Vom Kis­ten­schie­ber zum Ma­na­ged Ser­vices Pro­vi­der

Computerwoche - - Spezial Systemhaus - Von Mat­thi­as Za­cher, Ma­na­ger Re­se­arch & Con­sul­ting bei IDC, und Ro­nald Wilt­schek, Chef­re­dak­teur Chan­nelPart­ner

Die deut­schen Sys­tem­häu­ser sind gut im Ge­schäft. Vie­le An­wen­der­un­ter­neh­men la­gern im­mer mehr IT-Di­ens­te an ex­ter­ne Pro­vi­der aus. Das heißt aber auch, dass die Ver­ant­wor­tung, die die Part­ner schul­tern müs­sen, grö­ßer wird. Da­bei wer­den die Auf­ga­ben ge­wiss nicht leich­ter – an­ge­sichts der vie­len neu­en Tech­no­lo­gi­en, die es im ei­ge­nen Pro­dukt- und Ser­vice­port­fo­lio zu be­rück­sich­ti­gen gilt, und des dra­ma­ti­schen Fach­kräf­te­man­gels auf dem Markt.

Die Sys­tem­häu­ser trei­ben mit Hoch­druck ih­ren Rol­len­wan­del vor­an – hin zu Ma­na­ged Ser­vices Pro­vi­ders und Trusted Ad­vi­sors. Und die Kun­den dan­ken es ih­nen: Sie la­gern im­mer mehr IT-Di­ens­te an ex­ter­ne An­bie­ter aus und ver­trau­en ih­nen zu­neh­mend auch Kron­ju­we­len wie ERP- oder CRM-Da­ten an. Das be­deu­tet im Ge­gen­zug je­doch auch, dass die Sys­tem­häu­ser mehr Ver­ant­wor­tung für den IT-Be­trieb und da­mit das Ge­schäft ih­rer Kun­den über­neh­men müs­sen.

Sys­tem­haus­ge­schäf­te lau­fen gut

Das scheint zu funk­tio­nie­ren, wie die gut lau­fen­den Ge­schäf­te zei­gen. Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten wir an die­ser Stel­le fest­ge­stellt, dass die Mas­se der Sys­tem­häu­ser seit Jah­ren stei­gen­de Um­sät­ze er­zielt. Und auch für 2018 er­war­ten 88 Pro­zent der Un­ter­neh­men hö­he­re Ein­nah­men als im Vor­jahr. Mehr als die Hälf­te der Be­frag­ten rech­net mit Stei­ge­run­gen von über fünf Pro­zent. Die gu­te wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on ist al­ler­dings kein Selbst­läu­fer. Die Re­sul­ta­te be­le­gen viel­mehr, dass die äu­ße­ren Rah­men­be­din­gun­gen stim­men und vie­le Sys­tem­häu­ser ih­re Haus­auf­ga­ben ge­macht ha­ben. Die Mehr­heit der Häu­ser nennt die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­la­ge (63 Pro­zent) so­wie die po­si­ti­ve ITK-Kon­junk­tur (63 Pro­zent) als güns­ti­ge äu­ße­re Rah­men­be­din­gun­gen. Aber das sind nicht die ein­zi­gen Trei­ber. 40 Pro­zent pro­fi­tie­ren von Zu­satz­um­sät­zen mit neu­en Tech­no­lo­gi­en. Die­ser Trend dürf­te an­hal­ten und sich in ei­ni­gen Be­rei­chen ver­stär­ken. Der­zeit ist zu be­ob­ach­ten, dass für im­mer mehr Un­ter­neh­men die Mo­der­ni­sie­rung ih­rer IT auf dem Auf­ga­ben­zet­tel steht. Zu­dem ha­ben ei­ni­ge Häu­ser von Son­der­ef­fek­ten wie DSGVO und Da­ten­schutz pro­fi­tiert. Aber bei die­sem The­ma gibt es in vie­len Un­ter­neh­men wei­ter­hin Nach­hol­be­darf und da­mit auch künf­tig noch Um­satz­po­ten­zi­al.

