IEEE 5G Sum­mit

connect - - INHALT - HAN­NES RÜGHEIMER

Beim Bran­chen­treff in Dresden ha­ben sich die Ex­per­ten über die Zu­kunft des neu­en Mo­bil­funk­stan­dards 5G aus­ge­tauscht. con­nect war vor Ort.

Auf dem IEEE 5G Sum­mit in Dresden dis­ku­tier­ten Ex­per­ten der Netz­be­trei­ber und -aus­rüs­ter mit In­dus­trie und Wis­sen­schaft den nun

de­fi­nier­ten 5G-Stan­dard und die nächs­ten Her­aus­for­de­run­gen.

er­eits zum drit­ten Mal rich­te­te das 5G Lab der TU Dresden den IEEE 5G Sum­mit aus. Am 25. Sep­tem­ber tra­fen sich Ex­per­ten für 5G-Tech­nik und -An­wen­dun­gen in der säch­si­schen Lan­des­haupt­stadt zum Er­fah­rungs­und Mei­nungs­aus­tausch. Das IEEE (In­sti­tu­te of Electri­cal and Elec­tro­nics En­gi­neers) wirkt ne­ben Gre­mi­en wie dem 3GPP oder der ITU-R an der 5GStan­dar­di­sie­rung mit. Ge­mein­sam hat­ten die In­sti­tu­te im Ju­ni mit dem „Re­lease 15“den lang er­war­te­ten 5G-Stan­dard ver­ab­schie­det – ge­nau­er ge­sagt die Spe­zi­fi­ka­tio­nen des „Next Ge­ne­ra­ti­on Co­re“, der Funk­schnitt­stel­le „Next Ge­ne­ra­ti­on Ra­dio“so­wie der 5G-Sys­tem­ar­chi­tek­tur. Das Tref­fen in Dresden bot Ge­le­gen­heit für ei­nen kri­ti­schen Blick auf das Er­reich­te, aber auch ein we­nig Stolz dar­auf.

Kri­ti­scher Blick auf den Stan­dard

Die­se dif­fe­ren­zier­te Sicht ver­trat auch Pro­fes­sor Ger­hard Fett­weis vom 5G Lab: Trotz der ho­hen Leis­tungs­fä­hig­keit der „Ul­tra Re­lia­ble Low La­ten­cy Com­mu­ni­ca­ti­ons“(URLLC) wies er bei­spiels­wei­se dar­auf hin, dass wich­ti­ge Aspek­te wie Da­ten- schutz der Teil­neh­mer („Pri­va­cy“) in der Stan­dar­di­sie­rung nicht aus­rei­chend be­rück­sich­tigt sei­en. Auch der Ein­satz von 5GTech­no­lo­gi­en auf pri­va­ten Fir­men­ge­län­den („Cam­pus Net­works“) sei in der Spe­zi­fi­ka­ti­on zu kurz ge­kom­men. Zu­dem sei­en wich­ti­ge Fra­ge noch of­fen – et­wa wie die In­ge­nieu­re „Ul­tra Re­lia­bi­li­ty“ge­nau de­fi­nie­ren und vor al­lem über­prü­fen sol­len.

Sein Kol­le­ge Pro­fes­sor Frank Fit­zek leg­te das Au­gen­merk dar­auf, dass die nächs­ten Schrit­te bei 5G-Tech­nik- und -Stan­dar­di­sie­rung aber­mals leis­tungs­fä­hi­ge­re Netz-Hard­ware vor­aus­set-

zen. Ein wich­ti­ger For­schungs­schwer­punkt lie­ge des­halb auf Chips, die für ih­re in­ter­nen Da­ten­ver­bin­dun­gen und für die An­steue­rung der Ra­dio­mo­du­le op­ti­sche Licht­lei­ter ver­wen­den. Die­se Tech­no­lo­gi­en wer­den un­ter Schlag­wor­ten wie HAEC (High Ad­ap­ti­ve Ener­gy-ef­fi­ci­ent Com­pu­ting), Pho­to­nic oder Tera­hertz Com­pu­ting be­reits ent­wi­ckelt.

