Kei­ne Stan­dards im Smart Ho­me

Nach den Apps für die Steue­rung steht für das Smart Ho­me jetzt KI-Funk­tio­na­li­tät aus der Cloud auf dem Pro­gramm. Die IFA zeig­te, was in­zwi­schen al­les mög­lich ist. Bis­her man­gelt es al­ler­dings an In­ter­ope­ra­bi­li­tät und Si­cher­heit.

Computerwoche - - Inhalt - Von Jür­gen Hill, lei­ten­der Re­dak­teur

Apps für die Steue­rung gibt es en mas­se, jetzt steht für das Smart Ho­me KI-Funk­tio­na­li­tät aus der Cloud auf dem Pro­gramm. Trotz al­ler Fort­schrit­te: Es man­gelt wei­ter an der In­ter­ope­ra­bi­li­tät ver­netz­ter Ge­rä­te und an Si­cher­heit.

Wer sich ei­nen Über­blick zum ak­tu­el­len Sta­tus des Smart Ho­me ver­schaf­fen woll­te, hat­te auf der IFA 2017 in Ber­lin reich­lich Ge­le­gen­heit. So wa­ren Sen­so­ren und in­tel­li­gen­te Steue­run­gen en mas­se zu be­stau­nen. Un­ter den An­ge­bo­ten fan­den sich auch im­mer wie­der ver­steck­te High­lights, dar­un­ter der Ra­dar­sen­sor „Wa­l­a­bot DIY“des is­rae­li­schen Star­tups Vay­yar.

Die auf Funk­wel­len ba­sie­ren­de 3D-Sen­sor­tech­nik er­mög­licht es, in fes­te Ob­jek­te hin­ein­oder so­gar durch sie hin­durch­zu­se­hen. Sie kann für un­ter­schied­li­che Zwe­cke ge­nutzt wer­den, et­wa um in Re­ga­len ei­ne au­to­ma­ti­sche In­ven­tur vor­zu­neh­men oder um Wän­de mit ei­nem 3D-Scan zu un­ter­su­chen. Da­bei wer­den nicht nur die ver­bau­ten Ma­te­ria­li­en sicht­bar, son­dern auch Was­ser­lei­tun­gen und Strom­ka­bel. 24 klei­ne An­ten­nen auf ei­ner Pla­ti­ne ma­chen den Wa­l­a­bot zu ei­nem Ra­dar­ge­rät, das beim Scan­nen in Echt­zeit ein 3D-Bild der Um­ge­bung er­zeugt. Her­stel­ler Vay­yar will selbst kei­ne Pro­duk­te ent­wi­ckeln, die auf dem 3D-Sen­sor ba­sie­ren. Lie­ber über­ge­ben die Is­rae­lis ih­re Tech­no­lo­gie der Ma­ker Com­mu­ni­ty, die be­reits ak­tiv ge­wor­den ist und in­ter­es­san­te Pro­to­ty­pen ent­wor­fen hat.

Über­tra­gungs­stan­dards Zi­gBee und Z-Wa­ve

Was die Über­tra­gungs­stan­dards zwi­schen den IoT-Sen­so­ren an­geht, scheint sich in Eu­ro­pa ne­ben Zi­gBee lang­sam auch Z-Wa­ve durch­zu­set­zen. Da­ne­ben gibt es aber im­mer noch ei­ne Rei­he von Her­stel­lern, die auf ih­re ei­ge­nen Stan­dards set­zen. Al­ler­dings darf be­zwei­felt wer­den, dass dies mit­tel­fris­tig ei­ne er­folg­rei­che Bu­si­ness-Stra­te­gie ist, wün­schen sich die Ver­brau­cher doch kom­pa­ti­ble Lö­sun­gen, die per Plug and Play in­stal­lier­bar sind.

