Was Mu­nich RE von SAP er­war­tet

Der Soft­ware­kon­zern und der Münch­ner Rück­ver­si­che­rer im Dia­log.

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Die Rück­ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft aus Mün­che­nen ist seit vie­len Jah­ren ei­ner der gro­ßen Kun­den des Soft­ware­her­stel­lers ft­ware­her­stel­lers aus Wall­dorf. Doch im Zu­ge der Di­gi­ta­li­sie­rung hat sich das Ver­hält­nis zwi­schen Mu­nich RE und SAP grund­le­gend­le­gend ge­wan­delt. Was der Rück­ver­si­che­rer heute von sei­nem Soft­ware­lie­fe­ran­ten ft­ware­lie­fe­ran­ten ver­langt und wie sich SAP dar­auf ein­stellt, er­läu­ter­nu­tern Olaf Frank, Be­reichs-CIO bei der Mu­nich RE, und SAP-Deutsch­land-schland-Chef Da­ni­el Holz. CW: Wel­che Be­rei­che wür­den Sie bei Mu­nich RE als wett­be­werbs­kri­tisch be­zeich­nen, ge­ra­de auch im Hin­blick auf die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on?

OLAF FRANK: Ich bin ver­ant­wort­lich für sämt­li­che An­wen­dungs­ak­ti­vi­tä­ten. Das Back Of­fice ist ein Teil da­von. Für uns ist ent­schei­dend, dass wir Zu­kunfts­si­cher­heit ha­ben. Schließ­lich sind wir ei­ne sehr re­gu­lier­te In­dus­trie. Von da­her gibt es auch im­mer wie­der die An­for­de­rung sei­tens der Re­gu­la­to­ren, be­son­ders prä­zi­se Lö­sun­gen zu be­trei­ben und ein­zu­set­zen.

Ein an­de­rer IT-Aspekt, der über die ver­gan­ge­nen drei bis vier Jah­re stark an Be­deu­tung ge­won­nen hat, be­trifft die Sys­te­me, die bei uns das Ge­schäft trei­ben. Das sind bei­spiels­wei­se al­le Sys­te­me, die in Rich­tung Ri­si­ko­be­wer­tung, glo­ba­le Ver­net­zung und künf­ti­ge Col­la­bo­ra­ti­on-Mög­lich­kei­ten ge­hen. Ins­be­son­de­re die The­men Di­gi­ta­li­sie­rung und In­no­va­ti­on sind bei uns auf ei­ne ganz an­de­re Stu­fe der Be­deu­tungs­ska­la ge­klet­tert. Des­halb ist die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on für uns ein Top­the­ma, dem wir auf je­den Fall ge­recht wer­den müs­sen und wol­len.

CW:

Be­züg­lich der IT-Ge­samt­aus­rich­tung hat sich dem­nach bei Ih­nen ei­ni­ges ge­än­dert? FRANK: Un­ser ur­sprüng­li­ches Se­t­up, in dem wir stark auf die Back-Of­fice-Sys­te­me und die Ver­wal­tung ge­schaut ha­ben, hat sich doch deut­lich ver­la­gert. Der Fo­kus ist we­sent­lich stär­ker nach vor­ne ge­rich­tet, auf neue Ge­schäfts­mög­lich­kei­ten. Es än­dern sich der­zeit un­glaub­lich vie­le The­men in den Märk­ten. Hier stellt sich für uns die Fra­ge: Wie kön­nen wir schnell mit da­bei sein und die neu­en Mög­lich­kei­ten nut­zen?

Auf der Ad­mi­nis­tra­ti­ons- und Back-Of­fice­Sei­te ist die Fra­ge eher: Wie kön­nen wir un­se­re Lö­sun­gen ef­fi­zi­ent ge­stal­ten, so dass wir an­pas­sungs­fä­hig sind, aber auch schnell in der Ver­ar­bei­tung? Das sind an­de­re Kri­te­ri­en be­zie­hungs­wei­se Er­folgs­kri­te­ri­en, als wir sie in der Ver­gan­gen­heit auf der IT-Sei­te hat­ten. Ge­ra­de die Fra­ge, wie sich die IT jetzt für die Zu­kunft po­si­tio­nie­ren soll – vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit den neu­en Über­schrif­ten – ist für uns na­tür­lich zen­tral.

CW: Und was be­deu­tet das für Ihr Ver­hält­nis zu SAP?

FRANK: Hier ver­su­chen wir, un­ser Ge­schäfts­ver­hält­nis zur SAP neu zu sor­tie­ren – von ei­nem re­la­tiv klar ge­setz­ten Lie­fe­ran­ten von Stan­dard­soft­ware im Back Of­fice hin zu mehr

Un­ter­stüt­zung für die The­men der Zu­kunft. Un­ser Back Of­fice ist mitt­ler­wei­le ei­ni­ger­ma­ßen auf­ge­räumt, und die gro­ßen Kon­so­li­die­rungs­ak­ti­vi­tä­ten sind weit­ge­hend er­le­digt. Jetzt stellt sich für uns eher die Fra­ge: Wie be­werk­stel­li­ge ich End-to-End ei­nen Durch­stich zu neu­en Ge­schäfts­mög­lich­kei­ten – die sich aber na­tür­lich auch im Ba­ckend wi­der­spie­geln müs­sen? In der Ver­si­che­rungs- und der Rück­ver­si­che­rungs­bran­che lässt sich nur Geld ver­die­nen, wenn es End-to-End passt und wir un­se­re The­men lang­fris­tig und re­gu­la­ti­ons­ge­treu be­trei­ben kön­nen. Von da­her ist für uns der An­satz, schnell mal ir­gend­was aus­zu­pro­bie­ren, im­mer ein biss­chen schwie­rig.

Für die zwei Un­ter­neh­men SAP und Mu­nich Re ist nun die Fra­ge: Wie de­fi­nie­ren wir zu­künf­tig un­se­re Ge­schäfts­be­zie­hung? Denn die Vor­aus­set­zun­gen ha­ben sich ein Stück weit ge­än­dert.

DA­NI­EL HOLZ : Wir bei SAP kom­men wie un­se­re Kun­den aus ei­ner Si­tua­ti­on, in der man in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Ge­schäfts­pro­zes­se neu auf­ge­setzt und die Back-Of­fice­Ab­läu­fe op­ti­miert hat. Der ge­sam­te Markt be­wegt sich jetzt aber in ei­ne völ­lig neue Rich­tung: nach au­ßen ori­en­tiert. Neue Ge­schäfts­pro­zes­se, In­no­va­tio­nen und neue Ge­schäfts­mo­del­le wer­den ent­wi­ckelt. Es geht dar­um, die­se dann da­durch ef­fi­zi­ent um­zu­set­zen, dass man die vol­le Trans­pa­renz und Durch­gän­gig­keit in ei­nem in­te­grier­ten Sys­tem hat.

