Der Di­gi­tal­chef ist mu­tig und wagt im­mer mal was Neu­es

Computerwoche - - Job & Karriere -

In vie­len Un­ter­neh­men lau­tet nach wie vor die De­vi­se „Al­les oder nichts“, wenn es dar­um geht, Trends auf­zu­grei­fen und um­zu­set­zen. Per­so­nal­be­ra­ter Dwight Cribb er­mun­tert im CW-Ge­spräch die Chefs, mu­tig zu sein, öf­ter neue Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und ih­ren Mit­ar­bei­tern mehr zu­zu­trau­en.

CW: Fir­men sind si­cher froh, wenn sie heu­te Füh­rungs­kräf­te ha­ben, die er­ken­nen kön­nen, ob die stän­dig neu auf­tre­ten­den Tech­no­lo­gie­trends nur kurz­le­big sind oder dis­rup­ti­ve Ve­rän­de­run­gen be­wir­ken. Wie kön­nen Un­ter­neh­men nun die­ses Know-how in­tern ent­wi­ckeln?

CRIBB: Am bes­ten durch Aus­pro­bie­ren. Vie­le Un­ter­neh­men ha­ben ei­ne eher ab­so­lu­tis­ti­sche Sicht auf Trends: Ent­we­der sie igno­rie­ren sie, weil sie den­ken, sie sei­en ir­re­le­vant. Oder sie glau­ben, wenn sie den Trend auf­grei­fen, dann rich­tig. Und dann ma­chen sie gleich ein gro­ßes Pro­jekt dar­aus, mit gro­ßem Bud­get, Las­ten­heft, Pflich­ten­heft und und und. Ein rich­ti­ges Er­folgs-Con­trol­ling fin­det da­bei vor, wäh­rend und nach dem Pro­jekt nicht statt.

CW:

Ihr Vor­schlag?

CRIBB: Un­ter­neh­men soll­ten eher auf Me­tho­den set­zen, die an Le­an-Star­t­up-Me­tho­den er­in­nern: Aus­pro­bie­ren, ex­pe­ri­men­tie­ren, au­ßer­halb der Kern­stra­te­gie klei­ne Pro­jek­te auf­set­zen und Er­fah­run­gen sam­meln. Ein spie­le­ri­sches Her­an­ge­hen mit klei­ne­ren Bud­gets und Her­an­ge­hens­wei­sen fin­den, die viel­ver­spre­chend er­schei­nen. Im An­schluss kön­nen die­se Klein­pro­jek­te dann in ei­nem grö­ße­ren Pro­jekt va­li­diert wer­den.

CW: Und wor­an ha­pert es?

CRIBB: Die­ses schritt­wei­se Vor­an­ge­hen ist in vie­len Fir­men nicht ver­an­kert. Häu­fig schei­tert es schon an den nicht vor­han­de­nen fi­nan­zi­el­len und stra­te­gi­schen Frei­ga­ben. Es heißt al­so: Ent­we­der ganz oder gar nicht! Fir­men brau­chen aber die­se Spiel­wie­sen, auf de­nen klei­ne Pro­jekt­teams Din­ge aus­pro­bie­ren kön­nen und dann auch schnell mer­ken, ob ein Trend zum Un­ter­neh­mens­er­folg bei­trägt oder ob es sich nur um ei­nen Hy­pe han­delt. Das über­prüft man am bes­ten in der Rea­li­tät.

CW: Mit Ve­rän­de­run­gen um­zu­ge­hen ist zum Kern der Ma­nage­ment-Auf­ga­be ge­wor­den. Wel­che Skills muss ei­ne mo­der­ne Füh­rungs­kraft mit­brin­gen, um er­folg­reich zu sein?

CRIBB: Es geht in ers­ter Li­nie um den Um­gang mit „VUCA“– das be­deu­tet Vo­la­ti­li­ty (Un­be­stän­dig­keit), Un­cer­tain­ty (Un­ge­wiss­heit), Com­ple­xi­ty (Kom­ple­xi­tät) und Am­bi­va­lence (Mehr­deu­tig­keit). Die­se vier Punk­te be­schrei­ben die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen sich Un­ter­neh­men und Füh­rungs­kräf­te stel­len müs­sen. Denn statt ei­ner li­nea­ren Wei­ter­ent­wick­lung gibt es heu­te im­mer häu­fi­ger gro­ße Ver­wer­fun­gen. Vie­le Fak­to­ren der Wirt­schaft ent­wi­ckeln sich schnell wei­ter, zum Bei­spiel das Kon­su­men­ten­ver­hal­ten oder das Wett­be­werbs­um­feld. Vor­her­sa­gen zu tref­fen, was sich wie schnell durch­setzt, wird im­mer schwie­ri­ger. Ma­na­ger müs­sen da­her mit ei­nem hö­he­ren Maß an Un­si­cher­heit und Ve­rän­de­rung um­ge­hen kön­nen.

CW: Kon­kret – wel­chen Ma­na­ger-Typ brau­chen die Ar­beit­ge­ber heu­te?

CRIBB: Wir su­chen in den we­nigs­ten Fäl­len nach Tech­no­lo­gen. Viel­mehr braucht es Füh­rungs­kräf­te, die die Welt, wie sie ist und wie sie wird, be­wer­ten und für ihr Un­ter­neh­men über­le­gen: „Was ist un­ser Platz in der Welt heu­te und was kann er zu­künf­tig sein? Was heißt das für die Kun­den­er­war­tun­gen? Und für die Art, wie wir un­se­re Leis­tung er­brin­gen oder Pro­duk­te ent­wi­ckeln?“Erst nach­dem die­se Fra­gen be­ant­wor­tet sind, geht es auch um die Ve­rän­de­rung der Tech­no­lo­gi­en.

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