Die nächs­ten Her­aus­for­de­run­gen

Dr. Alex­an­der Lautz, Se­ni­or Vice Pre­si­dent 5G bei der Deut­schen Te­le­kom, prä­sen­tier­te Mei­len­stei­ne wie das 5G-Li­veTest­netz der Te­le­kom in Ber­lin oder den 5G-nah ver­netz­ten Ham­bur­ger Ha­fen. Auch er sieht ei­nen wich­ti­gen nächs­ten Schritt in „Pho­to­nic Com­pu­ting“. Für Vol­ker Zieg­ler, He­ad of 5G Lea­dership bei No­kia, be­steht die nächs­te Her­aus­for­de­rung dar­in, das Zu­sam­men­wir­ken der nun de­fi­nier­ten Kom­po­nen­ten (die „Orches­tra­ti­on von 5G“) zu op­ti­mie­ren. Dr. An­ton Ka­threin, CEO des gleich­na­mi­gen An­ten­nen­her­stel­lers, ver­wies dar­auf, dass nun die wich­ti­ge Fra­ge nach dem für 5G nutz­ba­ren Spek­trum an­ste­he. Und Dr. Ma­nu­el Cu­be­ro, Chief Com­mer­ci­al Of­fi­cer bei Vo­da­fo­ne Deutsch­land, be­kräf­tig­te, dass für ei­nen schnel­len 5G-Aus­bau auch trag­fä­hi­ge Ge­schäfts­mo­del­le nö­tig sei­en. Hoff­nun­gen setzt er nicht zu­letzt auf „Fi­xed-Mo­bi­le Re­pla­ce­ment“– al­so den Er­satz kon­ven­tio­nel­ler Fest­netz­an­schlüs­se durch 5G-Mo­bil­funk.

Fre­quenz­auk­ti­on im Früh­jahr

Auch die Pa­nel-Dis­kus­sio­nen ver­deut­lich­ten, dass Fra­gen wie Spek­trum, An­wen­dun­gen und Ge­schäfts­mo­del­le die Ent­wick­lung von 5G künf­tig wei­ter prä­gen wer­den. In Deutsch­land ist ei­ne ers­te 5G-Fre­quenz­auk­ti­on für das Früh­jahr 2019 ge­plant. Die da­für zu­stän­di­ge Bun­des­netz­agen­tur hat be­reits ei­nen Ent­wurf für Ver­sor­gungs­auf­la­gen vor­ge­stellt: An­bie­ter, die bei der Auk­ti­on ge­win­nen, müs­sen im Ge­gen­zug be­stimm­te Aus­bau­leis­tun­gen er­brin­gen. So soll je­der 5G-An­bie­ter ver­pflich­tet wer­den, bis En­de 2022 min­des­tens 500 Funk­sta­tio­nen für 5G in In­nen­städ­ten und an Au­to­bah­nen so­wie wei­te­re 500 Sta­tio­nen in länd­li­chen Re­gio­nen auf­zu­bau­en. So soll 5G ne­ben High-En­dAn­wen­dun­gen auch da­zu bei­tra­gen, Ver­sor­gungs­lü­cken auf dem fla­chen Land zu schlie­ßen.

Hier geht’s lang: Der 5G Sum­mit zeig­te auf, in wel­che Rich­tung sich die Bran­che wei­ter ent­wi­ckelt. So­gar 6G wur­de schon an­dis­ku­tiert.

Mil­li­se­kun­den im Ein­satz: Au­to­no­mes Fah­ren, Vir­tu­al und Aug­men­ted Rea­li­ty – im­mer neue Ide­en nut­zen die Mög­lich­kei­ten von 5G.

Ganz­heit­li­che Sicht: In der be­glei­ten­den Aus­stel­lung ging es um De­tail­lö­sun­gen und -op­ti­mie­run­gen, aber auch um kon­kre­te An­wen­dun­gen des 5G-Mo­bil­funks.

Oh­ne Geld geht es nicht: Dr. Ma­nu­el Cu­be­ro von Vo­da­fo­ne denkt in­ten­siv über trag­fä­hi­ge Ge­schäfts­mo­del­le nach, die ei­nen ra­schen 5G-Aus­bau er­mög­li­chen.

Mei­len­stei­ne: Dr. Alex­an­der Lautz von der Deut­schen Te­le­kom prä­sen­tier­te dem Fach­pu­bli­kum ers­te 5G-Er­fol­ge der Bon­ner – be­ton­te aber auch die ho­hen An­for­de­run­gen an die nächs­ten Ent­wi­ckungs­und Aus­bau­schrit­te.

Stolz, aber auch kri­tisch: Pro­fes­sor Ger­hard Fett­weis hat den 5G-Stan­dard mit aus der Tau­fe ge­ho­ben. Im vor Kur­zem de­fi­nier­ten „Re­lease 15“feh­len ihm aber wich­ti­ge Aspek­te.

Blick nach vorn: Pro­fes­sor Frank Fit­zek weist dar­auf hin, dass die Wei­ter­ent­wick­lung von 5G noch schnel­le­re und ef­fi­zi­en­te­re Rech­ner vor­aus­setzt.

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