Das sind die An­for­de­run­gen, die von vie­len Kun­den an uns her­an­ge­tra­gen wer­den. Wir glau­ben, die­se An­for­de­run­gen recht gut er­fül­len zu kön­nen: of­fe­ne Ar­chi­tek­tu­ren, Clou­dLö­sun­gen, hy­bri­de Land­schaf­ten und ei­ne Platt­form für In­no­va­ti­on. Es ist wich­tig, dass wir un­se­ren Kun­den die­se Platt­form bie­ten. Da­mit kön­nen sie ihr Back Of­fice öff­nen und zu­gäng­lich ma­chen für neue Ge­schäfts­fel­der. Das funk­tio­niert nur über ei­ne Platt­form, die mit of­fe­nen Stan­dards ar­bei­tet und es so er­mög­licht, schnel­ler neue Ap­pli­ka­tio­nen an den Start zu brin­gen.

FRANK: Für uns war das ein ent­schei­den­der Punkt in der Ent­wick­lung der Ge­schäfts­be­zie­hung. Als wir un­ser Back Of­fice mehr oder we­ni­ger durch­kon­so­li­diert hat­ten, ha­ben wir fest­stel­len müs­sen, dass die ge­mein­sa­men Ak­ti­vi­tä­ten ab­ge­nom­men hat­ten, weil schlicht­weg we­ni­ger zu tun war, au­ßer im­mer mal wie­der ein Re­lease-Up­grade ein­zu­spie­len. An­sons­ten hat­ten wir hin­sicht­lich nach vor­ne ge­rich­te­ter ge­mein­sa­mer Ak­ti­vi­tä­ten nicht mehr so viel auf dem Schirm. Das hat sich ge­än­dert, seit SAP ihr HANA stär­ker in den Vor­der­grund stellt und wir er­kannt ha­ben, dass es an die­ser Stel­le durch­aus ei­ni­ge Pa­ra­dig­men­wech­sel ge­ben wird. Wir ha­ben uns da­mals früh­zei­tig ent­schie­den, auf die­sen Zug mit auf­zu­sprin­gen.

CW: War­um?

FRANK: Wir ha­ben ge­glaubt, dass HANA ei­ne viel­ver­spre­chen­de Tech­no­lo­gie wird. Wir hat­ten auch das Ver­trau­en, dass sich das letzt­end­lich am Markt durch­setzt. Doch es hat sich dar­über hin­aus ei­ne Rei­he von in­ter­es­san­ten neu­en Punk­ten ent­wi­ckelt. De­sign Thin­king war so ei­ne Sa­che, die wir hier bei Mu­nich Re ge­mein­sam mit SAP aus­pro­biert ha­ben – mit dem HPI (Has­so-Platt­ner-In­sti­tut, Anm. d. Red.) zu­sam­men. Es gibt al­so vie­le neue Mög­lich­kei­ten für part­ner­schaft­li­che Ak­ti­vi­tä­ten.

Das ist wich­tig, weil wir na­tür­lich aus un­se­rem Haus her­aus, aber auch von au­ßen im­mer stär­ker den Druck ver­spü­ren, uns in den neu­en ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen zu­recht­zu­fin­den. Da­her ver­än­dert sich aus mei­ner Per­spek­ti­ve auch ein Stück weit die Rol­le des Di­enst­leis­ters da­hin­ge­hend, dass es nicht mehr reicht, ein Pro­dukt an­zu­bie­ten, das wir nut­zen kön­nen, um ei­nes un­se­rer in­ter­nen Pro­ble­me zu lö­sen. Es geht viel­mehr dar­um, ge­mein­sam zu eru­ie­ren, was denn die nächs­ten Mög­lich­kei­ten sind, und dann ei­ne Rol­len­tei­lung zu fin­den, um ge­mein­schaft­lich an die­sen Er­fol­gen teil­ha­ben zu kön­nen.

CW: Ist SAP ge­for­dert, die tech­ni­schen Soft­ware-In­no­va­tio­nen stär­ker in Vor­tei­le für das Busi­ness zu über­set­zen?

FRANK: Na­tür­lich wer­den SAP und an­de­re Soft­ware­dienst­leis­ter un­se­re ge­schäft­li­chen Her­aus­for­de­run­gen nicht lö­sen kön­nen. (An Holz ge­rich­tet:) Ich ge­he nicht da­von aus, dass Sie uns er­zäh­len kön­nen, wie wir un­ser Ge­schäft ma­chen soll­ten, um er­folg­reich zu sein.

HOLZ: Das ist nicht un­se­re Ex­per­ti­se.

FRANK: Es geht um die Fra­ge nach der De­fi­ni­ti­on un­se­res künf­ti­gen Ver­hält­nis­ses: Wie kön­nen wir un­se­re Kräf­te bün­deln, um er­folg­reich mit neu­en Initia­ti­ven zu sein? Da ste­cken wir mo­men­tan noch in ei­ner Pha­se, in der wir un­ter­su­chen, wer was zur Lö­sung bei­tra­gen kann. Der fast noch ent­schei­den­de­re Teil da­bei ist zu ver­ste­hen, wie man das dann ge­mein­sam an­ge­hen kann. Zu war­ten, dass uns die SAP sagt, was wir tun sol­len, funk­tio­niert nicht. Wir kön­nen aber auch der SAP nicht ex­akt sa­gen, was wir er­war­ten – sonst wür­den wir ja die Lö­sung schon ken­nen. Es geht al­so um die Fra­ge: Wie bringt man die Po­ten­zia­le so zu­sam­men, das et­was Bes­se­res dar­aus ent­steht und man auch noch ei­ne Mög­lich­keit fin­det, ge­mein­sam ge­schäft­lich er­folg­reich zu sein?

