Die di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on er­höht die An­for­de­run­gen an SAP-Be­ra­ter

Im Zu­ge der Di­gi­ta­li­sie­rung än­dert sich der Job des SAP-Be­ra­ters kom­plett. Das frü­he­re Be­rufs­bild, in des­sen Mit­tel­punkt die An­pas­sung von SAP-Soft­ware an Be­dürf­nis­se und Pro­zes­se der An­wen­der­un­ter­neh­men stand, fa­sert heu­te in di­ver­se Rich­tun­gen aus.

Computerwoche - - Job & Karriere - Von Mar­kus Kel­ler­mey­er, Lei­tung Be­ra­tung/Vice Pre­si­dent Con­sul­ting Ser­vices bei Itel­li­gence

Die Luft in der SAP-Be­ra­tung ist dünn. Gu­te Be­ra­ter sind ge­fragt und kön­nen sich ih­re Ar­beit­ge­ber aus­su­chen. Aber sie wer­den nicht um­sonst sorg­fäl­tig aus­ge­sucht, stark ge­för­dert und hoch be­zahlt: Auf ei­nen Be­ra­ter war­ten täg­lich un­vor­her­seh­ba­re Her­aus­for­de­run­gen. Sie ver­lan­gen nicht nur ein brei­tes Wis­sen über Pro­zes­se und die Gren­zen des tech­nisch Mach­ba­ren, son­dern auch Soft Skills wie Ver­hand­lungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­schick. Wer sich Blö­ßen gibt, er­lei­det Rück­schlä­ge. Doch wie kann man im Stru­del der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on und an­ge­sichts der Ge­schwin­dig­keit der tech­ni­schen Ent­wick­lung am Puls der Zeit blei­ben? Die wich­tigs­ten Pra­xis­tipps, um ein Top­be­ra­ter zu wer­den und auf Jah­re hin­aus zu blei­ben, sind die fol­gen­den sie­ben: 1. Be­ob­ach­ten Sie den Markt für neue Ge­rä­te In den ver­gan­ge­nen Jah­ren stell­ten im­mer mehr Un­ter­neh­men fest, dass sie zahl­rei­che Pro­zes­se durch Ta­blets und Smart­pho­nes mas­siv be­schleu­ni­gen kön­nen. Das hat bei­spiels­wei­se Da­ten­er­fas­sung, La­ger­hal­tung und Lo­gis­tik ver­än­dert. Be­ra­ter soll­ten ge­nau be­ob­ach­ten, ob sich mit mo­bi­len End­ge­rä­ten wich­ti­ge Da­ten für das Ge­schäft ge­ne­rie­ren und er­fas­sen oder Pro­zes­se ver­ein­fa­chen las­sen. Nie­mand er­war­tet, dass SAP-Be­ra­ter selbst ein Fit­ness-Arm­band, ei­ne Smart­watch oder ei­ne Da­ten­bril­le tra­gen. Aber sie soll­ten über die­se Trends im Bil­de sein und sich stän­dig fra­gen, ob in­dus­trietaug­li­che Ge­schwis­ter die­ser Con­su­mer-Ge­rä­te dem Un­ter­neh­men und sei­nen Mit­ar­bei­tern neue Chan­cen bie­ten, pro­duk­ti­ver zu wer­den. Hard­ware­an­ge­bo­te für die In­dus­trie las­sen sich oft kun­den­in­di­vi­du­ell mit ge­nau den Funk­tio­nen be­stü­cken, die ein Un­ter­neh­men für sei­ne Pro­zes­se braucht. In­ter­es­sant ist ne­ben der im­mer stei­gen­den Re­chen­power der klei­nen Ge­rä­te ins­be­son­de­re die Sen­so­rik. Das Wis­sen dar­über, dass Da­ten zu Vi­bra­ti­on, Luft­feuch­tig­keit, Ge­schwin­dig­keit, Po­si­ti­on und La­ge von Ge­rä­ten im­mer ver­füg­bar sind und Da­ten auf Dau­er aus­wert­bar blei­ben, öff­net neue Ho­ri­zon­te.

