Mit ei­ner per­sön­li­chen Emp­feh­lung kön­nen Al­go­rith­men nicht mit­hal­ten

Im Wett­be­werb um Ta­len­te set­zen Be­ra­tungs­häu­ser auch auf Mit­ar­bei­ter­emp­feh­lungs-Pro­gram­me. Die Ma­nage­ment- und IT-Be­ra­tung MHP hat da­mit gu­te Er­fah­run­gen ge­macht. Heu­te fin­den 40 Pro­zent al­ler neu­en Kol­le­gen auf die­sem Weg zum Un­ter­neh­men.

Computerwoche - - Job & Karriere - Von Michael Schwen­gers, Fach­jour­na­list aus Köln (hk)

Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che aus IT-Un­ter­neh­men ha­ben das Port­fo­lio ih­rer Re­cruit­ing-Maß­nah­men in den letz­ten Jah­ren ver­brei­tert. Fast im­mer ge­hört da­zu, die ei­ge­nen Mit­ar­bei­ter zu be­loh­nen, wenn sie ge­eig­ne­te Kan­di­da­ten emp­feh­len. Laut ei­ner ge­mein­sa­men Stu­die der Uni­ver­si­tät Bamberg und des Job­por­tals Mons­ter von 2016 ha­ben 28,2 Pro­zent der 1000 größ­ten Un­ter­neh­men aus Deutsch­land sol­che Mit­ar­bei­ter­emp­feh­lungs-Pro­gram­me ins Le­ben ge­ru­fen.

So auch die Ma­nage­ment- und IT-Be­ra­tung MHP. „Im Grun­de ver­fol­gen wir schon seit der Grün­dung im Jahr 1996 die Idee, das ei­ge­ne Netz­werk zu nut­zen, um Per­so­nal auf­zu­bau­en“, sagt Sa­rah Bö­ning, He­ad of Re­cruit­ing. Mitt­ler­wei­le kä­men knapp über 40 Pro­zent – in man­chen Fach­be­rei­chen so­gar bis zu 50 Pro­zent – der neu­en Mit­ar­bei­ter über das Pro­gramm MHP Ma­keTheTeam. Die Por­sche-Toch­ter ver­folgt die­sen An­satz sehr kon­se­quent. Die Per­so­nal­ab­tei­lung freut sich auch über den Kon­takt zu po­ten­zi­ell in­ter­es­san­ten Kan­di­da­ten, de­ren Pro­fil ge­ra­de nicht ge­sucht wird.

Das Pro­gramm um­fasst sämt­li­che Hier­ar­chie­ebe­nen und er­streckt sich auf al­le Stand­or­te. Wenn ein Mit­ar­bei­ter ei­nen mög­li­cher­wei­se pas­sen­den Kan­di­da­ten im Kopf hat, wen­det er sich form­los an das Re­cruit­ing-Team. Ge­mein­sam wird über­legt, ob die vor­ge­schla­ge­ne Per­son in­fra­ge kommt, und wenn ja, wie sie am bes­ten an­ge­spro­chen wer­den soll. Da­für gibt es un­ter­schied­li­che We­ge: Mal nimmt ein HR-Mit­ar­bei­ter über Xing oder Lin­ke­dIn Kon­takt zu dem po­ten­zi­el­len Mit­ar­bei­ter auf und be­zieht sich da­bei auf den „ge­mein­sa­men Be­kann­ten“. Mal spricht der emp­feh­len­de MHP-Mit­ar­bei­ter sei­nen Be­kann­ten selbst an. Ist der Kan­di­dat an ei­nem Wech­sel in­ter­es­siert, setzt der üb­li­che Be­wer­bungs­pro­zess mit te­le­fo­ni­schem und per­sön­li­chem Ge­spräch ein. Ist ein Ta­lent po­ten­zi­ell in­ter­es­sant, mo­men­tan aber kei­ne pas­sen­de Po­si­ti­on frei, hat MHP eben­falls ei­ne Lö­sung pa­rat: „Dann blei­ben wir im An­schluss in Kon­takt, in­for­mie­ren den Kan­di­da­ten über Neu­ig­kei­ten, la­den ihn zu pas­sen­den Ver­an­stal­tun­gen ein oder te­le­fo­nie­ren ein­fach für ein Up­date“, so MHP-Ma­na­ge­rin Bö­ning.

Fi­nan­zi­el­ler An­reiz nicht im Vor­der­grund

Für die Ver­mitt­lung er­hal­ten MHP-Mit­ar­bei­ter ei­ne Be­loh­nung. Wie viel Geld da­bei her­aus­springt, hängt vom Le­vel der ein­ge­stell­ten Per­son ab. Kom­men Emp­feh­lun­gen von ei­nem Alum­nus, ho­no­riert MHP das eben­falls. Der fi­nan­zi­el­le An­reiz spielt laut Per­so­nal­che­fin Bö­ning für die meis­ten Mit­ar­bei­ter aber nicht die ent­schei­den­de Rol­le.

In den nächs­ten Jah­ren will MHP das Pro­gramm wei­ter aus­bau­en. Ein sys­te­ma­ti­sches Ma­nage­ment des Netz­werks wer­de da­zu bei­tra­gen, dass Ta­len­te zu MHP fin­den. Im­mer wich­ti­ger wür­den Xing in­klu­si­ve des Ar­beit­ge­ber­be­wer­tungs-Por­tals Kun­unu und Lin­ke­dIn. Xing stel­le be­reits Re­fer­ral-Tools zur Ver­fü­gung, über die Mit­ar­bei­ter dem Re­cruit­ing-Team Kan­di­da­ten vor­schla­gen und on­line den Kon­takt zu ih­nen her­stel­len kön­nen. Der Emp­feh­len­de kann im Au­ge be­hal­ten, wen er wann emp­foh­len hat, in wel­chem Sta­tus sich der Pro­zess be­fin­det und wie sich sein Prä­mi­en­kon­to ent­wi­ckelt. Bö­ning kann sich für die Zu­kunft vor­stel­len, dass Un­ter­neh­men selbst sol­che Tools ent­wi­ckeln und so un­ab­hän­gi­ger von den so­zia­len Netz­wer­ken wer­den.

Sa­rah Bö­ning, MHP: „Wir in­ter­es­sie­ren uns auch für Per­so­nen, für die wir ge­ra­de kei­ne of­fe­ne Po­si­ti­on ha­ben.“

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