HOLZ: Sie ha­ben au­ßer­dem auch noch die Her­aus­for­de­rung, im­mer stär­ker die Fach­ab­tei­lun­gen ein­bin­den zu müs­sen. Ein gu­tes Ve­hi­kel da­für sind die De­sign-Thin­king-Work­shops auch im SAP-App-Haus, in dem wir mit krea­ti­ven Ent­wick­lungs­an­sät­zen in­ten­siv mit den Kun­den an neu­en Lö­sun­gen ar­bei­ten. Da­mit stel­len wir ne­ben den rei­nen Soft­ware­lö­sun­gen den Kun­den auch Me­tho­den zur Ver­fü­gung, wie man in­ter­dis­zi­pli­när zu­sam­men­ar­bei­ten kann. Ich glau­be, dass dies ein wich­ti­ger Schlüs­sel ist.

Sie hat­ten es ja auch an­ge­spro­chen: Es geht sehr stark um Two-Speed-IT: zum ei­nen um ein si­che­res und sta­bi­les Ba­ckend, und zum an­de­ren dar­um, In­no­va­tio­nen vor­an­zu­trei­ben. Wir ha­ben uns ge­fragt: Wie kön­nen wir un­se­re Kun­den auf die­sem Weg un­ter­stüt­zen? Da­bei ist De­sign Thin­king si­cher ein sehr gu­ter Weg, um Fach­ab­tei­lun­gen und IT zu­sam­men­zu­brin­gen.

FRANK: Für mich ist vor al­lem ei­nes ent­schei­dend: Als Un­ter­neh­men se­hen wir uns Ve­rän­de­run­gen aus­ge­setzt und müs­sen We­ge fin­den, um mit den da­mit ver­bun­de­nen Her­aus­for­de­run­gen zu­recht­zu­kom­men. Aber auch für die IT im Haus se­hen wir, dass die al­te Rol­le nicht mehr die ist, die wir ha­ben wol­len und lang­fris­tig ha­ben kön­nen. Wir müs­sen als IT neue We­ge fin­den: Wie brin­gen wir neue Tech­no­lo­gie ins Haus? Wie er­klä­ren wir den Kol­le­gen auf der Ge­schäfts­sei­te, wel­che Aus­wir­kun­gen und Po­ten­zia­le da­hin­ter­ste­cken? Und wie kön­nen wir das nut­zen?

Di­rekt dar­an knüpft ein wei­te­rer wich­ti­ger Punkt an: Wir müs­sen auch in der La­ge sein, wirk­lich zu lie­fern. Es geht al­so dar­um, Er­geb­nis­se zu er­zie­len und ge­schäfts­re­le­van­te Ak­ti­vi­tä­ten zu be­trei­ben, die man ge­mein­sam mit dem Busi­ness un­ter­stützt. Das ist der Punkt: Wir müs­sen uns in­tern von der Ser­vice­or­ga­ni­sa­ti­on hin zu ei­ner Ge­schäfts­or­ga­ni­sa­ti­on ent­wi­ckeln. Man kann sich na­tür­lich fra­gen: Wo las­sen sich hier über­haupt noch ex­akt Gren­zen zum Ge­schäft zie­hen? Wir se­hen im­mer mehr, dass wir uns um in­halt­li­che The­men und die Kol­le­gen auf der Busi­ness-Sei­te sich um­ge­kehrt im­mer mehr um IT-The­men küm­mern müs­sen.

CW: Wie funk­tio­niert das kon­kret?

FRANK: In nicht mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren­den Si­los mit­tel­fris­tig si­cher nicht. Man muss sich ge­gen­sei­tig ei­ni­ger­ma­ßen gut ver­ste­hen. Ich glau­be, die­se Än­de­rung zu be­glei­ten, dar­in liegt die Her­aus­for­de­rung, aber auch die Chan­ce für Soft­ware- oder Tech­no­lo­gie­dienst­leis­ter. Sie müs­sen ver­ste­hen ler­nen, wie sich die Rol­le von IT in den An­wen­der­un­ter­neh­men än­dert, wie sich die Rol­len in der Or­ga­ni­sa­ti­on wan­deln und wie man dann ge­mein­sam die­se Trans­for­ma­ti­on ge­stal­ten kann.

CW: Wie weit se­hen Sie sich auf die­sem Weg? Es gab ja zu­letzt bei Mu­nich Re ei­ni­ge Ve­rän­de­run­gen im Ma­nage­ment. Wird das gan­ze jetzt auch stär­ker von der Fir­men­spit­ze her ge­trie­ben?

FRANK: Das The­ma In­no­va­ti­on ist schon seit drei, vier Jah­ren auf der Vor­stands­ebe­ne sehr

„Es kom­men so schnell neue Lö­sun­gen auf den Markt, dass es im­mer schwie­ri­ger wird, sie im Blick zu be­hal­ten und ein­zu­ord­nen. Als IT-Or­ga­ni­sa­ti­on sind wir nicht mehr Be­sit­zer und Kon­trol­leur al­ler IT-Ak­ti­vi­tä­ten." Olaf Frank, He­ad of Glo­bal Ap­p­li­ca­ti­ons bei Mu­nich Re

prä­sent. Wir ha­ben viel ge­tan, um ei­nen kul­tu­rel­len Wan­del im Haus zu be­för­dern. Auch weil man an die­ser Stel­le ei­ne an­de­re Den­ke braucht, um in neu­en Ge­schäfts­fel­dern ak­tiv und er­folg­reich zu sein. Wir se­hen na­tür­lich auch als IT den wach­sen­den Druck und be­trei­ben un­se­re Re­po­si­tio­nie­rung. Das wur­de durch den Kol­le­gen John­son (Ro­bin John­son ist seit April 2017 neu­er CIO bei der Mün­che­ner Rück, Anm. d. Red.), der hier auch sehr viel Er­fah­rung hat, noch ein­mal be­schleu­nigt. Wir sind jetzt an die­ser Stel­le noch ein Stück­chen kon­se­quen­ter und mit mehr Durch­schlags­kraft un­ter­wegs.

Doch der Wech­sel, für uns als in­ter­ne Or­ga­ni­sa­ti­on aus ei­ner lan­ge ge­leb­ten Ser­vice­den­ke her­aus­zu­kom­men und in ei­nen Mo­dus als in­te­gra­ler Be­stand­teil in­no­va­ti­ver Lö­sun­gen ein­zu­schwen­ken, das ist ein wei­ter Weg. Wir ge­ben uns viel Mü­he und ha­ben si­cher auch ei­ni­ge Ach­tungs­er­fol­ge er­zielt. Aber das Gan­ze wird durch ei­nen sol­chen Wech­sel und ei­ne sol­che Per­so­na­lie si­cher noch ein­mal stär­ker for­ciert. Von da­her bin ich ei­gent­lich op­ti­mis­tisch, dass wir auf dem Weg, den wir be­reits ein­ge­schla­gen ha­ben, noch deut­lich Fahrt auf­neh­men kön­nen.

