Die Di­gi­ta­li­sie­rung zwingt Sys­tem­häu­ser zum Wan­del – auch in Zei­ten des Er­folgs

Deutsch­lands Sys­tem­häu­ser ha­ben fet­te Jah­re hin­ter sich, und die Auf­trags­la­ge ist wei­ter gut. In­zwi­schen ste­cken vie­le ih­rer Kun­den mit­ten in der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on. Cloud Com­pu­ting, Ana­ly­tics und künst­li­che In­tel­li­genz sind The­men, für die die An­bi

Computerwoche - - Spezial Systemhaus - Von Mat­thi­as Za­cher, Se­ni­or Con­sul­tant bei IDC in Frankfurt am Main und Ro­nald Wiilt­scheck, Chef­re­dak­teur Chan­nelPart­ner

Die COMPUTERWOCHE und ih­re Schwes­ter­pu­bli­ka­ti­on Chan­nelPart­ner ha­ben nicht nur die An­wen­der nach ih­rer Zuf­rie­den­heit mit Sys­tem­häu­sern be­fragt, son­dern auch die Sys­tem­häu­ser selbst nach ih­ren Per­spek­ti­ven. Und die­se sind of­fen­kun­dig gut. Un­ter den grö­ße­ren An­bie­tern mit mehr als 250 Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­um­satz wei­sen der­zeit vie­le sta­bi­les Wachs­tum auf: Can­com et­wa konn­te zu­letzt um 8,2 Pro­zent zu­le­gen, die SVA Sys­tem Ver­trieb Alex­an­der Gm­bH so­gar um sa­gen­haf­te 42,4 Pro­zent. Rück­läu­fi­ge Ein­nah­men, et­wa bei T-Sys­tems um drei Pro­zent oder bei Di­men­si­on Da­ta Deutsch­land um 3,7 Pro­zent, sind eher die Aus­nah­men. Bei­de Un­ter­neh­men ha­ben ei­nen grund­le­gen­den Um­bau hin­ter sich, der die leich­ten Ein­bu­ßen er­klärt. Ins­ge­samt geht es ak­tu­ell fast al­len Sys­tem­häu­sern gut, die Auf­trags­bü­cher sind ge­füllt.

Sich auf den Lor­bee­ren aus­zu­ru­hen, wä­re al­ler­dings falsch. Jün­ge­re The­men wie Ma­na­ged Ser­vices, Cloud Com­pu­ting, Big Da­ta/Ana­ly­tics, In­ter­net of Things (IoT), Block­chain oder ge­ne­rell die Di­gi­ta­li­sie­rung müs­sen mit größ­ter Ener­gie an­ge­gan­gen wer­den. Es reicht nicht mehr aus, sich auf den Ver­kauf her­kömm­li­cher Hard- und Soft­ware zu be­schrän­ken.

Et­li­che Sys­tem­haus-Chefs, die ih­re Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten mit viel Ener­gie auf­ge­baut ha­ben, ha­ben heu­te ein ge­setz­tes Al­ter er­reicht und se­hen sich mit der Fra­ge der Nach­fol­ge­re­ge­lung kon­fron­tiert. Ist kein Nach­fol­ger in Sicht, plant man­cher Grün­der, das Ge­schäft in den nächs­ten Jah­ren wie bis­her wei­ter­zu­füh­ren – ganz nach dem Mot­to: „Bu­si­ness as usu­al“. Das ist ris­kant. Die Kun­den er­war­ten heu­te mehr. Sie sind über die ak­tu­el­len Mög­lich­kei­ten der IT gut in­for­miert und for­dern von ih­ren IT-Di­enst­leis­tern Cloud-Lö­sun­gen und Ma­na­ged Ser­vices. Je­der Sys­tem­haus­be­trei­ber muss sein bis­he­ri­ges Ge­schäfts­mo­dell in Fra­ge stel­len und sich den neu­en Mög­lich­kei­ten des IT-Ver­triebs und -Be­triebs öff­nen.