Die wich­tigs­ten in­ter­nen Grün­de für das Um­satz­plus sind: der Aus­bau des Ma­na­ged-Ser­vices- und Cloud-Ge­schäfts (67 Pro­zent), ei­ne Um­struk­tu­rie­rung be­zie­hungs­wei­se die Neu­aus­rich­tung des ei­ge­nen Ge­schäfts­mo­dells (43 Pro­zent) so­wie Fu­sio­nen/Mer­gers/Fir­men­zu­käu­fe, al­so an­or­ga­ni­sches Wachs­tum. Die ge­nann­ten Grün­de zei­gen, dass der Wan­del des Ge­schäfts­mo­dells und ein da­mit ver­bun­de­nes neu­es be­zie­hungs­wei­se ge­schärf­tes Port­fo­lio deut­li­che Sy­ner­gie­ef­fek­te auf­wei­sen. Zu­dem fällt es auf, dass die seit Jah­ren dis­ku­tier­ten

Ma­na­ged-Ser­vices-An­ge­bo­te sich nun end­lich aus­zah­len. Die­se Mecha­nis­men gel­ten je­doch nicht für al­le. Bei neun Pro­zent der Un­ter­neh­men sta­gniert der Um­satz, und drei Pro­zent der Sys­tem­häu­ser be­rich­ten von ei­nem Um­satz­rück­gang. Die Grün­de da­für sind meist in­di­vi­du­el­ler Na­tur und las­sen kei­ne Ver­all­ge­mei­ne­rung zu.

Grund­sätz­lich lässt sich fest­stel­len, dass die Mehr­heit der be­frag­ten Sys­tem­häu­ser die Zei­chen der Zeit er­kannt und ge­han­delt hat. Ei­ne Pau­se in der Wei­ter­ent­wick­lung des Ge­schäfts kann sich aber nie­mand gön­nen. Das gilt so­wohl für die Häu­ser, die ihr Ge­schäfts­mo­dell um­ge­stellt ha­ben, als auch für die Un­ter­neh­men, die ers­te Schrit­te ge­gan­gen sind be­zie­hungs­wei­se kurz vor dem Start ste­hen.

Vier Sys­tem­häu­ser kna­cken Mil­li­ar­den-Mar­ke

Wie stark die boo­men­de Nach­fra­ge nach ITSer­vices die Wachs­tums­dy­na­mik be­flü­gelt, zeigt sich sym­pto­ma­tisch vor al­lem bei den gro­ßen Sys­tem­häu­sern. In die­sem Jahr schaff­ten es erst­mals gleich vier Sys­tem­häu­ser, hier­zu­lan­de die Um­satz­mil­li­ar­de zu kna­cken. In der Rang­lis­te der größ­ten Sys­tem­häu­ser Deutsch­lands gab es im Ver­gleich zum Vor­jahr zwar kei­ne gro­ßen Ve­rän­de­run­gen – bei ge­naue­rer Be­trach­tung las­sen sich aber span­nen­de Ent­wick­lun­gen ent­de­cken. Un­ver­än­dert bleibt Becht­le auch 2018 Deutsch­lands größ­tes kon­zern­un­ab­hän­gi­ges Sys­tem­haus – mit ei­nem In­lands­um­satz von über 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Com­put­a­cen­ter kratzt schon an der Zwei-Mil­li­ar­den-Eu­ro-Um­satz-Mar­ke in Deutsch­land, wäh­rend die Can­com SE zum ers­ten Mal in ih­rer Ge­schich­te mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro in Deutsch­land um­setzt.

Die Dy­na­mik, die ge­ra­de die gro­ßen Sys­tem­häu­ser hier­zu­lan­de bei ih­rer Um­satz­ent­wick­lung vor­le­gen, ist be­acht­lich. So stei­ger­ten die drei Top-Sys­tem­häu­ser in Deutsch­land 2017 ih­re Er­lö­se um je­weils rund 15 Pro­zent. Auch die Te­le­kom-Toch­ter T-Sys­tems konn­te trotz ih­rer in­ter­nen An­stren­gun­gen im Zu­ge der Neu­po­si­tio­nie­rung und Um­struk­tu­rie­rung 2017 zu­min­dest in Deutsch­land zu­le­gen – und das um mehr als 20 Pro­zent. Da­mit ist ein­deu­tig be­legt, dass der IT-Di­enst­leis­tungs­markt in Deutsch­land boomt wie schon lan­ge nicht mehr.

