Sich per­sön­lich tref­fen und ler­nen

Über Lern­me­tho­den wird viel dis­ku­tiert und ge­schrie­ben. Ei­nes ist da­bei un­strit­tig: Wo es ge­lingt, Ta­len­te zu­sam­men­zu­füh­ren und von­ein­an­der ler­nen zu las­sen, sind die Er­fol­ge am größ­ten. Kein Wun­der, dass sich hier vie­le Un­ter­neh­men be­son­ders en­ga­gie­ren.

Computerwoche - - Inhalt - Von Ingrid Weid­ner, freie Jour­na­lis­tin in Mün­chen (am)

Ob im ei­ge­nen Un­ter­neh­men oder über ei­ne Platt­form or­ga­ni­siert – sich im wirk­li­chen Le­ben mit Kol­le­gen ähn­li­chen Zu­schnitts zu tref­fen und von­ein­an­der zu ler­nen, bleibt für ITPro­fis ele­men­tar wich­tig.

Andre­as Chris­ti­an Fi­scher ar­bei­tet seit 29 Jah­ren als Ent­wick­ler für die Da­tev. Auf Cle­an Co­de, al­so gut ge­schrie­be­ne Soft­ware, legt der 54-Jäh­ri­ge gro­ßen Wert. Un­ter den rund 2000 Ent­wick­ler­kol­le­gen fand er vie­le Gleich­ge­sinn­te und grün­de­te vor vier Jah­ren ei­ne un­ter­neh­mens­ei­ge­ne Ent­wick­lerCom­mu­ni­ty. Seit­dem tref­fen sich hier Da­te­vEnt­wick­ler über Ab­tei­lungs­gren­zen hin­weg, tau­schen sich aus und ler­nen von­ein­an­der. Aus Fi­schers Idee ist in­zwi­schen ei­ne klei­ne Be­we­gung ge­wor­den mit mehr als 600 Mit­ar­bei­tern in 20 Com­mu­nities, die sich mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Soft­ware­ent­wick­lung be­schäf­ti­gen. Da­bei wa­ren es bei der Da­tev nicht die Ent­wick­ler, die zu­erst auf die Idee ei­ner Com­mu­ni­ty ge­kom­men sind, son­dern die Se­kre­tä­rin­nen. Ihr Netz­werk Se­kNet gibt es be­reits seit 2005.

Aus­ge­stat­tet mit ei­nem ei­ge­nen Bud­get, kön­nen Fi­scher und ein acht­köp­fi­ges Or­ga­ni­sa­ti­ons­team Re­fe­ren­ten ein­la­den, Kol­le­gen zu Kon­fe­ren­zen schi­cken oder sich um Wei­ter­bil­dun­gen küm­mern. Mat­thi­as Nit­sche, Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung der Da­tev, schätzt das En­ga­ge­ment: „Wir wol­len un­ter­neh­me­risch den­ken­de Mit­ar­bei­ter, die selbst die Initia­ti­ve er­grei­fen. Des­halb un­ter­stüt­zen wir de­ren En­ga­ge­ment und er­mu­ti­gen un­se­re Kol­le­gen, sich ak­tiv in die Com­mu­nities of Prac­tice ein­zu­brin­gen.“

Andre­as Hüm­mer, der vor zehn Jah­ren bei Da­tev als IT-Aus­zu­bil­den­der mit dem Schwer­punkt Ent­wick­lung für Main­frames be­gann, en­ga­giert sich in der Com­mu­ni­ty zTa­l­ents. Da sich im­mer mehr Groß­rech­ner­ex­per­ten dem Ren­ten­al­ter nä­hern, ist es das Ziel die­ser Com­mu­ni­ty, den Wis­sens­trans­fer von äl­te­ren zu jün­ge­ren Kol­le­gen zu för­dern. So soll auch das ver­mit­telt wer­den, was in kei­nem Lehr­buch steht, et­wa Knif­fe zu den Be­triebs­sys­te­men z/OS oder zu den IBM-Midd­le­wa­re-Pro­duk­ten. „Je­der jün­ge­re hat ei­nen äl­te­ren Kol­le­gen als Pa­ten“, sagt der 26-Jäh­ri­ge. Ins­ge­samt en­ga­gie­ren sich rund 65 Main­frame-Spe­zia­lis­ten. „Al­le ehe­ma­li­gen Aus­zu­bil­den­den und Kol­le­gen un­ter 30 sind da­bei, aber auch vie­le der äl­te­ren Kol­le­gen kom­men re­gel­mä­ßig zu den Ver­an­stal­tun­gen“, sagt Hüm­mer.

