IoT: Ge­ne­ral Electric greift an

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Auf der Haus­mes­se Minds + Ma­chi­nes Eu­ro­pe 2017 prä­sen­tier­te GE Di­gi­tal neue Lö­sun­gen, die auf der In­dus­tri­al-IoT-(IIoT-)Platt­form Pre­dix ba­sie­ren. Zu­dem ar­bei­tet der US-Kon­zern an weit­rei­chen­den Part­ner­schaf­ten, um die nächs­te in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on an­füh­ren zu kön­nen.

Auf der Haus­mes­se „Minds + Ma­chi­nes Eu­ro­pe 2017“prä­sen­tier­te GE Di­gi­tal neue, auf sei­ner In­dus­tri­al-IoT-(IIoT-)Platt­form Pre­dix ba­sie­ren­de Lö­sun­gen. Im Mit­tel­punkt stan­den au­ßer­dem Part­ner­schaf­ten, die die Trans­for­ma­ti­on jen­seits der Fa­b­rik­mau­ern be­schleu­ni­gen und die nächs­te in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on ein­lei­ten sol­len.

Will­kom­men im Zeit­al­ter des Um­bruchs, in dem das Al­te ver­schwin­det und das Neue noch nicht ganz des­sen Platz ein­ge­nom­men hat“, be­grüß­te GEVi­ze­che­fin Beth Com­stock die über 1000 Be­su­cher der Minds + Ma­chi­nes Eu­ro­pe 2017 in Ber­lin. Com­stock, kurz­fris­tig für den in­zwi­schen zu­rück­ge­tre­te­nen CEO Jeff Im­melt ein­ge­sprun­gen, führ­te aus, dass sich der­zeit vie­le Un­ter­neh­men in ei­ner Si­tua­ti­on be­fän­den, in der sie ir­gend­wo zwi­schen der phy­si­schen und der di­gi­ta­len Welt agie­ren müss­ten.

In der EU ana­ly­sie­ren nach An­ga­ben der Ma­na­ge­rin der­zeit nur rund 30 Pro­zent der Fir­men ih­re IoT-Da­ten, um auf die­ser Ba­sis Ent­schei­dun­gen zu fäl­len. Den­noch zeig­te sich Com­stock über­zeugt, dass Eu­ro­pa das Zeit­al­ter der di­gi­ta­li­sier­ten In­dus­trie an­füh­ren kön­ne: „In­ves­ti­tio­nen in die Tech­no­lo­gie – ein­schließ­lich der Au­to­ma­ti­sie­rung, Fer­ti­gung und künst­li­chen In­tel­li­genz so­wie der Be­herr­schung die­ser Be­rei­che – kön­nen die In­dus­trie trans­for­mie­ren und ih­re Pro­duk­ti­vi­tät stei­gern.“

Für In­dus­trie­un­ter­neh­men füh­re kein Weg an neu­en Tech­no­lo­gi­en vor­bei, wenn sie ih­re Pro­duk­ti­vi­tät wei­ter er­hö­hen woll­ten. „Le­an Ma­nage­ment und ERP ha­ben je­weils 4 bis 4,5 Pro­zent zur Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät bei­ge­tra­gen, aber das war‘s dann auch“, sag­te die GE-Vi­ze­che­fin. „Jetzt ist es Zeit, dass sich die IT mit der OT ver­bin­det.“Das wer­de der In­dus­trie ei­nen gro­ßen In­no­va­ti­ons­schub ver­lei­hen.

Der ame­ri­ka­ni­sche Misch­kon­zern Ge­ne­ral Electric hat­te selbst vor sechs Jah­ren den Weg in Rich­tung ei­nes di­gi­ta­len In­dus­trie­un­ter­neh­mens ein­ge­schla­gen, in­dem er sei­ne IT-Ab­tei- lung durch ei­ne Di­gi­tal­ab­tei­lung er­setz­te und – an­geb­lich man­gels ge­eig­ne­ter Lö­sun­gen am Markt – mit Pre­dix ei­ne ei­ge­ne IIoT-Platt­form zum Sam­meln und Aus­wer­ten von Ma­schi­nen­da­ten ent­wi­ckel­te. Die ent­stan­de­ne Lö­sung reicht vom Edge bis in die Cloud und schließt Se­cu­ri­ty und Da­ta Go­ver­nan­ce ein.

