Mi­cro­ser­vices und Plat­form as a Ser­vice füh­ren zu agi­le­ren Ap­pli­ka­tio­nen

Un­ter­neh­men, die ih­re neu­en An­wen­dun­gen für den Cloud-Be­trieb ent­wi­ckeln, sind im Wett­be­werb agi­ler und schnel­ler. Laut ei­ner ak­tu­el­len Stu­die set­zen bis­her aber im­mer noch we­ni­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen auf Cloud-na­ti­ve-Ar­chi­tek­tu­ren.

Computerwoche - - Praxis - Von Wolf­gang Herr­mann, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Die wirk­lich dis­rup­ti­ven Un­ter­neh­men aus dem Si­li­con Val­ley und an­ders­wo sind er­folg­reich, weil sie die Elas­ti­zi­tät der Cloud mit ei­nem so­ge­nann­ten Cloud-na­ti­ve-An­satz voll aus­nut­zen. Das schreibt der IT-Di­enst­leis­ter Cap­ge­mi­ni in ei­ner ak­tu­el­len Stu­die. Die Pio­nie­re auf die­sem Ge­biet bau­ten An­wen­dun­gen un­mit­tel­bar in der Cloud und setz­ten da­bei auf ei­ne mo­du­la­re Mi­cro­ser­vices-Ar­chi­tek­tur. Auf die­ser Grund­la­ge könn­ten sie In­no­va­tio­nen schnel­ler um­set­zen und so neue Pro­duk­te in hö­he­rem Tem­po her­aus­brin­gen. Für Un­ter­neh­men mit mo­no­li­thi­schen Sys­te­men sei die­ses Aus­maß an Ge­schwin­dig­keit und Fle­xi­bi­li­tät un­er­reich­bar. Bis­lang sind nur rund 15 Pro­zent der neu­en En­ter­pri­se-An­wen­dun­gen Cloud-na­ti­ve, be­rich­tet Cap­ge­mi­ni un­ter Be­ru­fung auf ei­ne Um­fra­ge un­ter gut 900 Füh­rungs­kräf­ten aus IT- und Fach­be­rei­chen in den Re­gio­nen Eu­ro­pa, Ame­ri­ka und Aus­tra­li­en. Bis 2020 wer­de der An­teil auf 32 Pro­zent stei­gen.

Als Cloud-na­ti­ve be­zeich­net Cap­ge­mi­ni An­wen­dun­gen und Ser­vices, die spe­zi­ell für ei­ne op­ti­ma­le Per­for­mance in der Cloud ent­wi­ckelt wur­den und da­zu ins­be­son­de­re PaaSDi­ens­te nut­zen. Der An­satz geht in­so­fern weit über die ver­brei­te­te Nut­zung von Re­chen­leis­tung oder Spei­cher aus der Cloud hin­aus.

Ge­trie­ben wer­de das Wachs­tum bei Cloud­na­ti­ven An­wen­dun­gen von der Er­kennt­nis, dass die IT auf die­sem Weg wirk­sa­mer zu ei­nem agi­len Bu­si­ness und mehr In­no­va­tio­nen bei­tra­gen kön­ne, er­läu­tern die Stu­di­en­au­to­ren. „Wir ge­hen da­von aus, dass Cloud­na­ti­ve-Ar­chi­tek­tu­ren bis 2020 für kun­den­sei­ti­ge An­wen­dun­gen die ge­setz­te Op­ti­on sein wer­den“, kom­men­tiert Franck Gre­ve­rie, Cloud und Cy­ber­se­cu­ri­ty Group Le­a­der bei Cap­ge­mi­ni.

Die be­frag­ten CIOs er­hof­fen sich da­von auch ei­ne zu­neh­men­de Be­deu­tung der IT, wenn es um die Un­ter­stüt­zung von Ge­schäfts­zie­len geht. Da­zu ge­hört für 67 Pro­zent der Stu­di­en­teil­neh­mer die Ent­wick­lung neu­er Ge­schäfts­mo­del­le, 72 Pro­zent nen­nen ei­ne ra­sche Ska­lie­rung des Ge­schäfts und 71 Pro­zent schnel­le­re Up­dates be­ste­hen­der Pro­duk­te und Ser­vices. Für 68 Pro­zent kön­nen Cloud­na­ti­ve-An­sät­ze fer­ner da­zu bei­tra­gen, neue Markt­zu­gän­ge zu eta­blie­ren.