Kaum Zeit für Wei­ter­bil­dung im Jo­ball­tag

Der In­for­ma­ti­ker Mar­co Em­rich ar­bei­tet als Trai­ner bei der Web­mas­ters Aka­de­mie in Nürn­berg und en­ga­giert sich in der Soft­ware-Craft­man-Ship-Sze­ne. Die­se in­ter­na­tio­na­le Be­we­gung von Ent­wick­lern be­greift das Schrei­ben von gu­ter Soft­ware als Hand­werk und will es wei­ter­ent­wi­ckeln. „Vie­le En­wick­ler ha­ben ge-

merkt, dass sie sich nicht in­ner­halb ih­res 40-St­un­den-Jobs wei­ter­bil­den kön­nen“, sagt Em­rich. Per­sön­li­che Tref­fen in­ner­halb und au­ßer­halb ei­nes Un­ter­neh­mens hel­fen, mit Gleich­ge­sinn­ten zu ler­nen. Hin und wie­der un­ter­stützt Em­rich Fir­men, die haus­in­tern Com­mu­nities auf­bau­en möchten, in de­nen sich Ent­wick­ler zum Pro­gram­mie­ren oder zum Aus­tausch tref­fen. „Die The­men sind nah an der tat­säch­li­chen Ar­beit, die Teil­neh­mer brin­gen Pro­gram­mier­pro­ble­me mit, die wir wäh­rend der Tref­fen lö­sen.“

Ge­ra­de weil im All­tag oft we­nig Zeit für Wei­ter­bil­dung oder auch Er­folgs­er­leb­nis­se bleibt, er­öff­nen sich mit Com­mu­nities neue Per­spek­ti­ven. Wich­tig aus Sicht des Trai­ners ist es, dass die Initia­ti­ve von den Mit­ar­bei­tern aus­geht. „Man­che sind so­fort Feu­er und Flam­me, an­de­re wol­len kei­ne Ve­rän­de­rung. Es bringt nichts, die Leu­te zu zwin­gen“, mahnt Em­rich. Doch eben­so wich­tig sei Rü­cken­de­ckung des Ma­nage­ments.

Wie Wis­sens­trans­fer in­ner­halb ei­nes Un­ter­neh­mens ge­lin­gen kann, dar­über zer­bre­chen sich Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­ler seit vie­len Jah­ren den Kopf. „Wenn Sie­mens wüss­te, was Sie­mens weiß“, war lan­ge ein ge­flü­gel­tes Wort, denn viel Wis­sen steckt trotz auf­wen­di­ger Da­ten­ban­ken im­mer noch in den Köp­fen. Ver­lässt ein Mit­ar­bei­ter das Un­ter­neh­men, geht meist auch sein Know-how ver­lo­ren. Man­che Fir­men ste­cken viel Geld in Wis­sens­da­ten­ban­ken und kom­pli­zier­te Pro­zes­se, um das vor­han­de­ne Wis­sen in der Brei­te zu­gäng­lich zu ma­chen. Meis­tens hält sich der Er­folg in Gren­zen.

In­ter­ne Com­mu­nities zei­gen in­des ei­nen gang­ba­ren Weg, um den Aus­tausch zu för­dern. „Es ist fas­zi­nie­rend zu se­hen, wie Men­schen auf­blü­hen, wenn sie von­ein­an­der ler­nen“, be­ob­ach­tet Da­tev-Ent­wick­ler Fi­scher. Auch sei­ne Kar­rie­re be­kam neu­en Schwung. Heu­te ver­ant­wor­tet er un­ter­neh­mens­weit das The­ma Co­de­qua­li­tät. „Com­mu­nities funk­tio­nie­ren dann, wenn es span­nen­de Events gibt, die Leu­te Spaß da­bei ha­ben und frei­wil­lig mit­ma­chen“, bi­lan­ziert Fi­scher. Er en­ga­giert sich auch in der welt­wei­ten Soft­ware Crafts­manship Com­mu­ni­ty.