Aus der In­dus­trie – für die In­dus­trie

Wie John Gor­don, Chief Pro­duct Of­fi­cer von GE Di­gi­tal, er­klär­te, wur­de die Lö­sung zu­vor in al­len zwölf GE-Spar­ten – von Avia­ti­on bis er­neu­er­ba­re Ener­gi­en – ein­ge­setzt, um zu tes­ten, für wel­che Auf­ga­ben Pre­dix am bes­ten ge­eig­net sei. Da­bei ha­be sich ge­zeigt, dass sämt­li­che Ge­schäfts­be­rei­che da­mit si­gni­fi­kan­te Ver­bes­se­run­gen er­zie­len konn­ten. Das Ver­knüp­fen von As­sets, Um­ge­bun­gen, Men­schen und Ge­schäfts­fel­dern lie­fe­re ge­ne­rell greif­ba­re Vor­tei­le, un­ab­hän­gig von Sek­tor, Grö­ße oder La­ge ei­nes Un­ter­neh­mens, so Gor­don. Pre­dix sei in der La­ge, Ma­schi­nen si­cher an­zu­bin­den und Da­ten im Edge-Be­reich zu sam­meln, um auf die­ser Ba­sis Echt­zeit­ana­ly­sen zu er­stel­len und „di­gi­ta­le Zwil­lin­ge“zu bau­en, die Ein­bli­cke in die ver­gan­ge­ne Per­for­mance und künf­ti­ge Er­geb­nis­se ge­ben, so der Pro­dukt­chef.

Vor knapp zwei Jah­ren öff­ne­te der Sie­men­sRi­va­le dann die Platt­form, um sie Part­nern und An­wen­der­un­ter­neh­men als Ba­sis für spe­zi­fi­sche Lö­sun­gen be­reit­zu­stel­len. Of­fi­zi­el­len An­ga­ben zu­fol­ge konn­te GE Di­gi­tal in­zwi­schen 700 Part­ner für Pre­dix ge­win­nen, rund 10.000 Ent­wick­ler hät­ten sich re­gis­triert, um das Soft­ware-De­ve­lop­ment-Kit (SDK) her­un­ter­zu­la­den.

Auch wenn GE Di­gi­tal (wie auch Sie­mens) kei­ne Nut­zer­zah­len für sei­ne IIoT-Lö­sung her­aus­gibt, sind ei­ni­ge Pre­dix-Kun­den be­reits be­kannt: So nutzt der Auf­zu­g­her­stel­ler Schind­ler Pre­dix als Ba­sis für sei­ne di­gi­ta­le Lö­sung „Schind­ler Ahead“, mit de­ren Hil­fe der Sta­tus von über ei­ner Mil­li­on Auf­zü­gen und Roll­trep­pen welt­weit über­wacht und mög­li­che Pro­ble­me via Pre­dic­tive Main­ten­an­ce im Vor­feld er­kannt wer­den kön­nen. Wei­te­re Ver­wer­tungs­zwe­cke für die ge­sam­mel­ten Da­ten und Er­kennt­nis­se sind nicht aus­ge­schlos­sen. Bei DB Car­go wer­den der­zeit in ei­nem ers­ten Schritt 250 Die­sel­lo­ko­mo­ti­ven mit ei­nem di­gi­ta­len Dia­gno­se­sys­tem von GE auf Pre­dix-Ba­sis aus­ge­stat­tet, um Be­triebs­aus­fäl­le zu re­du­zie­ren und War­tungs­ter­mi­ne bes­ser zu pla­nen. Ma­ersk Dril­ling wie­der­um setzt in ei­nem Pi­lot­pro­jekt auf ei­nem sei­ner Bohr­schif­fe „Se­aS­tream In­sight“, ei­ne von GE ent­wi­ckel­te Pre­dix-ba­sier­te As­set-Per­for­man­ceMa­nage­ment-(APM-)Lö­sung für ma­ri­ti­me Zwe­cke, ein. Ziel des Pro­jekts ist es, mit Hil­fe ei­nes Di­gi­tal Twins des Schiffs die Pro­duk­ti­vi­tät der Bohr­ak­ti­vi­tä­ten zu er­hö­hen. Au­ßer­dem sol­len die War­tungs­kos­ten durch das früh­zei­ti­ge Er­ken­nen von po­ten­zi­el­len Schwach­stel­len um bis zu 20 Pro­zent ge­senkt wer­den.

