Sechs Trends für die hy­bri­de Cloud-Zu­kunft

Im Cloud-Markt se­hen Ex­per­ten die zwei­te Wel­le rol­len. Sie ist ge­prägt von Mul­ti-Cloud-Sze­na­ri­en, ver­stärk­ter Kos­ten­kon­trol­le und Trends wie Hy­per­con­ver­ged In­fra­struc­tu­re und Con­tai­ner-Tech­ni­ken.

Computerwoche - - Praxis - Von Wolf­gang Herr­mann, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Cloud-Ser­vices sind in vie­len Or­ga­ni­sa­tio­nen fes­ter Be­stand­teil der IT-Stra­te­gie ge­wor­den. Laut ei­ner in­ter­na­tio­na­len Stu­die von For­res­ter Re­se­arch sind 38 Pro­zent der Ent­schei­der da­bei, ei­ne Pri­va­te Cloud auf­zu­bau­en, 32 Pro­zent nut­zen Pu­b­lic-Cloud-Ser­vices. Der Rest der be­frag­ten To­pent­schei­der will noch in die­sem Jahr Cloud-Tech­nik in ir­gend­ei­ner Form ein­set­zen. Für 59 Pro­zent ist ei­ne Hy­brid Cloud das prä­fe­rier­te Be­triebs­mo­dell. Längst sind es nicht mehr nur die Platz­hir­sche Ama­zon Web Ser­vices (AWS), Mi­cro­soft, Goog­le und IBM, die bei den IT-Ver­ant­wort­li­chen auf der Short­list ste­hen. Ei­ne gan­ze Ar­ma­da spe­zia­li­sier­ter Di­enst­leis­ter steht mitt­ler­wei­le be­reit, na­he­zu je­de An­for­de­rung rund um den Ein­satz und die Ver­wal­tung von Cloud-Ser­vices zu er­fül­len. Ex­per­ten se­hen ei­ne zwei­te Wel­le im Clou­dMarkt, die Nut­zern nicht nur mehr Op­tio­nen, son­dern auch neue Her­aus­for­de­run­gen be­schert. Die ak­tu­el­le Ent­wick­lung lässt sich in sechs Trends zu­sam­men­fas­sen.

Trend 1: Co­lo­ca­ti­on-Di­ens­te sind im Auf­wind

Et­li­che CIOs wol­len zwar ih­re teu­ren Da­ta Cen­ter los­wer­den, sind aber un­si­cher, auf wel­ches Pferd sie im Cloud-Markt set­zen sol­len. Häu­fig sind des­halb Co­lo­ca­ti­on-Ser­vices von An­bie­tern wie Equi­nix oder Di­gi­tal Rea­li­ty ei­ne Al­ter­na­ti­ve, be­ob­ach­tet For­res­ter-Ana­lyst Da­ve Bar­to­let­ti. Sie er­laub­ten es den CIOs, ih­re Sys­te­me in ver­wal­te­ten Re­chen­zen­tren lau­fen zu las­sen und da­bei auf ein­fa­che Wei­se auf Pu­b­lic-Cloud-Res­sour­cen zu­zu­grei­fen: „Der gro­ße Vor­teil von Co­lo­ca­ti­on ist, dass Un­ter­neh­men qua­si auf Knopf­druck ei­ne di­rek­te High­spee­dVer­bin­dung zu prak­tisch je­dem Pu­b­lic-Clou­dPro­vi­der nut­zen kön­nen.“Das er­leich­te­re die Im­ple­men­tie­rung ei­ner Mul­ti-Cloud-Stra­te­gie. Dar­über hin­aus er­öff­ne sich CIOs da­mit die Mög­lich­keit, Cloud-Ser­vices von AWS, Azu­re oder der Goog­le-Cloud aus­gie­big zu tes­ten, be­vor sie sich für ei­ne Mi­gra­ti­on ent­schei­den.

