PUS­SY PO­WER

Die ame­ri­ka­ni­sche Au­to­rin und Co­me­di­an Nik­ki Gla­ser konn­te ih­re Va­gi­na jah­re­lang nicht lei­den. Bis sie sich frag­te, wor­an oder an wem das ei­gent­lich liegt...

Cosmopolitan (Germany) - - Inhalt -

Vom Vul­va-Kom­plex, der neu­en Busch-Ära und ma­kel­lo­sen In­tim­zo­nen

HHät­te mir frü­her je­mand ge­sagt: „ Du hast die schöns­te Pus­sy der Welt!“, ich hät­te schal­lend ge­lacht. Doch heu­te ni­cke ich wis­send, bin sehr zu­frie­den mit mei­nem Kör­per. Mit je­dem Teil mei­nes Kör­pers. End­lich. Das war sehr lan­ge nicht der Fall.

Mein Vul­va-Kom­plex be­gann mit ei­nem Aus­ruf mei­ner klei­nen Schwes­ter. „ Ma­ma, Ma­ma! Nik­ki hat ei­nen Pe­nis!“, rief sie vor 22 Jah­ren in der Ba­de­wan­ne. Und zeig­te zwi­schen mei­ne Bei­ne. Ich war elf Jah­re alt, klatsch­te ihr ei­ne und, ta­daa, fühl­te mich zum ers­ten Mal un­si­cher we­gen mei­ner Va­gi­na. Vor die­sem Vor­fall war sie et­was, das ich zum Pin­keln brauch­te. Et­was, das brann­te, wenn Sei­fe dran­kam. Jetzt war sie ein ech­tes Pro­blem.

Ich schau­te an mir run­ter: Da war na­tür­lich kein Pe­nis, aber ich check­te, was mei­ne Schwes­ter ge­meint hat­te. Die­ses runz­li­ge Ge­we­be, das an ei­ne haut­far­be­ne Va­ri­an­te von Sli­mer, dem runz­li­gen, grü­nen Geist aus „Ghost­bus- ters“, er­in­ner­te – of­fi­zi­ell „Kli­to­ris­vor­haut“oder „Kli­to­ris­man­tel“ge­nannt, was scheuß­lich nach Auf­klä­rungs­un­ter­richt oder Me­di­zin­buch klingt. Als mei­ne Mut­ter ins Zim­mer kam, sag­te sie zu ih­rer jün­ge­ren Toch­ter: „Oh Lau­ren, hör auf!“Es klang wie: „Pssst Lau­ren, wir wis­sen doch al­le über Nik­kis ge­hei­men Pe­nis Be­scheid!“

Ich kann fast von Glück spre­chen, dass das Scham­ge­fühl, das die­ses Bad aus­ge­löst hat­te, bald durch neue Pro­blem­zo­nen „über­deckt“wur­de. Wäh­rend der Te­enager­jah­re gab es ein­fach zu vie­le an­de­re Din­ge, die ich an mei­nem Kör­per hass­te, um mich auf das ei­ne da un­ten zu fo­kus­sie­ren. Zum Bei­spiel krau­se Haa­re, die sich trotz al­ler Glätt­be­mü­hun­gen im­mer kräu­sel­ten. Mei­ne Va­gi­na war für mich zu der Zeit un­ge­fähr so be­deu­tend wie mei­ne Ach­sel­höh­le: Ich war nicht wild dar­auf, sie je­man­dem zu zei­gen oder dort be­rührt zu wer­den, und oft fühl­te sie sich grund­los feucht an.

Im Col­le­ge dann trank ich nicht nur aus­schwei­fend viel Wod­ka, son­dern­mach­te auch­mit ein paar Jungs her­um. Plötz­lich schien es un­ver­meid­bar, dass ei­ner von ih­nen Be­kannt­schaft mit mei­ner Va­gi­na ma­chen wür­de – von der ich nicht ein­mal mehr wuss­te, ob ich sie has­sen soll­te oder nicht. Da­mals ver­such­te ich Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten zu fin­den, um her­aus­zu­be­kom­men, ob ich mich mö­gen darf. Ein­mal konn­te ich ei­nen schnel­len Blick auf die Va­gi­n­a­mei­nerMut­ter wer­fen, aber die sah aus wie ein Wolfs­jun­ges. Ich muss­te ei­ne wie mei­ne se­hen, bei der das Ge­strüpp spär­lich ge­nug war, um aus­zu­ma­chen, was auf dem Wald­bo­den los ist.

Ku­h­zun­gen-Kom­plex

In die­ser Zeit fing ich an, mich für Stand-upCome­dy zu in­ter­es­sie­ren. Ich hör­te mir die Li­veShow-Mit­schnit­te er­folg­rei­cher Künst­ler an, um et­was über den Job zu ler­nen. Und fand da­bei auch schnell et­was über mich her­aus. Näm­lich: Dei­ne Pus­sy ist häss­lich und un­er­wünscht. Ich er­in­ne­re mich noch ge­nau an den Mo­ment: Es war, als ich mir US- Come­dy-Star Da­ne Cook auf dem Lap­top in mei­nem Schlaf­zim­mer an­sah. Er sag­te, dass ein Ab­tör­ner für ihn Frau­en mit viel Lip­pe sei­en. Das Pu­blik­um­lach­te sich schlapp. „Ich ste­he nicht drauf, wenn es da un­ten aus­sieht wie ein Paar Ku­h­zun­gen“, fuhr er fort. Mehr Ge­läch­ter. Ich konn­te nichts da­ge­gen ma­chen: Ich fühl­te mich schi­ka­niert. Ich zog mei­ne Shorts her­un­ter und starr­te zwi­schen mei­ne Bei­ne. Kei­ne Ku­h­zun­gen, eher Wel­pen­zun­gen. Cook ließ sich wei­ter aus. Dar­über, wie es sei, so ein Mäd­chen zu le­cken. „Wie sich im Büh­nen­vor­hang ei­nesHigh-School-Thea­ter­stücks zu ver­hed­dern.“