CW: Das be­deu­tet na­tür­lich ei­nen ge­wal­ti­gen Kul­tur­wan­del, ge­ra­de in der IT …

FRANK: ...ab­so­lut.

CW: Man muss sich viel stär­ker mit dem Busi­ness aus­ein­an­der­set­zen, kom­mu­ni­ka­ti­ver ar­bei­ten und auf­zei­gen, was die IT kann.

FRANK: Die größ­te Her­aus­for­de­rung ist aus mei­ner Sicht, dass es für al­le Kol­le­gen in der IT – wahr­schein­lich auch im Busi­ness – ein Mind­set-Shift ist. Ich muss mich neu ori­en­tie­ren, wie ich mei­nen Mehr­wert für das Un­ter­neh­men de­fi­nie­re, wie ich mit den Kol­le­gen im Busi­ness zu­sam­men­ar­bei­te, wie ich prio­ri­sie­re und wie ich mei­nen wei­te­ren Weg se­he. Das sind schon um­fang­rei­che Än­de­run­gen, die ei­ne ge­wis­se Zeit brau­chen, aber na­tür­lich auch ein gu­tes Chan­ge-Ma­nage­ment.

Im glei­chen Kon­text se­he ich auch un­se­re Part­ner­schaft zu SAP. Wir se­hen im­mer wie­der, dass wir von Part­nern pro­fi­tie­ren und uns ge­gen­sei­tig be­fruch­ten, um dann gu­te Mo­del­le für die Zu­kunft zu ent­wi­ckeln.

CW: Für SAP än­dert sich da­mit auch die Art und Wei­se, wie Sie mit Kun­den kom­mu­ni­zie­ren. Wo Sie frü­her mit dem CIO zu­sam­men­ge­ses­sen ha­ben, müs­sen Sie heute auch dem Busi­ness er­klä­ren, was Ih­re Lö­sun­gen brin­gen. Das ist doch ei­ne Her­aus­for­de­rung?

HOLZ: Ab­so­lut – SAP selbst steckt ja auch mit­ten in der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on. Das macht uns aber auch au­then­tisch bei vie­len un­se­rer Kun­den. Wir konn­ten schon im­mer auf ein tie­fes In­dus­trie-Know-how bau­en. Jetzt müs­sen wir uns zu­neh­mend dar­auf ein­stel­len, auch die An­sprech­part­ner der Fach­ab­tei­lun­gen beim Kun­den ent­spre­chend an­zu­ge­hen und zu adres­sie­ren.

FRANK: Aus Kun­den­sicht war un­ser Ver­hält­nis im­mer stark da­von ge­prägt, dass der Ein­stieg der SAP über die gu­te Ba­sis auf der in­for­ma- ti­ons­tech­ni­schen Sei­te er­folgt ist. Auch weil wir auf IT-Sei­te wuss­ten, dass vie­le Pro­ble­me erst gar nicht auf­tre­ten, weil wir ei­ne gu­te Part­ner­schaft ha­ben und die Lö­sun­gen so­li­de sind. Es war fast so, dass die IT-Or­ga­ni­sa­ti­on ein Stück weit – ich will jetzt nicht sa­gen, Teil Ih­rer Sa­les-Or­ga­ni­sa­ti­on – aber si­cher ein Stück weit Ca­se-Trei­ber war.

CW: Die IT-Ab­tei­lung als ver­län­ger­ter Arm der SAP?

FRANK: Ich glau­be, dass sich SAP heute neu ori­en­tie­ren muss: Die Ba­sis ist noch da, aber ein Stück weit aus dem Fo­kus ge­ra­ten. Wir ha­ben frü­her ei­ne mehr auf die Tech­no­lo­gie fo­kus­sier­te Stra­te­gie ver­folgt. Das war auch gut so, weil wir so Ord­nung hal­ten konn­ten und kaum Mehr­auf­wän­de da­durch hat­ten, Tech­no­lo­gie zu­sam­men­füh­ren zu müs­sen. Die­ser Weg ist heute gar nicht mehr durch­zu­hal­ten. Es kom­men so schnell neue Lö­sun­gen auf den Markt, dass es im­mer schwie­ri­ger wird, sie im Blick zu be­hal­ten und ein­zu­ord­nen. Als IT-Or­ga­ni­sa­ti­on sind wir nicht mehr Be­sit­zer und Kon­trol­leur al­ler IT-Ak­ti­vi­tä­ten.

Je­der von uns hat zu Hau­se mehr in­ter­es­san­te Gad­gets als in der Ar­beit. Frü­her war das

an­ders. Da wa­ren wir die­je­ni­gen, die tol­le Tech­nik ein­brin­gen konn­ten. Heute sind wir die, die im Weg ste­hen. Un­se­re Rol­le im Mo­de­rie­ren und Orches­trie­ren die­ser gan­zen Tech­no­lo­gie­land­schaft, die än­dert sich ge­ra­de.

Das ist letzt­lich auch ei­ne Her­aus­for­de­rung für SAP: Die al­te Ba­sis schwin­det, und Sie ste­hen jetzt auch in Kon­kur­renz zu Star­tups aus Pa­lo Al­to, die schnell mit neu­en in­ter­es­san­ten Lö­sun­gen auf den Markt kom­men und Sie als SAP dann an ver­schie­de­nen Stel­len über­flüs­sig ma­chen.

HOLZ: Wir schät­zen die­se Span­nungs­ver­hält­nis­se aber auch. Weil im­mer wie­der neue Markt­be­glei­ter auf­kom­men, die uns Im­pul­se ge­ben. Das ist für uns ein stän­di­ger Ansporn, fle­xi­bel zu re­agie­ren und auf die Trends mit un­se­ren Lö­sun­gen Ant­wor­ten zu ge­ben.

Wir sind nicht im­mer mit je­der An­wen­dung der Ers­te im Markt, aber die Kun­den, die auf SAP-Ar­chi­tek­tu­ren set­zen, kön­nen ge­wiss sein, dass die rich­ti­gen The­men be­dient wer­den. Wenn ich se­he, dass wir al­lein in die­sem Jahr Be­rei­che wie Block­chain, Ma­chi­ne Le­arning (ML) und künstliche Intelligenz (KI) in un­ser Port­fo­lio auf­ge­nom­men ha­ben, dann sind das doch ziem­lich ak­tu­el­le Trends. Von der Cloud gar nicht zu spre­chen – das ma­chen wir schon seit vie­len Jah­ren er­folg­reich.