Ana­lys­ten von Lü­nen­donk ha­ben die gro­ßen deut­schen IT-Di­enst­leis­ter eben­falls zu ih­ren Ge­schäfts­aus­sich­ten für das kom­men­de Jahr be­fragt. Als Trei­ber für das Wachs­tum des ITBe­ra­tungs­mark­tes er­wei­sen sich dem­nach vor al­lem Pro­jek­te zur Di­gi­ta­li­sie­rung der Fach­pro­zes­se, bei­spiels­wei­se durch Au­to­ma­ti­sie­rung und Ver­la­ge­rung in die Cloud. Zu­neh­mend ge­fragt sind aber auch Be­ra­tungs­leis­tun­gen und Lö­sun­gen rund um den Ein­satz von Ma­chi­ne Le­arning und Ro­bo­tics. Die Di­gi­ta­li­sie­rung der Ge­schäfts­pro­zes­se, die Pro­gram­mie­rung von Schnitt­stel­len und die An­bin­dung der IT-Se­cu­ri­ty-Sys­te­me sind laut Lü­nen­donk für Kun­den wei­te­re zen­tra­le Her­aus­for­de­run­gen. Hier­für be­nö­ti­gen sie die Un­ter­stüt­zung sei­tens der Sys­tem­häu­ser, IT-Be­ra­ter und Di­enst­leis­ter.

Die Er­geb­nis­se der Chan­nelKom­pass-Um­fra­ge von IDC und IDG Re­se­arch be­stä­ti­gen die­se Ent­wick­lung. Nach An­sicht der Sys­tem­häu­ser ha­ben sich die An­for­de­run­gen ih­rer Kun­den in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren stark ver­än­dert: Der Wunsch der An­wen­der, vom Part­ner stär­ker im Hin­blick auf die Ge­schäfts­pro­zes­se be­ra­ten zu wer­den, ist nach Aus­sa­ge der ITDi­enst­leis­ter drän­gen­der ge­wor­den. Da­bei ge­win­nen Fach­ab­tei­lun­gen bei IT-Ent­schei­dungs­pro­zes­sen an Ein­fluss. Vom Part­ner wird au­ßer­dem er­war­tet, dass er die pas­sen­de ITAr­chi­tek­tur für die neu de­fi­nier­ten oder op­ti­mier­ten Ge­schäfts­pro­zes­se ent­wi­ckelt. Idea­ler­wei­se soll er die da­zu er­for­der­li­chen Pro­duk­te und Ser­vices auch aus ei­ner Hand lie­fern.

Hemm­schuh Fach­kräf­te­man­gel

Ih­re im­mer be­deu­ten­der wer­den­de Rol­le als Trusted Ad­vi­sor und Ver­trau­ens­per­son des Kun­den kön­nen die Sys­tem­häu­ser al­ler­dings nur er­fül­len, wenn sie Pro­jek­te und Ser­vices auch kom­pe­tent um­set­zen. Da­bei gilt es al­ler­dings die ei­ne oder an­de­re Her­aus­for­de­rung zu meis­tern. Auf die Fra­ge in der dies­jäh­ri­gen Sys­tem­hau­s­um­fra­ge, wo die Un­ter­neh­men der Schuh am stärks­ten drückt, gibt es ei­ne mehr als ein­deu­ti­ge Ant­wort: Es ist der Fach­kräf­te­man­gel. Das ist an sich kei­ne neue Er­kennt­nis. Aber der Druck steigt wei­ter an.

2016 be­nann­ten 64 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser den Fach­kräf­te­man­gel als größ­te Sor­ge. Im ver­gan­ge­nen Jahr klet­ter­te der Wert auf 82 Pro­zent. Ak­tu­ell feh­len in 85 Pro­zent der be­frag­ten Sys­tem­häu­ser IT-Ex­per­ten. Der Ab­stand zur zweit­häu­figs­ten Sor­ge – schlech­te Mar­ge/ schlech­te Er­trags­la­ge/ho­he Kos­ten – be­läuft sich auf fast 60 Pro­zent­punk­te. Das ist ei­ne rie­si­ge Lü­cke.

