Bosch Rex­roth rockt PTC-Kon­fe­renz

Auf der „Li­veworx 2017“in Boston gab sich der Soft­ware­her­stel­ler PTC al­le Mü­he, den Kun­den den Zu­sam­men­hang zwi­schen CAD, PLM, IoT und Aug­men­ted Rea­li­ty zu er­klä­ren. Hil­fe kam aus Deutsch­land.

Computerwoche - - Inhalt - Von Man­fred Brem­mer, Re­dak­teur

Viel­be­ach­te­ter IoT-Show­ca­se auf der PTC-Haus­mes­se Li­veworx 2017.

Wenn du schnell ge­hen willst, geh al­lein, wenn du weit kom­men willst, geh zu­sam­men mit an­de­ren.“Un­ter die­sem Mot­to ver­sam­mel­te PTC vom 22. bis 25. Mai über 5000 Fach­be­su­cher – dar­un­ter al­lein 900 Part­ner – auf der Li­veworx 2017 in Boston. War es auf der Vor­jah­res­ver­an­stal­tung noch fast aus­schließ­lich um In­ter­net of Things (IoT) und Aug­men­ted Rea­li­ty (AR) ge­gan­gen, so be­sann sich das Ma­nage­ment heu­er auf sei­ne al­ten Tu­gen­den und Pro­dukt­wel­ten. „Vie­le der klas­si­schen PLM-Kun­den hat der Kurs über­for­dert“, räum­te CEO Jim Hep­pel­mann ge­gen­über Pres­se­ver­tre­tern ein.

PTC hat­te vor fünf Jah­ren zu­nächst das in­ter­ne IoT-Pro­jekt „Jolt“in An­griff ge­nom­men und dann En­de 2013 den IoT-Spe­zia­lis­ten Thing­worx zu­ge­kauft, um mit des­sen Platt­form ent­spre­chen­de Pro­jek­te be­trei­ben zu kön­nen. 2015 folg­te die Über­nah­me des Aug­men­ted-Rea­li­ty­Ge­schäfts­be­reichs Vu­f­oria von Qual­comm. Heu­te sieht Hep­pel­mann ei­ne wich­ti­ge Klam­mer zwi­schen PLM und IoT dar­in, dass nun auch Da­ten von sol­chen Pro­duk­ten ge­nutzt und aus­ge­wer­tet wer­den könn­ten, die be­reits beim Kun­den in­stal­liert sind. „Ich will nicht sa­gen, dass IoT das Wich­tigs­te für PLM ist, aber es ist zu­min­dest sehr wich­tig“, sag­te Hep­pel­mann, „AR wie­der­um ist ein Dif­fe­ren­zie­rer.“Ins­ge­samt, so be­haup­te­te der PTC-Chef, ha­be man nun ein zu­sam­men­hän­gen­des Port­fo­lio, das von CAD und CAE über IoT, mo­dell­ba­sier­te De­sign­si­mu­la­ti­on, AR und 3D-Prin­ting bis hin zum di­gi­ta­len Zwil­ling rei­che.

„Tech­no­lo­gi­en wie 3D-Druck, Smart Ma­nu­fac­tu­ring, IoT, Ana­ly­tics und AR/ VR er­öff­nen vie­le neue Mög­lich­kei­ten“, so der CEO. „Egal, ob in der tech­ni­schen Pla­nung, der di­gi­ta­len Or­ga­ni- sa­ti­on oder im Ver­trieb und Mar­ke­ting, es tut sich viel. Es ist ein neu­es Zeit­al­ter der In­no­va­ti­on an­ge­bro­chen, in dem die in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on mit der di­gi­ta­len Re­vo­lu­ti­on zu­sam­men­trifft und sich die Vor­tei­le ge­gen­sei­tig ver­stär­ken.“