Aber ich ge­be Ih­nen voll­kom­men recht. Es ist ein stän­di­ger Wett­be­werb, dem wir uns stel­len müs­sen, um auch wei­ter­hin un­se­ren Kun­den best­mög­li­che An­ge­bo­te un­ter­brei­ten zu kön­nen.

FRANK: Die Re­le­vanz der SAP se­he ich wei­ter­hin in Back-Of­fice-Pro­jek­ten, die zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen in al­ler Re­gel nicht be­son­ders in­no­va­tiv sind. Ge­ra­de bei den neu­en The­men ist es na­tür­lich im­mer mit ei­nem ge­wis­sen Ri­si­ko ver­bun­den, wenn man auf ein Star­t­up und ei­ne neue Tech­no­lo­gie setzt. Aber ge­nau in die­sen neu­en Be­rei­chen ist eben die Fra­ge: Schafft es die SAP, ei­ne ei­ge­ne Op­ti­on zu bie­ten und das Gan­ze gleich­zei­tig ein Stück weit in die ei­ge­ne Land­schaft zu as­si­mi­lie­ren?

Da­durch wür­de uns na­tür­lich ein Stück weit das Ri­si­ko ge­nom­men. Und für SAP wä­re es ein gu­tes Ver­kaufs­ar­gu­ment, wenn wir et­was nut­zen kön­nen, für das wir nicht in ers­ter Li­nie selbst das Ri­si­ko auf uns neh­men müs­sen. Wir könn­ten es aus­pro­bie­ren, weil es be­reits vor­ge­dacht und aus­pro­biert ist. HOLZ: Das ist ge­nau der Vor­teil. Wir ha­ben ja be­reits über das The­ma End-to-End-Ge­schäfts­pro­zes­se ge­spro­chen. Nur wenn Pro­zes­se durch­gän­gig in ei­ner in­te­grier­ten Ar­chi­tek­tur um­ge­setzt sind, las­sen sich auch die Ge­schwin­dig­keits­vor­tei­le er­zie­len, die von Un­ter­neh­men wie Mu­nich Re ge­for­dert wer­den. Das ist wie­der­um ein Punkt, war­um vie­le Kun­den, die sich auch Best-of-Breed-Lö­sun­gen an­se­hen, am An­ge­bot von SAP in­ter­es­siert sind. Weil wir ge­nau das ge­währ­leis­ten.

CW: Geht es al­so ei­gent­lich um die Platt­form, auf der ich Back-Of­fice-An­wen­dun­gen be­trei­ben, aber eben auch in­no­va­ti­ve Ser­vices an­bin­den kann, sei es von SAP oder von ei­nem an­de­ren An­bie­ter aus dem Öko­sys­tem?

FRANK: Das The­ma Platt­form ge­winnt für uns lau­fend an Be­deu­tung. Aber auch da ist die rich­ti­ge Stra­te­gie nicht im­mer ein­fach zu fin­den. Es gibt vie­le in­ter­es­san­te Platt­for­men mit ge­wis­sen Teil­aus­schnit­ten, die dort be­dient wer­den. In Sa­chen Cloud zum Bei­spiel kommt man an Ama­zon und Mi­cro­soft so­wie­so nicht vor­bei – der Zug ist ab­ge­fah­ren, den­ke ich.

Die Fra­ge ist dann: Schafft man es auf SAPSei­te, da­für ein An­ge­bot zu schnü­ren? Das war ein we­nig das Pro­blem in der Ver­gan­gen­heit be­zie­hungs­wei­se der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit. Wir se­hen im­mer wie­der An­ge­bo­te, die zwar ei­ne gu­te Über­schrift her­ge­ben, oh­ne aber wirk­lich ei­nen Mehr­wert zu lie­fern. Wir ha­ben uns oft ge­nug mit The­men be­schäf­tigt, weil die Über­schrift gut war. Aber der ent­schei­den­de Aspekt für uns ist na­tür­lich: Wie kön­nen wir das in Ge­schäfts­er­folg um­wan­deln? Ich ha­be den Ein­druck, dass der Hy­pe rund um das The­ma In­no­va­ti­on der­zeit wie­der et­was dem Rea­lis­mus weicht, weil man zu­neh­mend fest­stellt: Nicht al­les, wo­für man Geld aus­ge­ben kann, hilft ei­nem auch, Geld zu ver­die­nen – auch wenn es sich gut an­hört.

CW: Was heißt das kon­kret auf die SAP ge­münzt?

FRANK: Für uns ist die Fra­ge: Wo kann SAP uns Lö­sun­gen be­reit­stel­len, von mir aus auch auf Ba­sis von Platt­for­men und Part­ner­netz­wer­ken, und wo muss man rea­lis­tisch sa­gen, dass der Wett­lauf an die­ser Stel­le ei­gent­lich vor­bei ist, weil sich dort das Lö­sungs-Set ei­nes an­de­ren An­bie­ters eta­bliert hat? Schafft es SAP al­so, schnell ge­nug um­zu­schal­ten – von „Will ich auch an­bie­ten“auf „Mach ich halt wo­an­ders mit, weil es sich schon durch­ge­setzt hat“?

CW: Kön­nen Sie hier ein Bei­spiel be­schrei­ben?

FRANK (zö­gert): Ich will jetzt an die­ser Stel­le nicht zu viel aus dem Näh­käst­chen plau­dern (lacht). Sa­gen wir mal so: Beim The­ma Big Da­ta sind wir früh mit SAP HANA ge­star­tet. Da­mals war es oft nicht viel mehr als ein Schlag­wort. Egal wel­che Fra­ge man an SAP hat­te, die Ant­wort war im­mer: SAP HANA. Das hat sich dann im Lauf der Zeit kon­kre­ti­siert, und wir sind im­mer bes­ser vor­an­ge­kom­men.

