Chef­ge­häl­ter wach­sen mo­de­rat

Die Ge­häl­ter der IT-Chefs stei­gen um 3,6 Pro­zent auf 132.730 Eu­ro, wie die ak­tu­el­le Stu­die von Com­pen­sa­ti­on Part­ner und der COMPUTERWOCHE zeigt, beim Pro­jekt­lei­ter macht das Plus 2,4 Pro­zent aus.

Computerwoche - - Inhalt - Von Hans Kö­ni­ges, lei­ten­der Re­dak­teur

Die Ein­kom­men der IT-Chefs stei­gen durch­schnitt­lich um 3,6 Pro­zent auf 132.730 Eu­ro. Das er­gab die ak­tu­el­le Stu­die von Com­pen­sa­ti­on Part­ner und der COMPUTERWOCHE.

Tim Bö­ger, Ge­schäfts­füh­rer von Com­pen­sa­ti­on Part­ner und Lei­ter der Ver­gü­tungs­stu­die „IT-Funk­tio­nen 2016/2017“, teilt die Mei­nung der IT-Ver­bän­de und vie­ler Per­so­na­ler, die da­von aus­ge­hen, dass der Man­gel an IT-Fach­kräf­ten be­ste­hen bleibt. Er glaubt, dass „Un­ter­neh­men in Zu­kunft ver­mehrt Quer­ein­stei­gern die Mög­lich­kei­ten ge­ben müs­sen, sich in dem Be­reich wei­ter­zu­bil­den“. Da­zu ge­hör­ten un­ter an­de­rem Fi­nan­zie­rungs­an­ge­bo­te für Um­schu­lun­gen und Stu­di­en­gän­ge. Be­reits nach ei­nem Jahr in­ten­si­vem „Le­arning on the Job“könn­ten Quer­ein­stei­ger wich­ti­ge Funk­tio­nen über­neh­men.

Der zwei­te Aspekt, auf den Bö­ger hin­weist: „Das The­ma Da­ten­schutz wird in den nächs­ten Jah­ren deut­lich an Be­deu­tung ge­win­nen.“2018 tritt die neue Da­ten­schutz­re­gu­lie­rung der EU in Kraft. Da­mit müs­sen Un­ter­neh­men neue Schutz­me­cha­nis­men eta­blie­ren oder die be­ste­hen­den ver­bes­sern. „Dar­über hin­aus su­chen Fir­men und öf­fent­li­che Be­hör­den wei­ter­hin hän­de­rin­gend nach Cy­ber­se­cu­ri­ty-Ex­per­ten“, so Bö­ger. IT-Si­cher­heit und Ba­ckend-De­ve­lop­ment sei­en „ab­so­lu­te Zu­kunfts­be­rei­che, die sehr gut ver­gü­tet sind“.

Dem Ver­gü­tungs­ex­per­ten zu­fol­ge ist zu be­ob­ach­ten, dass ei­ni­ge Bran­chen die Be­zü­ge von IT-Füh­rungs­kräf­ten we­ni­ger er­folgs­ab­hän­gig ge­stal­ten: „Die Ent­wick­lung in den letz­ten Jah­ren zeigt ei­ne Ver­la­ge­rung der Ein­kom­mens­zu­sam­men­set­zung hin zu mehr fi­xer und we­ni­ger va­ria­bler Ver­gü­tung.“

Gu­te Bei­spie­le da­für sind et­wa die Ge­häl­ter der

Be­reichs­lei­ter in Soft­ware­fir­men und Sys­tem­häu­sern. Zwi­schen 2011 und 2015 sind die Grund­ge­häl­ter in den Sys­tem­häu­sern von 126.250 auf 151.830 Eu­ro und in den Soft­ware­häu­sern von 125.230 auf 154.520 Eu­ro ge­klet­tert. Da­ge­gen san­ken die va­ria­blen An­tei­le von 44.540 auf 35.040 Eu­ro be­zie­hungs­wei­se von 48.790 auf 35.190 Eu­ro.

Die Top­ver­die­ner un­ter den IT-Chefs blei­ben – wie auch in den Jah­ren da­vor – die IT-Ma­na­ger aus der Ban­ken­welt. Com­pen­sa­ti­on Part­ner er­rech­net ein durch­schnitt­li­ches Jah­res­ge­halt von 269.920 Eu­ro in­klu­si­ve Bo­ni. Es fol­gen mit ei­ni­gem Ab­stand die IT-Be­reichs­lei­ter aus der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che mit ei­nem Jah­res­sa­lär von 216.110 Eu­ro. Da­mit las­sen sie die Be­reichs­lei­ter aus der Au­to­bran­che hin­ter sich, die 200.650 Eu­ro per an­num aus­ge­zahlt be­kom­men. Mit et­was we­ni­ger müs­sen sich die Be­reichs­lei­ter der Sys­tem- und Soft­ware­häu­ser zu­frie­den­ge­ben. Ers­te­re er­rei­chen ein Ge­samt­ge­halt von 186.860 Eu­ro im Jahr, die Be­reichs­lei­ter in Soft­ware­häu­sern dür­fen sich über ein paar Eu­ro mehr freu­en, sie neh­men 189.700 Eu­ro im Jahr nach Hau­se.

