HTC U11

HTC mel­det sich mit ei­nem be­ein­dru­cken­den Top-Smart­pho­ne zu­rück. Was hat die glän­zen­de Schön­heit zu bie­ten?

connect - - INHALT - ANDRE­AS SEE­GER

Die letz­ten Jah­re wa­ren nicht ein­fach für das tra­di­ti­ons­rei­che Un­ter­neh­men, das die An­fän­ge des Smart­pho­ne-Mark­tes ent­schei­dend mit­präg­te und auch nach dem Auf­stieg von App­le und Goog­le ein wich­ti­ger Im­puls­ge­ber für In­no­va­tio­nen blieb. Doch ei­ne ver­fehl­te Pro­dukt­po­li­tik und die Kon­kur­renz durch auf­stre­ben­de chi­ne­si­sche Her­stel­ler wie Hua­wei ha­ben ih­re Spu­ren in der Bi­lanz hin­ter­las­sen. 2017 soll al­les an­ders wer­den, das Jahr ist für HTC nicht nur ein dop­pel­tes Ju­bi­lä­um (1997 Grün­dung von HTC, 2007 Pro­duk­ti­on des ers­ten Touch­screen-Smart­pho­nes welt­weit), es mar­kiert auch ei­nen Pro­dukt­neu­start, der in ei­ner grund­le­gend ver­än­der­ten De­sign­spra­che am sicht­bars­ten wird.

Der vie­le Jah­re für sei­ne mar­kan­ten Me­tall-Smart­pho­nes be­kann­te Her­stel­ler setzt nun auf Glas, das in ei­nem raf­fi­nier­ten Fer­ti­gungs­pro­zess be­son­de­re Ei­gen­schaf­ten be­kommt: Es be­steht aus hauch­dün­nen Schich­ten, die durch auf­ge­dampf­te Mi­ne­ra­li­en ein­ge­färbt und erst da­nach mit­ein­an­der ver­schmol­zen wer­den. Das hat ein­zig­ar­ti­ge Licht­re­fle­xio­nen zur Fol­ge, die bei je­der der fünf Ge­häu­se­far­ben ei­ne be­son­de­re Wir­kung ent­fal­ten. Die auf­fäl­li­gen Spie­ge­lun­gen sind al­ler­dings das ge­naue Ge­gen­teil von de­zent und nichts für Men­schen, die es ger­ne zu­rück­hal­tend mö­gen.

Un­ab­hän­gig da­von über­zeugt das Ma­te­ri­al hap­tisch auf gan­zer Li­nie, es ist zu­dem kratz­fes­ter als Me­tall, was im all­täg­li­chen Ge­brauch ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Rol­le spielt. Wir hat­ten un­ser Test­ge­rät meh­re­re Wo­chen im täg­li­chen Ein­satz und der Kor­pus war da­nach von kei­nem ein­zi­gen Kratzer ver­un­stal­tet. Der gro­ße Nach­teil soll an die­ser Stel­le al­ler­dings nicht ver­schwie­gen wer­den: Glas ist sehr an­fäl­lig für Fin­ger­ab­drü­cke – be­son­ders mit ei­ner so stark re­flek­tie­ren­den Ober­flä­che. Nicht um­sonst legt HTC ein Putz­tuch und ein trans­pa­ren­tes Kunst­stoff­co­ver mit in den Lie­fer­kar­ton. Die Ver­ar­bei­tung ist nichts­des­to­trotz ex­zel­lent, das Ge­häu­se nach IP67 zer­ti­fi­ziert und über­steht da­mit auch ein Was­ser­bad. Weil das Glas zu den Rän­dern hin ge­bo­gen ist und flie­ßend in den schma­len Alu­mi­ni­um­rah­men über­geht, liegt das Smart­pho­ne gut in der Hand. Für ei­nen Hand­schmei­cher ist der 5,5-Zöl­ler aber sch­licht zu groß – zu­mal die glat­te Glas­ober­flä­che recht rut­schig ist.