Trend 2: Kos­ten­kon­trol­le in der Cloud wird kom­ple­xer

CIOs mit ei­ner Mul­ti-Cloud-Stra­te­gie er­fah­ren in der Pra­xis schnell, wie auf­wen­dig und kom­plex das Ven­dor-Ma­nage­ment wer­den kann. We­der die ein­kau­fen­den Sour­cing-Ma­na­ger noch die An­bie­ter selbst sind bis­lang aus­rei­chend auf sol­che Sze­na­ri­en vor­be­rei­tet. Die viel­fäl­ti­gen Nut­zungs- und Abrech­nungs­mo­del­le von AWS, Mi­cro­soft und Co. ma­chen die Sa­che nicht leich­ter. „Das Ma­nage­ment von Clou­dKos­ten ist ei­ne im­men­se Her­aus­for­de­rung, die im­mer noch grö­ßer wird“, so Bar­to­let­ti. Er be­rich­tet von ei­nem IT-Ma­na­ger, der ei­ne Voll­zeit­kraft nur für die Aus­wahl und Ver­hand­lung von Cloud-Ver­trä­gen ein­stel­len muss­te.

An­de­rer­seits hät­ten IT-Ver­ant­wort­li­che in Sa­chen Cloud-Kos­ten­kon­trol­le da­zu­ge­lernt, so der For­res­ter-Mann. Ei­nem Cloud-Ar­chi­tek­ten ei­nes gro­ßen Soft­ware­un­ter­neh­mens sei es bei­spiels­wei­se ge­lun­gen, sei­ne Cloud-Rech­nung von 2,5 Mil­lio­nen Dol­lar um 300.000 Dol­lar zu re­du­zie­ren, in­dem er die Nut­zung der Ser­vices genau kon­trol­lier­te. Hel­fen kön­nen da­bei pro­fes­sio­nel­le Ma­nage­ment-Tools, wie sie et­wa Clou­da­bi­li­ty, Cloud Crui­ser und Clou­dyn an­bie­ten.

Trend 3: Hy­per­con­ver­ged-Sys­te­me ver­ein­fa­chen die Pri­va­te Cloud

Nicht je­der CIO ist be­reit, Kun­den­da­ten und an­de­re sen­si­ble In­for­ma­tio­nen ei­nem Di­enst­leis­ter an­zu­ver­trau­en. Ei­ne Pri­va­te Cloud ist in

sol­chen Fäl­len oft die be­vor­zug­te Lö­sung. Doch ähn­lich wie in Pu­b­lic-Cloud-Sze­na­ri­en sind da­für zahl­rei­che Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen. Da­zu ge­hö­ren Vir­tua­li­sie­rungs­tech­ni­ken und Stan­dar­di­sie­rung eben­so wie Au­to­ma­ti­onFea­tu­res, Self-Ser­vice-Funk­tio­nen und das Res­sour­cen-Mo­ni­to­ring. Das al­les in Ei­gen­re­gie auf­zu­set­zen, be­deu­tet ei­nen ho­hen Auf­wand. Hy­per­con­ver­ged-Sys­te­me ver­spre­chen hier ei­ne Lö­sung. Sie bie­ten vor­inte­grier­te Com­pu­te-, Sto­r­a­ge- und Netz­res­sour­cen, die Un­ter­neh­men hel­fen, ei­ne Pri­va­te Cloud schnell auf­zu­set­zen.

Die Ana­lys­ten emp­feh­len IT-Ver­ant­wort­li­chen denn auch aus­drück­lich, Hy­per­con­ver­ged-Sys­te­me als Ba­sis ih­rer Pri­va­te Cloud in Be­tracht zu zie­hen. Das gel­te ins­be­son­de­re für neue Wor­kloads, die ei­ne schnel­le und au­to­ma­ti­sier­te Ska­lie­rung be­nö­tig­ten. „Sie kön­nen 100 Hy­per­con­ver­ged-Bo­xen zu ei­nem Pool von Com­pu­te-, Sto­r­a­ge- und Netz­res­sour­cen bün­deln und die­sen über ei­ne ein­zi­ge Ma­nage­ment-Kon­so­le steu­ern“, be­schreibt Bar­to­let­ti die Vor­tei­le.