Der Fach­kräf­te­man­gel ist zwar ein Be­leg für vol­le Auf­trags­bü­cher. In viel stär­ke­rem Ma­ße spie­geln die feh­len­den Ex­per­ten aber die kür­ze­ren In­no­va­ti­ons­zy­klen so­wie die wach­sen­den An­for­de­run­gen an die Fä­hig­kei­ten und das Port­fo­lio vie­ler Häu­ser wi­der. Vie­le Sys­tem­häu­ser be­fin­den sich nach wie vor in­mit­ten ei­nes Ve­rän­de­rungs­pro­zes­ses hin zu neu­en The­men und Ge­schäfts­mo­del­len. Vie­le sind hier be­reits ers­te Schrit­te ge­gan­gen. Vor al­lem die Gro­ßen un­ter ih­nen ha­ben not­wen­di­ge Ve­rän­de­run­gen früh­zei­tig ein­ge­lei­tet, ent­we­der durch die Schaf­fung spe­zi­el­ler Ein­hei­ten und Ge­schäfts­be­rei­che, durch ei­ne grund­le­gen­de Re­fo­kus­sie­rung oder schlicht­weg durch Zu­käu­fe. Am En­de der Rei­se ist aber noch nie­mand an­ge­kom­men. Da­für dreht sich das In­no­va­ti­ons­rad viel zu schnell. Mit­tel­gro­ße Sys­tem­häu­ser ha­ben es ein Stück weit schwe­rer. Es dau­ert, die Mit­ar­bei­ter fit zu ma­chen – bei neu­en tech­no­lo­gi­schen An­sät­zen wie auch den Pro­duk­ten der Her­stel­ler. Aber das ist nur die hal­be Wahr­heit. Ge­nau­so wich­tig sind die rich­ti­gen Ver­triebs­mit­ar­bei­ter. Sys­tem­häu­ser wer­den nur dann be­ste­hen, wenn sie ih­re Ge­schäfts­mo­del­le und ih­ren Markt­auf­tritt viel stär­ker als bis­her von den Ge­schäfts­mo­del­len der Kun­den her den­ken.

So­mit wä­re es fa­tal, den Fach­kräf­te­man­gel nur auf IT-Spe­zia­lis­ten zu be­schrän­ken. Denn ne­ben der be­reits ge­nann­ten Sor­ge „schlech­te Mar­ge/schlech­te Er­trags­la­ge/ho­he Kos­ten“(26 Pro­zent) be­nö­ti­gen auch die wei­te­ren Her­aus­for­de­run­gen „zu­neh­men­der Wett­be­werbs­druck durch Di­rekt­ge­schäft der Her­stel­ler“(23 Pro­zent), „ver­än­der­te Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Füh­rungs­mo­del­le“(19 Pro­zent) und „Um­bau un­se­res Ge­schäfts­mo­dells“(19 Pro­zent) sehr klar neu­es be­zie­hungs­wei­se er­wei­ter­tes Fach­wis­sen und in vie­len Fäl­len auch zu­sätz­li­che Fach­leu­te. Das bleibt auch wei­ter­hin ei­ne Her­aus­for­de­rung. Vor al­lem bei den Trend­the­men sind die Ex­per­ten rar und da­mit teu­er. Die Lö­sungs­an­sät­ze sind über­schau­bar: die Ab­wer­bung von Fach­leu­ten von den Wett­be­wer­bern, ei­ne pro­jekt­be­zo­ge­ne Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren Sys­tem­häu­sern und Be­ra­tern oder die ei­ge­ne Aus­bil­dung so­wie Qua­li­fi­zie­rung von Spe­zia­lis­ten.

Me­ga­trends

Vor al­lem die Viel­zahl neu­er Tech­no­lo­gi­en er­höht den Druck auf die Sys­tem­häu­ser, das da­für not­wen­di­ge Know-how auf­zu­bau­en. Das sind die Me­ga­trends, die für die Sys­tem­häu­ser in den nächs­ten 24 Mo­na­ten re­le­vant sein wer­den:

Das In­ter­net of Things ist in den Au­gen der Sys­tem­häu­ser die der­zeit wich­tigs­te Ent­wick­lung (63 Pro­zent). Im ver­gan­ge­nen Jahr be­trach­te­ten 47 Pro­zent IoT als Me­ga­trend. Das reich­te für Platz vier. Der IoT-Markt hat in Deutsch­land gro­ßes Po­ten­zi­al. Al­ler­dings ist das The­ma nicht in al­len Märk­ten glei­cher­ma­ßen an­ge­kom­men. Vor­rei­ter­bran­chen beim IoT-Rei­fe­grad sind Ver­si­che­run­gen, Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau­er so­wie Fer­ti­gungs­un­ter­neh­men. Die öf­fent­li­che Ver­wal­tung bil­det das Schluss­licht. 34 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser ha­ben hier be­reits ein An­ge­bot oder wer­den in Kür­ze An­ge­bo­te plat­zie­ren. Das sind zehn Pro­zent mehr als im ver­gan­ge­nen Jahr.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung schiebt sich vor von Platz drei (2017: 47 Pro­zent) auf Platz zwei (63 Pro­zent). Im­mer­hin 57 Pro­zent ha­ben be­reits pas­sen­de An­ge­bo­te oder wer­den die­se in Kür­ze vor­le­gen. Vie­le Sys­tem­häu­ser ha­ben sich hier in Stel­lung ge­bracht. IDC zu­fol­ge wer­den vor al­lem die Sys­tem­häu­ser er­folg­reich sein, die ih­re Di­gi­ta­li­sie­rungs­an­ge­bo­te nicht auf die IT be­schrän­ken, son­dern ei­nen kla­ren Bu­si­ness-Nut­zen oder An­wen­dungs­fall in den Vor­der­grund stel­len. Die Be­reit­stel­lung von Tech­no­lo­gie und Lö­sun­gen al­lein reicht nicht mehr aus.

Für Cloud Com­pu­ting ging es von Platz zwei (2017: 54 Pro­zent) auf Platz drei (59 Pro­zent). Aus ei­ner Tech­no­lo­gie- und kon­zep­tio­nel­len Per­spek­ti­ve ist es si­cher kein Me­ga­the­ma mit Neu­ig­keits­wert, denn die Cloud hat sich be­reits über die Jah­re eta­bliert. Für Sys­tem­häu­ser hin­ge­gen bleibt die IT-Wol­ke mit Blick auf das Ge­schäfts­po­ten­zi­al sehr wohl ein The­ma. Im­mer­hin zwei Drit­tel der Be­frag­ten bie­ten Leis­tun­gen (Cloud Ser­vices oder Cloud-Tech­no­lo­gie) an oder ste­hen da­mit in den Start­lö­chern. Der­weil wird der Cloud-Ein­satz in deut­schen Un­ter­neh­men brei­ter. Knapp ein Fünf­tel der An­wen­der setzt mit­tel­fris­tig so­gar auf ei­nen „Cloud-First“-An­satz. Al­ler­dings ist es aber auch so, dass An­bie­ter ih­re Lö­sun­gen im­mer häu­fi­ger als Cloud-An­ge­bot ver­mark­ten und die Kun­den frü­her oder spä­ter ge­zwun­gen sind, sich für die Cloud-Op­ti­on zu ent­schei­den.

Die ak­tu­el­le Um­fra­ge zeig­te er­neut, dass im­mer mehr Sys­tem­häu­ser Lö­sun­gen für die Cloud und aus der Cloud an­bie­ten. In fünf von acht ab­ge­frag­ten Seg­men­ten ist die Zahl der Häu­ser, die sol­che Ser­vices of­fe­rie­ren, ge­stie­gen. Am häu­figs­ten ste­hen In­fra­struc­tu­re-as-aSer­vice (77 Pro­zent) und Se­cu­ri­ty-as-a-Ser­vice (66 Pro­zent) in den An­ge­bots­lis­ten. Bei­de Seg­men­te wei­sen auch die größ­ten Zu­wachs­ra­ten auf. Die Top-5-Nen­nun­gen wer­den mit Soft­ware-as-a-Ser­vice (63 Pro­zent), Plat­form-as-aSer­vice (62 Pro­zent) und Sto­r­a­ge-as-a-Ser­vice (46 Pro­zent) kom­plet­tiert – wo­bei Sto­r­a­geSer­vices zu­neh­mend in IaaS ein­flie­ßen.

