In­ter­ne­ter­fin­der Tim Ber­ners-Lee will das World Wi­de Web neu er­fin­den

Computerwoche - - Markt -

Im Jahr 1989 ent­warf Tim Ber­ner­sLee am CERN in Genf die Grund­la­gen für ein Sys­tem, dass den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen ver­schie­de­nen welt­weit ver­teil­ten For­schungs­in­sti­tu­ten ver­bes­sern soll­te. Die­se Ar­beit gilt als Ge­burts­stun­de des In­ter­net. Heu­te, fast 30 Jah­re spä­ter, ist der Er­fin­der un­glück­lich über die Geis­ter, die er da­mals rief.

„Ich ha­be im­mer ge­glaubt, dass das In­ter­net für al­le da ist“, sagt Ber­ners-Lee. „Aber trotz all dem Gu­ten, das wir er­reicht ha­ben, hat sich das Web heu­te zu ei­nem Mo­tor der Un­ge­rech­tig­keit und Spal­tung ent­wi­ckelt“, kon­sta­tiert der Wis­sen­schaft­ler und kri­ti­siert in ers­ter Li­nie die gro­ßen Web-Kon­zer­ne wie Ama­zon, Face­book und Goog­le. Das In­ter­net sei be­ein­flusst von mäch­ti­gen Kräf­ten, die es für ih­re ei­ge­nen Zwe­cke nutz­ten. „Ich glau­be, dass wir ei­nen kri­ti­schen Punkt er­reicht ha­ben und dass ein Wan­del zum Bes­se­ren mög­lich, ja not­wen­dig ist.“

Nut­zer er­hal­ten Da­ten­ho­heit

Um die Wen­de vor­an­zu­trei­ben, hat Ber­ners-Lee sei­ne Auf­ga­ben beim World Wi­de Web Con­sor­ti­um (W3C) und dem Mas­sa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy (MIT) nie­der­ge­legt und ge­mein­sam mit John Bru­ce, dem Ex-CEO des von IBM über­nom­me­nen Cy­ber­se­cu­ri­ty-Spe­zia­lis­ten Resi­li­ent, das Un­ter­neh­men In­rupt aus der Tau­fe ge­ho­ben. Ziel der Com­pa­ny ist nicht mehr und nicht we­ni­ger, als das Web den gro­ßen Kon­zer­nen zu ent­rei­ßen und kom­plett neu zu er­fin­den. Ge­lin­gen soll dies mit der von In­rupt ent­wi­ckel­ten Platt­form „So­lid“, die auf For­schun­gen am MIT zu­rück­geht. Wich­tigs­tes Ziel von So­lid: In­ter­net­nut­zer sol­len die voll­stän­di­ge Kon­trol­le dar­über be­kom­men, was mit ih­ren Da­ten im Netz pas­siert – al­so wo Da­ten ge­spei­chert wer­den und wer dar­auf zu­grei­fen darf. Dreh- und An­gel­punkt ist ein so­ge­nann­ter Per­so­nal On­line Da­ta Store (POD).

In­ner­halb die­ses Da­ten­safes kön­nen An­wen­der für die dort ab­ge­leg­ten In­hal­te Le­se- und Schreib­rech­te ver­ge­ben. In­te­griert sind au­ßer­dem von So­ci­al Net­works be­kann­te Funk­tio­nen wie Tei­len, Li­ken, Kom­men­tie­ren und Feeds. Dar­über hin­aus gibt es Funk­tio­nen wie Adress­buch, Ka­len­der und On­line-Mee­tings. Die Ent­wick­lung ent­spre­chen­der Apps ste­he al­len of­fen, hieß es. Die So­lid-Soft­ware ist open sour­ce ver­füg­bar.

Es sei Zeit für ei­ne Wen­de, sagt Tim Ber­ners-Lee und for­dert ei­nen Neu­an­fang für das World Wi­de Web. Da­bei hel­fen sol­len sein Un­ter­neh­men In­rupt und des­sen Platt­form So­lid. Nut­zer er­hiel­ten da­mit die Ho­heit über ih­re Da­ten zu­rück. Und mit in­te­grier­ten So­ci­al-Me­dia-Funk­tio­nen brau­che es ei­ne Fir­ma wie Face­book gar nicht mehr, so der In­ter­ne­ter­fin­der.

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