HTC U11

Für klei­ne­re Smart­pho­ne-Her­stel­ler wie HTC ist es 2017 fast un­mög­lich, tech­nisch an den Top­mo­del­len von Samsung und Hua­wei vor­bei­zu­zie­hen. Die Tai­wa­ner ver­su­chen es da­her mit ein­zig­ar­ti­gem De­sign und cle­ve­ren Tricks bei der Be­die­nung. Das Er­geb­nis in Form

connect - - INHALT - ANDRE­AS SEEGER

Die Tai­wa­ner über­zeu­gen mit ein­zig­ar­ti­gem De­sign und cle­ve­rer Be­die­nung

Das U11 setzt die neue De­si­gn­li­nie fort, die HTC mit den im Ja­nu­ar vor­ge­stell­ten Mo­del­len U Ul­tra und U Play be­gon­nen hat. Das be­deu­tet: Nur der schma­le Rah­men be­steht aus elo­xier­tem Alu­mi­ni­um, an­sons­ten Glas, wo­hin das Au­ge schaut. Wie­der kommt ei­ne be­son­de­re Fer­ti­gungs­me­tho­de zum Ein­satz, bei der meh­re­re hauch­dün­ne Glas­schich­ten se­pa­rat ein­ge­färbt und dann mit­ein­an­der ver­schmol­zen wer­den, was ein­zig­ar­ti­ge Licht­re­fle­xio­nen zur Fol­ge hat. Kin­der­krank­hei­ten, die beim High-En­dVor­gän­ger U Ul­tra stör­ten, hat HTC bei sei­nem Flagg­schiff aus­ge­merzt: So steht die Ka­me­ra­ein­heit nicht mehr weit aus dem Ge­häu­se her­aus, son­dern ist na­he­zu plan in­te­griert.

Die De­sign­spra­che ist noch re­du­zier­ter und lebt von ei­ner be­son­de­ren Sym­me­trie: Vor­der- und Rück­sei­te sind zu den Rän­dern hin im glei­chen Win­kel ge­krümmt, so­dass man beim seit­li­chen Drauf­schau­en kaum er­ken­nen kann, ob das Smart­pho­ne mit dem Rü­cken oder mit der Vor­der­sei­te auf­liegt. Der Look über­zeugt auf der gan­zen Li­nie, zu­mal der nur acht Mil­li­me­ter dün­ne 5,5-Zöl­ler sehr gut in der Hand liegt und das küh­le Glas hap­tisch lo­cker mit Me­tall mit­hal­ten kann. Ein wei­te­rer Plus­punkt: Dank IP67-Zer­ti­fi­zie­rung ist ein (Süß-)Was­ser­bad kein Pro­blem. Ein­zi­ger Nach­teil der Glas- bau­wei­se, der hier nicht un­er­wähnt blei­ben soll: Schon nach kur­zer Zeit ist das Smart­pho­ne mit Fin­ger­ab­drü­cken über­sät.

Das HTC U11 ist seit dem 1. Ju­ni in Schwarz, Weiß, Dun­kel­blau und „Ama­zing Sil­ber“er­hält­lich, bei Letz­te­rem han­delt es sich um ein glän­zen­des Sil­ber mit leich­tem Blaustich. Ei­ne wei­te­re Va­ri­an­te in knal­li­gem Si­gnal­rot soll sechs Wo­chen nach Markt­start fol­gen. Der Preis in Deutsch­land be­trägt 749 Eu­ro. Das Ge­rät wird so­wohl im frei­en Han­del als auch bei al­len Netz­be­trei­bern er­hält­lich sein – wo­bei die Open-Mar­ket-Ver­si­on den Vor­teil hat, dass der Mi­croSD-Slot ent­we­der ei­ne Spei­cher­kar­te oder ei­ne zwei­te Na­no-SIMKar­te schluckt.