Die Da­ten fest im Blick

Auf­grund die­ser und an­de­rer Bei­spie­le, bei de­nen je­weils nur be­dingt Ge­ne­ral-ElectricHard­ware zum Ein­satz kommt, wähnt sich GE Di­gi­tal ge­gen­über Wett­be­wer­bern aus dem klas­si­schen IT-Um­feld im Vor­teil. „Pre­dix ist kei­ne wei­te­re IoT-Platt­form, son­dern die Platt­form für die di­gi­ta­le in­dus­tri­el­le Trans­for­ma­ti­on“, warb Gor­don. „Wir ha­ben den Blick auf die Da­ten und das Do­main-Wis­sen, wir ver­ste­hen die phy­si­ka­li­schen Mo­del­le und auch die kli­ma­ti­schen Fak­to­ren. Das al­les ist schwer nach­zu­voll­zie­hen, wenn man kein In­dus­trie­un­ter­neh­men ist.“

Der Pre­dix-Pro­dukt­chef ver­wies auf die ho­he Kom­ple­xi­tät und die Rie­sen­men­gen an Da­ten, wel­che die Platt­form be­reits ver­ar­bei­te: „Al­le zwei Mi­nu­ten star­tet ein mit GE-Tur­bi­nen aus­ge­stat­te­tes Flug­zeug und ver­ur­sacht pro Flug ein Te­ra­byte Da­ten. Be­ste­hen­de Sys­te­me kön­nen mit die­sen Da­ten­men­gen nicht um­ge­hen.“

Wich­tigs­tes Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal, ins­be­son­de­re ge­gen­über in­dus­tri­el­len Wett­be­wer­bern wie Sie­mens, ist laut Gor­don die Mög­lich­keit, mit Pre­dix ein As­set-Mo­dell zu er­stel­len und die­ses als di­gi­ta­len Zwil­ling zu be­trei­ben: „Samm­le Da­ten und lass Da­ten die Sto­ry er­zäh­len.“Im Lauf der Zeit wer­de der Di­gi­tal Twin zu­neh­mend ge­nau­er, aus der Si­mu­la­ti­on ent­ste­he nach und nach ein selbst­ler­nen­des Sys­tem.

Der Ge­ne­ral-Electric-Kon­zern selbst ver­wal­tet nach An­ga­ben des Ma­nage­ments rund 700.000 di­gi­ta­le Zwil­lin­ge von 50.000 As­sets, auf die Kun­den zu­rück­grei­fen kön­nen. Dank ver­gleich­ba­rer Mo­del­le sol­len sie so in der La­ge sein, oh­ne lan­ge An­lern­zeit schnell ei­ge­ne Er­kennt­nis­se zu ge­win­nen. Zu­dem gibt es mit Pre­dix Stu­dio die Mög­lich­keit, in­ner­halb we­ni­ger St­un­den wei­te­re Fä­hig­kei­ten zu ent­wi­ckeln, in­dem per Drag and Drop ver­schie­de­ne Da­ten­quel­len mit­ein­an­der in Re­la­ti­on ge­setzt wer­den.

Ne­ben dem Her­aus­stel­len der Funk­tio­nen und an­geb­li­chen Vor­tei­le von Pre­dix war es ein wei­te­res An­lie­gen des Ver­an­stal­ters, den Be­su­chern zu ver­deut­li­chen, dass sie mit Pre­dix kei­ne Platt­form im klas­si­schen Sin­ne, son­dern ei­ne „In­no­va­tions-Road­map“für ihr Un­ter­neh­men kauf­ten. So stell­te GE Di­gi­tal ei­ne in­te­grier­te Lö­sung vor, die auf der Platt­fom die Lö­sung des im No­vem­ber 2016 über­nom­me­nen Field-Ser­vice-Ma­nage­ment-Spe­zia­lis­ten Ser­vice­Max mit dem As­set-Per­for­mance-Ma­nage­men­tPort­fo­lio ver­knüpft. Die Kom­bi­na­ti­on soll ab En­de 2017 ver­füg­bar sein und In­dus­trie­un­ter­neh­men in die La­ge ver­set­zen, den Le­bens­zy­klus ih­rer An­la­gen vor­her­zu­sa­gen und Ver­wal­tung so­wie War­tung dar­an an­zu­pas­sen. Ei­nen wei­te­ren Schritt in die­se Rich­tung stellt das In­vest­ment von GE Ven­tures in Avi­tas Sys­tems dar – ein Un­ter­neh­men, das vor­aus­schau­en­de Da­ten­ana­ly­tik, Droh­nen und künst­li­che In­tel­li­genz ein­setzt, um fort­schritt­li­che In­spek­ti­ons­diens­te für die Öl- und Gas-, Trans­port- und Ener­gie­wirt­schaft zu lie­fern. Die von Pre­dix an­ge­trie­be­ne Lö­sung der Com­pa­ny soll Kun­den bei der Ana­ly­se von In­spek­ti­ons­da­ten hel­fen, re­gu­la­to­ri­sche und ex­ter­ne Qu­el­len – et­wa Wet­ter­da­ten – in­te­grie­ren, Feh­ler au­to­ma­tisch er­ken­nen und op­ti­ma­le In­spek­ti­ons- und War­tungs­plä­ne emp­feh­len. Das Sys­tem kann Da­ten aus ver­schie­de­nen Qu­el­len kom­bi­nie­ren und un­ab­hän­gig von­ein­an­der die Be­zie­hun­gen zwi­schen ih­nen für tie­fe­re Er­kennt­nis­se ana­ly­sie­ren. Da­bei lässt sich das Be­nut­zer-Feed­back ein­be­zie­hen, um Feh­ler in­tel­li­gen­ter und ge­nau­er er­ken­nen zu kön­nen.