Wir ha­ben auch ge­mein­sam mit The­men in der Cloud an­ge­fan­gen. Jetzt stellt sich zum Bei­spiel bei der HANA En­ter­pri­se Cloud her­aus: Es steht Cloud dran, und wir fan­den es auch gut, dass es Cloud ist. Im zwei­ten Schritt muss man aber schon ge­nau schau­en, was wirk­lich drin ist und wo­für man be­zahlt. Da se­hen wir mo­men­tan: Ja, die SAP ist da­bei, die­ses Of­fe­ring so zu schnei­den, dass es all­mäh­lich Gestalt an­nimmt für et­was, das man lang­fris­tig nut­zen kann. Doch Ama­zon hat an die­ser Stel­le – Mi­cro­soft ist noch ein biss­chen hin­ter­her – ei­ne an­de­re Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­tie­fe. Und wenn SAP jetzt mit Ama­zon und Mi­cro­soft in Sa­chen Cloud-Lö­sun­gen ko­ope­riert, stellt sich aus mei­ner Sicht na­tür­lich die Fra­ge: Was ist es, das die SAP-Cloud an die­ser Stel­le als dif­fe­ren­zie­ren­des Merk­mal ins Feld füh­ren kann?

Gut, sie läuft in Deutsch­land. Und es gibt an­de­re Kri­te­ri­en. Aber das The­ma ist letzt­lich ei­ne Cloud-Lö­sung. Hier gilt es, wei­ter zu kon­kre­ti­sie­ren, ob es sich lohnt, selbst zu in­ves­tie­ren und ei­nen Un­ter­schied zu ma­chen. Man soll­te sich aber auch fra­gen, an wel­cher Stel­le man nicht et­was hin­ter­her­lau­fen soll­te, das sich längst am Markt eta­bliert hat. Das wä­re so ein Bei­spiel, oh­ne tie­fer in die De­tails ein­zu­stei­gen. Ich weiß nicht wie Sie als Pres­se­ver­tre­ter das se­hen ...

CW: In der Ver­gan­gen­heit hat SAP aus mei­ner Sicht im­mer sehr SAP-zen­trisch agiert, auch beim Cloud-An­satz. Im Zu­ge der jüngs­ten Ko­ope­ra­tio­nen un­ter an­de­rem mit Goog­le und AWS scheint sich an die­ser Stel­le der Wind et­was zu dre­hen.

HOLZ: Das ist tat­säch­lich so. Es gibt Din­ge im Markt, die kön­nen wir nicht igno­rie­ren. Das adres­sie­ren wir durch mehr Of­fen­heit. Die SAPC­loud-Platt­form läuft auch auf Goog­le und AWS. Hier ha­ben wir Part­ner­schaf­ten auf­ge­baut. Da­mit gibt es dort in der Cloud ei­ni­ge Din­ge, die man mit ei­ner SAP-Cloud-Platt­form sehr viel schnel­ler ent­wi­ckeln und rea­li­sie­ren kann. Wenn ein Kun­de zum Bei­spiel ei­ne App bau­en möch­te, die auf SAP-Da­ten zu­greift, die aber auch Vor­tei­le von Goog­le oder AWS nutzt, dann bie­ten wir das an.

Wir ha­ben au­ßer­dem die Mög­lich­keit, mit SAP Vo­ra gro­ße Ha­doop-Land­schaf­ten an­zu­bin­den. Da­mit ver­fol­gen wir, was das The­ma Big Da­ta an­geht, im­mer mehr ei­ne Stra­te­gie, die si­gna­li­siert: Wir ge­ben den Kun­den die Mög­lich­keit, die Viel­falt des Mark­tes zu nut­zen und sich ih­re Lö­sung nach ih­ren in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­sen zu­recht­zu­schnei­den. Das ist die Rich­tung, in die wir die SAP-Cloud-Platt­form wei­ter­ent­wi­ckeln. Und das Feed­back der Kun­den be­stä­tigt uns in die­ser Stra­te­gie.

CW: Den­ken Sie denn bei Mu­nich Re kon­kret dar­über nach, Ih­re In­fra­struk­tur in ei­ner Goog­le- oder Ama­zon-Cloud zu be­trei­ben?

FRANK: Un­ab­hän­gig vom An­bie­ter – ich den­ke schon, dass wir mit­tel­fris­tig ei­nen im­mer

„Wir sind nicht im­mer mit je­der An­wen­dung der Ers­te im Markt, aber die Kun­den, die auf SAPAr­chi­tek­tu­ren set­zen, kön­nen si­cher sein, dass die rich­ti­gen The­men be­dient wer­den.“ Da­ni­el Holz, Ma­na­ging Di­rec­tor von SAP Deutsch­land

grö­ße­ren Teil un­se­rer In­fra­struk­tur­leis­tung – und viel­leicht auch Soft­ware­leis­tung – aus der Cloud be­zie­hen wer­den. Sie ha­ben es ja an­ge­spro­chen: Im­mer wenn es ein ent­spre­chen­des An­ge­bot aus der Cloud gibt oder ei­nen Soft­ware as a Ser­vice, der zu uns passt, dann stellt sich na­tür­lich die Fra­ge, war­um wir das selbst be­trei­ben soll­ten. Das ist ja doch meis­tens auf­wen­di­ger.

Ich glau­be, die Rei­se geht in Rich­tung Cloud. Ir­gend­wann wird es ei­ne Op­ti­on sein, die so­wohl vom Ri­si­ko- als auch vom Kos­ten­stand­punkt her ver­nünf­tig funk­tio­niert. Mo­men­tan muss man al­ler­dings sa­gen, dass der fi­nan­zi­el­le Vor­teil auf der Cloud-Sei­te oft nicht da ist. Gleich­wohl stel­len wir un­se­re Re­chen­zen­tren auf Cloud-Be­trieb be­zie­hungs­wei­se auf mehr Automatisierung um, so dass wir von den Prin­zi­pi­en ei­ner Cloud pro­fi­tie­ren kön­nen. Aber wir se­hen na­tür­lich, dass sich die Lö­sungs­land­schaft Rich­tung Pu­b­lic Cloud ver­schie­ben wird.

CW: Gibt es ei­nen kon­kre­ten Zeit­plan?

FRANK: Nein, ei­nen Zeit­rah­men ha­ben wir an die­ser Stel­le nicht fest­ge­legt. Aber es wird aus mei­ner Sicht über die nächs­ten fünf bis zehn Jah­re si­cher die Aus­nah­me blei­ben, sich noch ei­ne ei­ge­ne In­fra­struk­tur auf­zu­bau­en. Wenn man ei­ne sol­che be­reits hat und noch wei­ter be­treibt, ist das si­cher ei­ne et­was an­de­re Kos­ten­fra­ge – was ab­ge­schrie­ben ist, muss ich schließ­lich nicht noch ein­mal be­zah­len. Der Trend geht aber in Rich­tung Pu­b­lic Cloud, und dar­auf be­rei­ten wir uns vor.