Wer die er­for­der­li­chen Mo­der­ni­sie­rungs­schrit­te nicht ge­hen kann oder will, für den kann ein Un­ter­neh­mens­ver­kauf ei­ne sinn­vol­le Op­ti­on sein. So si­chert man die Be­schäf­ti­gung der meis­ten Mit­ar­bei­ter und sorgt da­für, dass lang-

„Et­li­che Sys­tem­haus-Chefs ha­ben heu­te ein ge­setz­tes Al­ter er­reicht und se­hen sich mit der Fra­ge der Nach­fol­ge­re­ge­lung kon­fron­tiert." Mat­thi­as Za­cher, IDC

jäh­ri­ge Be­stands­kun­den auch in Zu­kunft von se­riö­sen An­bie­tern und teils be­kann­tem Per­so­nal be­treut wer­den kön­nen.

Doch was ist über­haupt ein Sys­tem­haus? Sei­en wir ehr­lich: Die Gren­zen zu IT-Di­enst­leis­tern ver­schwim­men zu­se­hends. Im Vor­jahr ha­ben wir erst­mals T-Sys­tems ins Ran­king auf­ge­nom­men. Da­bei ist das Ge­schäft der Te­le­kom-Toch­ter wohl nur in Tei­len mit dem von Becht­le, Can­com und Co. ver­gleich­bar. T-Sys­tems er­wirt­schaf­tet das Gros sei­ner Er­lö­se mit dem Be­trieb von Re­chen­zen­tren – was bei den klas­si­schen Sys­tem­häu­sern (noch) nicht zum Kern­ge­schäft ge­hört.

Auch Can­com hat mit der Toch­ter Pi­ro­net ei­ge­ne Re­chen­zen­tren im Port­fo­lio. An­de­re Sys­tem­häu­ser bie­ten ent­spre­chen­de Ser­vices nicht aus den ei­ge­nen Re­chen­zen­tren an, son­dern aus de­nen von Co-Lo­ca­ti­on-Part­nern wie Equi­nix (Axi­ans) oder E-Shel­ter (Becht­le). Zum Teil las­sen sie aber auch bei T-Sys­tems hos­ten. E-Shel­ter wie­der­um ist ei­ne Toch­ter des NTTKon­zerns, dem auch Di­men­si­on Da­ta, NTT Da­ta und NNT Se­cu­ri­ty an­ge­hö­ren. Im Teil­markt Da­ta Cen­ter herrscht al­so ei­ne leb­haf­te Co­o­pe­ti­ti­on.

T-Sys­tems wur­de 2017 im Ran­king be­rück­sich­tigt, weil sich das Ge­schäfts­mo­dell von de­nen der „klas­si­schen“Sys­tem­häu­ser im­mer we­ni­ger un­ter­schei­det. Im Üb­ri­gen be­trach­ten die an­de­ren Sys­tem­häu­ser die Te­le­kom-Toch­ter zu­neh­mend als wich­ti­gen Kon­kur­ren­ten.

Den stärks­ten Wett­be­werbs­druck ver­spü­ren die Sys­tem­häu­ser ins­ge­samt aber nicht von den Dick­schif­fen im Markt, son­dern von den „Lo­cal He­roes“(62,8 Pro­zent): Oft sind lo­ka­le An­bie­ter ge­setzt, weil man sich kennt und die lo­ka­le Nä­he ei­ne ein­fa­che­re Zu­sam­men­ar­beit ver­spricht. Un­ter den An­bie­tern, die der­zeit den stärks­ten Wett­be­werbs­druck aus­üben, ist Becht­le mit 51 Pro­zent der Nen­nun­gen vorn. Mit mehr als 60 deutsch­land­weit ver­teil­ten Sys­tem­häu­sern ist das Un­ter­neh­men fast im­mer nah am Kun­den. Eben­falls zu den Schwer­ge­wich­ten ge­hört Can­com/Pi­ro­net. Den Kon­zern aus München be­trach­ten 27,7 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser als Wett­be­wer­ber. Es fol­gen Com­put­a­cen­ter (24,5 Pro­zent) so­wie Di­men­si­on Da­ta und Axi­ans (je­weils 12,8 Pro­zent). Hin­zu kom­men wei­te­re über­re­gio­nal agie­ren­de Sys­tem­häu­ser wie Ce­ma, ACP, SVA, NTT und Con­trol­wa­re so­wie klas­si­sche IT-Di­enst­leis­ter, dar­un­ter et­wa Ac­cen­ture, Atos, Ma­ter­na und an­de­re, die von 17 Pro­zent der von uns be­frag­ten Sys­tem­häu­ser als Kon­kur­ren­ten wahr­ge­nom­men wer­den.