Chip­satz und Ka­me­ra top

Das 5,5 Zoll gro­ße LCD bie­tet mit sei­ner ul­tra­schar­fen QHD-Auf­lö­sung ei­ne ex­zel­len­te Darstel­lungs­qua­li­tät, so­wohl die Leucht­kraft als auch das Kon­trast­ver­hält­nis be­we­gen sich auf ei­nem sehr gu­ten Ni­veau. Dar­un­ter schlum­mert mit Qual­comms Snap­dra­gon 835 ein ech­tes Biest: Der Top-Pro­zes­sor des Jah­res 2017 mar­kiert den ak­tu­el­len Sta­te of the Art der Halb­lei­ter­in­dus­trie, mit her­vor­ra­gen­den Leis­tungs­wer­ten und ei­ner um­fas­sen­den Con­nec­tivi­ty bis hoch zu LTE Cat 15. Der Chip­satz meis­tert das An­dro­id-Sys­tem spie­le­risch, al­le An­wen­dun­gen flie­ßen schnell und but­ter­weich über das Dis­play.

Der Ar­beits­spei­cher ist mit 4 GB völ­lig aus­rei­chend di­men­sio­niert. Auch beim in­ter­nen Spei­cher gibt es nichts zu me­ckern, mit 64 GB (54 GB frei) be­wegt sich HTC auf Au­gen­hö­he mit den meis­ten Wett­be­wer­bern, ver­säumt al­ler­dings die Chan­ce, sich ab­zu­set­zen. Hua­wei wirft mit dem tech­nisch und preis­lich ver­gleich­ba­ren P10 Plus 128 GB in die Waag­scha­le. Bei­de Mo­del­le kann der Nut­zer mit Mi­cro-SD-Kar­ten auf­rüs­ten.

Bei der Ka­me­ra setzt HTC auf ei­nen 12-Me­ga­pi­xel-Sen­sor von So­ny, der in Kom­bi­na­ti­on mit dem leis­tungs­fä­hi­gen Chip­satz ei­ne be­ein­dru­cken­de Viel­falt von tech­ni­schen Fi­nes­sen auf­bie­tet – un­ter an­de­rem den be­son­ders schnel­len und prä­zi­sen Du­al-Pi­xel-Au­to­fo­kus und „Al­ways-On-HDR“: Da­mit wer­den bei ak­ti­vier­ter Ka­me-

ra­vor­schau per­ma­nent Fo­tos im Hin­ter­grund ge­spei­chert und wie­der ver­wor­fen. Nur wenn der Nut­zer den Aus­lö­ser drückt, wer­den drei Bil­der aus die­sem Zeit­fens­ter ver­wen­det und zu ei­nem Fo­to zu­sam­men­ge­rech­net. Der Vi­deo­mo­dus ist dank ei­nes op­ti­schen Bild­s­ta­bi­li­sa­tors be­son­ders wa­ckel­fest und bie­tet mit dem akus­ti­schen Fo­kus auch die Mög­lich­keit, die Mi­kro­pho­ne im Sin­ne ei­nes Richt­mi­kro­fons ge­zielt auf ein in der Ka­me­ra­vor­schau mar­kier­tes Ob­jekt aus­zu­rich­ten. Un­ser Test zeigt: Bei stö­ren­den Um­ge­bungs­ge­räu­schen ist ein Un­ter­schied zu ei­ner nor­ma­len Vi­deo­auf­nah­me zwar fest­stell­bar, aber nicht be­son­ders aus­ge­prägt.