2. Nut­zen Sie neue Tech­no­lo­gi­en Nicht nur hard­ware-, auch soft­ware­sei­tig sind stän­di­ge Fort­schrit­te zu be­ob­ach­ten – et­wa hin­sicht­lich Big Da­ta, Ma­chi­ne Le­arning, Vir­tu­al Rea­li­ty oder Sprach­er­ken­nung und -steue­rung. Die zen­tra­le tech­ni­sche In­no­va­ti­on der letz­ten Jah­re in der SAP-Welt ist SAP HA­NA.

Die Chan­ce, Un­ter­neh­men ei­ne „Sing­le Sour­ce of Truth“für ih­re Da­ten zu ge­ben, mit der auch kom­ple­xes­te Ana­ly­sen in Bruch­tei­len von Se­kun­den und im­mer auf der Ba­sis der Echt­zeit­da­ten er­hält­lich sind, bie­tet ei­nen neu­en Ein­blick. Die­se Da­ten las­sen sich nut­zen für Con­trol­ling, Bu­si­ness In­tel­li­gence, die Wa­ren­hal­tung, Pre­dic­tive Ana­ly­tics und das Mar­ke­ting. Dar­über hin­aus sind auf Ba­sis von HA­NA Kle­in­st­ap­pli­ka­tio­nen und be­nut­zer­freund­li­che­re GUIs mög­lich.

3. Ler­nen Sie von an­de­ren Un­ter­neh­men In Bran­chen wie Lo­gis­tik, Ban­king oder Han­del ver­än­dert die Di­gi­ta­li­sie­rung die Pro­zes­se schnell wie nie. Wer sei­ne Kun­den be­ra­ten will, wie sie die Chan­cen der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on am bes­ten nut­zen kön­nen, soll­te sich An­re­gun­gen bei an­de­ren Fir­men ho­len. Ge­ra­de Bei­spie­le aus an­de­ren Bran­chen kön­nen die nö­ti­ge dis­rup­ti­ve Ener­gie ha­ben, um den ei­ge­nen Kun­den ei­nen dau­er­haf­ten Vor­teil zu ver­schaf­fen. Doch wo er­hält man die In­for­ma­tio­nen? Fach­me­di­en, Her­stel­ler und Di­enst­leis­ter ver­öf­fent­li­chen Ca­se-Stu­dies. Fach­kon­fe­ren­zen bie­ten ent­spre­chen­de Vor­trä­ge und zu­dem span­nen­de Net­wor­king-Mög­lich­kei­ten.

4. Ver­net­zen Sie sich mit Ex­per­ten Un­ab­hän­gig da­von, wie viel man lernt und weiß – das Nicht­wis­sen bleibt im­mer grö­ßer als das Wis­sen. Der ein­zi­ge Trost: In der Zu­sam­men­ar­beit mit wei­te­ren Ex­per­ten kann man sei­ne ei­ge­nen Ur­tei­le ver­bes­sern, neue Lö­sungs­an­sät­ze fin­den und die ei­ge­nen blin­den Fle­cken auf­lö­sen. Die Be­reit­schaft, auf an­de­re zu hö­ren, er­spart man­chen Är­ger. Schon früh in sei­ner Kar­rie­re soll­te sich der SAP-Be­ra­ter an­ge­wöh­nen, die Kon­tak­te mit sol­chen Kol­le­gen zu pfle­gen, auf de­ren Ein­schät­zun­gen man be­son­de­ren Wert legt. Zu den Ge­pflo­gen­hei­ten ge­hört selbst­ver­ständ­lich auch, selbst groß­zü­gig zu sein und sich die Zeit zu neh­men, wenn man um sei­ne Mei­nung ge­fragt wird.