Der Rah­men ist druck­emp­find­lich

Ei­ne Welt­neu­heit ist der druck­emp­find­li­che Rah­men, der beim ers­ten Aus­pro­bie­ren ei­nen sehr gu­ten Ein­druck hin­ter­ließ; HTC nennt die Funk­ti­on „Edge Sen­se“. Da­bei re­gis­triert das U11 mit­hil­fe von meh­re­ren, im un­te­ren Drit­tel des Me­tall­rah­mens ein­ge­las­se­nen Sen­so­ren, wenn Druck auf die Sei­ten aus­ge­übt wird. Es reicht al­so, das Smart­pho­ne in der Hand fest zu drü­cken, um ei­ne Ak­ti­on zu star­ten, die In­ten­si­tät legt der Nut­zer bei der Er­stein­rich­tung fest. Auch die mit dem Drü­cken ver­bun­de­nen Ak­tio­nen sind kon­fi­gu­rier­bar; ab Werk star­tet die Ka­me­ra­vor­schau, ein wei­te­rer Druck knipst ein Fo­to. Denk­bar ist aber auch ei­ne Ver­knüp­fung mit der Ta­schen­lam­pe oder dem Mu­sik­play­er.

Weil die Tech­no­lo­gie kei­ne ka­pa­zi­ti­ve, al­so elek­tri­sche Ba­sis hat, funk­tio­niert sie auch mit Hand­schu­hen. Die Be­die­nung per Hän­de­druck geht schnell in Fleisch und Blut über, wir sind uns si­cher, dass sich die­ses Kon­zept durch­set­zen wird. HTC ist hier ganz vor­ne mit da­bei und ar­bei­tet flei­ßig dar­an, den Vor­sprung wei­ter aus­zu­bau­en. Pro­dukt­ma­na­ger Fa­bi­an Nap­pen­bach kün­dig­te ge­gen­über con­nect an, dass im Ju­li die App

„Edge Sen­se Com­pa­ni­on“als Be­ta ver­füg­bar sein wird, da­mit soll es dann mög­lich sein, auch kom­ple­xe Se­quen­zen wie „Star­te Snap­chat, ak­ti­vie­re Fil­ter xyz“zu kon­fi­gu­rie­ren.

Pro­zes­sor, Ka­me­ra und Sound

Na­tür­lich ist es an die­ser Stel­le noch zu früh, die Qua­li­tät der Ka­me­ra zu be­wer­ten, aber das, was wir bis­her ge­se­hen ha­ben, ist sehr viel­ver­spre­chend. Fan­gen wir bei den tech­ni­schen Rah­men­da­ten an: HTC setzt auf ei­nen 12-Me­ga­pi­xel-Sen­sor der neu­es­ten Ge­ne­ra­ti­on (wahr­schein­lich von So­ny), der mit je­ner Du­al-Pi­xel-Au­to­fo­kusTech­no­lo­gie aus­ge­stat­tet ist, die von Samsung mit dem Ga­la­xy S7 ein­ge­führt wur­de. Das be­deu­tet, dass je­der ein­zel­ne Pi­xel au­to­ma­tisch fo­kus­sie­ren, al­so scharf­stel­len kann, was ei­nen be­son­ders schnel­len Au­to­fo­kus er­mög­licht. Ein wei­te­rer wich­ti­ger Ka­me­ra­bau­stein ist Qual­comms 2017er Top-Chip­satz Snap­dra­gon 835, der ge­nug Re­chen­leis­tung für „al­ways-on-HDR“ mit­bringt: Bei ak­ti­vier­ter Ka­me­ra­vor­schau wer­den per­ma­nent im Hin­ter­grund Fo­tos ge­macht und wie­der ver­wor­fen, nur wenn der Nut­zer den Aus­lö­ser drückt, wer­den drei Bil­der aus die­sem Zeit­fens­ter ver­wen­det und zu ei­nem Fo­to zu­sam­men­ge­rech­net.