In der Re­gel funk­tio­niert die Kom­mu­ni­ka­ti­on un­ter den De­vices im­mer noch nur im Mar­ken­kos­mos ein­zel­ner Her­stel­ler. Ein­fa­che Smart De­vices wie in­tel­li­gen­te Lam­pen von Drit­t­her­stel­lern las­sen sich oft ein­bin­den. Die Hoff­nung, dass et­wa ein in­tel­li­gen­ter Kühl­schrank von Samsung mit Haus­ge­rä­ten von Sie­mens oder LG kom­mu­ni­ziert, bleibt in­des un­er­füllt – auch wenn na­he­zu je­der Aus­stel­ler auf der IFA be­ton­te, of­fe­ne Stan­dards zu un­ter­stüt­zen.

Der Kühl­schrank als Schalt­zen­tra­le

Als „Fa­mi­ly Hub“im Haus­halt ha­ben sich die Her­stel­ler of­fen­bar auf den Kühl­schrank ge­ei­nigt. Bei Samsung et­wa lässt sich von hier aus der Staub­sau­ger­r­o­bo­ter steu­ern oder die Wasch­ma­schi­ne star­ten. Die Kühl­kom­bi­na­tio­nen bie­ten ei­nen Touch­screen, der mit Apps be­stückt wer­den kann. Von hier aus lässt sich dann beim Lie­fer­dienst der Wahl Le­bens­mit­telNach­schub or­dern. Ei­ne Mir­ro­ring-Funk­ti­on sorgt da­für, dass In­hal­te vom Smart­pho­ne oder Ta­blet auch am Kühl­schrank zur Ver­fü­gung ste­hen – Whats­App oder Spo­ti­fy et­wa.

Wett­be­wer­ber LG ver­mark­tet sei­ne Smar­tHo­me-Steue­rung un­ter dem La­bel „Smart ThinQ“. Haus­halts­ge­rä­te, die an­ge­steu­ert

wer­den sol­len, wer­den mit ei­nem ThinQ-Be­a­con be­klebt. Die­se klei­nen run­den Gad­gets kom­mu­ni­zie­ren via Zi­gBee mit ei­nem zen­tra­len Hub. So las­sen sich Kli­ma­an­la­gen und Hei­zun­gen fern­steu­ern, via Vi­bra­ti­ons- und Tem­pe­ra­tur­sen­so­ren Wasch­ma­schi­nen und Kühl­schrän­ke über­wa­chen, oder es kann mit Be­we­gungs­sen­so­ren nach­voll­zo­gen wer­den, ob ein Fens­ter ge­öff­net ist oder Frem­de in der Woh­nung wa­ren. Die Tech­nik be­fin­det sich noch im Be­ta­sta­di­um.

Smart Ho­me Ma­de in Ger­ma­ny

Bosch hat­te be­reits 2016 ein re­la­tiv voll­stän­di­ges An­ge­bot an ver­netz­ba­ren Groß­ge­rä­ten für den Haus­halt vor­zu­wei­sen. Es reicht von Back­ofen und Koch­feld über Dun­st­ab­zugs­hau­be, Ge­schirr­spü­ler und Kühl­schrank bis hin zur Kaf­fee­ma­schi­ne. Die Ge­rä­te kön­nen über die Ho­me Con­nect App von über­all aus ge­steu­ert und über­wacht wer­den.

In die­sem Jahr bringt Bosch zu­dem ei­ne KühlGe­frier-Kom­bi­na­ti­on mit in­te­grier­ten Ka­me­ras auf den Markt, da­mit Be­sit­zer im Su­per­markt her­aus­fin­den kön­nen, wie es um die Bier­vor­rä­te be­stellt ist. Gleich­zei­tig er­wei­tert das Un­ter­neh­men sei­ne Ser­vices um ei­nen „Smart Sto­r­a­ge Gui­de“: Im Zu­sam­men­spiel mit der Ka­me­ra er­hält der Nut­zer Hin­wei­se zur op­ti­ma­len La­ge­rung von Le­bens­mit­teln. Di­gi­ta­ler Le­bens­mit­tel­prü­fer