CW: An­ge­sichts der Ko­ope­ra­tio­nen mit Goog­le und AWS: Wird sich SAP als Be­trei­ber ei­ner ei­ge­nen Cloud aus dem Markt eher zu­rück­zie­hen?

HOLZ: Un­ser Cloud-An­ge­bot wird wei­ter be­ste­hen blei­ben. Wir ha­ben vie­le Kun­den, die Wert dar­auf le­gen, dass ih­re SAP-Sys­te­me bei uns und auf Wunsch auch in deut­schen Re­chen­zen­tren be­trie­ben wer­den. Weil die SAP-An­wen­dun­gen so ent­schei­dend sind für ei­nen sta­bi­len Be­trieb der Back-Of­fice-Sys­te­me, sagt ei­ne er­heb­li­che Zahl von Kun­den, sie möch­te das Gan­ze ger­ne in ei­ner pri­va­ten oder aber der Pu­b­lic Cloud von SAP lau­fen las­sen.

CW: Noch ein­mal zum The­ma In­no­va­ti­on: Mit Di­gi­tal Part­ners hat Mu­nich RE ei­ne Toch­ter mit dem Fo­kus auf In­no­va­tio­nen ge­grün­det. In­wie­weit ist sie mit dem klas­si­schen Ap­pli­ka­ti­ons­be­trieb ver­zahnt?

FRANK: Ich wür­de das mal so for­mu­lie­ren: Wir ar­bei­ten mo­men­tan an der rich­ti­gen Ba­lan­ce. Wie viel Frei­heit braucht ei­ne Star­t­up-ähn­li­che Ge­schäfts­ein­heit, um nicht durch be­ste­hen­de Pro­zes­se, Vor­ge­hens­wei­sen und Lö­sun­gen ein­ge­engt und ein­ge­schränkt zu wer­den? Als Di­gi­tal Part­ners die ers­ten Schrit­te mach­te und ver­such­te, sich am Markt zu eta­blie­ren, da wa­ren wir eher zu­rück­hal­tend, wür­de ich sa­gen. Es war ver­ein­bart, dass Di­gi­tal Part­ners an die­ser Stel­le ei­ne gro­ße Ei­gen­stän­dig­keit be­hält. Was wir ha­ben, ist im Prin­zip ei­ne Art Auf­sichts­funk­ti­on.

Mitt­ler­wei­le gibt es auch schon ei­ni­ge in­ter­es­san­te Ko­ope­ra­tio­nen, die wir im Zu­ge der In­no­va­ti­ons­in­itia­ti­ven ein­ge­gan­gen sind. Ein Teil des Of­fe­rings be­inhal­tet im Prin­zip auch Back Of­fice und Be­treu­ung des Pro­zes­ses. Da kom­men Sie na­tür­lich au­to­ma­tisch an die Stel­le, wo es dar­um geht, Lö­sun­gen zu be­trei­ben – im ei­ge­nen Re­chen­zen­trum oder aus­ge­la­gert. Von da­her tre­ten hier na­tür­lich schon Über­schnei­dungs­the­men auf. Wir ver­su­chen aber grund­sätz­lich, re­la­tiv viel Frei­heit zu las­sen und uns sel­ten ein­zu­mi­schen.

CW: Ist das so ei­ne Art Grund­prin­zip, wie Sie mit dem The­ma In­no­va­ti­on um­ge­hen?

FRANK: Wir ha­ben meh­re­re In­no­va­ti­ons­in­itia­ti­ven, die al­le nach die­sem Sche­ma auf­ge­setzt sind. Das Pro­blem, in das man frü­her oder spä­ter läuft, ist: Fängt man zu vie­le von die­sen Sa­chen an, dann muss man ir­gend­wann auch wie­der zu­se­hen, wie man das Gan­ze kon­so­li­diert. Sonst rech­net es sich nicht, und wir be­gin­nen, ei­nen gan­zen Zoo von ver­schie­de­nen Lö­sun­gen zu ver­wal­ten.

Wir dis­ku­tie­ren mo­men­tan, wie das rich­ti­ge Se­t­up aus­se­hen könn­te, der rich­ti­ge Mix aus Frei­heit und ei­ner so­li­den Ba­sis aus Stan­dard­aus­rüs­tung. Mein Ein­druck ist: Je stär­ker die Initia­ti­ven Fuß fas­sen, um­so mehr er­ken­nen sie auch, dass man das Rad nicht im­mer wie­der neu er­fin­den muss. Als In­no­va­ti­ons­trei­ber

muss man sich dar­auf kon­zen­trie­ren, das dif­fe­ren­zie­ren­de Merk­mal zu kul­ti­vie­ren und sich nicht un­be­dingt um das lang­wei­li­ge Pay­ment im Ba­ckend küm­mern. Von da­her ver­tre­ten wir an die­ser Stel­le mo­men­tan die IT-Auf­fas­sung, dass wir an ver­schie­de­nen Stel­len Mehr­wert leis­ten kön­nen – si­cher mit ei­ner et­was an­de­ren Geis­tes­hal­tung und auch ei­nem an­de­ren Bau­kas­ten, als wir es auf der rei­nen Ba­cken­dSei­te tun.

Letzt­lich geht es aber doch im­mer dar­um, das Gan­ze in ei­nen Mehr­wert für das ei­ge­ne Busi­ness um­zu­mün­zen?

FRANK: Ja, ab­so­lut – Gun­ter Du­eck (deut­scher Ma­the­ma­ti­ker und IT-Phi­lo­soph, Ex-IBM-Ma­na­ger, Anm. d. Red.) hat es ein­mal so be­schrie­ben: Es reicht nicht, dass ich nach­ma­che, was an­de­re ma­chen, nur um zum glei­chen Er­geb­nis zu kom­men. Beim De­sign Thin­king, In­no­va­ti­on Labs und dem Aus­pro­bie­ren neu­er Tech­no­lo­gi­en muss man sich ge­nau über­le­gen: War­um tue ich das? Tue ich das, um Ein­sich­ten zu ge­win­nen und Geld da­mit zu ver­die­nen? Oder weil es sich ir­gend­wie gut an­fühlt, in Je­ans ins In­noLab zu ge­hen? Das ist die Ba­lan­ce, die Un­ter­neh­men fin­den müs­sen – si­cher nicht ganz tri­vi­al.

CW: Und wie kann das funk­tio­nie­ren?