Hier­ar­chie spie­gelt sich im Ge­halt wi­der

Ab­tei­lungs­lei­ter ver­die­nen im Durch­schnitt deut­lich we­ni­ger als IT-Be­reichs­lei­ter. Be­son­ders groß ist das Ge­fäl­le in der Ban­ken­welt, wo der Ab­tei­lungs­lei­ter mit ei­nem al­les ent­hal­ten­den Ziel­ge­halt von 128.210 Eu­ro zwar sehr gut, aber doch nicht ein­mal halb so viel wie sein Be­reichs­lei­ter ver­dient.

Eben­falls deut­lich fal­len die Un­ter­schie­de zwi­schen Be­reichs- und Ab­tei­lungs­lei­tern in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie aus: Der hier­ar­chisch Hö­her­ge­stell­te nimmt fast 90.000 Eu­ro mehr ein als sein Kol­le­ge. Das hier­ar­chi­sche Ge­fäl­le do­ku­men­tiert sich so auch durch die deut­li­chen Ein­kom­mens­un­ter­schie­de. Nicht so ein- deu­tig, aber im­mer noch groß ge­nug ist auch die Dif­fe­renz zwi­schen die­sen bei­den Po­si­tio­nen in den Sys­tem- und Soft­ware­häu­sern: Hier lie­gen et­wa 70.000 bis 80.000 Eu­ro zwi­schen Be­reichs- und Ab­tei­lungs­lei­ter. So ver­dient der Ab­tei­lungs­lei­ter im Sys­tem­haus 108.850 Eu­ro im Jahr, der im Soft­ware­haus da­ge­gen rund 4000 we­ni­ger.

Auf der Ebe­ne un­ter­halb des Ab­tei­lungs­lei­ters ist oft der Grup­pen­lei­ter an­ge­sie­delt. Er be­wegt sich mit sei­nem Jah­res­ziel­ge­halt – al­so Grund­ge­halt plus Prä­mi­en – zwi­schen 66.930 Eu­ro in der Tex­til-/Be­klei­dungs­in­dus­trie und 87.250 Eu­ro in der Ban­ken­welt. Zwi­schen die­sen bei­den Ex­tre­men liegt der Grup­pen­lei­ter im Sys­tem­haus mit 72.890 Eu­ro im Jahr und im Soft­ware­haus mit 70.190 Eu­ro. Auf die­ser Hier­ar­chie­ebe­ne fal­len die leis­tungs­be­zo­ge­nen, va­ria­blen An­tei­le klei­ner aus: Be­tra­gen sie beim Ab­tei­lungs­lei­ter noch rund 15 Pro­zent, lie­gen sie beim Grup­pen­lei­ter zwi­schen zehn und 15 Pro­zent.

Kein Ge­halts­sprung für Pro­jekt­lei­ter

Der Pro­jekt­lei­ter darf sich über ei­nen Ein­kom­mens­zu­wachs von rund 2,4 Pro­zent im Jahr freu­en, was et­was we­ni­ger aus­macht als beim IT-Chef (3,6 Pro­zent), aber im­mer­hin noch ein bes­se­res Er­geb­nis ist als das des Vor­jah­res, als der Zu­schlag nur 1,5 Pro­zent be­trug. Spit­zen­rei­ter ist der Pro­jekt­lei­ter in Ban­ken mit 101.680 Eu­ro, ge­folgt vom Pro­jekt­lei­ter in der Halb­lei­ter­in­dus­trie (87.450 Eu­ro) und dem aus

der Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che mit 84.640 Eu­ro. Am un­te­ren En­de der Ska­la liegt der Pro­jekt­ver­ant­wort­li­che im Soft­ware­haus, der durch­schnitt­lich 71.250 Eu­ro ein­streicht.

Nicht nur die Bran­chen­zu­ge­hö­rig­keit be­ein­flusst die Hö­he des Ge­halts, son­dern vor al­lem auch die Un­ter­neh­mens­grö­ße. Sprich: Die Gro­ßen zah­len bes­ser als die Klei­nen. An die­ser Wahr­heit hat sich seit Jahr­zehn­ten nichts ge­än­dert, und es gibt auch kei­ne An­zei­chen da­für, dass die klei­ne­ren Ar­beit­ge­ber auf­ho­len. Aus­nah­men be­stä­ti­gen die Re­gel, aber mehr auch nicht. Com­pen­sa­ti­on Part­ner hat er­mit­telt, dass IT-Ma­na­ger – da­mit sind al­le IT-Füh­rungs­funk­tio­nen im Qu­er­schnitt ge­meint – in ei­nem Un­ter­neh­men mit we­ni­ger als 100 Mit­ar­bei­tern durch­schnitt­lich 96.030 Eu­ro im Jahr ver­die­nen. Die­ses Ge­halt steigt auf 122.350 Eu­ro in ei­nem so­li­den mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men mit über 1000 Be­schäf­tig­ten und er­reicht in Kon­zer­nen mit mehr als 20.000 Mit­ar­bei­tern den Wert von 139.260 (Vor­jahr rund 137.000 Eu­ro).

