­lich, sich in der vir­tu­el­len Rea­li­tät zu be­we­gen und dort auch mit Ge­gen­stän­den zu han­tie­ren. Bei­spiels­wei­se könn­ten die Avat­are mit ei­nem Sel­fie-Stick Fotos von sich und der Grup­pe ma­chen, die sich dann wie­der­um im So­ci­al Net­work tei­len lie­ßen. Wer kei­ne VR-Bril­le be­sitzt, kann über die Vi­deo-Cal­lFunk­ti­on im Face­book Mes­sen­ger an Spaces teil­neh­men.

KI läuft di­rekt auf dem Smart­pho­ne

Dar­über hin­aus hat Face­book das neue Frame­work „Caf­fe2“für die Ent­wick­lung von KI-Funk­tio­nen an­ge­kün­digt. Das Open-Sour­ce-Tool­kit ist spe­zi­ell für die Nut­zung auf mo­bi­len End­ge­rä­ten aus­ge­legt und soll Ent­wick­ler in die La­ge ver­set­zen, mit ver­gleichs­wei­se ge­rin­gem Auf­wand KI-Funk­tio­nen wie bei­spiels­wei­se Bild-, Text- und Sprach­er­ken­nung oder Chat­bots zu pro­gram­mie­ren, die dann wie­der­um in an­de­re Apps ein­ge­bun­den wer­den könn­ten. Caf­fe2 nutzt da­für Face­book-An­ga­ben zu­fol­ge die in den Smart­pho­nes und Ta­blets ver­bau­ten Re­chen­ka­pa­zi­tä­ten wie bei­spiels­wei­se die in­te­grier­ten Gra­phic Pro­ces­sing Units (GPUs) „Ad­re­no“und die Di­gi­tal Si­gnal Pro­ces­sors (DSPs) „He­xa­gon“in den Snap­dra­gon-Chips von Qual­comm. Bis da­to wa­ren die Leis­tungs­an­for­de­run­gen von KI-Funk­tio­nen für mo­bi­le De­vices zu hoch. Ent­spre­chen­de Auf­ga­ben wur­den da­her über das Netz an Da­ta Cen­ter im Ba­ckend wei­ter­ge­reicht, dort ver­ar­bei­tet und die Er­geb­nis­se zu­rück auf das De­vice ge­spielt. Caf­fe2 ist der Nach­fol­ger des KI- und Ma­chineLe­arning- (ML-)Frame­works „Caf­fe“. Die Ur­sprungs­ver­si­on war in ers­ter Li­nie dar­auf aus­ge­legt, in Re­chen­zen­tren zu lau­fen und dort Mus­ter in Bild­da­ten auf­zu­spü­ren und zu er­ken­nen. Die neue Ver­si­on soll deut­lich schnel­ler ar­bei­ten als der Vor­gän­ger. Das hät­ten, wie Face­book mit­teilt, Bench­marks von In­tel, Qual­comm und Nvi­dia ge­zeigt.

Al­les hängt an den Ent­wick­lern

Der Er­folg der neu­en Face­book-Initia­ti­ven wird maß­geb­lich da­von ab­hän­gen, in­wie­weit es den ka­li­for­ni­schen Net­wor­kern ge­lingt, Ent­wick­ler für ih­re Platt­for­men und Frame­works zu be­geis­tern. Um die­sen die Nut­zung der neu­en Tools so ein­fach wie mög­lich zu ma­chen, hat Face­book ei­ne Rei­he von Hil­fe­stel­lun­gen an­ge­kün­digt. So sol­len Ent­wick­ler Be­we­gungs­da­ten von Nut­zern ein­fa­cher in ih­ren Apps ver­wen­den kön­nen. Lo­ka­li­sie­rungs­in­for­ma­tio­nen sol­len sich über ein neu­es „Pla­ces Graph API“aus­le­sen und in an­de­re Ent­wick­lun­gen im­ple­men­tie­ren las­sen.

Dar­über hin­aus will Face­book die Ver­net­zung in­ner­halb der Ent­wick­ler-Com­mu­ni­ty for­cie­ren. Im Rah­men des De­ve­l­oper Cir­cles Pro­gram sol­len Ent­wick­ler ih­re Skills lau­fend er­wei­tern kön­nen. Da­für soll es auch lo­ka­le Off­line-Events ge­ben, die von Men­to­ren für be­stimm­te The­men be­treut wür­den. Face­book hat dar­über hin­aus ei­ne Part­ner­schaft mit Ud­a­ci­ty an­ge­kün­digt, ei­nem Ser­vice­an­bie­ter für On­li­neKur­se. Im Rah­men der Ko­ope­ra­ti­on sol­len spe­zi­el­le Trai­nings­pro­gram­me rund um die Face­book-An­ge­bo­te ent­ste­hen.

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