Die Mit­tel­schicht schmilzt

Die Um­fra­ge zeigt, dass die Zahl der Sys­tem­häu­ser mit Jah­res­ein­nah­men von über 250 Mil­lio­nen Eu­ro ge­wach­sen ist: 2015 ge­lang nur zehn Un­ter­neh­men der Sprung über die­se Um­satz­mar­ke, 2016 wa­ren es schon 15. Gleich­zei­tig rü­cken die größ­ten An­bie­ter um­satz­sei­tig en­ger zu­sam­men.

Die An­zahl mit­tel­gro­ßer Sys­tem­häu­ser mit Jah­res­ein­nah­men zwi­schen 50 und 150 Mil­lio­nen Eu­ro nahm im Ver­gleich zum Vor­jahr ab. Wur­den 2016 noch 19 Sys­tem­häu­ser in die­ser Um­satz­klas­se ge­zählt, wa­ren es 2017 nur noch 14. Of­fen­bar wach­sen die grö­ße­ren Sys­tem­häu­ser auf Kos­ten der mit­tel­gro­ßen – nicht zu­letzt durch Ak­qui­si­tio­nen. Auch sorgt der Fo­kus auf Ma­na­ged-Ser­vice- und Cloud-An­ge­bo­te bei man­chen Sys­tem­häu­sern da­für, dass der Um­satz erst ein­mal sta­gniert oder sinkt. Das wird bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, er­for­dert ein Zu­rück­fah­ren des Pro­jekt­ge­schäfts zu­guns­ten des Cloud- und Ma­na­ged-Ser­vice­Bu­si­ness doch – zu­min­dest in der An­fangs­pha­se – die Ver­schie­bung von Um­satz­po­ten­zia­len in die Zu­kunft.

Un­ter den klei­nen Sys­tem­häu­sern mit Jah­res­er­lö­sen bis zu 50 Mil­lio­nen Eu­ro sor­gen im­mer mehr New­co­mer für Be­we­gung. Et­li­che „Bornin-the-Cloud“-Di­enst­leis­ter sind ge­gen­wär­tig da­bei, sich er­folg­reich am Markt zu po­si­tio­nie­ren. Die­se auf­stre­ben­den Un­ter­neh­men

kön­nen zu di­rek­ten Kon­kur­ren­ten klas­si­scher Sys­tem­häu­ser wer­den. Die meis­ten An­wen­der wer­den auf ab­seh­ba­re Zeit hy­bri­de IT-Ar­chi­tek­tu­ren ha­ben. Sie brau­chen so­wohl Kom­pe­ten­zen in tra­di­tio­nel­len Be­rei­chen des Pro­jekt­ge­schäfts als auch aus­ge­präg­tes Clou­dK­now-how. Ko­ope­ra­tio­nen könn­ten da­für ei­ne idea­le Lö­sung sein und al­len Be­tei­lig­ten mehr Wachs­tum be­sche­ren.