Je nach Art und Um­fang ei­ner Her­aus­for­de­rung soll­te man die di­rek­ten Team­kol­le­gen ein­be­zie­hen, aber manch­mal auch Ex­per­ten aus dem gan­zen Un­ter­neh­men, bei Be­darf welt­weit. Zu­dem ist es sinn­voll, ein ei­ge­nes pri­va­tes Um­feld an SAP-Pro­fis auf­zu­bau­en und zu nut­zen. Ge­lingt es, das Know-how vie­ler Ex­per­ten zu kom­bi­nie­ren, kann ein gro­ßer Mehr­wert für den Kun­den ent­ste­hen. Gu­ter Rat ist meist gar nicht so teu­er – aber un­be­zahl­bar. Top­be­ra­ter sind im­mer auch Top­netz­wer­ker.

5. Le­bens­lan­ges Ler­nen ist ein Muss Wer fünf oder zehn Jah­re in der SAP-Be­ra­tung ge­ar­bei­tet hat, bei dem senkt sich der Stress­Le­vel all­mäh­lich. Das ist gut. Gleich­zei­tig schleicht sich aber manch­mal ei­ne Rou­ti­ne ein, die Ri­si­ken birgt. Wer an sich be­ob­ach­tet, dass er dünn­häu­tig wird, weil er zum Bei­spiel Rück­fra­gen er­hält zu Tä­tig­kei­ten, die er seit Jah­ren auf die glei­che Wei­se er­le­digt, soll­te das als Warn­si­gnal wer­ten. Wer im Top­seg­ment be­rät, muss kri­tik­fä­hig blei­ben. Die Of­fen­heit für Neu­es ist Teil des Er­folgs­re­zepts der bes­ten Be­ra­ter.

6. Kom­mu­ni­zie­ren Sie Zwi­schen­er­fol­ge Statt mo­no­li­thi­scher, un­be­weg­li­cher Sys­te­me be­nö­ti­gen Un­ter­neh­men heu­te agi­le und in­te­gra­ti­ons­fä­hi­ge Da­ten­in­fra­struk­tu­ren, Clou­dAn­wen­dun­gen oder On-Pre­mi­se-Lö­sun­gen, die sich stän­dig ver­bes­sern. Es ist kei­ne Lö­sung mehr, dem Ma­nage­ment Ge­duld zu pre­di­gen und dann nach zwei Jah­ren fer­ti­ge Sys­te­me zu prä­sen­tie­ren, die nur das tun, was der Kun­de vor 24 Mo­na­ten ha­ben woll­te. Statt­des­sen gilt es, stän­di­ge Ver­bes­se­run­gen zu le­ben, in­dem die Pro­duk­ti­vi­tät des Un­ter­neh­mens in klei­nen Schrit­ten ge­stei­gert wird. Zwi­schen­er­fol­ge zu ge­ne­rie­ren und sie zu kom­mu­ni­zie­ren, ge­hört zur Kunst­fer­tig­keit des SAP-Be­ra­ters.

7. Ler­nen Sie die C-Le­vel-Spra­che Je­de Com­mu­ni­ty hat ih­re ei­ge­ne Spra­che. SAPBe­ra­ter kom­men häu­fig aus der tech­ni­schen oder der fach­li­chen Com­mu­ni­ty ei­ner Bran­che. In der Ver­gan­gen­heit hat es ge­reicht, die Spra­che ei­ner die­ser Com­mu­nities zu spre­chen. Mit der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on än­dert sich das.

Die IT ist zur Chef­sa­che ge­wor­den und da­mit zu ei­nem ge­wis­sen Grad auch die SAP-Land­schaft. Wer mit dem CEO spricht, als be­fin­de er sich in ei­nem In­for­ma­tikse­mi­nar oder auf ei­nem Lo­gis­tik­kon­gress, muss sich zu Recht Fach­sim­pe­lei vor­wer­fen las­sen. Das Top­ma­nage­ment zu über­zeu­gen, ver­langt, sich des­sen Vo­ka­bu­lar und Grund­in­ter­es­sen an­zu­nä­hern. Lohnt sich ein Pro­jekt be­triebs­wirt­schaft­lich? Ist es da­ten­schutz­recht­lich zu­läs­sig? Las­sen sich die ge­schäft­li­chen Ri­si­ken quan­ti­fi­zie­ren? Sol­che Fra­gen muss ein SAP-Be­ra­ter be­ant­wor­ten kön­nen.

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