Trend 4: Con­tai­ner ma­chen An­wen­dun­gen por­tier­bar

Con­tai­ner-Tech­ni­ken wie Do­cker er­le­ben im Cloud-Um­feld ei­nen Boom. Ent­wick­ler kön­nen da­mit Soft­ware­co­de auf re­la­tiv ein­fa­che Wei­se ma­na­gen und mi­grie­ren. Vie­le Un­ter­neh­men nut­zen Con­tai­ner mitt­ler­wei­le da­zu, die Por­tier­bar­keit ih­rer An­wen­dun­gen zwi­schen den gro­ßen Cloud-Platt­for­men von AWS, Mi­cro­soft oder Goog­le si­cher­zu­stel­len. Häu­fig sind der­ar­ti­ge Pro­jek­te in De­vOps-Stra­te­gi­en ein­ge­bet­tet, die die Soft­ware­pro­duk­ti­on be­schleu­ni­gen sol­len. Cloud-An­bie­ter un­ter­stüt­zen da­für nicht nur Do­cker, son­dern auch an­de­re Lauf­zeit­um­ge­bun­gen wie Cloud Found­ry oder OpenShift.

„Je­de Pu­b­lic- und Pri­va­te-Cloud-Platt­form er­laubt in­zwi­schen die Con­tai­ner-ba­sier­te Ent­wick­lung“, er­läu­tert Bar­to­let­ti. OpenShift und Clou­dFound­ry et­wa ar­bei­te­ten in der Goo­gleC­loud eben­so wie auf Azu­re-oder AWS-Platt­for­men. Doch die Ent­wick­lung be­sche­re IT-Ver­ant­wort­li­chen auch Her­aus­for­de­run­gen. Wenn Con­tai­ner groß­flä­chig pro­duk­tiv ein­ge­setzt wer­den, füh­re das zu ei­ner Rei­he neu­er Fra­gen hin­sicht­lich Se­cu­ri­ty, Mo­ni­to­ring, Sto­r­a­ge und Netz.

Trend 5: An­wen­dun­gen wer­den für die Cloud op­ti­miert

Statt An­wen­dun­gen ein­fach un­ver­än­dert in die Pu­b­lic Cloud zu schie­ben, ver­su­chen ei­ni­ge Un­ter­neh­men, sie für den Cloud-Be­trieb zu op­ti­mie­ren. Lift-and-Shift nen­nen Ex­per­ten die­ses Vor­ge­hen. Die op­ti­ma­le Lö­sung wä­re es dem­nach, ei­ne An­wen­dung so um­zu­schrei­ben, dass sie Cloud-Fea­tu­res wie die ho­he Elas­ti­zi­tät und Ska­lier­bar­keit voll nut­zen kann. Sol­che Mi­gra­tio­nen kön­nen aber sehr teu­er wer­den, gibt Bar­to­let­ti zu be­den­ken. Er emp­fiehlt Mi­gra­ti­ons-Tools, die Un­ter­neh­men hel­fen, ei­ne gro­ße Zahl von An­wen­dun­gen mit über­schau­ba­rem Kos­ten­auf­wand an­zu­pas­sen und in die Cloud zu trans­fe­rie­ren.

Trend 6: En­ter­pri­se-Soft­ware wan­dert in die Cloud

Vie­le Un­ter­neh­men hos­ten mitt­ler­wei­le ih­re En­ter­pri­se-An­wen­dun­gen in der Cloud. Die an­fäng­li­che Scheu, ge­schäfts­kri­ti­sche Soft­ware in der Cloud zu be­trei­ben, scheint ab­zu­neh­men. So lau­fen in­zwi­schen auch mäch­ti­ge SAPAn­wen­dun­gen in der AWS-Cloud. Gro­ße ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men wie der Dol­lar Sha­ve Club be­trei­ben ih­re Spark-Ana­ly­tics-Sys­te­me auf ei­ner Ama­zon-Platt­form. Das Ver­trau­en der CIOs in die Pu­b­lic-Cloud-Pro­vi­der hat laut Bar­to­let­ti zu­ge­nom­men. Die­ser Trend wer­de sich fort­set­zen: „Die Un­ter­neh­men gie­ßen neue Ide­en im­mer schnel­ler in Soft­ware. Die Cloud ist der bes­te Ort, um aus En­ter­pri­seDa­ten rasch Er­kennt­nis­se zu ge­win­nen.“

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