Gu­te wirt­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen

Die Kon­junk­tur in Deutsch­land läuft sehr gut. Das spie­gelt sich klar in den Ge­schäfts­er­war­tun­gen der Sys­tem­häu­ser für das Jahr 2017 wi­der. 40 Pro­zent der Be­frag­ten er­war­ten im lau­fen­den Jahr deut­lich hö­he­re Er­lö­se (fünf Pro­zent oder mehr) als im Vor­jahr. Das sind et­wa so vie­le An­bie­ter wie 2016. Als Grund für ih­ren Op­ti­mis­mus nen­nen die Sys­tem­häu­ser die gu­te Wirt­schafts­la­ge (67 Pro­zent) und – un­ab­hän­gig da­von – die be­son­de­re ITK-Kon­junk­tur (60 Pro­zent). Ein­zel­ne Un­ter­neh­men pro­fi­tie­ren von der ge­stie­ge­nen Nach­fra­ge nach Ma­na­ged Ser­vices, den zu­neh­mend ge­frag­ten Re­chen­zen­trums­leis­tun­gen oder auch dem ge­stie­ge­nen Schutz­be­dürf­nis an­ge­sichts stei­gen­der IT-Si­cher­heits­ri­si­ken.

Ne­ben all­ge­mei­nen kon­junk­tu­rel­len Ef­fek­ten we­cken neue Tech­no­lo­gi­en und an­ste­hen­de Um­struk­tu­rie­run­gen das In­ter­es­se an Sys­tem­haus­leis­tun­gen. Da­bei wol­len die Un­ter­neh­men nicht nur Fea­tu­res und Func­tions, sie wol­len ech­te Pro­blem­lö­sun­gen. Für Sys­tem­häu­ser liegt ei­ne gro­ße Chan­ce dar­in, selbst neue Lö­sun­gen zu ent­wi­ckeln oder Teil ei­nes da­mit be­auf­trag­ten Teams zu sein. Das al­ler­dings geht nur, wenn es ge­lingt, Bu­si­ness-Know-how auf­zu­bau­en oder das vor­han­de­ne Wis­sen zu ver­bes­sern.

IT-Me­ga­trends 2017 – al­ter und neu­er Buzz

Kom­men wir zu den IT-Me­ga­trends aus der Per­spek­ti­ve der Sys­tem­häu­ser. Die fünf am häu­figs­ten ge­nann­ten Be­grif­fe sind:

Cy­ber­se­cu­ri­ty (55 Pro­zent der Nen­nun­gen): Es ver­wun­dert nicht, dass die­ses The­ma am häu­figs­ten ge­nannt wird. Ze­ro Day Ex­ploits, kom­ple­xe und fort­ge­schrit­te­ne Cy­ber-Atta­cken und re­gel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Ran­som­wareAn­grif­fe ga­ran­tie­ren ei­ne ho­he Auf­merk­sam­keit. Die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on und das neue Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz sind wei­te­re Aspek­te, die IT-Si­cher­heit und In­for­ma­ti­ons­si­cher­heit weit nach oben auf die Agen­da von Un­ter­neh­men und Sys­tem­häu­sern brin­gen.

Cloud Com­pu­ting (54 Pro­zent): Die Dis­kus­si­on um die Cloud ist in­zwi­schen ge­reift. An­ge­bo­te und Ver­mark­tungs­mo­del­le für Un­ter­neh­men al­ler Bran­chen und Grö­ßen­klas­sen ha­ben sich eta­bliert. Prak­tisch je­de Fach­ab­tei­lung kann Cloud-Ser­vices oder Cloud-Tech­no­lo­gie nut­zen, wenn sie möch­te und darf. Auf­fäl­lig ist, dass fast eben­so vie­le Sys­tem­häu­ser, wie Cloud als Me­ga­trend nen­nen, auch Clou­dSer­vices oder -Tech­no­lo­gie an­bie­ten. Das ist ein deut­li­ches In­diz, dass Cloud Com­pu­ting Com­mo­di­ty wird.

Di­gi­ta­li­sie­rung (52 Pro­zent): Di­gi­ta­li­sie­rung wird häu­fig auf In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie be­schränkt. Bes­ser wä­re es, von di­gi­ta­ler Trans­for­ma­ti­on des Un­ter­neh­mens zu spre­chen. Mo­der­ne IT und ei­ne um­fas­sen­de Nut­zung von Da­ten sind da­bei we­sent­li­che Vor­aus­set­zun­gen. Es liegt in der Na­tur der Din­ge, dass sich be­reits sehr vie­le Sys­tem­häu­ser für die­ses The­ma po­si­tio­nie­ren.

