Sour­cing Day 2017: Die Di­gi­ta­li­sie­rung wirft ganz neue Fra­gen auf

Computerwoche - - Praxis - Von Flo­ri­an Kurz­mai­er, Edi­to­ri­al Le­ad – Events, Plat­forms and In­no­va­ti­on bei IDG

Wie kön­nen IT-Ma­na­ger und Ein­käu­fer er­folg­rei­che Sour­cing-Stra­te­gi­en ent­wi­ckeln und ge­mein­sam mit ih­ren Part­nern aus­ge­stal­ten? Die­se Fra­ge be­schäf­tig­te die Teil­neh­mer des Sour­cing Day 2017 in Köln. In­halt­lich stan­den klas­si­sche The­men wie die Steue­rung vie­ler Lie­fe­ran­ten oder das Kos­ten-Ma­nage­ment beim IT-Out­sour­cing ne­ben der zen­tra­len Zu­kunfts­fra­ge nach der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on. Hier in­ter­es­sier­te die Teil­neh­mer et­wa, wie man sinn­voll mit Star­tups zu­sam­men­ar­bei­tet oder wie Di­gi­tal Labs auf­ge­stellt sein soll­ten.

An der Di­gi­ta­li­sie­rung führt – auch wenn es um Sour­cing geht – kein Weg vor­bei. Die­se Bot­schaft gab Kölns Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Re­ker den Teil­neh­mern des Sour­cing Day per Vi­deo­bot­schaft mit auf den Weg. Die par­tei­lo­se Stadt­che­fin sieht auch die Po­li­tik in der Pflicht. Es sei die Auf­ga­be von Kom­mu­nen wie der Stadt Köln, die Rah­men­be­din­gun­gen für er­folg­rei­che Trans­for­ma­ti­ons­in­itia­ti­ven zu schaf­fen, zum Bei­spiel mit Pro­jek­ten wie dem Di­gi­tal Hub Co­lo­gne. Da­rin will Köln sei­ne Di­gi­ta­li­sie­rungs­in­itia­ti­ven bün­deln. Ziel ist es, in­no­va­ti­ve Star­tups und Ide­en mit Un­ter­neh­men, Wis­sen­schaft und In­dus­trie zu­sam­men­zu­brin­gen, da­mit sie ge­mein­sam di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le ent­wi­ckeln.

Die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on von Pro­zes­sen und Ge­schäfts­mo­del­len stellt neue An­for­de­run­gen an das IT-Sour­cing in den Un­ter­neh­men. Das war auf dem Sour­cing Day deut­lich zu spü­ren. Im­mer wie­der wur­de über die Aus­wir­kun­gen des di­gi­ta­len Wan­dels auf die viel­schich­ti­gen Aspek­te des Sour­cing-Pro­zes­ses dis­ku­tiert. Das be­traf et­wa den Da­ten­schutz und die Ver­trags­ge­stal­tung im Zei­chen der EUDa­ten­schutz-Gr­und­ver­ord­nung (DSVGO) oder auch die Fra­ge, wo­her die Ta­len­te von mor­gen ih­ren Weg in die Un­ter­neh­men fin­den kön­nen.

Das Bes­te aus bei­den Wel­ten

Auch die Fra­ge, wer nun ei­gent­lich die Di­gi­ta­li­sie­rung vor­an­trei­ben soll, stell­te sich ein­mal mehr. Mar­kus Sont­hei­mer, seit En­de 2015 als CIO bei Schen­ker tä­tig ist und zu­dem im Som­mer 2016 zum CDO be­ru­fen, zeig­te sich über­zeugt, dass sich bei­de Rol­len nicht aus­schlie­ßen müs­sen. Wie die Ver­bin­dung funk­tio­nie­ren

kann, er­läu­ter­te er den Teil­neh­mern in sei­ner Er­öff­nungs-Keyno­te un­ter dem Ti­tel „Jo­in the Forces“.

Der Te­nor: CIOs soll­ten sich nicht auf die Im­ple­men­tie­rung und den Be­trieb von Tech­no­lo­gie be­schrän­ken, son­dern Be­ra­ter und Gestal­ter tech­ni­scher Neue­run­gen und Pro­zes­se sein. Beim CDO in­des sei die Auf­ga­be der „kon­struk­ti­ven Dis­rup­ti­on“ver­an­kert, er müs­se weit­rei­chen­de fach­li­che Ve­rän­de­run­gen in die Fach­ab­tei­lun­gen hin­ein­tra­gen. Die Fu­si­on der bei­den Rol­len er­mög­li­che es, in­no­va­ti­ve und dis­rup­ti­ve Ent­schei­dun­gen vor­an­zu­trei­ben, oh­ne die be­ste­hen­de IT-Land­schaft aus den Au­gen zu ver­lie­ren. Das Bes­te bei­der Wel­ten, wie es Sont­hei­mer aus­drück­te.

