Re­al-Märk­te scan­nen ih­re Kun­den

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Die Su­per­markt­ket­te Re­al will in 40 Fi­lia­len Wer­be­bild­schir­me auf­hän­gen, die mit Ka­me­ras aus­ge­stat­tet sind, um die Ge­sich­ter der Kun­den zu ana­ly­sie­ren.

Big Bro­ther im Su­per­markt könn­te bald Rea­li­tät wer­den. Der Dis­coun­ter Re­al tes­tet in 40 sei­ner 285 Märk­te in­tel­li­gen­te Wer­be­bild­schir­me, die Kun­den ana­ly­sie­ren sol­len. Die Dis­plays sind mit Ka­me­ras und der not­wen­di­gen Ana­ly­se­soft­ware aus­ge­rüs­tet.

Über ein Ge­sichts-Scan­ning wer­den Ge­schlecht und Al­ter er­mit­telt. Au­ßer­dem er­fasst das Sys­tem, wie lan­ge die Per­so­nen auf die Bild­schir­me se­hen. Pas­send zu den so er­fass­ten Da­ten er­scheint auf den Dis­plays die ge­eig­ne­te Wer­bung. Die Ver­ant­wort­li­chen der Su­per­markt­ket­te be­stä­tig­ten ge­gen­über der „Le­bens­mit­tel­zei­tung“, dass der Pro­be­be­trieb be­reits seit dem ver­gan­ge­nen Herbst lau­fe. Dem­zu­fol­ge nutzt die Me­tro-Toch­ter die Da­ten nicht selbst, son­dern über­mit­telt sie an die Augs­bur­ger Fir­ma Echion, de­ren Auf­ga­be es ist, Wer­be­ein­blen­dun­gen ziel­grup­pen­ori­en­tiert an­zu­pas­sen.

Händ­ler müs­sen in­for­mie­ren

Mög­li­che da­ten­schutz­recht­li­che Pro­ble­me sieht der Dis­coun­ter nicht. Schließ­lich mach­ten gut sicht­ba­re Hin­weis­schil­der die Kun­den dar­auf auf­merk­sam, dass die Märk­te vi­deo­über­wacht wür­den. Dar­über hin­aus lä­gen die Da­ten nur kur­ze Zeit im Spei­cher und wür­den dann wie­der ge­löscht. Das Scan­ning der Per­so­nen er­fol­ge völ­lig an­onym. Die Soft­ware er­ken­ne le­dig­lich, dass es sich bei­spiels­wei­se um ei­ne Frau im Al­ter von et­wa 50 Jah­ren hand­le. Das Sys- tem wis­se zu kei­nem Zeit­punkt, wer die­se Per­son sei.

Da­ten­schüt­zer se­hen ei­ne sol­che Er­fas­sung von Kun­den­da­ten den­noch kri­tisch. „In dem Mo­ment, in dem Bil­der von Per­so­nen durch Ka­me­ras er­ho­ben wer­den, ist das nicht mehr an­onym“, sag­te der Ham­bur­ger Da­ten­schutz­be­auf­trag­te der „Le­bens­mit­tel­zei­tung“. Die Händ­ler sei­en ver­pflich­tet, ih­re Kun­den zu in­for­mie­ren. Da­ten­schüt­zer dürf­ten die Ent­wick­lun­gen ge­nau im Au­ge be­hal­ten, zu­mal be­reits an­de­re Han­dels­ket­ten durch­bli­cken lie­ßen, das Pro­jekt zu be­ob­ach­ten. Die Tech­nik lässt ja theo­re­tisch noch viel mehr zu: Bei­spiels­wei­se könn­te an­hand der Klei­dung der so­zia­le Sta­tus des Ein­käu­fers ein­ge­schätzt wer­den.

Ob den Kun­den, die in Re­als Su­per­märk­te strö­men, klar ist, dass ih­re Ge­sich­ter ana­ly­siert wer­den?

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