In­dus­trie 4.0/In­ter­net of Things (47 Pro­zent): Wäh­rend sich In­dus­trie 4.0 über­wie­gend auf die Fer­ti­gung be­schränkt, wer­den vom In­ter­net of Things al­le Bran­chen pro­fi­tie­ren. Auch rei­fen die Lö­sungs­an­ge­bo­te im­mer wei­ter. Al­le gro­ßen Her­stel­ler ha­ben ih­re Platt­for­men in Stel­lung ge­bracht. Al­ler­dings ha­ben erst 28 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser ein An­ge­bot oder pla­nen, in Kür­ze An­ge­bo­te zu plat­zie­ren.

Big Da­ta/Bu­si­ness Ana­ly­tics (31 Pro­zent): Ana­ly­tics hat heu­te al­le Lö­sungs­be­rei­che

er­reicht. Egal ob Pro­duk­ti­ons­pla­nung, War­tung, Sys­tem-Ma­nage­ment, Per­so­nal­we­sen oder IT-Se­cu­ri­ty, ana­ly­ti­sche Ver­fah­ren sind über­all prä­sent. Mit künst­li­cher In­tel­li­genz, Ma­chi­ne Le­arning und Co­gni­ti­ve Com­pu­ting ste­hen be­reits die nächs­ten da­ten­ge­trie­be­nen An­sät­ze in den Start­lö­chern. Al­le die­se Tech­no­lo­gi­en ver­fü­gen über gro­ßes Po­ten­zi­al für in­ter­es­san­te Lö­sungs­sze­na­ri­en.

In­ter­es­san­te The­men sind aus Sicht der Sys­tem­häu­ser au­ßer­dem Un­ter­neh­mens-Pro­zess­be­ra­tung jen­seits der Tech­no­lo­gi­en (28 Pro­zent), Soft­ware-de­fi­ned Dat­a­cen­ter (26), Uni­fied Com­mu­ni­ca­ti­ons & Col­la­bo­ra­ti­on (23), künst­li­che In­tel­li­genz (21) so­wie Aug­men­ted und Vir­tu­al Rea­li­ty (18). Neu­es­te Tech­no­lo­gie­ent­wick­lun­gen wie Block­chain und 3D-Druck lie­gen mit 14 be­zie­hungs­wei­se elf Pro­zent der Nen­nun­gen zu­rück.

Erst fünf Pro­zent der Sys­tem­häu­ser be­schäf­ti­gen sich ak­tiv mit der Block­chain, den­noch ist es be­mer­kens­wert, wie vie­le Sys­tem­häu­ser be­reits von ei­nem „Me­ga­trend“re­den. Das Bei­spiel zeigt: Tech­no­lo­gi­en rei­fen heu­te schnel­ler als frü­her, sie for­dern Sys­tem­häu­ser her­aus, sich früh­zei­tig da­zu zu po­si­tio­nie­ren.

Al­te Sor­gen und neue Bau­stel­len

Ei­gent­lich ha­ben die meis­ten Sys­tem­häu­ser ein Lu­xus­pro­blem: An­ge­sichts der gu­ten Auf­trags­la­ge könn­ten sie der Ver­su­chung er­lie­gen, ei­ne lang­fris­ti­ge Neu­aus­rich­tung des Un­ter­neh­mens vor sich her­zu­schie­ben. Tat­säch­lich plagt die An­bie­ter aber ei­ne gro­ße Sor­ge, die sie mit den IT-Ab­tei­lun­gen in An­wen­der­un­ter­neh­men tei­len: der Fach­kräf­te­man­gel.