Schen­ker trans­for­miert sein Kern­ge­schäft

Sont­hei­mer skiz­zier­te in sei­nem Vor­trag, wie das beim Lo­gis­ti­k­rie­sen Schen­ker – das Un­ter­neh­men ist Num­mer eins im eu­ro­päi­schen Land­trans­port, Num­mer drei bei Luft- und See­fracht so­wie welt­weit Num­mer fünf in der Kon­trakt­lo­gis­tik – in der Rea­li­tät aus­sieht. Im Zen­trum der IT-Be­mü­hun­gen ste­hen dem­nach neue di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le so­wie die Trans­for­ma­ti­on des bis­he­ri­gen Kern­ge­schäfts. Da­bei rei­chen die neu­en Ge­schäfts­mo­del­le von ei­nem Markt­platz, auf dem Schen­ker als Ver­mitt­ler Fracht­füh­rer un­ter­ein­an­der und mit Kun­den zu­sam­men­führt, über ein ei­ge­nes Lo­gis­tik-Öko­sys­tem, das klei­ne­re Spe­di­tio­nen auf ei­ne di­gi­ta­le Platt­form holt und so Lo­gis­tik­da­ten kom­mer­zia­li­sier­bar macht, bis hin zum au­to­no­men Trans­port-Ma­nage­ment. Da­bei sei es un­er­läss­lich, nicht nur den Be­trieb zu di­gi­ta­li­sie­ren, son­dern auch die Schnitt­stel­len zu Kun­den und Car­ri­ern, sag­te Sont­hei­mer. Neun Work­shops zum „A und O“des Sour­cing

Ne­ben dem tie­fen Ein­tau­chen in die Trans­for­ma­ti­on der Lo­gis­tik stand auf dem Sour­cing Day mit neun Work­shops ein brei­tes Spek­trum an pra­xis­na­hen Ses­si­ons auf der Agen­da. Die „klas­si­schen“The­men der Sour­cing-Pro­zess­ket­te wie Bu­si­ness Pro­cess Out­sour­cing, Kos­ten-Ma­nage­ment, Ver­trags­ge­stal­tung oder die al­te Fra­ge nach dem IT-Be­trieb on Pre­mi­se ver­sus Cloud-ba­siert wa­ren eben­so ver­tre­ten wie spit­zer zu­ge­schnit­te­ne Work­shop-An­sät­ze.

Hier konn­ten die Teil­neh­mer bei­spiels­wei­se über Con­tai­ner as a Ser­vice und die da­mit ver­bun­de­nen Vor­tei­le bei der De­ploy­ment-Ge­schwin­dig­keit und Fle­xi­bi­li­tät dis­ku­tie­ren, De­tails zur Cloud-Sour­cing-Stra­te­gie des Ma­schi­nen­bau­ers GEA (sie­he Sei­te 31) er­fah­ren oder sich zu Ma­na­ged-Se­cu­ri­ty-Ser­vices in­for­mie­ren. Als The­men­pa­ten hat­ten sich zur Ver­fü­gung ge­stellt: Oli­ver Reindl (CIO, Flug­ha­fen Köln Bonn), Mar­kus Schä­fer (He­ad of Glo­bal IT Pro­cu­re­ment, Co­ve­s­tro), Chris­toph Grewe-Fran­ze (CIO, Al­f­red H. Schüt­te), Ke­win Stö­ckigt (Lei­ter IT-Sour­cing & Part­ner Ma­nage­ment, Lidl Stif­tung & Co. KG), Peter Mey­er­hans (CIO, Drees & Som­mer), Ste­fan Hei­mann (Group CIO, GEA), Chris­toph Mölt­gen (CIO, Ber­ner SE), Ans­gar Kirch­ner (He­ad of In­dus­tri­al Pro­jects, Se­ni­or Ma­na­ger, Air­bus Ope­ra­ti­ons), und Andre­as Bee­res (CIO, Schott). Sie be­rei­cher­ten die Dis­kus­sio­nen um an­wen­der­na­he Im­pul­se, eben­so wie die Sour­cin­gDay-Spon­so­ren T-Sys­tems, Wi­pro, Cap­ge­mi­ni, Co­gni­zant, DXC und Mi­cro­soft. All­ge­gen­wär­tig in den Dis­kus­sio­nen wa­ren The­men wie

Se­cu­ri­ty, die DSGVO, Cloud Com­pu­ting und selbst­ver­ständ­lich auch Di­gi­tal Le­a­dership, Di­gi­tal Mind­set und Re­cruit­ing im di­gi­ta­len Zeit­al­ter.