Tech­nisch vom Feins­ten sind auch die be­son­ders licht­star­ke Blen­de (f1.7) und der op­ti­sche Bild­s­ta­bi­li­sa­tor. Wir glau­ben, dass die Ka­me­ra des U11 ei­ne Bild­qua­li­tät auf Au­gen­hö­he mit Hua­weis Lei­ca-Mo­del­len und Samsungs Ga­la­xy S8 lie­fern wird – nicht zu­letzt des­halb, weil schon der Vor­gän­ger U Ul­tra hier be­ein­dru­cken konn­te.

Eben­falls dem star­ken Chip­satz zu ver­dan­ken ist die ak­ti­ve Ge­räusch­un­ter­drü­ckung der mit­ge­lie­fer­ten hoch­wer­ti­gen Kopf­hö­rer. Da­bei wer­den die Um­ge­bungs­ge­räu­sche von den Kopf­hö­rern auf­ge­zeich­net und an den Chip­satz wei­ter­ge­lei­tet, der die­se dann in Echt­zeit neu­tra­li­siert. Ei­ne wei­te­re Fi­nes­se ist die So­nar-Ge­hör­ver­mes­sung, bei der per Ul­tra­schall der Ge­hör­gang „ver­mes­sen“und dar­auf­hin ein in­di­vi­du­ell ab­ge­stimm­tes Klang­bild er­stellt wird. Bei­des funk­tio­niert nur mit den mit­ge­lie­fer­ten Kopf­hö­rern, die über USB-C (mit USB 3.1) an das U11 ge­stöp­selt wer­den. Wer lie­ber ei­ge­ne Kopf­hö­rer be­nut­zen möch­te, fin­det ei­nen USB-C-auf­K­lin­ke-Ad­ap­ter im Lie­fer­um­fang – auch das ist ei­ne Ver­bes­se­rung ge­gen­über dem U Ul­tra.

Ak­ku­lauf­zeit und ers­tes Fa­zit

Der Ak­ku fasst 3000 mAh, was an­ge­sichts des hoch­auf­lö­sen­den QHD-Dis­plays (2560 x 1440 Pi­xel) et­was un­ter­di­men­sio­niert scheint. An­de­rer­seits: Das Ga­la­xy S8 kommt mit der glei­chen Ener­gie­men­ge sehr weit – es bleibt al­so ab­zu­war­ten, was HTC dar­aus macht. Klar­heit herrscht da­ge­gen bei der schnel­len Auf­la­de­ge­schwin­dig­keit: In 30 Mi­nu­ten ist das U11 wie­der halb voll­ge­tankt, ei­ne kom­plet­te La­dung wird in we­ni­ger als 90 Mi­nu­ten rea­li­siert.

Das U11 bringt gu­te Vor­aus­set­zun­gen mit, um sich im heiß um­kämpf­ten Smart­pho­ne-Markt zu be­haup­ten. Denn mit den Schwer­punk­ten De­sign, Be­die­nung und Ka­me­ra dreht HTC an ge­nau den rich­ti­gen Stell­schrau­ben. Ein Er­folg ist in un­se­ren Au­gen aber nicht ge­si­chert, weil die Tai­wa­ner den Preis zu hoch an­set­zen: 749 Eu­ro sind ganz nah dran am Ga­la­xy S8 mit sei­nem ein­zig­ar­ti­gen Edge-Dis­play und auf ei­nem Ni­veau mit Hua­weis P10 Plus, das eben­falls nicht von schlech­ten El­tern ist und mit 128 GB dop­pelt so viel Spei­cher mit­bringt.

Hand­lich Der 5,5-Zöl­ler lässt sich nicht voll­stän­dig ein­hän­dig be­die­nen. Der tou­ch­emp­find­li­che Rah­men spart aber oft die zwei­te Hand – um ein Fo­to zu knip­sen reicht es, das U11 kurz fest zu drü­cken.

Ele­gant Der 8 Mil­li­me­ter

dün­ne Glas­kor­pus ge­fällt mit ge­rad­li­ni­gem De­sign und ein­zig­ar­ti­gen Licht­re­fle­xio­nen. Die

spie­geln­de Ober­flä­che zieht

al­ler­dings Fin­ger­ab­drü­cke an.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.