Der hat zu­letzt noch ein­mal deut­lich zu­ge­legt. In un­se­rer letzt­jäh­ri­gen Um­fra­ge be­nann­ten 64 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser das Feh­len von Ta­len­ten als größ­tes Han­di­cap. In die­sem Jahr klet­tert der Wert so­gar auf 82 Pro­zent. Na­he­zu al­le drückt hier der Schuh, und die Lö­sungs­an­sät­ze sind über­schau­bar. Sie be­ste­hen et­wa dar­in, Fach­leu­te von Wett­be­wer­bern weg­zu­lot­sen, pro­jekt­be­zo­ge­ne Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren Sys­tem­häu­sern und Be­ra­tern an­zu­stre­ben, die Aus­bil­dung und Qua­li­fi­zie­rung von Spe­zia­lis­ten im ei­ge­nen Haus an­zu­schie­ben oder – so weit mög­lich – Fach­kräf­te aus dem Aus­land an­zu­wer­ben. Im­mer­hin ist mit­tel­fris­tig wohl zu er­war­ten, dass IT-Spe­zia­lis­ten „frei“wer­den, wenn sich die Au­to­ma­ti­sie­rung der IT-In­fra­struk­tu­ren in den nächs­ten Jah­ren groß­flä­chig durch­setzt. Doch auch dann wird die Fra­ge im Raum ste­hen, ob die ver­füg­ba­ren Skills zu den ei­ge­nen An­for­de­run­gen pas­sen.

Pro­ble­ma­tisch könn­te sich für vie­le Sys­tem­häu­ser auch die Tat­sa­che ent­wi­ckeln, dass die

Ge­schäfts­mo­del­le in Ve­rän­de­rung sind – auch wenn knapp 70 Pro­zent kei­nen Grund für ei­nen grund­le­gen­den Um­bau se­hen. Tat­sa­che ist aber, dass vie­le Sys­tem­häu­ser das zu­neh­men­de Di­rekt­ge­schäft der IT-Her­stel­ler zu spü­ren be­kom­men wer­den. 21 Pro­zent sor­gen sich denn auch über die­sen zu­neh­men­den Wett­be­werbs­druck. 19 Pro­zent lei­den un­ter sich ver­schlech­tern­den Ge­winn­mar­gen be­zie­hungs­wei­se ho­hen Kos­ten. Und zwölf Pro­zent ver­spü­ren ei­nen zu­neh­men­den Wett­be­werbs­druck durch die Ab­wan­de­rung von Kun­den zu neu­en Play­ern.

Zu den eben­falls ge­nann­ten Nö­ten ge­hö­ren ver­än­der­te Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Füh­rungs­mo­del­le (16 Pro­zent), die un­ge­klär­te Nach­fol­ge­re­ge­lung (zehn Pro­zent) und feh­len­de Li­qui­di­tät so­wie sons­ti­ge Fi­nan­zie­rungs­fra­gen.

Cloud Com­pu­ting än­dert vie­les

In den nächs­ten Jah­ren wer­den An­wen­der­un­ter­neh­men mas­siv in Cloud-Lö­sun­gen in­ves­tie­ren. IDC pro­gnos­ti­ziert für Pu­b­lic-Cloud-Ser­vices für das Jahr 2020 al­lein in Deutsch­land ein Vo­lu­men von knapp zehn Mil­li­ar­den Eu­ro bei ei­nem durch­schnitt­li­chen jähr­li­chen Wachs­tum von rund 25 Pro­zent bis da­hin. Wir ha­ben un­se­re Pro­gno­se auf­grund der ra­san­ten Zu­nah­me ent­spre­chen­der Pro­jek­te ge­gen­über dem Vor­jahr et­was an­ge­ho­ben. Zwei Drit­tel der Aus­ga­ben flie­ßen ak­tu­ell in Soft­ware as a Ser­vice (SaaS), das rest­li­che Drit­tel in Plat­form und In­fra­struc­tu­re as a Ser­vice (PaaS, IaaS). Die Aus­ga­ben für Pri­va­te Clouds wer­den in den Un­ter­neh­men eben­falls wei­ter stei­gen. IDC schätzt, dass die­ser Markt zwi­schen 2017 und 2020 jähr­lich um durch­schnitt­lich knapp 18 Pro­zent wach­sen wird.