Bei Avi­tas ist man über­zeugt, dass In­spek­tio­nen, die sich nicht an re­gel­mä­ßi­gen Zeit­in­ter­val­len, son­dern an er­wart­ba­ren Ri­si­ken ori­en­tie­ren, die dies­be­züg­li­chen Kos­ten um bis zu 25 Pro­zent sen­ken kön­nen. Gleich­zei­tig wer­de die Le­bens­dau­er der je­wei­li­gen An­la­ge deut­lich er­höht.

Strom ef­fi­zi­en­ter han­deln

Ei­ne wei­te­re Neu­vor­stel­lung war das von GE Po­wer ent­wi­ckel­te Bran­chen­pa­ket „Di­gi­tal Uti­li­ty“für Ver­sor­ger. Wie Ga­nesh Bell, Chef die­ser GE-Spar­te, aus­führ­te, greift die eben­falls Pre­dix-ba­sie­ren­de Lö­sung die neu­en An­for­de­run­gen an Ver­sor­ger in­fol­ge der Ener­gie­wen­de auf, in­dem sie die Tren­nung zwi­schen Pro­duk­ti­on und Han­del auf­hebt und die Echt­zeit-Ma­schi­nen­da­ten mit der Ren­ta­bi­li­tät der An­la­gen ver­bin­det. Ener­gie- und Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sol­len so in der La­ge sein, lang­fris­tig, aber auch ta­ges­ak­tu­ell ef­fi­zi­ent mit Strom zu han­deln.

Di­gi­tal Uti­li­ty ent­hält zu die­sem Zweck Up­dates für die Ope­ra­ti­ons-Op­ti­mie­rungs­soft­ware von GE Po­wer, ein­schließ­lich ei­nes ge­schlos­se­nen Ana­ly­se­kreis­laufs für um­fas­sen­de Ef­fi­zi­enz. Dar­über hin­aus ver­bin­den GEs APM-Lö­sun­gen für Ener­gie­un­ter­neh­men nun al­le An­la­gen über das ge­sam­te Electri­ci­ty Va­lue Net­work (EVN) in ei­ner in­te­grier­ten Ap­pli­ka­ti­on und bie­ten den Kun­den ei­ne Über­sicht al­ler An­la­gen, die Strom an das Strom­netz lie­fern. k

Von Man­fred Brem­mer, Se­ni­or Edi­tor IoT & Mo­bi­le

Ei­ne neue Ära GE-Vi­ze­che­fin Beth Com­stock be­grüß­te die über 1000 Be­su­cher der Haus­mes­se Minds + Ma­chi­nes Eu­ro­pe in Ber­lin. Ur­sprüng­lich soll­te CEO Jeff Im­melt spre­chen, doch der hat­te we­ni­ge Ta­ge zu­vor nach 16 Jah­ren an der Spit­ze des In­dus­trie­gi­gan­ten sei­nen Rück­tritt er­klärt. Nach­fol­ger wird John Fl­an­ne­ry, bis da­to Lei­ter der Me­di­zin­tech­nik-Spar­te. Am 1. Au­gust soll der Staf­fel­stab of­fi­zi­ell über­ge­ben wer­den. Im­melt stand bei In­ves­to­ren we­gen der un­er­freu­li­chen Ent­wick­lung des Ak­ti­en­kur­ses in der Kri­tik.

Auf sei­ner Kun­den­mes­se Minds + Ma­chi­nes Eu­ro­pe 2017 in Ber­lin stell­te GE neue Di­ens­te für sei­ne In­ter­net-of-Things(IoT-)Platt­form Pre­dix vor. Bei­spiels­wei­se soll dort das Fiel­dSer­vice- mit dem As­set-Per­for­man­ceMa­nage­ment ver­knüpft wer­den. Da­mit las­se sich der ge­sam­te Le­bens­zy­klus von In­dus­trie­an­la­gen vor­her­sa­gen, über­wa­chen und ver­wal­ten, wirbt GE.

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