Noch in der Kon­zept­pha­se be­fin­det sich ei­ne an­de­re Neue­rung für das Smart Ho­me: der Hand-Scan­ner „X-Spect“. Sei­ne Sen­so­ren sol­len hel­fen, die Qua­li­tät von Le­bens­mit­teln zu prü­fen. So las­sen sich Aus­künf­te über den Rei­fe­grad von Obst oder die Fri­sche von Ei­ern ein­ho­len. Auch die Zu­sam­men­set­zung der Nah­rung nach Nähr­wer­ten wie Zu­cker, Fett oder Ei­weiß soll das smar­te Ge­rät er­ken­nen. Zu­dem soll der Scan­ner bei der Wä­sche­pfle­ge hel­fen. Das Ge­rät ana­ly­siert Fle­cken auf Tex­ti­li­en eben­so wie die Tex­til­ar­ten und Far­ben. Auf Ba­sis die­ser In­for­ma­tio­nen emp­fiehlt es Wasch-, Tro­cken- und Bü­gel­pro­gram­me.

Sprach­steue­rung ist im Trend

Ama­zon Ale­xa und Goog­le Ho­me ha­ben das The­ma Sprach­steue­rung hof­fä­hig ge­macht, wie sich auf der IFA zeig­te. Kü­chen­ge­rä­te, Ra­sen­mä­her, HiFi-Laut­spre­cher, Ohr­hö­rer, Di­gi­tal­ka­me­ras, Smart-TVs – von all die­sen De­vices gibt es ers­te Mo­del­le mit Ale­xa-Sprach­schnitt­stel­le. Selbst bei Netz­spei­chern hält das The­ma Ein­zug: Wes­tern Di­gi­tal hat mit „My Cloud Ho­me“ei­nen Net­work Atta­ched Sto­r­a­ge (NAS) vor­ge­stellt, der Sprach­un­ter­stüt­zung er­hal­ten soll.

Bei al­ler Eu­pho­rie um das Smart Ho­me lie­ßen sich auf der IFA auch nach­denk­li­che Stim­men ver­neh­men. Lars Rie­gel, Prin­ci­pal bei Ar­thur D. Litt­le, gab zu be­den­ken, das Gros der ver­füg­ba­ren Lö­sun­gen ba­sie­re der­zeit auf ei­nem „Sing­le-Po­int-An­satz“. Es kon­zen­trie­re sich auf die ge­schlos­se­nen Pro­dukt­wel­ten ein­zel­ner An­bie­ter. Jetzt wür­den Ag­gre­ga­to­ren be­nö­tigt, die als Ser­vice die un­ter­schied­li­chen Platt­form­wel­ten ver­bän­den.

Ei­ner der we­ni­gen An­bie­ter, die sich die­sem The­ma wid­men, ist das Star­t­up Mo­zaiq, das ei­ne Art vir­tu­el­len IoT-Markt­platz in der Cloud be­treibt. In­ter­es­sier­te An­bie­ter kön­nen da­für APIs zur Ver­fü­gung stel­len, so dass über Ver­knüp­fun­gen neue Lö­sun­gen und Di­ens­te mög­lich wer­den. Bosch He­alth­ca­re So­lu­ti­ons et­wa bie­tet ei­nen ent­spre­chen­den No­t­ruf­ser­vice an, den „Bosch Emer­gen­cy As­sis­tant“. Er ver­bin­det an Mo­zaiq an­ge­bun­de­ne Sen­so­ren von bei­spiels­wei­se Rauch­mel­dern oder Smart­wat­ches mit Not­fall-Ma­na­gern in Cal­lCen­tern.

Ne­ben den feh­len­den Ag­gre­ga­to­ren weist das Smart Ho­me noch ei­ne wei­te­re of­fe­ne Flan­ke auf: die Si­cher­heit. Auf die Fra­ge, wie oft und wie lan­ge es für die smar­ten Haus­halts­ge­rä­te Up­dates gibt, um Si­cher­heits­lö­cher zu stop­fen, herrsch­te an den IFA-Stän­den meist be­trof­fe­nes Schwei­gen. Im­mer­hin: Samsung will sei­ne Smart­pho­ne-Tech­nik Kn­ox zur Si­cher­heits­ba­sis für al­le IoT-De­vices ma­chen.

Der Kühl­schrank mit sei­nem gro­ßen Dis­play wird zur Schalt­zen­tra­le im Smart Ho­me.

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