Da­mit ver­bun­den sind al­ler­dings grund­le­gen­de Ve­rän­de­run­gen in der Or­ga­ni­sa­ti­on und in den Pro­zes­sen, auch das macht die Um­fra­ge deut­lich. So tun sich CIOs häu­fig schwer, die In­ves­ti­tio­nen in Cloud-na­ti­ve-Apps durch ent­spre­chen­de Bu­si­ness Ca­ses zu recht­fer­ti­gen. Das gilt be­son­ders dann, wenn für die To­pent­schei­der aus dem Bu­si­ness die Sen­kung der IT-Kos­ten ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te steht. Nicht sel­ten ha­ben IT-Chefs auch mit ei­ner Kul­tur zu kämp­fen, die ei­nem Cloud-na­ti­ve-An­satz ent­ge­gen­steht. Hin­zu kommt der Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Fach­kräf­ten für sol­che Vor­ha­ben. Aber auch tech­ni­sche Hür­den, et­wa hin­sicht­lich der In­te­gra­ti­on mo­der­ner An­wen­dun­gen mit der Le­ga­cy-IT, spie­len in der Pra­xis ei­ne brem­sen­de Rol­le. Et­li­che Stu­di­en­teil­neh­mer be­rich­ten zu­dem von star­ren Ver­trä­gen mit IT-An­bie­tern, die ei­ne Cloud-na­ti­ve­S­tra­te­gie er­schwer­ten.

Cloud-na­ti­ve-An­wen­dun­gen zah­len sich aus

Trotz sol­cher Wid­rig­kei­ten lohnt sich der Auf­wand, kom­men­tiert Cap­ge­mi­ni. Das zei­ge ein Blick auf die „Le­a­der“. Die Stu­di­en­au­to­ren ver­ste­hen dar­un­ter Or­ga­ni­sa­tio­nen, die mehr als 20 Pro­zent ih­rer neu­en En­ter­pri­se-An­wen­dun­gen für die Cloud ent­wi­ckeln. Be­frag­te aus die­ser Grup­pe rech­nen im Ver­gleich zu den Nach­züg­lern dop­pelt so häu­fig mit Um­satz­stei­ge­run­gen, die di­rekt auf Cloud-na­ti­ve-Apps zu­rück­zu­füh­ren sind. Zu­dem be­schrei­ben sie ih­re Soft­ware­ent­wick­lungs-Pro­zes­se viel häu­fi­ger als agil und das De­ploy­ment als au­to­ma­ti­siert. Die De­vOps-Teams sind aus Sicht die­ser Be­frag­ten bes­ser in­te­griert als in Fir­men, die noch ganz am An­fang ste­hen. Last, but not least spie­len für sie The­men wie Cust­o­m­er Ex­pe- ri­ence, Bu­si­ness-Agi­li­tät und Ska­lier­bar­keit ei­ne wich­ti­ge­re Rol­le als die Kos­ten­sen­kung.

Beim Blick auf ein­zel­ne Bran­chen zeigt sich, dass Un­ter­neh­men aus den Be­rei­chen Fer­ti­gung und High­tech am häu­figs­ten zu den Le­a­dern zäh­len. Ban­ken ent­wi­ckeln ak­tu­ell nur zehn Pro­zent ih­rer neu­en An­wen­dun­gen Cloud-na­ti­ve, wäh­rend Ver­si­che­rer be­reits auf 47 Pro­zent kom­men. Im Be­reich Con­su­mer Pro­ducts, Re­tail und Dis­tri­bu­ti­on (CPRD) be­rich­tet nur ein knap­pes Drit­tel der Um­fra­ge­teil­neh­mer, dass Cloud-na­ti­ve-An­sät­ze ei­ne be­deu­ten­de Rol­le in der Tech­no­lo­gie­stra­te­gie spie­len. Al­le drei Grup­pen – Ban­ken, Ver­si­che­rer, CPRD – wol­len in den kom­men­den drei Jah­ren er­heb­lich mehr in Plat­form as a Ser­vice (PaaS) in­ves­tie­ren.

Cloud-Trans­for­ma­ti­on: Sechs Tipps für CIOs

Für CIOs, die ein „Cloud-na­ti­ve-Bu­si­ness“auf­bau­en wol­len, hat Cap­ge­mi­ni sechs Emp­feh­lun­gen for­mu­liert: Be­wer­ten Sie Ihr An­wen­dungsport­fo­lio und set­zen Sie Prio­ri­tä­ten für ei­ne Cloud-na­ti­ve­Ent­wick­lung. Ar­bei­ten Sie an Ih­rer Glaub­wür­dig­keit, in­dem Sie in Ih­rer Cloud-Road­map rea­lis­ti­sche Zie­le set­zen. Fan­gen Sie klein an und bau­en Sie suk­zes­si­ve ein qua­li­fi­zier­tes Team auf. Brin­gen Sie Agi­li­tät und Sta­bi­li­tät mit Hil­fe ei­nes an­ge­pass­ten IT-Ope­ra­ting-Mo­dells in Ein­klang. Sei­en Sie prag­ma­tisch bei der Aus­wahl von Tech­no­lo­gi­en. För­dern Sie ei­ne Kul­tur der In­no­va­ti­on, Col­la­bo­ra­ti­on so­wie des Tes­tens und Ler­nens.

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