Nach­dem vie­le Un­ter­neh­men das The­ma Cloud in den ver­gan­ge­nen Jah­ren op­por­tu­nis­tisch vor­an­ge­trie­ben ha­ben, ist für 2018 ein Per­spek­tiv­wech­sel zu er­war­ten. Cloud Com­pu­ting wird mit­tel­fris­tig das be­herr­schen­de IT-Ar­chi­tek­turMo­dell und das tech­no­lo­gi­sche Frame­work für die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on. Deut­sche Un­ter- neh­men kön­nen, un­ter­stützt durch Cloud Com­pu­ting, Nut­zen aus der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on zie­hen – und die Sys­tem­häu­ser kön­nen ih­nen da­bei hel­fen.

Die ra­sche Ver­brei­tung von Cloud-Ser­vices hat in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten vie­le Markt­teil­neh­mer über­rascht, doch sie ist nach­voll­zieh­bar. So gibt es in­zwi­schen ein brei­tes An­ge­bot, au­ßer­dem tra­gen die Pro­vi­der den Si­cher­heits­be­dürf­nis­sen der hie­si­gen Un­ter­neh­men Rech­nung, in­dem sie Da­ten und Ser­vices in Deutsch­land hos­ten. Zu­dem hat auch der Chan­nel Fahrt auf­ge­nom­men in der Ver­mark­tung von Cloud-An­ge­bo­ten. In der Fol­ge sind im­mer mehr Un­ter­neh­men be­reit, in Cloud-Ser­vices und Tech­no­lo­gie zu in­ves­tie­ren.

Hy­brid Cloud und Mul­ti-Cloud

SaaS und PaaS sind heu­te am häu­figs­ten im Ein­satz, ge­folgt von En­ter­pri­se Pri­va­te Clouds und Hosted Pri­va­te Clouds. Hy­bri­de Clouds wer­den für im­mer mehr Un­ter­neh­men zu ei­ner gu­ten Mög­lich­keit, ih­re Res­sour­cen zu op­ti­mie­ren, und Mul­ti-Cloud-Kon­zep­te be­frie­di­gen den Be­darf, die je­weils pas­sen­de Lö­sung aus ei­nem brei­ten, teils spe­zia­li­sier­ten An­ge­bots­spek­trum zu wäh­len.

In vie­len mit­tel­stän­di­schen und gro­ßen Un­ter­neh­men fin­det sich heu­te ein Sam­mel­su­ri­um aus Cloud-Ser­vices und her­kömm­li­cher IT, die oft ne­ben­ein­an­der und oh­ne über­grei­fen­den An­satz exis­tie­ren. Für Sys­tem­häu­ser, Pro­vi­der und Be­ra­tungs­un­ter­neh­men so­wie Sys­tem­in­te­gra­to­ren bie­ten sich da­her gu­te Er­folgs­und Wachs­tums­chan­cen im Ver­trieb von Cloud-Ser­vices und Cloud-Tech­no­lo­gie so­wie in der In­te­gra­ti­on he­te­ro­ge­ner Land­schaf­ten. Ei­ne ak­tu­el­le Be­fra­gung von IDC zeigt, dass die Un­ter­neh­men zwar Cloud-Ser­vices nut­zen, von ei­ner um­fas­sen­den ver­ti­ka­len Durch­drin­gung aber meis­tens weit ent­fernt sind. Le­dig­lich 20 Pro­zent ver­wei­sen auf ei­ne in­ten­si­ve Nut­zung oder gar ei­nen „Cloud-First-An­satz“.

Wie die ak­tu­el­le Um­fra­ge zeigt, wol­len die meis­ten Sys­tem­häu­ser in den nächs­ten ein bis zwei Jah­ren in den Be­rei­chen Desk­top as a Ser­vice, Se­cu­ri­ty as a Ser­vice so­wie PaaS und SaaS stär­ker ak­tiv wer­den.

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