Um die In­no­va­tio­nen von der Pla­nung ei­nes „Smart Con­nec­ted Pro­duct“bis hin zu Ver­trieb und Mar­ke­ting auf­zu­zei­gen, führ­te Hep­pel­mann das Li­veworx-Pu­bli­kum auf der Büh­ne durch ei­nen Show­ca­se des PTC-Kun­den Bosch Rex­roth. Im Mit­tel­punkt der Vor­füh­rung stand „Cy­troPac“, ein kom­pak­tes Hy­drau­likag­gre­gat, das ne­ben Mo­tor, Tank, Kühl­sys­tem und Steue­rung auch Sen­so­ren für Druck, Tem­pe­ra­tur, Füll­stand, Ver­schmut­zungs­grad und Vo­lu­men­strom ent­hält. Da­mit kön­nen die Tech­ni­ker von Bosch Rex­roth nicht nur die Vi­tal­da­ten von im Kun­den­ein­satz be­find­li­chen Ge­rä­ten über­wa­chen, son­dern auch Nut­zungs­mus­ter und Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten er­ken­nen.

So wur­den ei­ni­ge Cy­troPacs im Feld ent­deckt, die na­he der obe­ren Tem­pe­ra­tur­gren­ze ar­bei­te­ten. Da es sich bei die­sen Wer­ten um Aus­rei­ßer han­del­te, die bei ei­ner durch­schnitt­li­chen Nut­zung durch die Ziel­grup­pe nicht auf­tra­ten, gab es kei­nen aku­ten Hand­lungs­be­darf. Die In­ge­nieu­re er­hiel­ten aber An­halts­punk­te, um ein

neu­es Pro­dukt für ein ganz be­stimm­tes Kun­den­seg­ment zu de­si­gnen. Mit Hil­fe ei­nes di­gi­ta­len Zwil­lings des Cy­troPac und Lö­sun­gen für Ma­chi­ne Le­arning („Ka­lyp­so Va­lue Ana­ly­tics“) und Si­mu­la­ti­on („Si­mu­link)“fand Bosch Rex­roth her­aus, dass es mög­lich ist, die Ef­fi­zi­enz um 30 Pro­zent zu stei­gern – so­fern es ge­lingt, die Küh­lung ent­spre­chend zu ver­bes­sern. So ent­wi­ckel­ten die Tech­ni­ker im nächs­ten Schritt mit der CAD-Soft­ware „PTC Creo“ein op­ti­ma­les Mo­dell des Kühl­kör­pers. Da sich die auf­wen­di­ger ge­stal­te­ten Kühl­roh­re nicht mehr bie­gen lie­ßen, wur­den sie im 3D-Druck aus Alu­mi­ni­um ge­fer­tigt. Un­ter dem Strich er­ga­ben sich da­durch 66 Pro­zent Ge­wichts­er­spar­nis und ins­ge­samt 43 Pro­zent mehr Ef­fi­zi­enz.

CRM mit IoT neu er­fin­den

Das Team von Bosch Rex­roth de­mons­trier­te auf der Li­veworx-Büh­ne, wie es mit Hil­fe der In­dus­tri­al-IoT-Platt­form „Thing­worx“die Nut­zungs­da­ten der Cy­troPacs und die Ver­kaufs­in­for­ma­tio­nen aus Sa­les­force zu ei­ner „Sa­les Re­com­men­da­ti­on En­gi­ne“kom­bi­nier­te. Mit die­ser An­wen­dung kann das Ver­triebsteam Up- und Cross-Sel­ling-Mög­lich­kei­ten iden­ti­fi­zie­ren und so den Kun­den­ser­vice und die Zuf­rie­den­heit ver­bes­sern. Be­fin­det sich ein Hy­drau­likag­gre­gat über meh­re­re St­un­den im kri­ti­schen Tem­pe­ra­tur­be­reich, wä­re viel­leicht ein an­de­res, grö­ße­res Mo­dell die bes­se­re Wahl. Ei­ne un­ge­wöhn­lich lan­ge Nut­zungs­dau­er weist auf ei­nen Be­darf an wei­te­ren Pum­pen hin und er­öff­net so neue Ver­kaufs­mög­lich­kei­ten.

Ein wei­te­res Mit­glied des Di­gi­tal­teams von Bosch Rex­roth de­mons­trier­te, in­wie­weit sich auch die AR-In­te­gra­ti­on für den Ver­kaufs­pro­zess eig­net. So kön­nen sich po­ten­zi­el­le Kun­den mit Hil­fe ei­ner mit Creo Il­lus­tra­te oder Thing­worx Stu­dio er­stell­ten vir­tu­el­len Bro­schü­re und der AR-Bril­le Mi­cro­soft Ho­loLens über den Auf­bau des Cy­troPac so­wie die ver­schie­de­nen Mo­dell­va­ri­an­ten in­for­mie­ren.