Mitt­ler­wei­le den­ke ich: „Fuck him, fuck it.“Da­mals aber ver­brach­te ich St­un­den da­mit, Scham­lip­pen zu goo­geln. Es gab kür­ze­re, län­ge­re, und klar, man-

Schnipp­schnapp und die Va­gi­na wä­re ge­sell­schaf ts­fä­hig…

Ro­lo­dex-Pus­sy, Scham­lip­pen­Schei­de – so what…

che sa­hen aus wie mei­ne. Die fand ich al­ler­dings im­mer nur auf Vor­her-Fo­tos – auf denWeb­sites plas­ti­scher Chir­ur­gen. Da­ne­ben: die „Nach­her“Mu­schis, die al­le blank und or­dent­lich aus­sa­hen. Was ich offffffen­bar brauch­te, war ei­ne Scham­lip­pen­ver­klei­ne­rung. Das glaub­te ich wirk­lich. Schnipp­schnapp und mei­ne Va­gi­na wä­re ge­sell­schafts­fä­hig (nach Da­ne-Cook-Maß­stab).

Das Es-ist-wie-es-ist-Prin­zip

Ei­nes Abends er­zähl­te ich zwei Col­le­ge-Freun­din­nen, Ca­ra and Kait­lin, dass ich ei­ne eben­sol­che Ope­ra­ti­on plan­te. Sie wa­ren ver­wirrt. Ih­nen war näm­lich nicht klar, dass län­ge­re Scham­lip­pen Frau­en zu Ab­son­der­lich­kei­ten ma­chen. Ha, die wür­de ich auf­klä­ren! Und zog mei­ne Ho­se her­un­ter: „ Schaut!“, rief ich und zog sie so lang wie mög­lich. Ca­ra schrie: „So se­hen mei­ne im Nor­mal­zu­stand aus!“Sie ließ ih­re Ho­se fal­len. Sie hat­te recht, ih­re wa­ren län­ger. Ich be­gann, mich ein we­nig zu schä­men, weil mir be­wusst wur­de: Beim Ver­such mich mit mei­ner Va­gi­na bes­ser zu füh­len, hat­te ich ih­re rui­niert.

Noch be­vor ich mich wie­der an­ge­zo­gen hat­te, te­le­fo­niert Ca­ra auch schon mit ih­rem Ex. „ Ste­ve? Ich bin’s Ca­ra. Ha­be ich lan­ge Scham­lip­pen?“Wir war­te­ten. Sie wie­der­hol­te die Fra­ge. „Ich mei­ne, ich schät­ze...“, stam­mel­te er. „Die längs­ten, die du je ge­se­hen hast?“, hak­te sie nach. „Ja“, ant­wor­te­te er schließ­lich. Stil­le. „Ist das denn schlimm?“, frag­te er. „Ichmei­ne... es ist, wie es ist“, ant­wor­te­te Ca­ra und leg­te auf. Wir lach­ten, bis uns die Trä­nen ka­men. Für uns al­le war es ein wich­ti­ger Mo­ment, denn er än­der­te vie­les. Vor al­lem ver­stand ich, dass Ver­glei­che Quatsch sind. Ich über­nahm Ca­ras ach­sel­zu­cken­de „Es ist, wie es ist“-Ein­stel­lung und mach­te sie zu­mei­ner ei­ge­nen.

Kein Puss y- Pro­blem

Zwar gab es in den fol­gen­den Jah­ren im­mer wie­der Idio­ten, die sich ab­schät­zig über weib­li­che In­tim­zo­nen äu­ßer­ten. Ein Typ, den ich da­te­te, be­schrieb die Va­gi­na sei­ner Ex-Freun­din als „ Schlagan- fall-Schei­de“, weil ei­ne Scham­lip­pe län­ger war als die an­de­re. Und ich bin mir si­cher, sei­ne Neue kennt mich als „Ro­lo­dex-Va­gi­na“. Aber das ist mir egal! Er hat­te Glück, dass ich ihn dar­in stö­bern ließ. An­sons­ten ha­be ich mit Män­nern nur po­si­ti­ve Er­fah­run­gen ge­macht und so mei­ne „Pus­sy Po­wer“ent­deckt. Ein paar we­ni­ge Ma­le hielt ich noch den Atem an, wäh­rend ein Kerl an mir rum­fin­ger­te oder -leck­te, und war­te­te auf sei­ne Re­ak­ti­on – aber es kam nie ei­ne. Nie­mand schien ab­ge­schreckt zu sein. Im Ge­gen­teil. Sie wa­ren of­fen­sicht­lich ver­rückt nach mir...

Heu­te mag ich mei­ne Va­gi­na so­gar sehr. Ich will sie nicht mehr ope­rie­ren las­sen und dar­auf bin ich stolz. Vor ei­ni­gen Mo­na­ten er­zähl­te ich mei­nem Langz eit­freund, dass ich das ein­mal vor­hat­te. Er frag­te ir­ri­tiert: „War­um soll­test du das wol­len? Das ist doch ver­rückt. Du hast die bes­te Va­gi­na der Welt, das weißt du doch, oder?“Und ja, ich nick­te. Wis­send.

OP­TI­SCHE TäUSCHUNG In der zu­recht­ge­schnip­pel­ten Por­no­welt wür­de die­ses Mar­ti­niglas als per­fek­te Va­gi­na durch­ge­hen. Was für ei­ne Schnaps­idee!

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