Open Da­ta Initia­ti­ve – mehr als ein Pa­pier­ti­ger?

Mi­cro­soft, SAP und Ado­be wol­len ih­rer Kli­en­tel mit der „Open Da­ta Initia­ti­ve“zu ei­nem si­lo­über­grei­fend ein­heit­li­chen Blick auf den Kun­den ver­hel­fen. Die Be­to­nung liegt auf „wol­len“.

Computerwoche - - Editorial - Herz­lich, Ihr

Als Mi­cro­soft auf sei­ner Ent­wick­ler­kon­fe­renz Igni­te ge­mein­sam mit SAP und Ado­be die Open Da­ta Initia­ti­ve aus der Tau­fe hob, la­gen sich die CEOs der drei Soft­ware-Rie­sen glück­strah­lend in den Ar­men. Es gab ja auch Gro­ßes zu ver­kün­den: Der Da­ten­aus­tausch zwi­schen den Zu­kunfts­platt­for­men die­ser Play­er soll durch ein ein­heit­li­ches Da­ten­mo­dell und ei­nen ge­mein­sa­men Da­ten­pool auf der Ba­sis von Mi­cro­soft Azu­re ein­fa­cher wer­den (sie­he Sei­te 30). Un­ter­neh­men könn­ten dann auf ei­nen ge­mein­sa­men, be­rei­nig­ten Da­ten­be­stand zu­rück­grei­fen, um Trans­ak­ti­ons-, Be­triebs-, Kun­denoder IoT-Da­ten über­grei­fend zu nut­zen. Und ganz ne­ben­bei wä­re das wohl auch ein gu­ter Grund für die Kun­den, schleu­nigst auf Pro­duk­te wie Mi­cro­soft Azu­re und Mi­cro­soft 365, SAP S/4HANA und C/4HANA so­wie die Ado­be Ex­pe­ri­ence Plat­form zu wech­seln.

Die Fra­ge ist nur, ob und wie weit die Initia­ti­ve tat­säch­lich um­ge­setzt wird. Die Wahr­schein­lich­keit ist groß, dass wir es ein­mal mehr mit ei­ner die­ser Her­stel­ler­initia­ti­ven zu tun ha­ben, die am En­de fol­gen­los ver­puf­fen. Der Ver­dacht liegt schon des­halb na­he, weil die An­bie­ter ge­ra­de im Be­reich Cust­o­m­er Ma­nage­ment hart­nä­cki­ge Wett­be­wer­ber sind. Hin­zu kommt, dass die ein­zu­bin­den­den Platt­for­men, An­wen­dun­gen und Da­ten­mo­del­le he­te­ro­gen sind und zu­dem un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben rund um Ver­trieb und Mar­ke­ting adres­sie­ren. Vor dem Hin­ter­grund ist es wohl kein Zu­fall, dass die drei Soft­ware-Gi­gan­ten we­der ei­ne kla­re Road­map noch ir­gend­ei­nen Ter­min für ihr Vor­ha­ben vor­ge­legt ha­ben. Den­noch wol­len wir nicht un­ken: Die Open Da­ta Initia­ti­ve zeigt, dass die Her­stel­ler ge­nau wis­sen, wo ih­re Kun­den der Schuh drückt. Jetzt ha­ben sich die füh­ren­den Soft­ware­häu­ser weit aus dem Fens­ter ge­lehnt und müs­sen zei­gen, wie wich­tig ih­nen die Zuf­rie­den­heit ih­rer Kun­den wirk­lich ist.

Hein­rich Vas­ke, Edi­to­ri­al Di­rec­tor

Hein­rich Vas­ke, Edi­to­ri­al Di­rec­tor

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