Dar­über hin­aus grei­fen Sys­tem­häu­ser das The­ma Work­place-as-a-Ser­vice auf, um ih­ren Kun­den au­to­ma­ti­siert com­p­li­an­ce-kon­for­me und rol­len­ba­sier­te Ar­beits­plät­ze zu­wei­sen zu kön­nen. 43 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser sind hier be­reits ak­tiv, und im­mer­hin ein wei­te­res Vier­tel der Be­frag­ten will in die­sem Seg­ment An­ge­bo­te plat­zie­ren.

Das The­ma Cy­ber Se­cu­ri­ty rutscht von Platz eins im ver­gan­ge­nen Jahr auf Platz vier (51 Pro­zent der Nen­nun­gen) ab. Das über­rascht nicht. IT-Si­cher­heit ge­hört längst zum All­tag. Un­ter­neh­men ste­hen hier nicht vor der Fra­ge, ob sie sich da­mit be­schäf­ti­gen möch­ten oder nicht. Sie müs­sen es ein­fach tun, an­dern­falls set­zen sie ihr Ge­schäft gro­ßen Ri­si­ken aus. Das Markt­po­ten­zi­al ist aus Sicht von IDC sehr groß. Sys­tem­häu­ser mit eta­blier­ten Se­cu­ri­ty- An­ge­bo­ten dür­fen sich al­so über ei­ne gu­te Nach­fra­ge freu­en. Neu­ein­stei­ger müs­sen sich erst noch als Trusted Part­ner eta­blie­ren.

Der The­men­kom­plex Künst­li­che In­tel­li­genz (KI)/Co­gni­ti­ve Com­pu­ting/Ma­chi­ne Le­arning (ML) klet­tert von Rang acht (2017: 21 Pro­zent der Nen­nun­gen) auf Platz fünf (49 Pro­zent der Nen­nun­gen). Da­mit hat sich die Zahl der Sys­tem­häu­ser, die KI als Me­ga­trend be­trach­ten, in­ner­halb von zwölf Mo­na­ten mehr als ver­dop­pelt. Vie­le Un­ter­neh­men in Deutsch­land ha­ben of­fen­bar das Po­ten­zi­al er­kannt, das Lö­sun­gen und Ser­vices für Künst­li­che In­tel­li­genz im Hin­blick auf die Op­ti­mie­rung von Pro­zes­sen er­öff­nen. Und das, ob­wohl KI für die brei­te Mas­se noch ein ver­gleichs­wei­se jun­ges The­ma ist. Und so ver­wun­dert es auch nicht, dass erst 22 Pro­zent der Sys­tem­häu­ser ein KI-An­ge­bot ha­ben oder in Kür­ze vor­le­gen wol­len. Vie­le müs­sen erst das er­for­der­li­che Wis­sen auf­bau­en. Das ist auf­grund der feh­len­den Fach­kräf­te kei­ne leich­te Auf­ga­be und wird sie noch meh­re­re Mo­na­te be­schäf­ti­gen.

So weit ein Blick auf die fünf am häu­figs­ten ge­nann­ten Me­ga­trends. Dar­über hin­aus wur­den von den Sys­tem­häu­sern ge­nannt (Rei­hen­fol­ge nach Häu­fig­keit): Big Da­ta/Bu­si­ness Ana­ly­tics, Un­ter­neh­mens-Pro­zess­be­ra­tung jen­seits der Tech­no­lo­gi­en, Block­chain, Smart Ho­me, Mo­bi­li­ty, Uni­fied Com­mu­ni­ca­ti­ons & Col­la­bo­ra­ti­on, Aug­men­ted Rea­li­ty/ Vir­tu­al Rea­li­ty, 3-D-Druck, Soft­ware De­fi­ned Dat­a­cen­ter, E-Com­mer­ce und So­ci­al Me­dia. Die Nen­nun­gen von Block­chain ha­ben sich, wie bei KI, mehr als ver­dop­pelt. An­ge­bo­te der Sys­tem­häu­ser sind der­zeit aber noch kaum zu fin­den.

An­ga­ben in Pro­zent; Mehr­fach­ant­wor­ten mög­lich; Qu­el­le: COMPUTERWOCHE 7/2018

An­ga­ben in Pro­zent; Mehr­fach­ant­wor­ten mög­lich; Qu­el­le: COMPUTERWOCHE 7/2018

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