Dis­kus­si­ons­freu­di­ge Po­di­en

Cloud und Ta­lent wa­ren es dann auch, die die Dis­kus­sio­nen zur neu­en IDG-Stu­die „Sour­cing 2017“(sie­he Sei­te 24) präg­ten. Ge­mein­sam mit COMPUTERWOCHE-Re­dak­teur Hans Kö­ni­ges un­ter­hiel­ten sich Chris­ti­an Gfüll­ner (Mi­cro­soft), Ul­fert Ro­ter­mund (All­gei­er Ex­perts) und Ber­ner-CIO Chris­toph Mölt­gen über die Er­geb­nis­se der Stu­die. Da­ne­ben prä­sen­tier­ten die Deut­sche-Bahn-Ma­na­ger Vol­ker Muhr (Lei­ter Be­schaf­fung IT-Di­enst­leis­tun­gen) und Silvia Klick (Stra­te­gi­scher Ein­kauf IT-Di­enst­leis­tun­gen) ei­nen span­nen­den Ein­blick in ihr Ver­ga­be­ver­fah­ren „Smart ICT“, mit dem 50 Rah­men­ver­trä­ge in sie­ben Ver­ga­ben (zum Bei­spiel für IT-Be­ra­tung, Help­desk, Soft­ware­ent­wick­lung etc.) für ma­xi­mal acht Jah­re un­ter Zu­hil­fe­nah­me spiel­theo­re­ti­scher Ele­men­te er­folg­reich am Markt plat­ziert wer­den konn­ten.

Ins­ge­samt hat­ten die Ver­ga­ben ei­nen Ge­gen­wert von 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro. Doch nicht nur das statt­li­che Vo­lu­men be­ein­druck­te die Teil­neh­mer des Sour­cing Day. Auch die Her­aus­for­de­run­gen, mit de­nen die Bahn-Ver­ant­wort­li­chen bei die­ser Ver­ga­be kon­fron­tiert wa­ren – vie­le Bie­ter, gro­ßer Auf­wand durch die los­wei­se Ver­ga­be – reg­ten die Dis­kus­si­on an. Andre­as Zilch von PAC ord­ne­te das Ver­fah­ren aus Ana­lys­ten­sicht ein.

Trans­for­ma­ti­on der zweit­äl­tes­ten Bank der Welt

Be­vor es am Abend zum tra­di­tio­nel­len Aus­klang der Kon­fe­renz noch auf das ei­ne oder an­de­re Kölsch ins „Früh am Dom“ging, hieß es auf der gro­ßen Büh­ne noch ein­mal: Keyno­te! Wäh­rend Mar­kus Sont­hei­mer zum Ein­stieg in den Tag ei­nen wert­vol­len Ein­blick in ei­ne im bes­ten Wort­sin­ne „schnell­dre­hen­de“Bran­che ge­ben konn­te, be­schrieb Knut Jes­sen, der als CTO der zweit­äl­tes­ten Bank der Welt, Joh. Be­ren­berg, Goss­ler & Co. KG, den Be­reich der IT Ope­ra­ti­ons ver­ant­wor­tet, Rah­men­be­din­gun­gen und Her­aus­for­de­run­gen ei­ner deut­lich strik­ter re­gu­lier­ten Bran­che. In sei­nem kurz­wei­li­gen Vor­trag ar­bei­te­te er her­aus, dass es ge­ra­de in re­gu­lier­ten Be­rei­chen wich­tig ist, agil zu sein – und ge­ra­de als Tra­di­ti­ons­haus eben kei­nen Staub an­zu­set­zen. Da­für, das zeig­te Jes­sen an­schau­lich, ist Be­ren­berg ein schö­nes Bei­spiel.

Was vom dies­jäh­ri­gen Sour­cing Day bleibt, dürf­te die Er­kennt­nis sein, dass die Her­aus­for­de­run­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung so schnell nicht vor­über­ge­hen und sich IT-Ent­schei­der wie Ein­käu­fer auch in den kom­men­den Jah­ren mit Sour­cing be­schäf­ti­gen wer­den. Wie lan­ge, das ist frei­lich nur schwer ab­zu­schät­zen. Da­für kennt man sich in Köln mit Pro­zes­sen, die lan­ge dau­ern, sehr gut aus, wie die Teil­neh­mer der Post-Event-Stadt­füh­rung von Tour­gui­de Vol­ker er­fah­ren konn­ten; der Köl­ner Dom sei näm­lich von der Bau­zeit her be­trach­tet der BER sei­ner Zeit, ei­ne qua­si un­end­li­che Ge­schich­te. Bleibt zu hof­fen, dass die Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se der Ge­gen­wart kei­ne 632 Jah­re bis zu ih­rer Voll­en­dung brau­chen.

Mar­kus Sont­hei­mer, in Per­so­nal­uni­on CIO und CDO bei Schen­ker, ist über­zeugt, dass sich bei­de Rol­len nicht aus­schlie­ßen müs­sen. Der CIO soll sich als Be­ra­ter und Gestal­ter tech­ni­scher Neue­run­gen und Pro­zes­se po­si­tio­nie­ren, der CDO die „kon­struk­ti­ve Dis­rup­ti­on“in die Fach­ab­tei­lun­gen tra­gen.

Knut Jes­sen, CTO von Joh. Be­ren­berg, Goss­ler & Co. KG, der zweit­äl­tes­ten Bank der Welt, be­ton­te, wie wich­tig es ge­ra­de in stär­ker re­gu­lier­ten Bran­chen ist, agil zu sein.

Wie sich das Sour­cing im Zeit­al­ter der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on ver­än­dert, stand im Mit­tel­punkt vie­ler Dis­kus­sio­nen beim dies­jäh­ri­gen Sour­cing Day in Köln.

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