FRANK: Man kann be­stimmt nicht schon an Tag eins mit ei­nem fi­xen Busi­ness Ca­se kom­men. Es dreht sich in ge­wis­ser Wei­se auch um kul­tu­rel­le Fra­gen: Kann sich hier et­was ent­wi­ckeln? Kön­nen Sie krea­tiv wer­den? Kön­nen Sie die Leu­te mo­ti­vie­ren, sich aus ih­rem Dai­ly Busi­ness her­aus­zu­wa­gen und neue Sa­chen aus­zu­pro­bie­ren? Von da­her brau­chen Sie ei­ne ge­wis­se Frei­heit, aber Sie brau­chen ge­nau­so auf der an­de­ren Sei­te ei­nen Mecha­nis­mus, wie aus ei­ner Idee über ei­nen end­li­chen Zei­t­raum hin­weg ent­we­der et­was Erfolgreiches wird, oder Sie schrei­ben‘s eben ab. Bei Ven­ture Ca­pi­ta­lists funk­tio­niert das gut. Die ha­ben da­für recht ri­gi­de Maß­stä­be ent­wi­ckelt. Das ist auch so o ein Punkt, wo wir mo­men­tan noch un­se­ren Weg fin­den müs­sen. Wie viel Frei­heit las­sen en wir am An­fang, und wann muss man in ei­nen n re­la­tiv eng ge­tak­te­ten Re­view­Pro­zess kom­men, mmen, in dem auch ei­ne ge­wis­se Er­war­tung an ei­nen Re­turn ih­ren Platz ha­ben muss? Das ist aus mei­ner Sicht ein schwie­ri­ges The­ma.

CW:

In­wie­weit füh­len Sie sich von den vie­le­ni len In­s­ur­techs ge­trie­ben, die sich mit ein­zel­nen Ser­vices in die Wert­schöp­fungs­ket­te der Ver­si­che­run­gen ein­klin­ken wol­len?

FRANK: Wir neh­men das Phä­no­men sehr ernst und ver­su­chen, uns selbst ein Stück weit dar­an zu be­tei­li­gen. Wenn es gu­te Ide­en gibt, wol­len wir dar­an na­tür­lich teil­ha­ben. Letzt­lich ist Di­gi­tal Part­ners auch ei­ne Art Initia­ti­ve, die sich an In­s­ur­techs an­lehnt. Wir ver­su­chen al­so, die Trends auf­zu­neh­men, aber auf der an­de­ren Sei­te auch, nicht je­dem Hy­pe hin­ter­her­zu­lau­fen. Es geht dar­um, mög­lichst klar zu ver­ste­hen, wel­che The­men Ge­schäfts­po­ten­zia­le be­inhal­ten und wel­che nicht.

Zwei­fel­los gibt es Ve­rän­de­run­gen im Markt. Die Fra­ge ist nicht, ob, son­dern in wel­cher Ge­schwin­dig­keit und mit wel­cher Ve­he­menz sich die Ge­schäfts­mo­del­le ver­än­dern. Ich glau­be, das ist die ent­schei­den­de Fra­ge. Wir ha­ben Pro­gram­me im Un­ter­neh­men, mit de­nen wir ver­su­chen, uns die­sen Her­aus­for­de­run­gen ge­samt­heit­lich zu stel­len und uns für die Zu­kunft fit zu ma­chen. Al­so: Wir neh­men das sehr ernst, aber oh­ne in Pa­nik zu ge­ra­ten.

CW: Wie be­ur­tei­len Sie bei SAP die­se Star­tups, die mit neu­en Ser­vices letzt­lich auch Ih­nen Kon­kur­renz ma­chen?

HOLZ: Wenn sie di­rekt auf un­se­re Kern­soft­ware zie­len, dann ist es für uns ein Ansporn, dort zu re­agie­ren und mit ei­ge­nen Ent­wick­lun­gen zu kon­tern. Es gibt aber auch in­ter­es­san­te Mög­lich­kei­ten, wenn es um spe­zi­fi­sche Teil­be­rei­che geht. Dann pas­sie­ren an die­ser Stel­le span­nen­de Co-In­no­va­tio­nen. Ge­ra­de im Be­reich der Fin­techs in Deutsch­land füh­ren wir in­ter­es­san­te Ge­sprä­che. Die eta­blier­ten Un­ter­neh­men be­ob­ach­ten die Ent­wick­lun­gen und möch­ten dar­auf re­agie­ren. Und sie sind dar­an in­ter­es­siert, das ge­mein­sam mit SAP zu tun.

Man braucht aber auch hier ei­nen di­gi­ta­len Kern, die so­li­de Ba­sis der Back-Of­fice-Sys­te­me, und das je­wei­li­ge in­no­va­ti­ve Ge­schäfts­mo­dell, das man bei dem Fin­tech oder In­s­ur­tech be­ob­ach­tet. Das sind für uns die An­satz­punk­te, um mit un­se­ren Kun­den in Co-In­no­va­ti­ons­pro­jek­te zu ge­hen. Es sind al­so nicht nur wir, die aus dem Wett­be­werb die Im­pul­se be­kom­men, son­dern auch un­se­re Kun­den. Wir nut­zen dann un­se­re lang­jäh­ri­ge Part­ner­schaft, um ge­mein­sam neue Ent­wick­lun­gen an­zu­sto­ßen. Das ist ein ganz wich­ti­ger Be­stand­teil un­se­rer Part­ner­schaf­ten mit den Kun­den.

Von Mar­tin Bay­er, De­pu­ty Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Die gro­ßen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men wie Mu­nich RE müs­sen sich den Her­aus­for­de­run­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung stel­len. Die Markt­ge­ge­ben­hei­ten ver­än­dern sich im­mer schnel­ler, mit ih­nen auch das Wett­be­werbs­um­feld. Um sich zu wapp­nen, er­hö­hen die Ver­si­che­rer ih­re An­stren­gun­gen in Sa­chen In­no­va­ti­on und su­chen Kon­takt zu krea­ti­ven Star­tups. Mehr da­zu un­ter: www.co­wo. de/a/3325948

Auch für den größ­ten deut­schen Soft­ware­her­stel­ler SAP än­dert sich das Busi­ness mas­siv. Das klas­si­sche Ge­schäft mit Li­zen­zen und War­tung, mit dem die Wall­dor­fer in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten viel Geld ver­dient ha­ben, neigt sich dem En­de zu. Statt­des­sen sind heute Cloud-ba­sier­te Abo-Mo­del­le ge­fragt. Le­sen Sie da­zu mehr auf un­se­rer SAPThe­men-Sei­te: www. co­wo.de/k/3473

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