Viel ent­schei­den­der ist die ge­ne­rel­le Ka­me­raqua­li­tät – und hier über­zeugt das HTC U11 in al­len Be­rei­chen. Auf­lö­sung und Hel­lig­keit blei­ben über das gan­ze Bild er­staun­lich kon­stant, bei schlech­ten Licht­ver­hält­nis­sen holt die licht­star­ke Op­tik (Blen­de f1.7) be­ein­dru­ckend vie­le De­tails her­aus. Zu­sam­men mit dem Ga­la­xy S8+ und Hua­weis P10-Se­rie bil­det HTC in Be­zug auf die Ka­me­raqua­li­tät die ak­tu­el­le Speer­spit­ze. Bei der Be­nut­zer­ober­flä­che be­steht al­ler­dings noch Nach­hol­be­darf, im Ver­gleich mit der Kon­kur­renz ist die vi­su­el­le Auf­be­rei­tung nicht be­son­ders an­spre­chend.

La­bor­wer­te und Fa­zit

Das U11 un­ter­stützt den Schnell­la­de­mo­dus Quick Char­ge 3.0, ein

Netz­teil mit ent­spre­chend ho­her Aus­gangs­leis­tung liegt bei. Für den Nut­zer be­deu­tet das: Nach an­dert­halb St­un­den ist der Ak­ku fast voll­stän­dig wie­der auf­ge­la­den.

Die Lauf­zeit ist mit 8:18 St­un­den im obe­ren Mit­tel­feld an­ge­sie­delt. We­ni­ger ge­fal­len hat uns der Ver­zicht auf den draht­lo­sen La­de­stan­dard Qi – mit dem Glas­rü­cken bie­tet das Smart­pho­ne idea­le tech­ni­sche Vor­aus­set­zun­gen da­für, au­ßer­dem hät­te HTC hier ein wich­ti­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal bie­ten kön­nen. Denn so­wohl in den Funk­ei­gen­schaf­ten als auch in der Akus­tik sind die Mes­s­er­geb­nis­se im po­si­ti­ven Sin­ne un­auf­fäl­lig. Im­mer­hin ge­lingt es an an­de­rer Stel­le ei­nen Ak­zent zu set­zen: Mit dem U11 ist HTC der ein­zi­ge Her­stel­ler, der im Hig­hEnd-Seg­ment Du­al-SIM an­bie­tet. Bei die­ser Va­ri­an­te be­legt die zwei­te SIM den Steck­platz für die Mi­cro-SD, man muss sich al­so ent­schei­den. Sie wird aus­schließ­lich über den frei­en Han­del ver­kauft, bei den Netz­be­trei­bern ist we­nig über­ra­schend nur SingleSIM er­hält­lich.

In der Sum­me ge­lingt es HTC, mit dem U11 ein Aus­ru­fe­zei­chen zu set­zen: Das ein­zig­ar­ti­ge De­sign, die cle­ve­re Be­nut­zer­ober­flä­che mit druck­emp­find­li­chem Rah­men (sie­he un­ten) so­wie die ex­zel­len­te Ka­me­ra- und Mul­ti­me­dia­aus­stat­tung ka­ta­pul­tie­ren das glän­zen­de Smart­pho­ne in die Top 10 der con­nect-Bes­ten­lis­te. Das auf­fäl­li­ge Spie­gel­de­sign ist aber ein zwei­schnei­di­ges Schwert, denn da­mit wer­den al­le Kun­den aus­ge­schlos­sen, die es op­tisch eher klas­sisch mö­gen.

Ro­bust Der acht Mil­li­me­ter dün­ne Glas­kor­pus ist au­ßer­or­dent­lich kratz­fest und was­ser­dicht nach IP67. Die Ver­ar­bei­tung ist in je­der Hin­sicht top.

Bunt

Das U11 ist ak­tu­ell in Sil­ber, Blau, Schwarz und Weiß er­hält­lich. Die Va­ri­an­te im kräf­ti­gen Si­gnal­rot („So­lar Red“) soll mit et­wa zwei Mo­na­ten Ver­zö­ge­rung fol­gen.

Ta­schen­spie­gel

Die Rück­sei­te re­flek­tiert so stark,

dass man sie pro­blem­los als Ta­schen­spie­gel be­nut­zen kann.

Das be­deu­tet al­ler­dings auch,

dass Fin­ger­ab­drü­cke auf der Ober­flä­che deut­lich sicht­bar sind.

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