Ent­span­nung an der Ver­triebs­front

Stark un­ter­schied­lich fal­len auch die Ziel­ge­häl­ter der Ver­triebs-Füh­rungs­kräf­te in mit­tel­stän­di­schen und gro­ßen Un­ter­neh­men aus. Wie schon im Vor­jahr be­läuft sich das Ziel­ge­halt der Ver­kaufs­füh­rungs­kraft im Mit­tel­stand auf rund 132.000 Eu­ro, im Kon­zern be­trägt es im Durch­schnitt 155.280 Eu­ro pro Jahr. Wei­ter fällt auf, dass der va­ria­ble An­teil der Ver­triebs- ein­kom­men nicht mehr wei­ter ge­stie­gen ist. Vor zwei Jah­ren kom­men­tier­ten die Com­pen­sa­ti­on-Part­ner-Ver­gü­tungs­ex­per­ten die Ent­wick­lung da­hin­ge­hend, dass schon bald die Hälf­te des jähr­li­chen Ein­kom­mens auf er­folgs­be­zo­ge­nen Prä­mi­en fu­ßen wer­de. Jetzt zei­gen die Aus­wer­tun­gen, dass der va­ria­ble An­teil im Durch­schnitt we­ni­ger als 30 Pro­zent des Grund­ge­halts aus­macht – vo­ri­ges Jahr wa­ren es noch um die 35 Pro­zent.

Für IT-Chefs geht‘s bis 55 Jah­ren auf­wärts

In­ter­es­sant ist auch ei­ne Son­der­aus­wer­tung, die zeigt, wie sich das Ge­halt ei­nes IT-Ma­na­gers im Lauf sei­ner Kar­rie­re ent­wi­ckelt. Mit 30 Jah­ren bringt er es auf 94.600 Eu­ro, mit 35 Jah­ren nimmt er 102.900 Eu­ro mit nach Hau­se, mit 40 dann 115.700 Eu­ro. In den bes­ten Füh­rungs­jah­ren geht es wei­ter nach oben: mit 45 Jah­ren auf 127.000 Eu­ro, mit 50 Jah­ren auf 131.140 Eu­ro. Dann ist die Pla­teau­pha­se er­reicht, und es geht wie­der ab­wärts: Laut Com­pen­sa­ti­on Part­ner ver­dient der 55-jäh­ri­ge IT-Chef im Durch­schnitt nur noch 119.160 Eu­ro im Jahr.

Un­ter­sucht wur­de auch, in wel­cher Stadt die höchs­ten Ge­häl­ter ge­zahlt wer­den. Hier führt in die­sem Jahr Frank­furt am Main die Ta­bel­le an, nach­dem Mün­chen ei­ni­ge Jah­re den ers­ten Platz be­leg­te. Die Dif­fe­renz ist al­ler­dings so klein, dass sich das schon im nächs­ten Jahr wie­der än­dern kann. Die Hes­sen zah­len 21 Pro­zent über dem Durch­schnitt, die Münch­ner Fir­men 19 Pro­zent. Es fol­gen pro­spe­rie­ren­de Groß­städ­te wie Stutt­gart (15 Pro­zent), Düsseldorf (elf Pro­zent) und Köln (drei Pro­zent).

Der Markt­ana­ly­se zu­fol­ge hat auch Hamburg auf­ge­schlos­sen und liegt nun ähn­lich wie Nürnberg ex­akt im Bun­des­durch­schnitt. Auf­fäl­lig ist auch, dass es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kei­ne An­nä­he­rung zwi­schen Ost und West ge­ge­ben hat, was die Ma­na­ger-Ge­häl­ter an­geht. Im Ge­gen­teil: Vor vier Jah­ren lag die säch­si­sche Haupt­stadt Dres­den nicht ein­mal zehn Pro­zent un­ter dem Bun­des­schnitt, jetzt sind es 20 Pro­zent. Und Berlin lag im vo­ri­gen Jahr 6,5 Pro­zent un­ter dem Durch­schnitt, heu­er sind es zehn Pro­zent. Die Grün­der wird es freu­en, denn sie ar­gu­men­tie­ren da­mit, dass Berlin auch des­halb Star­t­up-Haupt­stadt sei, weil die Ge­häl­ter der Ent­wick­ler dort noch nicht so durch die De­cke ge­hen wie in west­deut­schen Groß­städ­ten.

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