Wie Un­ter­neh­men Mee­t­up nut­zen

Andre­as Hüm­mer ent­deck­te mit den zTa­l­ents vie­le neue Aspek­te sei­nes Spe­zi­al­ge­biets, ne­ben­bei lern­te er im Or­ga­ni­sa­ti­ons­team auch ei­ni­ges über Ma­nage­ment und sei­nen Ar­beit­ge­ber. Dem­nächst räumt er sei­nen Platz im Or­ga-Team für jün­ge­re Kol­le­gen. „Ich hat­te Kon­takt zum Top­ma­nage­ment und ha­be von der be­reichs­über­grei­fen­den Kom­mu­ni­ka­ti­on pro­fi­tiert. Leicht fällt es mir nicht, die­se Po­si­ti­on auf­zu­ge­ben“, sagt Hüm­mer.

Sich zu tref­fen und von­ein­an­der zu ler­nen ent­wi­ckelt sich in Ent­wick­ler­krei­sen zu ei­nem Trend, der über Fir­men­gren­zen hin­aus­reicht. Nach Ver­an­stal­tun­gen zu ent­spre­chen­den ITThe­men lässt sich leicht über die On­li­ne-Platt­form Mee­t­up (www.mee­t­up.com) su­chen. Dar­über or­ga­ni­sie­ren Fir­men, Grup­pen oder Pri­vat­per­so­nen Ter­mi­ne. In­ter­es­sier­te kön­nen ih­re Ab­fra­ge nach The­men oder Post­leit­zah­len vor­neh­men. Vie­le Un­ter­neh­men stel­len ih­re Rä­um­lich­kei­ten für die­se Tref­fen ger­ne zur Ver­fü­gung. So kom­men ih­re Mit­ar­bei­ter mit ITSpe­zia­lis­ten ins Ge­spräch, die sie sonst kaum ken­nen­ler­nen wür­den. Für knapp zehn Dol­lar im Mo­nat las­sen sich ei­ne Grup­pe über die Platt­form ver­wal­ten, Ter­mi­ne ver­ein­ba­ren und Ein­la­dun­gen ver­schi­cken.

Gleich­ge­sinn­te aus an­de­ren Bran­chen tref­fen

Vor 15 Jah­ren in New York ge­grün­det, ent­wi­ckel­te sich Mee­t­up zu ei­nem glo­ba­len Un­ter­neh­men, das Men­schen mit ähn­li­chen In­ter­es­sen oder Hob­bys ver­bin­det und ih­nen hilft, sich zu ver­ab­re­den. Mitt­ler­wei­le or­ga­ni­sie­ren vie­le IT-Spe­zia­lis­ten ih­re Tref­fen mit die­sem Tool. Tho­mas Bo­den­mül­ler-Do­dek, Data Sci­en­tist bei SAS, ist ei­ner von ih­nen: „Ich be­su­che in­ter­ne Wei­ter­bil­dungs­kur­se mei­nes Ar­beit­ge­bers, bin in On­li­ne-User-Grup­pen ak­tiv, le­se vie­le Blogs und ver­net­ze mich mit Kol­le­gen.“Über die Platt­form Mee­t­up ver­ab­re­det sich der Data Sci­en­tist mit Kol­le­gen, um über neue Tools zur Vi­sua­li­sie­rung von Da­ten zu dis­ku­tie­ren: „Die Mee­t­up-Tref­fen in Hei­del­berg und Frank­furt am Main sind ei­ne gu­te Er­gän­zung für mich. Dort tau­sche ich mich mit Ex­per­ten aus an­de­ren Bran­chen aus.“Be­son­ders vie­le Mee­tups zu IT-The­men gibt es in Mün­chen.

Andre­as Chris­ti­an Fi­scher hat vor vier Jah­ren die ers­te Ent­wick­ler-Com­mu­ni­ty bei der Da­tev ins Le­ben ge­ru­fen. Heu­te tau­schen sich mehr als 600 Mit­ar­bei­ter in 20 Com­mu­nities über The­men der Soft­ware­ent­wick­lung aus.

Andre­as Hüm­mer be­gann bei der Da­tev als IT-Azu­bi und en­ga­giert sich heu­te in der Main­frame-Com­mu­ni­ty zTa­l­ents, in der al­te Ha­sen ihr Wis­sen an den Nach­wuchs wei­ter­ge­ben.

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