Wei­te­re AR-Ein­satz­sze­na­ri­en, an de­nen Bosch Rex­roth ar­bei­tet, sind der Er­satz von klas­si­schen Be­die­nungs­an­lei­tun­gen durch AR so­wie die vi­su­el­le Ver­knüp­fung von Leis­tungs­da­ten mit dem di­gi­ta­len Zwil­ling über Thing­worx Stu­dio. Wie PTC-CEO Hep­pel­mann aus­führ­te, funk­tio­niert das auch im Brown­field mit zu­sätz­li­chen Sen­so­ren, die als ei­ne Art Fit­bit für die Ma­schi­ne Tem­pe­ra­tur oder Vi­bra­tio­nen mes­sen. Die Pro­duk­te da­für sei­en be­reits auf dem Markt, er­klär­te er dem Pu­bli­kum, ein sol­cher Smart Sen­sor von ABB sen­de die Mess­da­ten in die Azu­re-Cloud, auf die wie­der­um Thing­worx neu­er­dings zu­grei­fen kann. Thing­worx 8 vor­ge­stellt

PTC stell­te auf sei­ner Haus­mes­se auch die neu­es­te Thing­worx-Ver­si­on vor. In Thing­worx 8 wur­den nicht nur die Über­nah­men der letz­ten Jah­re tie­fer in­te­griert, zu­sätz­lich un­ter­stützt die ab 8. Ju­ni ver­füg­ba­re Lö­sung nun von Haus aus Ano­ma­lie-Er­ken­nung. Ein­ein­halb Jah­re nach der In­te­gra­ti­on der AR-Funk­tio­na­li­tä­ten von Vu­f­oria er­mög­licht Thing­worx in Ver­si­on 8 auch das na­ti­ve Er­stel­len und Ver­öf­fent­li­chen von AR-Sze­na­ri­en für Mi­cro­soft Ho­loLens. Ähn­lich wie be­reits für An­dro­id-, iOS- und Win­dows-Ge­rä­te kann der An­wen­der da­mit nun auch für die Da­ten­bril­le in kur­zer Zeit et­wa ein spe­zi­el­les AR-Dash­board, das phy­si­ka­li­sche Da­ten des Pro­dukts ent­hält, oder ei­ne Re­pa­ra­tur­an­lei­tung er­stel­len. Das Gan­ze funk­tio­niert in Thing­worx Stu­dio oh­ne Co­de, nur auf Ba­sis der be­reits exis­tie­ren­den 3D-Bil­der und CAD-Mo­del­le.

Auch der „Kep­ser­ver“von PTCs (vor­erst) letz­tem Zu­kauf Kep­ware wur­de in die IoTPlatt­form in­te­griert und bie­tet nun als „Thing­worx In­dus­tri­al Con­nec­tivi­ty“Un­ter­stüt­zung bei der Ein­bin­dung von Schnitt­stel­len und Pro­to­kol­len.

Jim Hep­pel­mann, CEO von PTC, be­gut­ach­tet das Mo­de Da­bei ist er kei­nes­wegs un­be­ob­ach­tet: Rund 5000 Ku zur Li­veworx 2017 in Boston ein­ge­fun­den.

Ei­ne De­mo auf of­fe­ner Büh­ne: PTC zeigt ei­nen „Di­gi­tal Twin“und de­mons­triert den Ein­satz ex­ter­ner Sen­so­ren.

Roy­al En­field mit Sitz in In­di­en ist die äl­tes­te noch pro­du­zie­ren­de Mo­tor­rad-Mar­ke der Welt. PTC zeig­te, wie Fah­rer mit Hil­fe von Aug­men­ted Rea­li­ty ein­fa­che War­tungs­ar­bei­ten selbst aus­füh­ren kön­nen.

ell der neu de­sign­ten Kühl­roh­re. un­den und Part­ner ha­ben sich

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